Angst vor dem Vorstellungsgespräch

Fragen zum Vorstellungsgespräch: Welche Kleidung ist am besten? Welche Vorbereitung ist nötig? Welche Fangfragen werden gestellt? Wie bekomme ich meine Aufregung in Griff?
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biochemikerin
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Angst vor dem Vorstellungsgespräch

Beitrag von biochemikerin » 06.10.2019, 14:43

Hallo zusammen, ich bin schon länger hier im Forum unterwegs und habe schon viele tolle Tipps gelesen. Nun habe ich mich doch angemeldet, weil ich nicht so recht weiß, wohin mit meinen Gedanken.

Ich habe am Freitag ein Vorstellungsgespräch, an sich nichts Schlimmes, hatte schon viele Gespräche, ABER ich hab diesmal echt tierisch Angst. Ich hab jetzt schon voll das Herzrasen, mag nicht mehr essen, schlafe kaum noch.
Ich war im Mai schon mal in dieser Firma für ein Gespräch und die Personalerin mit ihren Psychospielchen ging mir dermaßen auf den Sack. Die war so gekünstelt und aufgesetzt, das ich hätte kotzen können. Warum sollten wir sie einstellen, wo wir sie doch noch einarbeiten müssen? Warum haben sie sich bei uns beworben und nicht bei einer anderen Firma, da gibts doch auch Stellen? Warum wollen sie denn jetzt zu "xy" wechseln, obwohl sie da gar keine Ahnung haben.
Ich kann diesen Stressinterviews leider gar nichts abgewinnen und ich kann leider auch verdammt laut mit den Augen rollen. Und ich frage mich leider auch immer wieder, warum jemand mit Abschluss in Wirtschaftpsychologie quaifiziert ist zu entscheiden, ob die Naturwissenschaftlerin fachlich passt.

Hinzu kommt, dass ich derzeit weit unter meiner Qualifikation arbeite (war rückblickend vielleicht nicht die cleverste Entscheidung) und mit jedem Tag als "Mädchen für alles" geht mehr und mehr mein Selbstbewusstsein für mein Können als promovierte Naturwissenschaftlerin drauf, wodurch meine Panik natürlich noch verstärkt wird.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich jetzt vom Leser meines Textes erwarte, ich denke meine Gedanken müssen einfach nur mal raus. Und ich werde mal noch weiter ein bisschen in euren Erfahrungen lesen.

Romanum
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Re: Angst vor dem Vorstellungsgespräch

Beitrag von Romanum » 06.10.2019, 21:31

Hallo,

stimmt, manchmal hilft es schon, belastende und frustrierende Gedanken aufzuschreiben: für sich oder für das Internet.

Es sind wohl zwei Problemlagen:

1. Die Antisympathie für die Personalerin.

2. Deine allgemeine berufliche Situation der Überqualifikation.

Zu 1. Trotz der Situation im Mai wurdest du jetzt wieder zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Woran mag das wohl liegen? Vielleicht hast du das Stressinterview ja sehr gut gemeistert und man sieht dein wahres Leistungsvermögen. Und die Personalerin entscheidet schließlich nicht alleine. Geht es denn um eine neue/andere Stelle als im Mai? Überlege dir auch mal, was dir wichtig wäre und was du wissen müsstest, um bei diesem Arbeitgeber arbeiten zu wollen.

Zu 2. Offensichtlich hast du die berufliche Sackgasse erkannt und bewirbst und bemühst dich um eine Kehrtwende. Das schafft auch nicht jeder.

biochemikerin
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Re: Angst vor dem Vorstellungsgespräch

Beitrag von biochemikerin » 07.10.2019, 21:55

Vielen Dank für deine Antwort.
Romanum hat geschrieben:
06.10.2019, 21:31
Zu 1. Trotz der Situation im Mai wurdest du jetzt wieder zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Woran mag das wohl liegen? Vielleicht hast du das Stressinterview ja sehr gut gemeistert und man sieht dein wahres Leistungsvermögen. Und die Personalerin entscheidet schließlich nicht alleine. Geht es denn um eine neue/andere Stelle als im Mai? Überlege dir auch mal, was dir wichtig wäre und was du wissen müsstest, um bei diesem Arbeitgeber arbeiten zu wollen.
Also es ist eine ganz andere Stelle, auch komplett andere Abteilung. Die Personalerin ist mittlerweile im Mutterschutz und ihre Nachfolgerin wird dabei sein (ist erst seit 1.10. im Unternehmen).
Außerdem hat die Firma ihr System komplett umgestellt, im Mai ging es direkt an HR und dann an den Teamleiter, da hatten sich wohl nur 5 beworben und die wurden alle eingeladen.
Jetzt läuft es so, dass es über eine externe Firma geht, die Vorgespräche per Telefon führt und danach eine Vorauswahl trifft und nur diese Vorauswahl dem Teamleiter vorstellt. Also hab ich sogar schon 3 Hürden genommen (Bewerbung topp, Telefoninterview topp, vom Teamleiter fürs Gespräch ausgewählt). Von meinem internen Kontakt weiß ich, dass nur 3 eingeladen wurden. Ich bin die Letzte am Nachmittag.

Ich bin auch schon etwas ruhiger, wenn ich die Dinge aufschreibe, sehe ich vieles klarer. Habe jetzt schon eine ganze Seite gefüllt mit meinen tollen Eigenschaften, die ich mitbringe, obwohl ich nur die Theorie kenne und derzeit noch keine Praxiserfahrung habe. Damit mache ich jetzt weiter und das werde ich dann immer wieder lesen. ;-)
Romanum hat geschrieben:
06.10.2019, 21:31
Zu 2. Offensichtlich hast du die berufliche Sackgasse erkannt und bewirbst und bemühst dich um eine Kehrtwende. Das schafft auch nicht jeder.
Ich hab die Stelle direkt nach der Elternzeit angenommen (meine vorherige Stelle war im Ausland und ist kurz vor der Geburt ausgelaufen), weil ich ein Mensch bin, der einfach etwas Sicherheit benötigt und Angst vor Arbeitslosigkeit hat. Zusätzlich bot mir die Stelle die Freiheit noch ausreichend Zeit für mein Kind zu haben, mittlerweile ist das Kind älter und ich bin voll motiviert wieder mit meiner Karriere durchzustarten und genau das bietet mir eben diese Position. Als Bonus kommt hinzu, dass die Firma sehr viel näher an zuhause ist und sie sind sehr familienfreundlich (Betriebskindergarten) und ich könnte teilweise auch von zuhause arbeiten bzw. am Abend, falls das Kind doch mal krank wird.

Ich danke dir nochmals recht herzlich, und ich melde mich gern am Freitag um zu erzählen, wie es war. :D

biochemikerin
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Re: Angst vor dem Vorstellungsgespräch

Beitrag von biochemikerin » 11.10.2019, 21:11

Hallo ihr Lieben,
ich wollte mich ja nochmal melden, wenn das Vorstellungsgespräch vorbei ist.
Natürlich war ich etwas aufgeregt, aber nicht so sehr, wie ich mich letzte Woche noch gefühlt habe.
Die Personalerin war mega nett und freundlich, ganz anders als die, die ich im Mai hatte. Und der Geschäftsführer und der Teamleiter waren beide auch sehr, sehr nett und freundlich. Es war ein richtig tolles Gespräch und nicht so ein Frage-Antwort-Spielchen vor dem ich solche Angst hatte.

Ich habe sehr viele fachbezogene Fragen bekommen, wo ich nicht einschätzen, wie ich mich gemacht habe, da mein Wissen auf dem Gebiet bisher nur theoretischer Natur ist. Ich glaub aber mit Sympathie und Charme konnte ich sehr gut punkten. Und auch den extrem schnellen Wechsel zwischen deutsch und englisch habe ich gemeistert, obwohl nach 1,5 Stunden dann tatsächlich der Kopf rauchte. Wir waren 3 Muttersprachler und der Teamleiter hat englisch gesprochen. Das Team ist sehr international, das war vermutlich auch deren Intention mich zu testen.

Ich habe nur leider, leider den Namen einer anderen Bewerberin gesehen, die heute morgen dran war und habe den Fehler gemacht im Netz zu recherchieren. Die hat exakt die Berufserfahrung, die in dem Job gebraucht wird, das macht mich natürlich etwas nachdenklich, andererseits war das ja vom Lebenslauf absehbar und ich wurde dennoch eingeladen. In ca. 14 Tagen bekomme ich Bescheid. Egal wie es ausgeht, es war definitiv eine gute Erfahrung.

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