Arbeitslosigkeit

Hier kann über aktuelle Probleme diskutiert werden.
Antworten
Benutzeravatar
Caroline
Bewerbungshelfer
Beiträge: 2355
Registriert: 10.03.2004, 17:27

Arbeitslosigkeit

Beitrag von Caroline » 10.03.2004, 17:55

Die Höhe der Arbeitslosigkeit ist sicherlich nicht nur individuell, sondern immer auch gesellschaftlich ein Problem. Die Lösungsstrategien haben in den letzten 20 Jahren aber nicht gewirkt. Deswegen sind vielleicht radikalere Wege nötig. Ich mach euch mal ein paar Vorschläge, die ich derzeit eigentlich für angemessen halten würde:

-Senkung der Arbeitszeit auf 30 Stunden. Die Senkung der Arbeitszeit in den 80er Jahren auf 35 Stunden hat direkt und indirekt weit über eine Million neue Arbeitsplätze geschaffen. Ein ähnlicher Beschäftigungseffekt wäre auch bei Absenkung auf 30 Stunden zu erwarten.

-Allerdings kein voller Lohnausgleich. Stundenlohn muss gleich bleiben.

-Aber Lohnangleichung Ost-West. Und zwar eine Angleichung der Westlöhne an die Ostlöhne. Der Brutolohn ist dann zwar geringer, aber der Nettolohn bleibt gleich, weil die Prdoukte auf den Weltmärkten dann billiger angeboten werden können. Dadurch entsteht Nachfrage im Inland und qualifizierte Arbeitskräfte können in Lohn und Brot gebracht werden. Was wiederum Kosten spart.

-Privatisierung der Arbeitslosenversicherung mit individuellen Versicherungskonten. Denn zwölf oder 24 Monatsgehälter über eine Versicherung anzusparen ist sicherlich nicht teurer wie jetzt über die staatliche Arbeitslosenversicherung. Wer aber über 12 bzw. 24 Monate arbeitslos ist, verliert Anspruch auf eine zusätzliche Rente.

-Qualifizierungsoffensive für die übrig gebliebenden Arbeitslosen in Hinblick auf zukünftige Berufsfelder (besonders Pflege, Betreuung, etc.) Wer sich nicht qualifiziert und damit unsolidarisch ist, kann nicht erwarten, dass andere mit ihm solidarisch sind. D. h. Kürzung von Leistungen.

-Besondere Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen in Innovationen (und nicht in die Infrastruktur!)

Habt ihr vielleicht weitere Vorschläge oder seid ihr mit den oben genannten nicht einverstanden?

Benutzeravatar
Knightley
Bewerbungshelfer
Beiträge: 13521
Registriert: 16.03.2004, 18:52

Beitrag von Knightley » 16.03.2004, 19:12

Bis du sicher, dass eine Arbeitszeitverkürzung irgend etwas verändern würde???

Benutzeravatar
Caroline
Bewerbungshelfer
Beiträge: 2355
Registriert: 10.03.2004, 17:27

Beitrag von Caroline » 20.03.2004, 22:02

Hier mal zwei Adressen für Pro Arbeitszeitverkürzung:

http://www.igmedien.de/publikationen/fo ... egien.html

http://www.labournet.de/diskussion/arbe ... ekaer.html

Es zeigt, dass in den 80er Jahren dadurch positive Beschäftigungseffekte erreicht wurden.

Die Arbeitszeitverkürzung geht dabei einher mit einer Brutto-Gehalts-Kürzung; das Nettogehalt bleibt aber konstant.

Warum bleibt nun das Nettogehalt konstant?

Durch die Absenkung auf 30 Stunden Arbeitszeit pro Woche und die weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit (Sabbat Jahr, Überstundenkonten, etc.) könnten vielleicht zwei Millionen neue Jobs geschaffen werden. Diese zwei Millionen sind nun nicht mehr Empfänger von sozialen Leistungen, sondern zahlen entsprechende Beiträge. Dadurch könnten die Lohnnebenkosten sinken.

Die zwei Millionen neuen Beschäftigten haben ein anderes Nachfrageverhalten, als vorher und kaufen werthaltige Konsumgüter ein.

Die psychologische Barriere, sich in einer Krise zu befinden, bei den Meschen bricht insgesamt zusammen. Neue Nachfrageimpulse entstehen. Es wird mehr produziert und es können mehr Beschäftigte bezahlt werden.

Durch die gesunkenen Nebenkosten können die Produkte im Ausland billiger angeboten werden und die Nachfrage erhöht sich noch einmal, die dann auch wieder beschäftigungswirksam wird.

Wenn in diesem Aufschwung qualifizierte Menschen zur Verfügung stehen, dann gibt es eben immer weniger Arbeitslose. Es müssen weniger Beiträge für die Sozialversicherungen bezahlt werden und das Nettogehalt bleibt letzendlich konstant, was wiederum positive Effekte mit sich bringt.

Benutzeravatar
Knightley
Bewerbungshelfer
Beiträge: 13521
Registriert: 16.03.2004, 18:52

Beitrag von Knightley » 31.03.2004, 19:36

Vielen Dank für die ausführlichen Informationen.

Benutzeravatar
Marlenchen
Bewerbungshelfer
Beiträge: 4186
Registriert: 11.03.2004, 17:50

Beitrag von Marlenchen » 07.04.2004, 18:01

Der letzte Punkt "-Besondere Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen in Innovationen (und nicht in die Infrastruktur!)" ist auch interessant.

Dies hat ja jetzt auch der Berater der Regierung Herr Doynani (oder wie auch immer :wink: ) vorgeschlagen. Erst die Industrie, die zahlt dann Steuern und dann bekommt die ihre benötigte Infrastruktur und nicht umgekehrt. Industrie zieht nämlich auch die ganzen Dienstleister an.

Benutzeravatar
Caroline
Bewerbungshelfer
Beiträge: 2355
Registriert: 10.03.2004, 17:27

Beitrag von Caroline » 06.05.2004, 15:43

Noch einmal zum letzten Punkt: Ich finde Investitionen in die Infrastruktur gelinde gesagt Schwachsinn. Ich weiss nicht was das bringen soll. Damit wird unnötig die Baubranche hochgepäppelt. Dies wirkt sich dann in Krisenzeiten sehr negativ aus, wie derzeit in Ostdeutschland zu beobachten ist. Die massenhafte Arbeitslosigkeit ist eben durch Verlust der Arbeitsplätze in der Baubranche hervorgerufen. Jetzt haben sie dort zwar schöne Straßen und meinetwegen auch Gewerbegebiete, aber das bringt doch langfristig keine neuen Jobs. Deswegen ist der umgekehrte Weg richtig: Erst Investitionen in Bildung und Innovation. Davon kann ein einzelner Arbeitnehmer dann 40 Jahre lange zehren und wenn er dann das Geld zusammen hat, dann wird er sich auch ein Haus bauen und an den Staat Steuern zahlen, aus denen dann ein Teil für Infrastrukturaufgaben ausgegeben werden kann.

Benutzeravatar
ksmith
Bewerbungshelfer
Beiträge: 430
Registriert: 27.01.2006, 09:05

Beitrag von ksmith » 30.01.2006, 12:39

Der Thread ist zwar schon ein wenig älter, aber egal.

Man muss sich, bevor man irgendwelche Gedanken um Änderungen macht, Gedanken darüber machen, weshalb wir eine solch hohe Arbeitslosigkeit haben.

Das folgende ist lediglich meine Meinung und die Sicht aus meinen Augen.

1. der grösste Fehler ist der Minijob in Deutschland (€ 400,-). An diesen Jobs sind zum Teil ganze Berufsstände zugrunde gegangen.
Besonders im Dienstleistungssegment. Reinigungskräfte, Gastronomie, etc.
Kaum eine Gasstätte hat noch richtige Kellner angestellt. Alles nur noch auf € 400,- Basis.
Reinigungskräfte ebenfalls.
Die eigentlichen Teilzeitstellen gibt es schon gar nicht mehr, was gerade für Hausfrauen und junge Mütter fatal ist.

2. Großkonzerne veranstalten aus reiner Gewinnsucht regelrechte Massenentlassungen.
Wieviel Bank MA`s haben in den letzten zwei Jahren gehen dürfen? 5000, 10.000?
über 30.000 sollen in dne nächsten beiden Jahren bei der Telekom wegfallen.
Und das, besonders bei den Banken, obwohl wirklich satte Gewinne eingestrichen werden. Die besten Gewinne, die die Banken je eingestrichen haben.

3. Klar, aufgrund der hohen Lohnnebenkosten in Deutschland, wollen immer weniger Firmen neue MA`s einstellen. Hier muss etwas passieren.
Ich bin für eine Privatisierung der Sozialversicherungen. Somit ist jeder selbst für sich verantwortlich und der Staat kann die eingenommenen Beiträge nicht mehr Zweckentfremden.
Wen nich mir alleine anschaue, was ich monatlich in die Rentenkasse einbezahle, würde ich bei gleichem Beitrag bei einer privaten Rentenversicherung mehr rausbekommen als so.
Ich glaube derzeit nicht mal mehr daran, dass ich jemals eine Rente bekommen werde.
Aber bei einer drastischern Verringerung dieser Kosten, wären Arbeitgeber auch wieder bereit Leute einzustellen.

Gruss
Ken

Antworten