Fachkräftemangel: Wahrheit oder Mär? Diskussionsblock

Hier kann über aktuelle Probleme diskutiert werden.
Antworten

Gibt es einen allgemeinen Fachkräftemangel

Umfrage endete am 20.04.2014, 00:56

Ja, Fachkräfte werden überall gesucht und sind begehrt.
1
20%
Nein, der Fachkräftemangel ist ein Märchen
4
80%
Weder - noch
0
Keine Stimmen
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 5

Max-Xaver
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Registriert: 20.03.2014, 23:24

Fachkräftemangel: Wahrheit oder Mär? Diskussionsblock

Beitrag von Max-Xaver » 20.03.2014, 23:56

Hallo,

in meinen ersten Max-Xaver-Diskussionsblock möchte ich mich dem Phänomenen des 'Fachkräftemangels' nähern. Dieser ist in vieler Munde - insbesondere bei den Wirtschaftsvertretern und unseren Politikern, vor allem aus dem 'Ministerium für Bildung und Arbeit'. Fast jeder der sich hier im Forum befindet, wird sich sicherlich als schon eine eigene Meinung dazu gebildet haben. Neben ein paar verlaufene Personaler, dürften die meisten sicherlich selber Fachkraft und auf der Suche nach einen (neuen) Job sein.

Aber was ist zunächst eine Fachkraft? Wiki interpretiert eine Fachkraft so: "Eine Fachkraft ist allgemein eine Person, die eine gewerbliche, kaufmännische oder sonstige Berufsausbildung erfolgreich absolviert hat."
Gut - mit dieser Definition ist nahezu jeder eine Fachkraft der mindestens einen Berufsabschluss hat.
Ich persönlich würde den Begriff Fachkraft strenger definieren: Eine Fachkraft ist eine Person die eine Berufsausbildung absolviert und in dem Bereich erfolgreich tätig ist, als auch eine gesellschaftlich oder wirtschaftlich wertvolle Tätigkeit. Eine Mutter kann also durchaus eine Fachkraft im Familienmanagement und --organisation sein, da Kindererziehung gesellschaftlich wertvoll ist, während sie im ursprünglichen Beruf auf Grund der jahrelangen Auszeit keine Fachkraft mehr ist. Eine durchaus diskussionsfähige These!

Aber zurück zum Fachkräftemangel. Laut Wiki ist ein "...Fachkräftemangel meist das unerwünschte Fehlen von Facharbeitern, Gesellen, Meistern, Technikern und Akademikern bestimmter Fachrichtungen..."
Aha - demnach müssten diese Leute ja gesucht werden, da laut propagierter Meinung ein Mangel vorliegt. Aber wann liegt denn genau ein Fachkräftemangel vor? Dann wenn der AG-Präsident ein Mikrofon vor das Gesicht gehalten bekommt? Wenn Politiker einen massiven Fachkräftemangel propagieren? (Die sie vielleicht im eigenen Hause spüren).
Die Arbeitsagentur hat sogar mal das Vorliegen eines Fachkräftemangel definiert: Lauf BfA liegt dann ein Fachkräftemangel vor, wenn sich auf 100 offene Stellen sich weniger als 150 passende! Bewerber bewerben. Aha - äquivalent übersetzt spricht man also von einem Lebensmittelmangel wenn von 100 verlangten nur 150 passende Produkte im Regal stehen. Ja, es kommen harte Zeiten auf uns zu. Heute morgen habe ich die letzten beiden Pakete Milch meiner G&G-Lieblingssorte ergattert. Die andern waren mir einfach zu teuer. Werde ich morgen noch günstige Milch bekommen?

Ja gut, jetzt gibt es laut Beobachtung durchaus Bereiche, wo ein bundesweit flächendeckender Fachkräftemangel vorherrscht. Ich denke hier an den Pflege- und Elementarbereich (Erzieher). Letzteres auch verursacht, dass man plötzlich und völlig unerwartet Personal für die frühkindliche Betreuung benötigte. Gut dies dürfte sich auf Grund der weiter zurückgehenden Kinderzahlen irgendwann von selbst erledigen.
Und Pflegebereich? Nun ja, das Kontingent an Personen die ihre Berufung als Dienst an alten (manchmal schwierigen) Menschen sehen dürfte ausgeschöpft sein. Zumal die Entlohnung für diese körperlich und seelische belastende Arbeit mit familienunfreundlichen Arbeitszeiten in den "Sterbehäusern" alles andere als fürstlich ist. Einer höheren fairen Entlohnung steht nun mal die systematische Deckelung des Gesamtvolumens entgegen.

Und sonst Fachkräftemangel in der Industrie? Abgesehen von Industriebereichen die unter Clusterbildung leiden und den regionalen Arbeitsmarkt abgegrast haben, wie weit ist es her mit dem Fachkräftemangel?
"Laut dem 'Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung' (DIW) sind für einen aktuellen Fachkräftemangel in Deutschland kaum Anzeichen zu erkennen. Dies gilt sowohl hinsichtlich der aktuellen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt als auch bei der gesamten Ausbildung. Ein Indikator für Knappheiten auf dem Markt wäre bei Fachkräften ein steigender Lohn, dieser sei in den letzten Jahren aber kaum gestiegen. Auch in den nächsten Jahren wäre in dem MINT-Berufen nicht mit ein stärkeren Engpass beim Arbeitskräfteangebot zu rechnen."

Welches sind eure Erfahrungen mit dem Fachkräftemangel? Muss der Begriff Fachkraft noch enger gefasst werden, um den akuten Fachkräftemangel näher zu kommen? Z.B. wie: Eine Fachkraft ist eine Person, die eine Berufsausbildung von wirtschaftlicher Bedeutung mit anschließender min. fünfjähriger Tätigkeit erfolgreich absolviert und dabei das 45. Lebensjahr nicht überschritten hat."

Max-Xaver

Hr. Weinreiche
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Beitrag von Hr. Weinreiche » 24.03.2014, 22:14

Hallo Max-Xaver,

ich weiß nicht was du mit deinen Block bezwecken willst? Weiß doch jedes Kind, das der Fachkräftemangel ein Märchen ist. Gut unser Aschenputtel und Supermutti UvdL und ein paar AG-Vertreter möchten, dass wir daran glauben.:roll:

Gruß

nordlaender
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Beitrag von nordlaender » 25.03.2014, 08:30

In einigen eng gestecken Bereichen gibt es den Fachkräftemangel schon.

Versuchen Sie mal einen guten Schweißer zu bekommen. Oder einen guten SPS Programmierer.

Bei eingen Fachrichtungen im Ingenieurbereich siht es auch eher mau aus.

Wenn ich bei meinem jetzigen AG weg wollte wäre das kein Problem. Bei einer Gehaltssteigerung, au0er der Reihe, von 5-10% bräuchte ich maximal 4-5 Bewerbungen.

Tintenstrahl
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Beitrag von Tintenstrahl » 03.10.2015, 09:48

Für mich ist „Fachkräftemangel“ eine Lüge. Einen guten Schweißer finden? Man kann doch einem noch ungeübten eine Chance geben. Ich habe auch schon geschweißt, weil es zu meiner Berufsbildung gehört. Wenn die Chefs immer alles gleich sofort haben wollen, dann sind sie menschlich einfach unterentwickelt. Menschen sind keine Maschinen, ein altes Thema.

Die Zukunft muß wieder offen stehen. Aufbau!

Zerschmetterling
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Beitrag von Zerschmetterling » 03.10.2015, 16:41

Jeder will gerne Fachkräfte einstellen, aber nicht alle Firmen sind bereit, diese auch entsprechend zu entlohnen. Insofern mag es hier einen Mangel an Fachkräften geben - nämlich an denjenigen, die bereit dazu sind oder auch gezwungen, sich billig zu verkaufen (wobei dies natürlich sehr branchenabhängig ist).

Gneti
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Beitrag von Gneti » 06.10.2015, 22:39

Hallo,
ich denke schon, dass es so etwas wie einen Fachkräftemangel gibt.
Allerdings würde ich diese Aussage in verschiedener Hinsicht wieder stark einschränken.
Ich denke da muss man stark unterscheiden. Als Faktoren sehe ich zum Beispiel

Ort
In der Nähe z.B. zur Schweiz ist es wohl relativ schwierig Fachkräfte in verschiedenen Bereichen zu finden, da viele gut Qualifizierte in der Schweiz arbeiten. (Dort gibt es einfach VIEL mehr Geld)
->Man wird sogar im Bewerbungsgespräch gefragt, warum man nicht in die Schweiz geht. (Sie wollen wohl herausfinden, ob man bei nächster Gelegenheit in die Schweiz wechselt)

Beruf
Wie bereits erwähnt ist es wohl auch entscheidend, welcher Bereich betrachtet wird.
Das wird in der Zukunft vor allem Jobs betreffen, die aufgrund von unmöglichen Arbeitsbedingungen und schlechter Entlohnung kaum einer mehr (freiwillig) machen will. So zum Beispiel im Pflegebereich...
Die Reaktion ist jedoch leider nicht etwa den Beruf attraktiver zu machen, sondern billigere Kräfte aus dem Ausland.

Anforderung
Die Anforderung ist wohl das wichtigste Kriterium, um das Phänomen Fachkräftemangel zu beurteilen.
Natürlich kann man die Erwartungen so stellen, dass ihnen keiner gerecht wird.
Das kann sich zum Beispiel auf Gehalt und Berufserfahrung beziehen.
Also es wird gesucht: Jung, top Noten, zu beliebig vielen Überstunden und schlechten Vertragsbedingungen bereit, 20 Jahre Berufserfahrung und bereit zum Gehalt eines Berufseinsteigers zu arbeiten.
Da ist es natürlich unmöglich, dass jemand ALLE Bedingungen erfüllt.

@Zerschmetterling, @Tintenstrahl
Ich denke ihr habt auf jeden Fall in so fern recht, dass sich der Fachkräftemangel mit "Zugeständnissen" bei Gehalt und Berufserfahrung relativ einfach "abfangen" ließe.
Ich denke in dem Zusammenhang auch, dass das Problem "hausgemacht" ist. Ich habe den Eindruck, dass viele Firmen Fachkräfte nur einkaufen wollen, aber nicht bereit sind das potential, dass zum Beispiel Berufsanfänger darstellen, auszuschöpfen.

Ich bin in einer Branche tätig in der angeblich großer Fachkräftemangel herrscht und habe auch die Erfahrung gemacht, dass einige Unternehmen sehr verzweifelt Fachkräfte suchen.
Für mich persönlich merke ich das daran, dass die Quote von Bewerbungen zu Vorstellungsgesprächen bei mir überdurchschnittlich hoch ist. Ob das tatsächlich in einem Job mündet, oder ob nur die Lage sondiert werden soll, kann ich jedoch nicht sagen...

schattenmann
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Beitrag von schattenmann » 09.10.2015, 12:27

Auch wenn ich Gefahr laufe gleich (wieder) mit der Nazi-Keule bedacht zu werden:

Zur Fachkräftelüge gibts ja genug Infos; schlimm ist es aber dann, wenn INLÄNDER (wie bsp. in der Schweiz!) höhere Anforderungen erfüllen müssen als ausl. Bewerber.

Wenn ich mich als kaufm. Aushilfe bewerbe, steht in den Anforderungen:
- kaufm. Berufsmatura (Fachabi; 3 Jahre Lehrzeit), zur kaufm. Ausbildung in jenem Beruf
- 4 + 1 Sprache MINIMUM (Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch, plus eine weitere Fremdsprache) fliessend.
- x Jahre Berufserfahrung im gleichen Beruf
- x Weiterbildungen MIT Zertifikat (also nicht die Bezahlbaren) die ev. den Job tangieren
- unter 30.
- keine Arbeitslosigkeit im CV hat (hab ich in letzter Zeit häufiger in den Inseraten lesen müssen. Es wird immer unverschämter.)

Und sehr häufig bekommt ein Bewerber aus der EU den Vorzug, der
- eine 2jährige Anlehre, natürlich ohne Fachabi
- neben seiner Landessprache ev. gerade noch Englisch kann
- Berufseinsteiger ist
- keine Weiterbildung hat

... denn man hat ja niemanden in der Schweiz gefunden, der die Anforderungen erfüllen kann...

Da sind mir dann Betriebe wie die SBB (Schweizerische Bundes Bahn) lieber, die inserieren in D 100 Jobs für in der CH (inkl. Hilfe beim Umziehen), und in der Schweiz sagen's keine Vakanzen frei...

Fachkräftemangel.
Na immerhin geht den Politikern HIER die Muffe wegen den Wahlen in 9 Tagen; jetzt stellens fest "wenn junge Menschen nicht im Beruf Fuss fassen können, geratens in eine Abwärtsspirale die sich negativ auf ihr Leben auswirkt" (eine Frau Roe von der SP, gestern in den Zeitungen...)

Und dann wundern sich alle, warum keiner mehr eine normale Ausbildung macht - gleichzeitig beklagens die Verakademisierung aller Berufe...

Oh apropos:
im Pflegebereich gibts hier mittlerweile Schweizweit Infoveranstalltungen, das arbeitsloses Pflegepersonal auswandern soll, weil es in der Schweiz KEINE JOBS MEHR gäbe; gleichzeitig propagierens den Fachkräftemangel in der CH, niemand wolle mehr in diesen Beruf...

Übrigens brauchen hier immer mehr Berufe einen Abschluss an einer Hochschule - und die Jobs werden dann, weil die Hochgeschulten überqualifiziert sind, durch Grenzgänger besetzt...

Fachkräftemangel eben.

Nein, ich hab nichts gegen Zuwanderung per se.
Ich wünschte mir nur, das Bewerber aus Deutschland sich vor Vertragsunterschrift mit dem Preisgefüge in der CH auseinandersetzen würden, inkl. dem Unterschied zw. Quellensteuer und dem, was Niedergelassene zu "berappen" haben... (Quellensteuer 3000 Netto = etwa 2800 in die Tasche des Pendlers; 3000 Netto normal besteuert gereicht zu knapp 2000 Franken in der Tasche (bei uns geht viel vom Netto ab, was in D vom Brutto abgeht).... Absolutes Existenzminimum sind rund 2400 Franken.

...weil Lohndrücker sind auch in Deutschland nicht beliebt...

Und wenn dann ausl. Personal gleich noch weniger Anforderungen erfüllen muss, dann bin ich doppelt sauer - aber nicht gegen die Bewerber, sondern gegen die Unternehmen und die Politik, weil die das zulassen/praktizieren...

nordlaender
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Beitrag von nordlaender » 13.10.2015, 10:05

In Teilbereichen gibt es den Fachkräftemangel, in der Fläche sicherlich nicht.

Fachkräfte sind Mitarbeiter mit einer Ausbildung und einschlägiger, längerer (>7 Jahre), erfolgreicher Praxis. Nicht jeder eines Berufszweigs wird automatisch mit den Jahren zur Fachkraft. Ich würde sagen die Quote wirklicher qualifiierter Fachkräfte liegt, entsprechende Erfahrung vorausgesetzt, maximal bei 40% derer die die entsprechende Ausbildung vor einigen Jahren absolviert haben.

Die Fachkraft zeichnet aus, dass sie ihr Berufsfeld überdurchschnittlich beherrscht und ohne große Einarbeitung eigenstäbndig arbeitet.

Diese echten Fachkräfte (oberes Drittel) sind in vielen Bereichen gesucht und werden auch gut / sehr gut bezahlt. Es gibt dann das mittlere Drittel von denen einige die Fähigkeiten / das Potential hätten um entsprechend zu den Fachkräften aufzusteigen. Der Rest wird bestenfalls, aufgrund der Fähigkeiten und des Potentials bestenfalls Durchschnitt, egal wie doll Sie sich anstrengen.

Um bei dem Beispiel Schweißer, von weiter oben, zu bleiben.
Ich kann Schweißen, sogar recht gut. Aber egal wie viel ich übe, ich werde die Spitzengruppe nie erreichen. Mir fehlt das gewisse Talent, für mehr als Mittelmaß reicht es halt nicht. Ich habe aber Schweißer kennengelernt die echtes Talent hatten und am ersten Tag der Ausbildung besser scherißen konnten als ich nach Monaten.

Zur echten, gesuchten gesuchten Fachkraft wird man nur wenn man seinen Beruf entsprechend seiner Neigungen und Talente gewählt hat und seine Talente so entwickelt, dass man, in seinem Fach, um oberen Drittel gehört.

schattenmann
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Beitrag von schattenmann » 16.10.2015, 23:01

@nordländer

Fachkraft in der Schweiz, Beispiel Busbetriebe:
CH-Busfahrer mit 15 Jahre ohne selbstverschuldeten Unfall (er fuhr beim Stadtbus, das da mal einer hinten in den Bus rauscht soll vorkommen).
Er hat nen Background als Landwirtschaftsmechaniker (= der repariert auch mal die grösseren Maschinen).

Kriegt keinen Job mehr als Busfahrer; sei nicht qualifiziert (WB's für Ausweis95 hat er alle gemacht); er jobbt jetzt als LKW-Fahrer; Busfahren geht nicht mehr, und dank seinen 15 Jahren am Lenkrad sei er als Mechaniker auch nicht mehr qualifiziert... In beiden Berufen suchen's aber HÄNDERINGEND nach (angeblich) JEDEM der den Job machen will...

Andererseits - der junge Dresdner oder Leipziger Absolvent der Fahrschule für Busfahrer (0 Jahre Erfahrung, schon gar keine in der CH nach CH-Verkehrsrecht) ist jedoch eine Fachkraft. (hiesige Busunternehmen werben direkt ab Fahrschule ab)

Was DU beschreibst ist eine "Fachkraft alter Sprechweise". Heute nennt man die "erfahrene Mitarbeiter", sind jene die "zu alt" sind - es sei denn sie sind mit 7 Jahren Berufserfahrung noch unter 25. Neusprech "Fachkraft" ist was anderes. Leider ist der "Fachkräftemangel" nach den neuen Sprachregelungen...

nordlaender
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Beitrag von nordlaender » 19.10.2015, 20:37

@schattenmann

das System ist für dich eh nur negativ und du willst dich in keiner Weise einfügen. Das ist aber leider Gottes das Los der abhängig Beschäftigten.

Die Fachkräfte, nach alter Definition sind weiterhin gesucht und es gibt zu wenige. Dein Beispiel ist für mich keine echte Fachkraft. EIn Busfahrer ist relativ austauschbar und der Erfahrungszuwachs ist nach 5 Jahren Erwerbstätigkeit gegen Null.

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Beitrag von schattenmann » 19.10.2015, 21:14

Vgl. mein Kollege, der ehem. Busfahrer. Fachkraft nach alter Definition (15 Jahre Fahrerfahrung, Weiterbildungen gemacht etc, keine selbstverschuldeten Unfälle).
Findet keinen Job mehr als Busfahrer. Obwohl in jenem Bereich ein Fachkräftemangel proklamiert wurde.

Oder die jährlich stattfindenden Info-Veranstalltungen für arbeitslose Pflegefachkräfte in der Nordwestschweiz, weil jene - trotz Fachkräftemangel im Pflegebereich - in der Schweiz keinen Job finden, und man ihnen das Auswandern nahe legt...

(in Deutschland gibts ähnliche Veranstalltungen!)

Natürlich kannst du jetzt MICH als "nicht anpassbar" etc beschimpfen, anerkenn blos nicht, das der Fachkräftemangel nicht so schlimm sein kann...

Für mich gehörst einfach nur zu den Leuten, die andere Meinungen nicht akzeptieren können und alles anfeinden das nicht dem eigenen Ideal entspricht. Und wenn du mir attestierst, das ich mich dir und deinsgleichen nicht anschliessen will:

richtig, das hast du korrekt erkannt. Denn im Gegensatz zu dir kann ich andere MEINUNGEN als solche akzeptieren, liefere aber Argumente um - so nötig - deren Unkorrektheit zu zeigen...

Deinesgleichen kann auf sowas, vor allem wenn es keine Gegenargumente gibt, nur beschimpfen. Aber nie zugeben das sie Unrecht hatten...

Darum kürzen wir die Sache ab: du, und nur du, hast recht. DU hast die einzig korrekte Ansicht, DU bist der der Erfahrungen hat, ANDERE können gar nix, sind nix, werden nie was sein, ausser DU erhebst sie in einen anderen Stand.

Erlaub dir NIE WIEDER ein Urteil über mich, solange du mich nicht persönlich kennst. Körperöffnung im unteren hinten Torso.

Edit:

Um es zu verdeutlichen:
Busfahrer in der Schweiz finden keinen Job mehr als Busfahrer - obwohl angeblich ein paar Tausend Fahrer fehlen.

Pflegepersonal wird nahegelegt das Land zu verlassen - obwoh angeblich ein paar Tausend PflegerInnen fehlen.

Anstatt das bsp. Umschulungsmassnahmen zu Fahrern zunehmen, nehmen diese Massnahmen AB (sie werden weniger).

Anstatt medizinisches Personal umzuschulen (ob nun Stationspflegerin der Chirurgie gen' Alterspflegerin oder vice-versa), werden Ausbildungsplätze GESTRICHEN.

Wenn es in Beruf x fehlt, sollte man doch - wie Ende der 90er in der IT - alles daran setzen, das so viele wie möglich (resp. so viele wie nötig) in diese Berufe gehen können: Ausbildungen fördern, Umschulungen fördern, etc...

Und nicht etwa dafür sorgen, das die Leute dort nicht mehr arbeiten können und für die "Mangelberufe" nicht mehr oder kaum noch ausgebildet werden...


Bring doch bitte diese Punkte mit dem "Fachkräftemangel" in Einklang... Bitte zeige mir, wo ich mich irre!


Edit 2:
wegen deinem letzten Satz bez. Busfahrern:
a) Busfahrer sind Fachkräfte nach NEUER SPRACHDEFINITION.
b) Nen Bus kannst du nicht "einfach so" fahren. Dazu brauchst du ne spez. Führerscheinkategorie, und musst dich auch noch zusätzlich qualifizieren um gewerblich fahren zu dürfen (Ausweis 95).
c) selbst ein "Frischer" DE-Fahrer (ist die Bus-Kategorie um auch Gelenkbusse fahren zu können) ist noch SEHR unsicher im Verkehr, und fährt die ersten Wochen "gecoachted".
...darum suchen's "erfahrene Busfahrer" und nehmen direkt Deutsche ab Ausbildung, statt die erfahrenen Schweizer zu nehmen (vgl. Weiterbildungen nach Berufsahrerqualifikationsgesetz, wie es in Deutschland heisst; in der Schweiz nennt sich das "Chauffeuerzulassungsverordnung").

Übrigens sind die Berufe im öffentlichen Verkehr (und auch in der Pflege) via Gesamtarbeitsvertrag geregelt, d.h. da kommt der Lohn auf die "Dienstjahre" an. "Teure Schweizer" gilt also nicht als Argument - ausser natürlich die Fachkräfte sind zu sehr vom Fach weil sie zu lang "gefachkraftet" haben... (du verstehst was ich meine?)

Wer sagt das Fahrer einfach so ersetzt werden können zeigt, wie wenig Ahnung er/sie eigentlich hat.

Können aber gerne ein anderes Berufsfeld mit "Fachkräftemangel" anführen: Kaufmännische. Deine Schlussfolgerung für folgene Fakten:
1. ein Schweizer muss mind. 4+1 Sprachen sprechen um qualfiiziert zu sein.
2. ein Bewerber aus dem Ausland muss für den gleichen Beruf 2 Sprachen (seine Landessprache + Englisch) können.
3. 80% der Absolventen einer kaufm. Ausbildung werden trotz Berufsabschluss mit Gesamtnote 5 und höher (CH: 6 beste Note) NICHT übernommen (wegen fehlender Berufserfahrung, gem. Staatssekretariat für Wirtschaft) und gehen studieren, was zur "verakademisierung" des Berufes und zur "rein theoretischen Ausbildung ohne Praxisbezug" führt
4. die Berufsverbände beklagen den fehlenden (schweizer) Nachwuchs im kaufmännischen Bereich, und selektieren im Ausland wie wahnsinnig.

Oder aber die SBB. War 2009 (oder war's 2010? Nagel mich nicht auf die Jahreszahl fest) in der Presse. 500 Lokführer der SBB Cargo entlassen. zwei Wochen später 800 aus Deutschland eingestellt, mit Begründung "in der Schweiz gäbe es keine Lokführer". Die Gewerkschaften schlugen Alarm, weil die 500 Lokführer noch immer als Arbeitslos gemeldet waren und keinen Job fanden.

..?
Bitte (und das meine ich ehrlich) zeig mir wo ich mich irre, wie es sein kann, das man statt Mitarbeiter zu qualifizieren oder sie einzustellen wenn man merkt "die betriebsbedingte Entlassung war ein Fehler", oder warum man nicht Umschult/Ausbildet wenn's nen Mangel gibt - und man lieber einen Fachkräftemangel proklamiert und im Ausland selektiert?

Wo ist mein Irrtum? Erleuchte mich!! BITTE!

nordlaender
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Beitrag von nordlaender » 20.10.2015, 11:56

schattenmann hat geschrieben: wegen deinem letzten Satz bez. Busfahrern:
a) Busfahrer sind Fachkräfte nach NEUER SPRACHDEFINITION.
b) Nen Bus kannst du nicht "einfach so" fahren. Dazu brauchst du ne spez. Führerscheinkategorie, und musst dich auch noch zusätzlich qualifizieren um gewerblich fahren zu dürfen (Ausweis 95).
c) selbst ein "Frischer" DE-Fahrer (ist die Bus-Kategorie um auch Gelenkbusse fahren zu können) ist noch SEHR unsicher im Verkehr, und fährt die ersten Wochen "gecoachted".
...darum suchen's "erfahrene Busfahrer" und nehmen direkt Deutsche ab Ausbildung, statt die erfahrenen Schweizer zu nehmen (vgl. Weiterbildungen nach Berufsahrerqualifikationsgesetz, wie es in Deutschland heisst; in der Schweiz nennt sich das "Chauffeuerzulassungsverordnung").
Ich habe nie behauptet, dass ein Busfahrer keine Qualifikation braucht. Die erforderlichen Qualifikationen zählst du ja auch auf. Dass ein neuer Busfahrer u Anfang unsicherer ist, ist auch klar. Wenn er aber nach einem Jahr sein Fahreug beherrscht und noch ein wenig nehr Übung bekommt, ist hat er einen Level erreicht und der Mehrwert über die Folgeeit geht irgendwann gegen Null.
schattenmann hat geschrieben:Übrigens sind die Berufe im öffentlichen Verkehr (und auch in der Pflege) via Gesamtarbeitsvertrag geregelt, d.h. da kommt der Lohn auf die "Dienstjahre" an. "Teure Schweizer" gilt also nicht als Argument - ausser natürlich die Fachkräfte sind zu sehr vom Fach weil sie zu lang "gefachkraftet" haben... (du verstehst was ich meine?)
Damit hast du auch einen Kernpunkt erfasst. Der Zusammenhang wischen Lohn und Dienstjahren macht hier den Unterschied. Irgendwann läuft die Schwere auseinander. Bei einem steigenden Gehalt nach Dienstjahren kann es sich durchaus rechnen die teurer Person ausutauschen und eine jüngere neu uszubilden, die Ausbildungkosten rechnen sich dann über das gesparte Gehalt. Der ältere Miraarbeiter kann seinen Gehaltszuwachs irgendwann nicht mehr durch ein Mehr an Wissen wettmachen.
schattenmann hat geschrieben:Oder aber die SBB. War 2009 (oder war's 2010? Nagel mich nicht auf die Jahreszahl fest) in der Presse. 500 Lokführer der SBB Cargo entlassen. zwei Wochen später 800 aus Deutschland eingestellt, mit Begründung "in der Schweiz gäbe es keine Lokführer". Die Gewerkschaften schlugen Alarm, weil die 500 Lokführer noch immer als Arbeitslos gemeldet waren und keinen Job fanden.


Vielleicht war es hier auch einen rein kaufmännische Betrachtung, welche zu diesem Sachverhalt führte. Leider Gottes funktioniert unser System nach Kennahlen (Was ich persönlich nicht gutheiße) und diese Betrachtung führt zu solchen Effekten.
schattenmann hat geschrieben: Bitte (und das meine ich ehrlich) zeig mir wo ich mich irre, wie es sein kann, das man statt Mitarbeiter zu qualifizieren oder sie einzustellen wenn man merkt "die betriebsbedingte Entlassung war ein Fehler", oder warum man nicht Umschult/Ausbildet wenn's nen Mangel gibt - und man lieber einen Fachkräftemangel proklamiert und im Ausland selektiert?


Firmen reagieren leider nicht sozial oder langfristig denkend. Sicher wäre dieser Ansatz wünschenswert. Firmen selektieren Menschen nach dem Nutzen (Arbeitswert gegen Geld) und wenn das Verhältnis aus dem Ruder läuft werden Mitarbeiter durchaus ausgetauscht. Wenn dieser Austausch nicht mehr reibungslos funktioniert, dann fangen die Unternehmen an zu schreien da der Bedarf nicht mehr ausreichend gegegben ist. Dieses schreien beginnt bereits wenn nicht auf jede Stelle sofort ein Bewerber zum Wunschpreis bereitsteht. Ein echter Mangel besteht zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 20.10.2015, 12:13

Wobei Busfahrer zumindest in Dtld. mit hohen Kosten versehen ist. Alle paar Jahre muss man für viel Geld seinen Personenbeförderungsschein neu erwerben (das Geld muss man für Schulung und Prüfungsabnahme zahlen, nicht dass man mich missversteht).

nordlaender
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Beitrag von nordlaender » 26.10.2015, 12:58

Hier ein netter Link zum Thema:

http://www.fachkraeftewoche.de/

Max-Xaver
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Beitrag von Max-Xaver » 28.11.2015, 09:25

Wirklich nett.
Die Aufzählung beinhaltet so fast alles, was du als AN nicht erwarten solltest.
"Jung-Billig-Willig" wäre die passende Deviese.

mfG

VeganFürImmer
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Beitrag von VeganFürImmer » 02.12.2015, 16:43

Es gibt einige Studien in Deutschland, dass der Fachkräftemangel ein erhebliches Problem in näherer zukunft wird. Allerdings nicht wegen einem generellen Mangel an fachkräften, sondern wegen der regionalen Verteilung. In den ländlichen Räume kann es so zu akuten Problemen kommen und sogar zu einem Versorgungsmangel führen, weil z.B. Ärzte fehlen

Max-Xaver
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Beitrag von Max-Xaver » 08.12.2015, 01:21

Das ist aber eher ein Attraktivität- und Geldproblem.
Wenn in einer Region "der tote Hund begraben liegt" und auch sonst das allgemeine Lohnniveau niedrig ist, wird es kaum jemanden dort hinziehen.

Wenn man dort mehr Fachkräfte (Ärzte) hinhaben möchte, muss der Preis stimmen. Für Angebote knapp über den Mindestlohn kommt keiner! Das hat mit einem allgemeinen Fachkräftemangel zunächst nichts zu tun.

mfG

nordlaender
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Beitrag von nordlaender » 10.12.2015, 19:46

Max-Xaver hat geschrieben:Das ist aber eher ein Attraktivität- und Geldproblem.
Wenn in einer Region "der tote Hund begraben liegt" und auch sonst das allgemeine Lohnniveau niedrig ist, wird es kaum jemanden dort hinziehen.
Stimmt
Max-Xaver hat geschrieben:Wenn man dort mehr Fachkräfte (Ärzte) hinhaben möchte, muss der Preis stimmen. Für Angebote knapp über den Mindestlohn kommt keiner! Das hat mit einem allgemeinen Fachkräftemangel zunächst nichts zu tun.
Das ist Blödsinn. Ärzte bekommen auch im ländlichen Raum ein aktzeptables Grundgehalt. Die Probleme liegern hier vorrangig bei den Arbeitsbedingungen. Hier muß derjenige schon eine Menge Idealisnus mitbringen.

Max-Xaver
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Beitrag von Max-Xaver » 11.12.2015, 19:55

nordlaender hat geschrieben:
Max-Xaver hat geschrieben:Wenn man dort mehr Fachkräfte (Ärzte) hinhaben möchte, muss der Preis stimmen. Für Angebote knapp über den Mindestlohn kommt keiner! Das hat mit einem allgemeinen Fachkräftemangel zunächst nichts zu tun.
Das ist Blödsinn. Ärzte bekommen auch im ländlichen Raum ein aktzeptables Grundgehalt. Die Probleme liegern hier vorrangig bei den Arbeitsbedingungen. Hier muß derjenige schon eine Menge Idealisnus mitbringen.
Das mit den Mindeslohn bezog sich eher auf allgemeinen Fachkröftebedarf vor Ort.

Es gibt keinen Ärztemangel, es sind ausreichend Ärzte, insbesondere Fachärzte vorhanden, nur praxiszieren sie nicht unbedingt da, wo dringender Bedarf ist.
Ärzte die eine Praxis eröffnen oder übernehmen, kommen idR. nicht alleine. Und mache leergezogene Regionen, sind regelrecht uninteressant für den meist akademischen (Ehe-)Partner. Es gibt keine interessanten und gut bezahlten Jobs in ausreichender Anzahl und keine gute Infrastruktur.

Dazu die überalterte Bevölkerung, die über (zwar verbesserte) Fallpauschale abgerechnet wird. Klingt eher nach mehr Arbeit bei weniger Geld.

Dann stimmt trotz verbesserter Bedingungen der Preis nicht, wo genug bereit sind, diesen Schritt zu gehen.

Dies lässt sich analog für andere Bereiche auch so sehen. Ob Einöde oder Ballungsräume mit exorbitant hohen Mieten.

mfG

Tintenstrahl
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Beitrag von Tintenstrahl » 03.01.2016, 12:01

Jetzt mal konkret für meinen Beruf: Ein Polymechaniker (Schweiz) oder ein Industriemechaniker (Deutschland) stand vor 50 Jahren an einer Maschine. Einrichten, Erststück, umrichten, Reihenfertigung, Pflege. Heute stehen Ungelernte an mehreren Maschinen, Reihenfertigung. Der Gelernte richtet mehrere Maschinen ein, im besten Fall nennt er sich Springer. Die Automation machte Hunderttausende Stellen zunichte.

„Fachkräftemangel“ ist vorgeschoben. Die Bosse wollen gar keine Fachkräfte (mehr). Ich bin auch dem Phänomen der Ü50-Stellenlosigkeit insoweit auf der Spur, als ich feststelle, daß es Leute über 50 sind, Menschen meines Alters (und jüngere), die keine Ü50er einstellen. Bei uns in der Schweiz ist der Druck des Geldes so stark, daß Deindustrialisierung stattfindet.

Wer heute über 57 ist, gehört zu den Generationen, welche sich auf ein Gegenüber beziehen. Mit ihnen hat man noch eine Chance. Meine Generation, die ab Sommer 1958 Geborenen (bis Juli 1972), erweist sich als eine total bornierte Gesellschaftsschicht, mit Ausnahmen natürlich. Ich zähle mich für meine ersten 47 Lebensjahre dazu, ich war menschlich so ein Arschloch.

Ja, wir waren noch geschlagen worden in der Schule. Jemand Fremdes im Dorf durfte ein Kind maßregeln, ihm eine verpassen. Meinem zwei Jahre jüngeren Bruder wurde noch der Füller mit Gummiringen an den Zeigefinger gebunden, an den rechten. Er ist Linkshänder. 1969 guckten wir den Mondlandequatsch am Fernsehen und alle glaubten es. Ich erinnere mich gut daran. Ich kenne keine verbohrtere Generation als meine. Die schlimmsten sind die esoterisch verblendeten mit Urklängen ab CD und biologischem Essen vom Acker, über den der Bauer mit Dieseltraktor fährt, und alle die selbsternannten Gutmenschen bei der Sozialhilfe, mit der ich seit über einem Jahr zu tun habe. Die Chefin des Sozialamtes meiner Gemeinde ist so eine Person mit einem dicken Brett vor dem Kopf. Sie schreibt von verständlicher Sprache und macht dabei Rechtschreibefehler am Laufmeter. Auf ihrer Geschäftswebseite sind Menschen als gesichtslose Plastikpüppchen dargestellt.

LisaMaa
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Fachkräftmangel = Höchstanforderung / Unterbezahlung

Beitrag von LisaMaa » 08.04.2016, 11:32

Die Arbeitgeber tun mir schon irgendwie leid, dass es für sie immer aufwendiger wird, ohne Inanspruchnahme von gesetzlichen Zuschüssen (ge)brauchbare menschliche Kostenfaktoren zu finden. Die Sorgen werden größer, weil jetzt auch noch die Kapitalzufluchtsorte weniger werden und die noch verdeckten vielleicht auffliegen könnten, bevor man seine Schäfchen im Trockenen hat. Es ist immer wieder lustig, in den regionalen Medien von den gleichen Jammerlappen zu lesen, die ihre offenen Stellen anscheinend über viele Monate einfach nicht besetzen können. Völlig borniert hat ein Unternehmer gegenüber der Zeitung erklärt, dass ihm innerhalb von 4 Wochen 5 Mitarbeiter gekündigt haben und er deshalb aufgeben muss. Die Schuld suchte er selbstverständlich nicht bei sich, nein, er beschwerte sich darüber, wie er von einer bestimmten Berufsgruppe abhängig ist. Oh mein Gott! Es ist erschreckend, zu wissen, dass solche Leute Arbeitsplätze schaffen können, ohne zu wissen warum.

StudentKM
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Meine Umfrage passt zu deiner :)

Beitrag von StudentKM » 15.02.2017, 22:29

Hallo zusammen!

im Rahmen meiner Masterarbeit an der Hochschule Mainz führe ich im Mai 2017 eine Online-Umfrage zum Thema: „Fachkräftegewinnung im Mittelstand - Attraktivität des Mittelstands für die Generationen Y und Z“ durch.

Zur Zielgruppe meiner Umfrage zählen vor allem die jungen Menschen, die zu den Generationen X, Y und Z gehören*. Wenn Du dich angesprochen fühlst, möchte ich Dich bitten, an meiner Befragung teilzunehmen. Deine Teilnahme ist sehr wichtig für mich und unterstützt mich bei der Erstellung meiner Masterarbeit.

Wenn Du dich bereit erklärst, im Mai 2017 an der Online-Umfrage teilzunehmen, klicke bitte auf den Link unten, um Deine E-Mail-Adresse anzugeben. Ich versichere Dich, dass Deine Angaben nicht an Dritte weitergeleitet werden und nach der Umfrage vollständig gelöscht werden.

http://www.pro-research.net/2hm/MA_KM_A ... 7&ipw=MAKM

Die Online-Umfrage wird ungefähr 15 Minuten dauern. Unter allen Teilnehmern, die im Mai 2017 an der Befragung teilnehmen, verlose ich 3 Amazon-Gutscheine im Wert von jeweils 50 Euro.

Für Deine E-Mail-Angaben danke ich Die schon heute im Voraus ganz herzlich. :D

StudentKM

* Generation X: Menschen, die zwischen 1965 und 1983 geboren sind.
Generation Y: Menschen, die zwischen 1984 und 1994 geboren sind.
Generation Z: Menschen, die zwischen 1995 und 2005 geboren sind.

Max-Xaver
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Und die Sau wird weiter durch das Dorf getrieben.

Beitrag von Max-Xaver » 31.08.2017, 11:22

Da mal "wieder" der Eindruck von hoher Stelle erweckt wird, in D droht der Stillstand, wenn nicht endlich weitere Fachkräfte geschnitzt werden, möchte ich diesen Block aufwärmen, um weitere Meinungen zu hören.

mfG

katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag » 31.08.2017, 17:48

Fachkräftemangel kann ich für meinen Bereich (Gastronomie), das Baugewerbe und den Bereich der Gesundheits- und Altenpflege nur bestätigen: Selbst in Sterne-Restaurants lassen sie heute ungelernte, erfahrungslose Aushilfen an den Gast - wundern sich dann über sinkende Gästezufriedenheit, schlechte Reviews auf tripadvisor und insgesamt weniger Umsatz. Ist kurzfristig aber billiger.

In letzter Zeit mal die Handwerkerrechnung kontrolliert? Wie viele Gesellenstunden musst Du zahlen? Und wer war da tatsächlich ausgelernt und nicht nur Helfer? Wessen Gesellenbrief hast Du denn gesehen?

Auf der Pflegestation im Seniorenheim kann es ganz locker mal passieren, dass die minderjährige Schülerpraktikantin die Tabletten austeilt. Auch die Betablocker für Deine Oma.

Unattraktive Bezahlung, viele Überstunden, schwarze Schafe bei den Arbeitgebern, 'Geiz ist geiz'-Mentalität in der breiten Masse, mangelndes Qualitätsbewusstsein ebenda - spielt alles mit in die Fachkräftemangel-Diskussion rein.

IndyFred
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Beitrag von IndyFred » 09.09.2017, 16:58

Also für mich zeichnet sich ein ganz unterschiedliches Bild. Ich erlebe es in meinem Bekannten und Freundeskreis so, dass es in kleinen Betrieben überwiegend darum geht, dass die Firmen "laufen". Sprich es gibt keine Zeit und auch gar nicht den Willen bzw. die Anstrengung, dass probiert wird Mitarbeiter eine Perspektive zu schaffen. Diese sind dann i.d.R. schnell unmotiviert und es kommt zu hoher Fluktuation. Bei der Suche neuer Mitarbeiter ist es dann erneut nicht so wichtig wie gut die neuen Mitarbeiter qualifiziert sind. Es geht einfach nur darum den Betrieb am laufen zu halten.

Ein anderes Bild zeichnet sich bei den größeren Betrieben. Diese haben aus meiner Sicht mehr erkannt, dass es lohnenswert ist gute Mitarbeiter noch besser zu machen und bei der Suche neuer Mitarbeiter gezielt auf Leute zu setzen die bereits was können oder bei denen Potential vermutet wird. In den Personalabteilungen wird anscheinend dafür das Wort Talentmanagment geprägt. Das habe ich mittlerweile schon ein paar Mal im Rahmen dieser Diskussion gehört.

So ist jedenfalls meine Wahrnehmung. Sprich ich denke teilweise gibt es einen Fachkräftemangel. Dieser ist jedoch auch dem Faktor geschuldet, dass der Faktor Weiterbildung selbstverschuldet verschlafen wurde...

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