Allgemeinbildung unerwünscht?

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Tintenstrahl
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Allgemeinbildung unerwünscht?

Beitrag von Tintenstrahl » 26.04.2016, 11:14

Hallo, allerseits

Das Thema scheint mir recht gefährlich, weshalb ich mit aller Umsicht ganz behutsam frage, ob jemand vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie ich. So leicht wird man falsch verstanden oder nicht verstanden, so schnell wirkt man überheblich, wenn man Allgemeinbildung anspricht.

Was ist das, Allgemeinbildung?

Wie ich es verstehe, habe ich in der Mittelschule, in meinem Fall Gymnasium, Typ B, oder Realgymnasium, mit 15 Schulfächern Einblick in verschiedene Richtungen der menschlichen Betätigung erhalten. Biologie, Geografie, Geschichte, Mathematik, Physik, Chemie, Deutsch, Latein, Französisch, Englisch, Werken, Sport, Musik, ich kriege sie nicht mehr alle zusammen. Freifächer waren auch dabei. An der Universität konnte ich mich erst recht austoben, da gibt es ja noch eine juristische Fakultät, eine theologische, meine Güte, Studienfächer wie Philosophie oder Kunstwissenschaft. Nordistik, Ethnologie, Soziologie, Volkskunde, Filmwissenschaft, Molekularbiologie, Medizin, es hat kaum ein Ende.

Nun, ich habe genau einen gesetzlich geschützten Berufsabschluß erworben, den als Polymechaniker, doch ausgerechnet bei der Stellensuche als Mechaniker merke ich, wie man auf der Gegenseite Angst vor einem wie mir hat. Ich brauche es nicht herauszustreichen, die Personaler lesen es im Lebenslauf.

Habt ihr auch schon den Eindruck gehabt, daß breites Allgemeinwissen, so etwa wie es bei Wer wird Millionär nützlich ist, bei Bewerbungen hinderlich ist? Ich meine, daran krankt doch die heutige Arbeitswelt, daß sie voll von Fachidioten ist, wie man so unschön sagt. Kommt da ein Universal-Dilettant, ist Feierabend. Die Generalisten, habe ich schon gelesen, sind unerwünscht, weil sich keiner vorstellen kann, daß sie sich rasch spezialisieren können.

Ist nicht das Umgekehrte der Fall, daß Spezialisten den Überblick nicht finden?

katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag » 26.04.2016, 14:52

Ich könnte mir vorstellen, dass die Personaler Sorge haben, dass sich der Generalist nicht gut in ein Team von Spezialisten einfindet.
Aber ich habe damit keine Erfahrung gemacht. In meinem Bereich (Gastronomie) ist die eierlegende Wollmilchsau ein sehr beliebter AN - eigentlich sogar derjenige, der die besten Chancen hat. Ich glaube, das ist spartenabhängig.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 27.04.2016, 21:19

Tintenstrahl hat geschrieben:ich habe genau einen gesetzlich geschützten Berufsabschluß erworben, den als Polymechaniker, doch ausgerechnet bei der Stellensuche als Mechaniker merke ich, wie man auf der Gegenseite Angst vor einem wie mir hat.
Wovor denn genau? Und wie kann das überhaupt passieren? Wenn jemand einen Mechaniker sucht... und Du Dich als Mechaniker bewirbst: Wie kann es dann überhaupt zu irgendwelchen anderen Themen kommen?
Tintenstrahl hat geschrieben:Ich brauche es nicht herauszustreichen, die Personaler lesen es im Lebenslauf.
Was steht denn da so Problematisches?
Tintenstrahl hat geschrieben:Habt ihr auch schon den Eindruck gehabt, daß breites Allgemeinwissen, so etwa wie es bei Wer wird Millionär nützlich ist, bei Bewerbungen hinderlich ist?
Das ist es schon allein deshalb nicht, weil es normalerweise niemand erfährt. Normalerweise bringt man in einer Bewerbung genau die Punkte, um die es geht. Nichts anderes... und dann fragt auch keiner danach.
Tintenstrahl hat geschrieben:Ich meine, daran krankt doch die heutige Arbeitswelt, daß sie voll von Fachidioten ist, wie man so unschön sagt.
Wie sagtest Du eingangs so schön? Dass man schnell überheblich wirkt? In der Tat... so etwas kommt vor... ;-) ;-) ;-)

Tintenstrahl
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Beitrag von Tintenstrahl » 28.04.2016, 09:29

Tintenstrahl hat geschrieben:Ich brauche es nicht herauszustreichen, die Personaler lesen es im Lebenslauf.
FRAGEN hat geschrieben:Was steht denn da so Problematisches?
Du liest oberflächlich. Da stehen eben mein Matura-Abschluß und Studien an Hochschulen. Offensichtlich muß ich es noch deutlicher ausdrücken: Man will keine Akademiker in der Werkhalle.

Ich habe keinen Lebenslauf, wie ihn die meisten Mechaniker haben, Lehre von 15 bis 19, sondern einen sozusagen verkehrten. Gymnasium von 12 bis 19, Berufslehre nachgeholt von 47 bis 49.

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 28.04.2016, 23:32

Ja, das ist so, dass man befürchtet, dass Überqualifizierte sich schnell langweilen und deswegen den Job wechseln. Das ist aber kein Geheimnis und auch kein Skandal.
Dein Problem hast du allerdings ein wenig sperrig beschrieben, ich habe es auch im Eingangsbeitrag nicht verstanden, erst durch den letzten Beitrag.

killerbine
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Beitrag von killerbine » 24.05.2016, 13:47

Ich sehe eigentlich kein Problem darin, dass du "zu gebildet" bist oder "zu breit gefächertes Wissen" hast.
Jeder der zur Schule ging hatte all die Fächer, die du aufgezählt hast auch. Das macht dich nicht zum "Allgemeinwisser"...

Im Studium hast du dich aber ausgetobt. Mal hier was theologisches, da etwas Kunst, eine Prise Naturwissenschafft, eine Prise Jura und zum Schluss kommt dabei ein Mechaniker raus. Ich denke hier liegt der Hund begraben.

Ich werde jetzt mal (etwas übertrieben!) so tun, als wäre ich ein Arbeitgeber und schlussfolgere: du wechselst deine Interessen wie Unterhosen und wirst schnell gelangweilt. Dann suchst du dir ein neues "Hobby", das du ebenfalls nach kurzer Zeit wieder hinschmeißt. Zielstrebigkeit? Fehlanzeige. Dich einzuarbeiten ist ein hohes Risiko, da du sicher schon kurz nachdem wir dich eingestellt haben wieder etwas Neues suchen wirst weil du wieder Abwechslung brauchst.

Ich finde schon, dass Firmen "Multitalente" haben wollen. Aber es muss eben trotzdem eine bestimmte klare Linie im Lebenslauf erkennbar sein.

In den wenigen Informationen, die du preisgegeben hast, lässt sich diese klare Linie jedoch nicht finden. Und das würde mir als Arbeitgeber Sorgen machen.

Tintenstrahl
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Beitrag von Tintenstrahl » 08.06.2016, 09:51

Klar wird es mir nach kurzer Zeit langweilig. Das Berufsgebiet der technischen Mechanik ist so vielseitig, daß ich nicht verstehe, warum gerade in der Schweiz immer noch Arbeitsteilung vorherrscht. Die Bosse versuchen um jeden Preis mit den anderen mitzuhalten, sagen öffentlich, letztlich könne sich die einheimische Branche nur mit bester Qualität behaupten, und sind dabei völlig uninteressiert am Potenzial ihrer Angestellten.

Ich werde heute, 2016, immer noch wie ein Arbeitsesel angesehen. Man verlangt den gesetzlich geschützten Berufsabschluß, hat für Bewerber jedoch nur Dreckjobs parat. Ich kenne keinen Mechaniker, der sein Wissen und Können ausleben kann. Wozu denn die Ausbildung?!

Theologie und Juristerei waren im Studium nicht dabei. Bei mir kreist alles um die Film-Mechanik. Ich habe eine Erfindung gemacht, die ich gerne verwirklichen würde. Es scheint kein erfindungsfeindlicheres Land als die Schweiz zu geben, das sage ich aus bitteren Erfahrungen. Ich habe mein Projekt einer Erfindungsverwertung-Firma vorgestellt, deren Plan hätte mich sogleich minorisiert. Überall, wo man sich hinwendet, wird versucht, dir die Sache aus der Hand zu reißen. Von den ungeheuren Kosten für Übersetzungen, Patente, Prozesse und Anwälte ganz zu schweigen

Ist es in Deutschland auch so? Ich meine, daß Fachleute kaum besser gestellt sind als Ungelernte von der Straße? Wo steuert die Wirtschaft hin? Wieder Krieg?

schattenmann
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Beitrag von schattenmann » 08.06.2016, 23:50

Hoi Tintenstrahl

Wegen den Erfindungen:
nie zu so einer "Verwertungsdings" gehen!!

Wenn du ein Muster deiner Erfindung hast, melde es beim Patentamt für den "Musterschutz" an, so das Patent unfinanzierbar ist; bei einer blossen Idee lass die Idee schützen (heisst dann ähnlich).

Und danach dann jeweils bei den 2big2fails anfragen, die unterstützen Erfinder mit Ideen (resp. haben dies vor 8 Jahren noch) - und hast du einen "amtlichen Schutz" drauf, hast du was in der Hand - und wirst nicht ausgebootet...

Btw - das mit den Erfindungen gilt auf dem ganzen Kontinent; in den USA gehts einfacher, dort musst du nur genügend Risikokapital aufbringen, um allfällige Gerichtsverfahren (verlohrene) bezahlen zu können... :-/

Zum Rest mit der Allgemeinbildung:

willkommen im Fachkräftemangel, indem die Bosse jenste Zusatzqualifikationen einfordern die's eigentlich nicht braucht, auf "stete Weiterbildung" setzen, was einem dann schlussendlich nur den Job kostet, weil man plötzlich "Überqualifiziert" ist...

Und wehe du hast keine klare Linie im Lebenslauf, bsp. dich ursprünglich für eine Karriere entschieden die nicht deine war, oder mal was Neues probieren wollen das dir echt zugesagt hat...

Wir sind "Human Resources", menschlicher Rohstoff, aber keine Mitarbeiter (=Menschen) mehr...

@TheGuide

das Argument mit dem Langweilen im Job - na das passiert JEDEM, je monotoner der Job, desto langweiliger ist jener; das hat mit der Ausbildung jetzt überhaupt nichts zu tun.

Der Grund, warum "genau passend Ausgebildete" sich nicht öffentlich zur Langeweile äussern: jene wissen wenn sie das tun, gibts bald Bewerbungskosten-Rückerstattung vom Amt...

Und mit dem Argument "och der wird sich langweilen" redet man sich nur raus; die gleiche Art "Pseudosolidarität" mit dem Bewerber wie beim AGG/fehlenden Absagebegründungen und dem damit verbundenen "eben die Anforderungen klarer inserieren" (siehe den anderen Thread); man tut so, als würde man dem Bewerber nen Gefallen tun; und fühlt sich unglaublich gut dabei, denn "man hat einem Menschen geholfen"... Dabei hat man genau das Gegenteil gemacht...

(da gabs vor Jahren mal eine Reportage eines ehemaligen Herz-Chirurgen, der mit seinem Job unzufrieden war und auf LKW-Fahrer umsattelte. Da wurde eindrücklich dieses "Langweilen"-Thema besprochen: keiner wollte ihn - wegen der Überqualifikation - einstellen. Der musste sich selbstständig machen!)

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 09.06.2016, 07:24

schattenmann hat geschrieben: das Argument mit dem Langweilen im Job - na das passiert JEDEM, je monotoner der Job, desto langweiliger ist jener; das hat mit der Ausbildung jetzt überhaupt nichts zu tun.
Doch, doch. Genau das ist der Grund warum manche Unternehmen, häufiger aber Behörden ganz strikte Richtlinien für die Nichteinstellung von Überqualifizierten haben.

schattenmann hat geschrieben: (da gabs vor Jahren mal eine Reportage eines ehemaligen Herz-Chirurgen, der mit seinem Job unzufrieden war und auf LKW-Fahrer umsattelte. Da wurde eindrücklich dieses "Langweilen"-Thema besprochen: keiner wollte ihn - wegen der Überqualifikation - einstellen. Der musste sich selbstständig machen!)
Den hätte ich auch nicht eingestellt, ganz ehrlich. Wegen einer aus einer Midlife Crisis geborenen Schnappsidee einen verzärtelten (ich übertreibe mit diesem Wort bewusst) Filigranarbeiter, der wahrscheinlich nur noch mal ein bisschen Abenteuer will, in einen Job, der genügsame Leute mit Pranken erfordert, einzusetzen, für den es a) geeignetere Leute gibt, die b) vermutlich sehr viel weniger finanzielle Ansprüche haben und deren Berufswahl c) nicht aus einer mutmaßlichen Lebenskrise, die sehr viele arrivierte Männer um 40 erfasst, aber meist nur eine Phase ist, aus der diese nach wenigen Monaten in ihr altes Leben zurückstreben, erwachsen ist, wäre der Person wie auch meiner Firma gegenüber unverantwortlich.

BlackDiamond
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Beitrag von BlackDiamond » 13.06.2016, 18:56

Tintenstrahl hat geschrieben:
Tintenstrahl hat geschrieben:Ich brauche es nicht herauszustreichen, die Personaler lesen es im Lebenslauf.
FRAGEN hat geschrieben:Was steht denn da so Problematisches?
Du liest oberflächlich. Da stehen eben mein Matura-Abschluß und Studien an Hochschulen. Offensichtlich muß ich es noch deutlicher ausdrücken: Man will keine Akademiker in der Werkhalle.

Ich habe keinen Lebenslauf, wie ihn die meisten Mechaniker haben, Lehre von 15 bis 19, sondern einen sozusagen verkehrten. Gymnasium von 12 bis 19, Berufslehre nachgeholt von 47 bis 49.
Das ist doch aber ein ganz anderes Thema als das, was du in deiner Eingangsfrage angesprochen hast. Kannst du denn nicht nachvollziehen, welches Risiko jemand mit deinem Werdegang gegenüber einem klassischen Bewerber aus dem Bereich darstellt? Wenn ein Unternehmen dieses größere Risiko eingehen soll, braucht es dafür gute Gründe. Hast du die?

Tintenstrahl
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Beitrag von Tintenstrahl » 15.06.2016, 09:08

Nachholen der Berufslehre und akademische Laufbahn hängen bei mir in dieser Logik zusammen. Die Berufsmatur, wie das hier heißt, wurde 1993 eingeführt, da hatte ich meine Hochschulstudien schon einige Jahre hingelegt gehabt.

Aber zur eigentlichen Frage: Das Hauptrisiko, das man eingeht, wenn man mich anstellt, ist, daß man einen guten Mechaniker im Betrieb hat. Bei aller Bescheidenheit, die geboten ist, die bisherigen Erfahrungen bestätigen das. Bei den Langdrehern (Décolletage) habe ich in drei Wochen mehr von der Sache verstanden, als alle Kollegen und Vorgesetzte in dem Betrieb mir hätten erklären können. Es wurden technologische Werte (Schnittgeschwindigkeit, Vorschub, Zustellung) und Werkzeuggeometrien eingesetzt, bei denen mir die Haare zu Berge stehen. Es lief ja auch nicht, alle standen um die Maschine herum, an die ich gestellt worden war, und kratzten sich am Kopf. An einem weniger schönen Tag lief nichts mehr. Meine Tagesleistung war wenigstens 50 Stück, ein Drehteil, das für 100 Franken verkauft wird, wie man mir sagte. Wenn alles gut lief, kam ich auf 70 bis 80 Stück. An einem Tag konnte ich also für zwischen 5000 und 8000 Franken Gegenwert herstellen, mein Monatslohn war mit einer Schicht schon erwirtschaftet.

Sie konnten kaum annehmen, was ich vorschlug. Sie verstanden nicht, was ich ihnen sagte, daß die Stange (Durchmesser 11 mm) zwischen Spindelspannzange und Führungsbuchse durch den großen Druck, der wegen übermäßiger Zustellung (Schnitttiefe) auf sie ausgeübt wird, in eine Schlangenlinie ausweicht. Nachdem der Gruppenleiter nach meinem mehrfachen Anregen dann anstelle eines drei Schnitte programmierte (ich durfte nicht programmieren, obwohl ich es gelernt habe), standen die Teile fast einen Zehntel weiter vorne. Der rostfreie Stahl (1.4404) federt etwas.

Wie geht es anderen? Man gerät beruflich in eine Lage, in der man entweder sich selbst belügt und gehorcht, oder seine Meinung sagt. Ich bin so einer, der die Wahrheit nicht verbiegt, ich kann das einfach nicht. Wozu habe ich denn die Lehre gemacht? Ich will nur meinen Beruf ausüben.

BlackDiamond
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Re: Allgemeinbildung unerwünscht?

Beitrag von BlackDiamond » 15.06.2016, 09:32

Vielleicht hat es eher etwas damit zu tun, wie Du es sagst, kann das sein?

Mir fällt auf, dass Du hier anfangs ein Thema benennst und es aber eigentlich um was ganz anderes geht. Nennt man auch so schön "hidden agenda" - da fällt mir jetzt kein vergleichbar guter deutscher Begriff ein. Mit anderen Worten: du eröffnest ein Thema, in dem du zur Diskussion stellst, dass ein gewisses (großes) Maß an Allgemeinbildung hinderlich sei, es geht aber eigentlich um was anderes in deiner beruflichen Welt. Das war aber nur durch Nachfragen rauszufinden. Ich hatte auch erst nicht kapiert, um was es dir ging. Klar, kann jetzt an uns liegen, aber mir fiel gleich auf, dass Du auch nicht gerade sehr höflich warst, als es um die Aufklärung darüber ging, was du meintest. Da stellt sich die Frage, warum du das so handhabst und ich kann mir gut vorstellen, dass man mit dieser Vorgehensweise aneckt. Das verursacht bei anderen ein Störgefühl, kannst du das nachvollziehen?

Zu deiner Frage: ich habe schon ähnliche, aber auch ganz andere Erfahrungen gemacht. Ähnliche hauptsächlich dann, wenn ich die Sichtweise und die generelle Grundeinstellung der anderen zu stark vernachlässigt habe. Klar, wer lässt sich schon gerne sagen, dass er falsch liegt und ich persönlich neige auch dazu, Leute mal schnell zu überfahren, wenn ich meine, dass es doch vollkommen klar auf der Hand liegt, dass man etwas so und nicht anders machen müsste. Dann bin ich schon geistig bei der Implementierung, während andere noch beim "ob" sind.

Ich hab ganz viel gelesen über Menschenkenntnis, Du vielleicht auch. Ich kann gerne, wenn es dich interessiert, einen bestimmten Titel raussuchen, der mir gut geholfen hat. Bei wichtigen Themen schaue ich da ab und zu rein, um sicherzustellen, dass ich andere "mitnehme" und nicht unterwegs liegen lasse, wenn ich etwas ändern will. Klappt auch nicht immer, aber immer besser. Interessiert?

katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag » 15.06.2016, 09:52

Ich bin auf jeden Fall interessiert. Und muss ohnehin noch meine Leseliste für den Urlaub zusammenstellen. Bitte Tipps! ;)

BlackDiamond
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Beitrag von BlackDiamond » 17.06.2016, 09:29

@Katerfreitag: So, hab erst noch den genauen Titel nachschauen müssen, hier ist der Link zu Amazon, da kannst du gleich ein paar Rezensionen lesen. Gibts gebraucht ab 6,50 inkl. Versandkosten:

amazon.de/professionelle-Erfolgsfaktor-Menschenkenntnis-Cornelsen-Scriptor/dp/3411864745/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1466148241&sr=8-1&keywords=erfolgsfaktor+menschenkenntnis

Wie gesagt, ich kenne viel zum Thema, das würde ich empfehlen, weil es auch Tipps gibt, wie man mit den unterschiedlichen "Typen" umgeht und vor allem: wie andere den jeweiligen Typus sehen. Man selbst findet sich ja immer ziemlich richtig so, wie man ist, nur die anderen sind ja die Doofen :D

@Tintenstrahl: bist du noch da? Würde mich über eine Rückmeldung freuen.

Tintenstrahl
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Beitrag von Tintenstrahl » 17.06.2016, 15:41

Ja, bin noch da, bin krank. Antworte trotzdem

Es geht mir immer noch um Allgemeinbildung in der Industrie. Mit meinem persönlichen Kram gleite ich leicht ab, das gebe ich zu.

Allgemeinbildung ist Anlage eines Überblicks. Man kann nicht Medizin oder Maschinenbau studieren ohne je einen Blick über den Tellerrand gemacht zu haben. Das Gemeinsame an unterschiedlichen Dingen erkennen, auch die Verschiedenheit benennen können, das ist Schulung des Geistes, wie sie die Akademie ausmacht. In der Industrie gibt es, so erfahre ich es eben, eigentlich keine andere abstrakte geistige Leistung als das Rechnen und räumliche Vorstellung. Mal schnell etwas Betriebswirtschaftliches oder etwas Arbeitsagogisches mit dem Vorgesetzten besprechen geht nicht. Der hat nämlich auch Vorgesetzte oder neben ihm Wurschtelnde (Lean Management) und die drücken auch ihr Ding durch.

Mit dem Überblick über die Fertigungsverfahren in meinem Beruf, den ich selbständig erweitern kann, ecke ich schon an. Es macht den Maschinen- oder Industriemechanikern Angst, wenn ein Kollege blitzschnell erfaßt, was läuft. Man muß in einem Strom mitschwimmen, den man nicht verlassen kann. Ergo scheint der Neuling ein überheblicher Typ zu sein. Auf dem Papier, ich meine den Lebenslauf, sieht man eine Sammlung nicht zueinander passender Geschichten. Man hat mich auch schon nach dem roten Faden in meinem Leben gefragt ( ! ) und meine Antwort war ganz ehrlich, daß bei mir alles um die Filmtechnik kreist. Weil man sich darunter aber nicht viel vorstellen kann, steht man gleich wieder an. Bei den Personalern ist der Ofen meist schon früher aus, weil sie in der faschistischen Tradition denken, mit für jede/n geltenden Werten, wie Beständigkeit, Teamfähigkeit und dergleichen Allgemeinplätzen. Daß ich seit mehr als 30 Jahren mein filmtechnisches Wissen ausbaue und auch die Praxis nicht vernachlässige, geht ihnen nicht auf. Ob ich es hinschreibe oder nicht, spielt keine Rolle, plötzlich erkennen Sie meine geistige Selbständigkeit. Diesen Vorgang habe ich nun in fast jedem Vorstellungsgespräch beobachtet. Wie die guten Mienen jeweils zerfallen, ist schwer zu beschreiben. Die industrielle Organisation hat keinen Platz für Allgemeinbildung.

Ich bitte um Nachsicht, wenn mein Schreibstil überheblich oder irgendwie unnachgiebig im Ausdruck wirkt. Konzise Formulierung habe ich als wertvoll beigebracht bekommen. Unter Juristen ist der treffende Ausdruck doch das Übliche, nicht? Allgemeinbildung mit Chemie, Biologie, Geschichte, Physik, Sprachen, Musik, Geometrie u. a. m., was soll das schaden? Was ist das für ein Menschenbild, das jemanden mit Matura/Abitur als gefährlich oder auch subversiv erscheinen läßt? Ich habe Volkes Stimme noch im Ohr, als über die 68er geschimpft wurde, als Intellektuelle automatisch Kommunisten waren.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 18.06.2016, 13:23

Was mich mal ganz grundsätzlich interessieren würde: Wenn Dir die Allgemeinbildung und das Generalistentum so DERMASSEN am Herzen liegt und Du einen derart grossen Teil Deines Berufslebens mit entsprechend "global" angelegten Themen verbracht hast: Was hat Dich dann mit Mitte 40 auf eine derart drastische Verengung des Spektrums gebracht? Es kann Dir doch nicht unklar gewesen sein, dass von einem Mechaniker eine viel stärkere Konzentration auf den Teller (anstatt des Blicks über dessen Rand) erwartet wird? Du musst Dich nach all der Zeit doch extrem bewusst für solch einen persönlichen Paradigmenwechsel entschieden haben - entweder, um bestimmte Vorteile gegenüber anderen Varianten zu erreichen... oder bestimmte Nachteile anderer Varianten zu vermeiden. So oder so: Irgendetwas musst Du davon gehabt haben (oder immer noch haben)? Alles hat man nie im Leben. Kann es sein, dass Dir der Blick auf das Positive verloren gegangen ist?

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Beitrag von BlackDiamond » 18.06.2016, 20:20

Tintenstrahl hat geschrieben:Ja, bin noch da, bin krank. Antworte trotzdem
Dann erstmal gute Besserung.
Es geht mir immer noch um Allgemeinbildung in der Industrie. Mit meinem persönlichen Kram gleite ich leicht ab, das gebe ich zu.
Auf dem Papier, ich meine den Lebenslauf, sieht man eine Sammlung nicht zueinander passender Geschichten. Man hat mich auch schon nach dem roten Faden in meinem Leben gefragt ( ! )
Warum das Ausrufezeichen? Wenn das für Außenstehende nicht erkennbar ist, ist die Frage doch legitim?
und meine Antwort war ganz ehrlich, daß bei mir alles um die Filmtechnik kreist. Weil man sich darunter aber nicht viel vorstellen kann, steht man gleich wieder an.
Hat dein jetziger Beruf denn mit Filmtechnik zu tun? Ich hab den Eindruck, eher nicht. Warum soll dann jemand davon angetan sein?
Bei den Personalern ist der Ofen meist schon früher aus, weil sie in der faschistischen Tradition denken, mit für jede/n geltenden Werten, wie Beständigkeit, Teamfähigkeit und dergleichen Allgemeinplätzen.
Na, du bist ja ein Charmeur. :D

Klar will ich einen beständigen Mitarbeiter. Ich bezahle für seine Arbeitskraft, da such ich mir den besten, den ich kriegen kann. Würdest du nicht anders machen. Die meisten wollen für ihr Geld eine angemessene Gegenleistung. Wenn ich im Restaurant ein Steak bestelle, will ich ein Steak und nicht das, was der Koch sich gerade ausdenkt, um sich selbst zu verwirklichen. Blöd für den Koch, aber so ist es.
Daß ich seit mehr als 30 Jahren mein filmtechnisches Wissen ausbaue und auch die Praxis nicht vernachlässige, geht ihnen nicht auf.
Was war nochmal der Grund, warum das jemanden interessieren sollte?
Ob ich es hinschreibe oder nicht, spielt keine Rolle, plötzlich erkennen Sie meine geistige Selbständigkeit. Diesen Vorgang habe ich nun in fast jedem Vorstellungsgespräch beobachtet. Wie die guten Mienen jeweils zerfallen, ist schwer zu beschreiben.
Ich kann mir mittlerweile vorstellen, dass die Mienen zerfallen, aber eher aus dem Grund, weil sie sich fragen, warum das jemanden interessieren sollte. Das ist dein Interessensgebiet, nicht das der anderen. Klar, du kannst lernen, so interessant darüber zu reden, dass andere beginnen, sich dafür zu interessieren, aber das ist ja wohl mehr auf der privaten Ebene und ist am Arbeitsplatz nicht unbedingt der richtige Ort.
Die industrielle Organisation hat keinen Platz für Allgemeinbildung.
Du verwechselst da glaube ich Allgemeinbildung mit deiner sehr speziellen Art, zu diskutieren.
Ich bitte um Nachsicht, wenn mein Schreibstil überheblich oder irgendwie unnachgiebig im Ausdruck wirkt. Konzise Formulierung habe ich als wertvoll beigebracht bekommen.
Aber du bist doch schon ein großer Kerl und kannst überblicken, wann welche Kommunikationsform angebracht wäre. Was hast du davon, wenn du dich maximal konzise ausdrückst, damit aber andere vor den Kopf stößt? Ich verweise auf das "Denken von Personalern in der faschistischen Tradition".
Unter Juristen ist der treffende Ausdruck doch das Übliche, nicht?

Wieso sind wir jetzt bei den Juristen?
Übrigens kenne ich einige. Die drücken sich durchaus so aus, dass sie nicht ständig anecken. Wir passen uns doch alle immer dem Gegenüber an.
Allgemeinbildung mit Chemie, Biologie, Geschichte, Physik, Sprachen, Musik, Geometrie u. a. m., was soll das schaden? Was ist das für ein Menschenbild, das jemanden mit Matura/Abitur als gefährlich oder auch subversiv erscheinen läßt? Ich habe Volkes Stimme noch im Ohr, als über die 68er geschimpft wurde, als Intellektuelle automatisch Kommunisten waren.
Na, das ist ja wohl schon ein bisschen länger her. Nein, Abitur schadet nichts, wird auch nicht als subversiv angesehen. Ich würde am liebsten Fragen "wie kommst du darauf?" Aber das hast du ja schon geschrieben. Wie gesagt, du verwechselst da was. Nicht deine breite Allgemeinbildung stört andere, sehr wahrscheinlich ist es deine Art, damit umzugehen. Bin selber ein Klugscheisser und weiß, was das heißt.

Ach so, erklärst du mir noch, was an Teamfähigkeit etc. so faschistisch ist? Hab ich nicht verstanden. Oder darf ich das auch nicht fragen?

Tintenstrahl
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Beitrag von Tintenstrahl » 19.06.2016, 16:50

Der Faschismus ist die rücksichtslose Anwendung von irgendwo hergeholten Maßstäben. Ein Zollstock erhält absolute Geltung. Das Meter, nur als Beispiel, ist im Wesen so ein losgelöstes Ding, losgelöst vom — Menschen. Zoll, Spanne, Elle, Fuß, Schritt, eine Handvoll, la prise, Korn (grain) und davon abgeleitete Maße haben mit dem Menschen und Gewachsenem zu tun. Das oder der Meter wurde als 40millionster Teil des Erdumfangs festgelegt, eine abstrakte, ausgedachte Größe aus der Zeit des Absolutismus. Der Begriff Faschismus stammt von den altrömischen fasces, das waren die Rutenbündel der Zensoren, die Steuereintreiber. Miteinander beweglich verknüpft, dienten Ruten, man kann sie auch als Stangen bezeichnen, zum Ausmessen der von einem Haus bedeckten Bodenfläche. Das Haus wurde mit den Ruten umschlagen und so Fläche und Grundsteuer errechnet. Kurzer Blick in die Antike

Wenn mein Interesse der Filmtechnik gilt und ich viele Jahre ohne Ahnung von der Fertigung sozusagen wie ein Raubvogel über der Sache kreiste, versteht ihr vielleicht, was es bedeutet, das Handwerk erlernen zu dürfen, nachzuholen, was andere in der Jugend taten. Meine Jugendzeit bestand zu einem nicht unwesentlichen Teil darin, in Schulzimmern zu sitzen. Ich war ein Spätzünder, träumte bis zur Rekrutenschule.

Ich habe eben eine Bell & Howell 134 TA zerlegt und reinige jetzt alle Teile. Es handelt sich um die kleinste und leichteste Kamera für Doppel-8-Film, die es je gegeben hat, ein Meisterwerk der Miniaturisierung und Reduktion aufs Wesentliche. Das erste Modell der Reihe erschien im Juni 1935. Über die Jahre habe ich mir intime Kenntnisse der Anlage mancher Filmgeräte angeeignet, wie sie keine technische Hochschule so anböte, z. B. von Ciné-Kodak Special, Paillard-Bolex H, Revere 103, Beaulieu Reflex 16, Pathé WEBO M, Le Blay, Diksi, Debrie, AGA Baltic u. a. m.

Es soll aber nicht nur um mich gehen. Bis jetzt lese ich herzlich wenig von euch. Man pickt lieber auf dem anderen herum, als von sich etwas preiszugeben. Also, was sind eure Erlebnisse in der Frage?

BlackDiamond
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Beitrag von BlackDiamond » 19.06.2016, 17:16

Tintenstrahl hat geschrieben:Der Faschismus ist die rücksichtslose Anwendung von irgendwo hergeholten Maßstäben. Ein Zollstock erhält absolute Geltung. Das Meter, nur als Beispiel, ist im Wesen so ein losgelöstes Ding, losgelöst vom — Menschen. Zoll, Spanne, Elle, Fuß, Schritt, eine Handvoll, la prise, Korn (grain) und davon abgeleitete Maße haben mit dem Menschen und Gewachsenem zu tun. Das oder der Meter wurde als 40millionster Teil des Erdumfangs festgelegt, eine abstrakte, ausgedachte Größe aus der Zeit des Absolutismus. Der Begriff Faschismus stammt von den altrömischen fasces, das waren die Rutenbündel der Zensoren, die Steuereintreiber. Miteinander beweglich verknüpft, dienten Ruten, man kann sie auch als Stangen bezeichnen, zum Ausmessen der von einem Haus bedeckten Bodenfläche. Das Haus wurde mit den Ruten umschlagen und so Fläche und Grundsteuer errechnet. Kurzer Blick in die Antike

Wenn mein Interesse der Filmtechnik gilt und ich viele Jahre ohne Ahnung von der Fertigung sozusagen wie ein Raubvogel über der Sache kreiste, versteht ihr vielleicht, was es bedeutet, das Handwerk erlernen zu dürfen, nachzuholen, was andere in der Jugend taten. Meine Jugendzeit bestand zu einem nicht unwesentlichen Teil darin, in Schulzimmern zu sitzen. Ich war ein Spätzünder, träumte bis zur Rekrutenschule.

Ich habe eben eine Bell & Howell 134 TA zerlegt und reinige jetzt alle Teile. Es handelt sich um die kleinste und leichteste Kamera für Doppel-8-Film, die es je gegeben hat, ein Meisterwerk der Miniaturisierung und Reduktion aufs Wesentliche. Das erste Modell der Reihe erschien im Juni 1935. Über die Jahre habe ich mir intime Kenntnisse der Anlage mancher Filmgeräte angeeignet, wie sie keine technische Hochschule so anböte, z. B. von Ciné-Kodak Special, Paillard-Bolex H, Revere 103, Beaulieu Reflex 16, Pathé WEBO M, Le Blay, Diksi, Debrie, AGA Baltic u. a. m.

Es soll aber nicht nur um mich gehen. Bis jetzt lese ich herzlich wenig von euch. Man pickt lieber auf dem anderen herum, als von sich etwas preiszugeben. Also, was sind eure Erlebnisse in der Frage?
Ich bin auf deinen ganzen vorigen post detailliert eingegangen und habe dir 7-8 ehrlich interessierte Fragen gestellt. Die hast du alle unbeantwortet gelassen. Das ist nicht nur unhöflich, es kommt auch kein Dialog zustande, zumal du mir (uns) dann ungefragt was von deinem Hobby erzählst, das mich (sorry) nicht interessiert. Ob's sonst jemand hier interessiert, weiß ich nicht. Du aber auch nicht, du hast nicht gefragt.

Meine Frage bezüglich Faschismus lautete ganz anders. Den Begriff an sich kann ich mir auch bei Wikipedia erklären lassen, wenn ich das wollte. Das war aber nicht das Thema. Ich hatte dich gefragt, was du mit deiner früheren Aussage meinst, dass "Personaler in faschistischer Tradition denken". Darauf hast du ebenfalls nicht geantwortet. Übrigens bist du auf den post von FRAGEN auch nicht eingegangen.

Also, ich glaub, ich bin jetzt raus. Du kannst oder willst anscheinend keinen Dialog führen, sondern möchtest, dass man dir beim Dozieren zuhört und von deinem Wissen beeindruckt ist. Hab ich keine Lust drauf, viele andere auch nicht, kann ich dir gleich sagen. Ich nehme an, dass ist auch der Punkt, warum du immer aneckst. Nicht deine eventuell vorhandene reiche Allgemeinbildung, sondern die Art der Anwendung derselben.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 19.06.2016, 18:21

Tintenstrahl hat geschrieben:Es soll aber nicht nur um mich gehen.


Naja, das ist schliesslich Dein Thread hier. Du darfst Dich aber durchaus auch an der Beantwortung anderer Leute Fragen beteiligen.
Tintenstrahl hat geschrieben:Also, was sind eure Erlebnisse in der Frage?
Meine sind extrem simpel: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus.

katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag » 19.06.2016, 22:28

Siehst Du, in Deinem Hobby bist Du Spezialist. Willst Du anregende, interessante Gespräche über Dein Hobby führen, dann musst Du andere Spezialisten für dieses Thema finden. Sonst sind die Gespräche a) für andere nicht interessant und b) für Dich nicht anregend. ;)

Meine Erfahrung ist folgende: Die beste, weil gehaltvollste Kommunikation habe ich immer dann, wenn ich auf dem Niveau kommuniziere, das dem meines Gegenübers am Nächsten kommt. Und wenn wir uns über den Zweck des Gesprächs einigermaßen einig sind: halten wir einen Kaffeeklatsch, eine Lehrstunde oder einen intellektuellen Austausch, ein Pläuschen bei Wein oder Bier, Small-Talk vor dem Theater, eine politische Debatte, oder eine gegenseitige Liebeserklärung, diskutieren wir über unsere Lieblingsautoren...

Es ist das alte Sender-Empfänger-Modell. Kennst Du vielleicht noch aus'm Abi.

Im Vorstellungsgespräch würde ich mich immer etwas 'konformer' geben als ich eigentlich bin (Ungerechtigkeit kann mich sehr erbosen und für wiederholten Stolz auf die eigene Dummheit habe ich so gar keine Geduld).

Aber im Gespräch mit Kollegen gebe ich meine Fachkenntnis, was mein Berufsfeld angeht, natürlich gerne weiter, wenn es denn angemessen ist. Das hat mich auch noch nie in die Bredouille gebracht.

Was einem hingegen durchaus negativ ausgelegt werden kann, das ist Besserwisserei und eine Tendenz, andere Leute für blöd zu halten, nur weil sie nicht kontinuierlich mit Fremdwörtern um sich werfen.

Tintenstrahl
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Beitrag von Tintenstrahl » 20.06.2016, 13:22

Dann erstmal gute Besserung.
Danke!

Warum das Ausrufezeichen?
Weil es doch etwas Seltsames ist, nach einem roten Faden in jemandes Leben zu fragen.

Hat dein jetziger Beruf denn mit Filmtechnik zu tun? Ich hab den Eindruck, eher nicht.
Hat Filmtechnik etwas mit Molekularbiologie zu tun? Doch schon einiges mit Mechanik.

Was war nochmal der Grund, warum das jemanden interessieren sollte?
Hobby?

Du verwechselst da glaube ich Allgemeinbildung mit deiner sehr speziellen Art, zu diskutieren.
Gibt es eine weniger spezielle Art zu diskutieren, eine allgemein übliche?

Wieso sind wir jetzt bei den Juristen?
Wir sind jetzt nicht bei den Juristen, das ist ein Beispiel für wo der treffende Ausdruck zählt.

Übrigens kenne ich einige. Die drücken sich durchaus so aus, dass sie nicht ständig anecken. Wir passen uns doch alle immer dem Gegenüber an.
Anecken darf man nicht. Nehme ich zur Kenntnis. Wir passen uns nicht alle immer dem Gegenüber an. Echt jetzt!

Erklärst du mir noch, was an Teamfähigkeit etc. so faschistisch ist? Hab ich nicht verstanden. Oder darf ich das auch nicht fragen?
Warum solltest du das nicht fragen dürfen?
Das mit dem Faschismus lasse ich wohl besser bleiben, es wird nicht verstanden. Letzter Versuch: Die absolute Verwendung eines Kriteriums ist faschistisch. Spielregeln gelten für alle Teilnehmer, die bei Personalern verbreitete Frage nach der Teamfähigkeit dagegen wird einseitig gestellt. Nur der Untergebene hat teamfähig zu sein, der Vorgesetzte nicht. Ist das nicht verlogen? Was antwortet ihr auf die Frage: Sind Sie teamfähig? Sagt einer Nein?

Was einem hingegen durchaus negativ ausgelegt werden kann, das ist Besserwisserei und eine Tendenz, andere Leute für blöd zu halten, nur weil sie nicht kontinuierlich mit Fremdwörtern um sich werfen.
Das ist es ja, was ich besprechen möchte. Ich mußte schmerzhaft erfahren, daß man zum Gehorsam gezwungen wird, also dazu, etwas zu tun, das man nicht tun will, selbst wenn man im Recht ist. In der Lehre, ihr erinnert euch, ich habe sie mit 47 Jahren angefangen und ich bin zwei Jahre älter als mein Lehrmeister, kam ich in die Lage, auf einer technischen Zeichnung einen Fehler zu entdecken, der erstens es mir praktisch unmöglich machte, das Werkstück so zu fertigen, wie man es mir beigebracht hatte, und zweitens es dem Betrieb praktisch unmöglich machte, das Werkstück korrekt zu messen. Auf die Vertauschung von toleriertem Element und Bezugselement aufmerksam gemacht, meinte der Lehrmeister, ich hätte grundsätzlich Recht, aber es würde trotzdem anders gemacht. Das machte einen Riß in die Institution, es war voller Widerspruch zwischen Schulung und Praxis. Es kam dann noch hinzu, daß ich das Stück mit Hilfsmitteln und in vier Aufspannungen drehen mußte. Heute weiß ich, wie man es ohne Hilfsmittel in zwei Aufspannungen machen kann. Alle Einsichten in tausend Dinge nützen mir nichts, wenn die andere Person nicht mitmacht. Ist sie mit Macht ausgestattet, in diesem Falle mit der Weisungsgewalt über meine Arbeit, ist das Gefälle gegeben. Ich konnte nur die Weisheit haben, mich dem Diktat zu beugen.

Vielleicht hat es eher etwas damit zu tun, wie Du es sagst, kann das sein?
Sicher, und da liegt, wie ich vermute, ein Teil der Antwort auf meine Frage. Doch auch wenn ich ganz friedlich und freundlich etwas zu erklären versuche, merke ich meist nach einiger Zeit, daß das Gegenüber nur so getan hat, als wäre es interessiert. Es wird geheuchelt, Theater gespielt, ihr versteht, was ich meine. Sollte ich in so einer Situation aufstehen, zur Flip Chart gehen und zu zeichnen anfangen? Darf man bei einem Vorstellungsgespräch einfach aufstehen? Wie bringt man es fertig, das Gegenüber von seiner Traktandenliste abzubringen? Ich bin der Meinung, daß ein Interview auch nicht ausgewogen ist, so lange es nach einer Vorbereitung läuft. Komme ich etwa mit einer Gesprächsstruktur auf Papier? Sehr ihr das Missverhältnis?

Man sagt, zwei Parteien sollen sich zu einem Vertrag finden. Ist euch bewusst, wie schief die meisten Arbeitsverträge angelegt sind? Ich frage: Haben wir in Europa es nötig, ein Machtgefälle mit Verträgen zu befestigen? Sind die Manager wirklich so doof, daß sie glauben, sie kriegten das Maximum aus den Angestellten heraus, wenn sie es ihnen abpressen?

Ich für mein Teil leiste viel mehr, wenn ich einen inneren Antrieb habe, und der ist zutiefst mein Beruf, das Mechanikhandwerk. Das bedeutet, daß ich in der heutigen Arbeitswelt (auf meinem Beruf) meine natürliche Motivation nicht mehr als gewünscht voraussetzen kann, denn es findet Deindustrialisierung statt.

Noch ein kleiner Splitter Allgemeinwissen: Deindustrialisierung ist Rückgang der Fleißarbeit. Indụstria (Betonung auf dem u) heißt auf Lateinisch und Italienisch Fleiß. Es scheint allgemein höchstes Ziel zu sein, sich nicht mehr körperlich an der Herstellung einer Ware und am Erbringen eines Dienstes zu beteiligen. Alle wollen nur am Computer sitzen und feine Kleider tragen. Ich habe einen stehenden Beruf und bin acht Stunden lang in öliger Umgebung. Gegen diese vierte industrielle Revolution kann ich nichts ausrichten.

Ist jetzt länger geworden. Vielleicht hilft noch dieser Witz. An einem Gala-Diner sagt ein Mann zu seiner Frau: Du solltest nicht so viel trinken, du bist schon ganz verschwommen.

katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag » 20.06.2016, 13:34

Meiner Erfahrung nach reagieren die meisten, die von Betriebsseite aus VG führen, sehr positiv darauf, wenn ein Bewerber sich Fragen vorbereitet und während des Gesprächs Notizen macht.

Ansonsten finde ich die Diskussion gerade sehr philosophisch - solange es mehr Bewerber als zu vergebende Stellen gibt, ist natürlich der Betrieb in der „Machtposition“ - in dem Fall suche ich mir den, der in meinen Augen das geringste Übel ;) darstellt.

Angebot und Nachfrage - Wirtschaftskunde, 5. Klasse - glaube ich.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 21.06.2016, 02:03

Tintenstrahl hat geschrieben:Warum das Ausrufezeichen?
Weil es doch etwas Seltsames ist, nach einem roten Faden in jemandes Leben zu fragen.
Es gibt schon Fälle, wo sich die Frage aufdrängt... im Privaten zwar sicher nicht... aber wenn jemand beruflich von der Treffsicherheit seiner Einschätzungen abhängig ist, sollte er das schon dürfen. Dabei solltest Du bedenken, dass diese Frage eine CHANCE für Dich ist! Derjenige, der fragt, gibt Dir die Möglichkeit, das nicht Offensichtliche nachzuliefern! Auf einen, der das tut, kommen zehn, die Dich einfach so von der Liste streichen, wenn sie besagten Faden nicht sehen! Und unabhängig davon hast Du doch einen wunderbaren Faden, wie Du gerade selbst gesagt hast: Probier doch mal, einfach strahlend "Filmtechnik" zu sagen, wenn jemand nach diesem Faden fragt! Guck einfach mal, was passiert!
Tintenstrahl hat geschrieben:Du verwechselst da glaube ich Allgemeinbildung mit deiner sehr speziellen Art, zu diskutieren.
Gibt es eine weniger spezielle Art zu diskutieren, eine allgemein übliche?
Die gibt es in der Tat. Man nennt sie "Höflichkeit". Deren Grundgedanke besteht darin, sich selbst und anderen den Gesprächsein- und ausstieg sowie den Verlauf dazwischen möglichst leicht und frei von Peinlichkeit zu machen.
Tintenstrahl hat geschrieben:Übrigens kenne ich einige. Die drücken sich durchaus so aus, dass sie nicht ständig anecken. Wir passen uns doch alle immer dem Gegenüber an.
Anecken darf man nicht. Nehme ich zur Kenntnis. Wir passen uns nicht alle immer dem Gegenüber an. Echt jetzt!
Du anscheinend selten bis nie. Katerfreitag meinem Eindruck nach in der deutlichen Mehrheit der Fälle... wobei man das "Anpassen" vielleicht etwas genauer fassen sollte. Das bedeutet natürlich NICHT, inhaltlich ausschliesslich das zu sagen, was jemand anders hören will. Es bedeutet aber beispielsweise, sich so auszudrücken, dass einem sein Gegenüber möglichst uneingeschränkt folgen kann. Das allein beeinflusst z. B. die Länge und Komplexität der Sätze, Wahl der Themen, Vokabular sowie Art und Verzweigung der Gedankengänge.

Was unfassbar banal klingt (in Deinem Fall z. B. aber doch nicht selbstverständlich ist): Einfach auf die Fragen antworten, die einem gestellt werden... und nicht etwas völlig anderes erzählen... ;-)

Was das "Anecken" angeht: Das "darf" man grundsätzlich umso öfter und deutlicher, je stärker und breiter die gemeinsame Basis ist... und wiederum umso eher, je mehr es dabei um erstens hohe und zweitens gemeinsam akzeptierte Werte geht. Ein "Anecken", das ohne gewachsene Basis geschieht und ausschliesslich der eigenen Eitelkeit dient, ist schlicht + einfach Dummheit.
Tintenstrahl hat geschrieben:Was antwortet ihr auf die Frage: Sind Sie teamfähig? Sagt einer Nein?
Und glaubst Du, dass jemand ein einfaches "Ja" hören will? Für wie blöd hältst Du die Leute? Was würde man damit erfahren können? So etwas ist - ähnlich wie der "rote Faden" eine Einstiegsfrage, um ein ebenso wichtiges wie interessantes Thema zu eröffnen. Du könntest daraufhin z. B. mit Beispielen antworten, in denen Deine spezielle Art der Teamarbeit zu besonders guten Ergebnissen geführt hat... insbesondere, wenn es sich um Fälle gehandelt hat, in denen die nicht unbedingt selbstverständlich waren.
Tintenstrahl hat geschrieben:Alle Einsichten in tausend Dinge nützen mir nichts, wenn die andere Person nicht mitmacht. Ist sie mit Macht ausgestattet, in diesem Falle mit der Weisungsgewalt über meine Arbeit, ist das Gefälle gegeben. Ich konnte nur die Weisheit haben, mich dem Diktat zu beugen.
So ist das halt, wenn man als Angestellter arbeitet. Sieh's mal so: Sich dem Diktat zu beugen ist Deine Gegenleistung für den Umstand, dass jemand anders das finanzielle, rechtliche etc. Risiko für alles trägt, was Du in seinem Namen veranstaltest. Das ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Du beugst Dich dafür, dass nicht Du es bist, der Haus und Hof verliert, wenn irgendetwas daneben geht. Finde ich alles in allem OK... wenn auch ganz sicher nicht in jedem einzelnen Moment lustig.
Tintenstrahl hat geschrieben:Sollte ich in so einer Situation aufstehen, zur Flip Chart gehen und zu zeichnen anfangen?
Fände ich cool - sofern Du zeichnen kannst. Wenn dem so ist (und Dir in der Live-Situation die richtige Bildidee kommt, könnte das durchaus ein grosser Pluspunkt sein!
Tintenstrahl hat geschrieben:Darf man bei einem Vorstellungsgespräch einfach aufstehen?
Zu welchem Zweck?
Tintenstrahl hat geschrieben:Wie bringt man es fertig, das Gegenüber von seiner Traktandenliste abzubringen?
Grundsätzlich durch positive Überraschungen... Überraschungen, die im Zweifel interessanter als die Traktandenlistee erscheinen. Das könnte z. B. das "Filmtechnik"-Thema als Antwort auf die Frage nach dem "Roten Faden" sein. Auch eine besonders gelungene Zeichnung an der Flipchart könnte das Zeug haben, spannender als manch ein Standard-Traktand zu sein. Eine spannende Geschichte, die Dir als Beispiel auf die "Team"-Frage einfiele, könnte das Gespräch beeinflussen.

Es gibt ganz viele Möglichkeiten... und ich würde fast sagen: Im Grunde ihres Herzens warten die meisten Personalmenschen darauf. M. E. sollen solche Listen eine Art "Minimalergebnis" sicher stellen, wenn sich ansonsten nichts ergibt. Aber schöner wäre doch ein bisschen Abwechslung... ;-)

Nicht zu vergessen den simpelsten Weg: Dein Möglichstes dazu beitragen, die Liste einfach schnell und freundlich abarbeiten. Dann ist sie weg - und man kann sich schöneren Dingen widmen... ;-)
Tintenstrahl hat geschrieben:Ich bin der Meinung, daß ein Interview auch nicht ausgewogen ist, so lange es nach einer Vorbereitung läuft. Komme ich etwa mit einer Gesprächsstruktur auf Papier?
Die Struktur ist in der Tat nicht Dein Job; eine gründliche Vorbereitung aber definitiv! Mit Fragen auf Papier könntest Du durchaus ebenfalls erscheinen.
Tintenstrahl hat geschrieben:An einem Gala-Diner sagt ein Mann zu seiner Frau: Du solltest nicht so viel trinken, du bist schon ganz verschwommen.
Der ist gut... ;-)

katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag » 21.06.2016, 09:23

Noch kurz zum Thema „geheucheltes Zuhören“: Jeder Mensch, wirklich jeder, hat nur eine begrenzte Aufmerksamkeitsspanne, bis die Stimmen IM Kopf den Input, der von draußen kommt, langsam akustisch überblenden. Meistens bekommen die Zuhörer dann glasige Augen. ;)

Der Trick ist, die Message innerhalb des gegebenen Zeitraums an den Mann zu bringen.
Und nachdem ja nun niemand die individuell bemessene Konzentrationszeit auf die Stirne tätowiert hat, liegt beim „Sender“ die Bringschuld, das Sendeprogramm sowohl inhaltlich als auch zeitlich so zu bemessen, dass eine Aufnahme durch den Empfänger gewährleistet ist. Das ist die Kunst.
Und dazu bedient man sich eben auch geschickterweise der Umgangsformen, des Benimms, des Anstands, der Höflichkeit, der zu dieser Zeit, an diesem Ort geltenden sozialen Gepflogenheiten, der Konformität. Nenn es wie Du willst, es bedeutet immer das Gleiche. :)

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