Einleitungssätze und weitere Formulierungsbeispiele

Informationen und Fragen zum Bewerbungsablauf, zu einzelnen Elementen der Bewerbungsmappe und zu individuellen Formulierungen. Wie soll eine Bewerbungsmappe aufgebaut sein? Welche Fakten gehören in ein Anschreiben? Welche Formulierungen sollten unbedingt vermieden werden?
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Caroline
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Einleitungssätze und weitere Formulierungsbeispiele

Beitrag von Caroline » 01.04.2008, 06:35

Kriterien für eine bessere Gestaltung der Einleitung

  • der Fundort der Stelle kommt (bei vorhandener Stellenanzeige) in den Betreff
  • „hiermit bewerbe ich mich“ möglichst vermeiden
  • die Floskel „mit großem Interesse“ ist für die Einleitung ungeeignet, egal ob der Bewerber „mit großem Interesse“ die Stellenanzeige oder die Unternehmenswebsite gelesen hat oder sich „mit großem Interesse“ bewirbt
  • auch keine synonymen Begriffe wie „mit großer Neugier“, „interessiere ich mich“ oder „mit großer Freude“ verwenden
  • die wertvollsten beruflichen Kenntnisse und Stärken in die Einleitung integrieren
  • den Bezug zwischen den wertvollsten beruflichen Kenntnissen und Stärken sowie den wichtigsten Anforderungen der Stelle herstellen => es muss deutlich werden, welchen Nutzen der Bewerber für den Arbeitgeber bringt
Beispielhafte Verbesserung einer Einleitung
Alte (schlechte) Einleitung:

„Sehr geehrter Herr Müller,

mit Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige in der Süddeutschen Zeitung vom 28.02.2011 gelesen. Hiermit bewerbe ich mich um die Stelle als Industriekauffrau, da ich die notwendigen Qualifikationen mitbringe.“

1. Schritt (Überflüssiges streichen):

„Sehr geehrter Herr Müller,

… Stelle als Industriekauffrau, da ich die notwendigen Qualifikationen mitbringe.“

2. Schritt (wertvollste Fähigkeiten und Kenntnisse sowie Anforderungen spezifizieren):

Was unterscheidet mich als Industriekauffrau von anderen Industriekauffrauen? => Wertvollste Fähigkeiten und Kenntnisse? => sehr gute Fremdsprachenkenntnisse in Englisch und Spanisch, dreijährige Berufserfahrung als Exportsachbearbeiterin (Stahlbleche) für Nordamerika

Qualifikationen wofür? => Wichtigste Anforderungen der Stelle? => eigenständige internationale Abwicklung von Kundenanfragen für die Produktgruppe Zahnräder, Erstellung von regelmäßigen Statistiken

3. Schritt (wahrscheinlichen Nutzen für den Arbeitgeber herausstellen):

hohe Bestellquote, hohe Kundenzufriedenheit, fehlerfreies Reporting an Vorgesetzte

4. Schritt (Einleitung spezifizieren):

„Sehr geehrter Herr Müller,

als ausgebildete Industriekauffrau mit sehr guten Fremdsprachenkenntnissen in Englisch und Spanisch bringe ich eine dreijährige Berufserfahrung in der Exportsachbearbeitung mit, so dass ich für die Abwicklung von internationalen Kundenanfragen zu Ihren Produkten geeignet bin.“

5. Schritt (Integration des Nutzens für den Arbeitgeber):

„Sehr geehrter Herr Müller,

mit meinen während der Industriekauffrau-Ausbildung erworbenen sehr guten Fremdsprachenkenntnissen in Englisch und Spanisch und meiner dreijährigen Berufserfahrung in der Exportsachbearbeitung bin ich dafür qualifiziert, bei der Abwicklung von internationalen Kundenanfragen zu Ihren Produkten eine hohe Bestellquote und eine überdurchschnittliche Kundenzufriedenheit zu gewährleisten.“
Der Unterschied zur Ausgangsvariante sollte deutlich geworden sein. So eine Einleitung ist für jeden Beruf und für jede Stelle möglich, unter der Voraussetzung, dass Bewerber und Stelle hinsichtlich der Qualifikationen und der Anforderungen überhaupt zueinander passen. Dafür muss der Bewerber zuerst wissen, was ihn überhaupt ausmacht, wo seine Stärken abseits von Flexibilität, Mobilität und Spaß an der Arbeit und worin die ganz spezifischen Anforderungen liegen bzw. an welchen Kriterien der Erfolg einer Tätigkeit gemessen wird. Darüber müssen Bewerber nachdenken, bevor eine gute Einleitung und ein gutes Anschreiben geschrieben werden kann.

BIGALCR
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Beitrag von BIGALCR » 22.08.2012, 20:14

mit meinen während der Industriekauffrau-Ausbildung erworbenen sehr guten Fremdsprachenkenntnissen in Englisch und Spanisch und meiner dreijährigen Berufserfahrung in der Exportsachbearbeitung bin ich dafür qualifiziert, bei der Abwicklung von internationalen Kundenanfragen zu Ihren Produkten eine hohe Bestellquote und eine überdurchschnittliche Kundenzufriedenheit zu gewährleisten.“
Ich bin ja noch nicht wirklich ein Experte im Anschreiben. Aber ich kann mich an einen Vortrag einer Personalchefin eines großen Kozerns erinnern. Sie nannte als einen der wichtigesten Punkte: Kurze prägnante Sätze. In einer Karrierezeitschrift schreibt BMW als wichtigstens Punkt im Anschreiben: keine verschachtelten Sätze.
Ich finde es auch viel einfacher zu lesen, wobei ich auch selber sehr schnell zum "Schachteln" neige. :)

Sonnenschein1990
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Beitrag von Sonnenschein1990 » 05.09.2013, 20:57

Naja so verschachtelt ist es ja nicht. Es ist eigentlich nur ein Nebensatz.

Grundsätzlich hast du natürlich Recht.

Ich neige auch zu vielen Nebensätzen *gg*

cuxhavener21
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Beitrag von cuxhavener21 » 08.05.2014, 09:56

als ausgebildete Industriekauffrau mit sehr guten Fremdsprachenkenntnissen in Englisch und Spanisch bringe ich eine dreijährige Berufserfahrung in der Exportsachbearbeitung mit, so dass ich für die Abwicklung von internationalen Kundenanfragen zu Ihren Produkten geeignet bin.
der anfang ist super aber wie schreib ich es ohne berufserfahrung in dieser branche um?

ich habe noch andere einstiegssätze gefunden, zum beispiel dieser:
"stellen sie sich vor, die quersumme ihrer telefonnummer, addiert mit ihrer hausnummer multipliziert mit der aktuellen tagestemperatur, dividiert mit ihrer mitarbeiterzahl ergibt genau die von mir bevorzugte anzahl von teelöffeln zucker im kaffee. glauben sie an schiksal ? so etwas kann kein zufall sein, ich scheine für diesen job geschaffen zu sein...."

aber ist das nicht ein bisschen kitschig und lang? kommt sowas wirklich gut an oder eher blöd?

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 08.05.2014, 12:58

Der Satz mag "witzig" sein, er weckt also vielleicht sogar die Aufmerksamkeit des Personalers, aber er trägt letztlich nichts zu einer sachlichen Information bei. Mir persönlich sagt der Satz mit den Löffeln eher nicht zu, ich würde mir so vorkommen, als habe man versucht mich zu manipulieren. Bei mir würde das also Antipathie wecken. Aber jeder Jeck ist anners.

Was den anderen Satz angeht: Der ist sehr klassisch.
Das heißt positiv, dass er im Prinzip wichtige Aussagen beinhaltet, aber negativ, dass ein wesentliches Kriterium bei der Bewerbung, die Unterscheidbarkeit, das Herausgehobensein aus der Bewerbermasse, nicht gegeben ist.

OrangeMan
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Beitrag von OrangeMan » 05.11.2014, 23:09

Meine Einleitung wäre ähnlich wie im Beispiel der Strangeröffnerin - ich bin mir aber nicht sicher, ob das wirklich optimal ist:

"Für die Position X suchen Sie jemanden mit Qualifikation X und Y. Deswegen bewerbe ich mich bei Ihnen."

bzw.:

"Sie suchen jemanden mit Fähigkeit X usw. Deswegen bewerbe ich mich bei Ihnen."

Was haltet ihr davon? Schlecht, weil es vorgaukelt, es ginge einem in erster Linie um die Wünsche des Unternehmens? Überflüssig, weil es Informationen aus dem Stellenangebot wiedergibt? Oder gut, weil es zeigt, dass man die Anliegen des Personalers/Unternehmens verstanden und berücksichtigt hat?

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 06.11.2014, 08:26

OrangeMan hat geschrieben:Überflüssig, weil es Informationen aus dem Stellenangebot wiedergibt?
Genau das. Und nebenbei keine besonders seltene Form der Einleitung. Mein Vorschlag ist, es mal ganz ohne Einleitung zu versuchen. Die zwei wichtigsten Fakten in den ersten Satz. Das ist adressatengerecht gedacht.

OrangeMan
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Beitrag von OrangeMan » 06.11.2014, 14:58

Danke, das macht Sinn, werde es versuchen.

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