Führungs- oder Fachkarriere - Ingenieur chemische Verfahrenstechnik - unsicher mit aktueller Jobwahl

Auch im Berufsleben steht man immer wieder vor Herausforderungen und Problemen. Die könnt ihr hier diskutieren.
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Anonym1234
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Führungs- oder Fachkarriere - Ingenieur chemische Verfahrenstechnik - unsicher mit aktueller Jobwahl

Beitrag von Anonym1234 » 17.06.2019, 09:56

Hallo an Alle,

Ich versuche mich relative kurz zu fassen:
Ich habe anfangs des Jahres mein Studium als Ingenieur (chemische Verfahrentechnik) abgeschlossen. Das ganze Studium drehte sich um Auslegung und Bilanzierung von Prozessen in der chemischen Industrie und ein paar weiteren Vertiefungen zu spezieller Software inkl. Programmierung sowie Grundlagen der physikalischen und analytischen Chemie.
Nach/Während dem Studium hab ich ein paar Bewerbungen rausgehauen und habe mehr oder weniger das erste Angebot angenommen – das keiner Zeitarbeit entsprach. Wieso auch nicht, die Bezahlung war/ist gut und das Auswahlverfahren hart. Leider war mir der Unterschied nicht so ganz klar – im Gegensatz zu jetzt – was eine reine außertarifliche Führungskarriere (Managerposten) ist. Positiv ist, dass im regelmäßigem Turnus von ca. zwei Jahren die Stelle gewechselt wird und schnell eine höhere Leitungsposition erreicht werden kann und auch soll/muss. Negativ – oder für einige auch positiv – ich brauche 0 % mehr aus dem Studium und bin im stressigen Tagesgeschäft involviert. Die Firma arbeitet nur nach einem abgewandelten Toyota Production System, wenn ich den Namen sage, ist mein Unternehmen schon bekannt. Viele kleine Aufgaben und sehr hoher Anteil an Meetings, die Zeit stehlen. Sehr viele Nachforschungen, wenn Mitarbeiter Fehler begehen. Reine Koordination von Koordinationsbetrieb und Technikern.
Was sind meine Befürchtungen:

1.) Wenn ich z. B. 2 Jahre in dieser Firma bleibe, gibt es keinen Weg mehr zurück – sprich Bewerbungen auf Ingenieursstellen kann ich vergessen, oder? ... ich habe jetzt schon sehr viel Grundlagen aus dem Studium vergessen

2.) Ich bin auf diese Firma angewiesen, weil alles, was ich lernen werde, sehr spezifisch für diese Firma ist.

3.) Ich habe keine Fähigkeiten mehr, außer Koordinieren – nach einigen Jahren.

Wie seht ihr das? Vielleicht tummeln hier auch HRler oder Leute mit langer Erfahrung. Man kann auch immer die Chancen sehen, aber nach 2-3 Jahren Managertätigkeit ist es wohl sehr schwer, wieder in Anlagenbau oder Prozessdesign – ohne Berufserfahrung in diesem Bereich – zu wechseln, oder? Andersherum, sollte es sicher möglich sein.

Ich habe auch kein Problem mit AT Stellen und Arbeitszeiten zwischen 40-50 h die Woche, aber bitte mit Projekten und Arbeit, bei der die Zeit wie im Flug vergeht ("Spaß macht"). Noch besser wäre natürlich für einen Berufseinstieg eine tarifliche Stelle (Chemietarif, E11, 37,5 h Woche) – da super Work-Life-Balance – aber leider gibt es diese fast ausschließlich bei Leasing-Firmen (IGZ Tarifvertrag) – sehr schlecht bezahlt.

Wie war euer Berufseinstieg? Wie habt ihr angefangen?

tanda
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Re: Führungs- oder Fachkarriere - Ingenieur chemische Verfahrenstechnik - unsicher mit aktueller Jobwahl

Beitrag von tanda » 17.06.2019, 18:03

Da du mit deiner aktuellen Tätigkeit unzufrieden zu sein scheinst, solltest du dich auf jeden Fall weiterbewerben und keine zwei Jahre beim aktuellen AG bleiben. Ich denke auch, dass du nach zwei Jahren Bewerbungen auf Ingenieursstellen vergessen kannst. Denn ohne Berufserfahrung in einen anderen, spezielleren Bereich zu wechseln ist immer schwer.

Anonym1234
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Re: Führungs- oder Fachkarriere - Ingenieur chemische Verfahrenstechnik - unsicher mit aktueller Jobwahl

Beitrag von Anonym1234 » 18.06.2019, 12:58

Danke, das bestätigt meine Sorgen. Damals sagte man hier am ersten Arbeitstag, nach 2 Jahren kannst du dich immer noch auf andere Stellen bewerben, auch in der Firma, bei der du im ersten Anlauf nicht angekommen bist. Jedoch stelle ich mir das sehr schwer vor, sich ohne Berufserfahrung und langer Lücke zum Studium gut verkaufen zu können, dass man fundierte Kenntnisse in einem anderen Bereich hat. Einmal Manager, immer Manager. Plötzlich Auslegungen machen zu wollen bedarf schon Personalnot.

Mir fehlt hier vor allem auch "die Chemie" und die Inhalte und Schnittstellen aus Praktika und Fächern, die ich erlernt habe.

Also am besten weiter während der Probezeit nach Stellen suchen und dabei weiter Geld verdienen, war ist mein Plan. Noch ist ja Zeit und die Kündigungsfrist von 2 Wochen sehr "spontan".


Gibt es hier andere Ingenieure, die eventuell lange Berufserfahrung vorweisen können und ihren Senf dazugeben möchten/können? Sicher gibt es Stellen, die mehr Türen öffnen, als die beschränkte Job Rotation innerhalb eines Standorts/Unternehmens. Findet ihr Zeitarbeit dafür geeignet? Ich finde, dass die Bezahlung mit knapp 15.000-10.000 € Brutto schon deutlich unter dem Durchschnitt liegt, was die Industrie zahlt. Ein Wechsel in Zeitarbeit wäre finanziell schon etwas deprimierend... jedoch können diese Firmen sehr genau nach Wunschtätigkeit vermitteln - so war zumindest mein Gefühl.

tanda
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Re: Führungs- oder Fachkarriere - Ingenieur chemische Verfahrenstechnik - unsicher mit aktueller Jobwahl

Beitrag von tanda » 18.06.2019, 23:22

Anonym1234 hat geschrieben:
18.06.2019, 12:58
Mir fehlt hier vor allem auch "die Chemie" und die Inhalte und Schnittstellen aus Praktika und Fächern, die ich erlernt habe.

Also am besten weiter während der Probezeit nach Stellen suchen und dabei weiter Geld verdienen, war ist mein Plan. Noch ist ja Zeit und die Kündigungsfrist von 2 Wochen sehr "spontan".
Genau so würde ich das machen. Die Kündigungsfrist von zwei Wochen macht dich zu einem Kandidaten, den die Firmen quasi sofort bekommen können. Und im Anschreiben kannst du ja argumentieren, dass du gerne inhaltlich arbeiten möchtest.
Gibt es hier andere Ingenieure, die eventuell lange Berufserfahrung vorweisen können und ihren Senf dazugeben möchten/können? Sicher gibt es Stellen, die mehr Türen öffnen, als die beschränkte Job Rotation innerhalb eines Standorts/Unternehmens. Findet ihr Zeitarbeit dafür geeignet? Ich finde, dass die Bezahlung mit knapp 15.000-10.000 € Brutto schon deutlich unter dem Durchschnitt liegt, was die Industrie zahlt. Ein Wechsel in Zeitarbeit wäre finanziell schon etwas deprimierend... jedoch können diese Firmen sehr genau nach Wunschtätigkeit vermitteln - so war zumindest mein Gefühl.
Ich bin zwar kein Ingenieur, habe aber viel Berufs- und Bewerbungserfahrung. Zeitarbeit würde ich zumindest als Option prüfen. Ob diese Firmen sehr genau nach Wunschtätigkeit vermitteln können, weiß ich nicht. Ich habe mich zwar mehrmals bei Zeitarbeitsfirmen beworben, hatte aber keinen Erfolg. An deiner Stelle würde ich Jobsuchagenten bei allen großen Jobbörsen (Stepstone.de, Monster.de, Arbeitsagentur.de, Kimeta) einrichten. Dadurch bekommst du regelmäßig per E-Mail Suchergebnisse mit Stellen, die passen könnten und du hast viel weniger Aufwand mit der eigentlichen Stellensuche. Vielleicht hilft auch ein XING-Profil, in das du deine fachlichen Interessen einträgst. Mich haben über XING schon mehrfach Personalvermittler angeschrieben, die eine Stelle zu besetzen hatten.

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