Für den Lebenslauf leben?

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Caroline
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Für den Lebenslauf leben?

Beitrag von Caroline » 06.08.2006, 20:13

Zwischen den Ansprüchen der Arbeitgeber und den individuellen Lebensläufen der Bewerber, die eben so unterschiedlich wie das Leben sind, klafft eine nicht zu übersehende Lücke. Um diese Lücke zu schließen, bleiben dem Bewerber meistens nur zwei Möglichkeiten. Entweder er hübscht den Lebenslauf etwas auf, macht Schwächen zu Stärken, "ignoriert" einen Zeitraum der Arbeitslosigkeit und schreibt stattdessen Weiterbildung mit Berufsorientierung und so weiter. Oder der Bewerber lebt für seinen Lebenslauf und macht alles, was die Arbeitgeber mit ihren hochgeschraubten Erwartungen verlangen. Das heißt für Uni-Absolventen Auslandsstudium, fünf, sechs Praktika, Fremdsprachenkenntnisse (am besten natürlich in exotischen Sprachen), überdurschnittlicher Notendurchschnitt, außerstudentisches Engagement und so weiter.

Je mehr Bewerber aber diese Anforderungen erfüllen, desto höher werden die Anforderungen geschraubt. Und der Wettlauf, sich als bester Bewerber darzustellen, beginnt von vorne. Da die Anforderungen aber kaum ehrlich erfüllt werden können und zur Erfüllung so bei der Bewerbung viel getrickst werden muss (Längerer Urlaub wird beispielsweise zu sechsmonatigem Auslandsaufenthalt deklariert), stellt sich die Frage, ob der Bewerber mit vom Leben gezeichneten Ecken und Kanten sich treu und ehrlich bleiben oder ob man das Spiel der "Oberflächlichkeit" und "Unehrlichkeit" mitspielen sollte, um dann im schlechtesten Fall an ein Unternehmen zu geraten, wo "Oberflächlichkeit" und "Unehrlichkeit" nicht nur im Bewerbungsprozess belohnt wird, sondern im Unternehmen dann sogar zum Alltag gehört.

Inwieweit habt ihr euch bei eurer Aus- und Weiterbildung und in der Berufspraxis soweit verbogen, dass ihr zwar den Unternehmen gefallen konntet, aber eigentlich nicht mehr authentisch wart?

TEMproMens
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Beitrag von TEMproMens » 06.08.2006, 20:28

Also ich lebe mein Leben.

Es gibt sicher genug Leute, die ihr Arbeitsleben besser planen.

Aber ich habe leider auch schon eine große Lücke drin (langes Studium durch persönliche Probleme) und wenn mich so jemand nicht mag, dann ist das eben so.
Wie Du sicher schon gelesen habe, habe ich deswegen beim letzten Vorstellungsgespräch auch arg gepatzt. Aber wenigstens bleibe ich authentisch. Verbiegen, Unehrlichkeit und Sich Anbiedern - das bin ich nicht!
Außerdem ist übertriebene Konkurrenz und auf den anderen draufsteigen um nach oben zu kommen auch nichts für mich. Ich liebe ehrliche Zusammenarbeit, wo man sich gegenseitig hilft. Lieber mache ich gut meine Arbeit und fühle mich wohl, als mich nach oben zu drängeln. Eher lasser ich mich wohl ausnützen, als andere auszustechen...

Ich denke, mit diesen Eigenschaften bin ich wohl nicht ehrgeizig genug und damit nicht gefragt... :roll:

... aber damit kann ich leben. Karriere ist mir nicht das wichtigste. Ich denke auch, entweder passt es und es ergibt sich, oder es wird etwas anderes...

lG

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ksmith
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Beitrag von ksmith » 12.08.2006, 10:19

Also ich finde, in der heutigen Zeit kann man sein Arbeitsleben nicht mehr Planen wie früher.
Die Zeiten haben sich um 180 Grad gewendet.
Wo man früher zum Chef gegangen ist und um eine Gehaltserhöhung gebeten hatte, mußte man nur sagen, dass man ein Angebot von einer anderen Firma bekommen hat, um die Erhöhung zu bekommen.
Heute sagt der Chef nur: "dann geh doch".

Die großen Entlassungswellen zur Gewinnmaximierung der Unternehmen können jeden treffen, egal wie gut oder schlecht er/sie arbeitet.
Auch der Verlust des Arbeitsplatzes durch Auslagerung des Jobs in ein Billiglohnland kann jeden treffen.
Schaut Euch doch mal die großen Banken und Versicherungen an oder die Telekom, die bis 2008 32.000 MA`s abbauen will. Und bei allen wollen sie es sozial verträglich machen.

Was ist daran sozial Verträglich, wenn der Markt keine Jobs hergibt und man in ein soziales Nirvana fällt?

Studenten, die Ihr Studium super abgeschlossen haben stehen auf der Strasse, da es einfach keine geeigneten Stellen mehr gibt, oder die Voraussetzungen der Unternehmen mittlerweile so hich gesteckt sind, dass sie kein normaler Mensch erfüllen kann.

Es ist wirklich eine verkehrte Welt, in der wir leben, aber die Politiker schaffen aus Angst vor den tragenden Wirtschaftsunternehmen keine Arbeitnehmerfreundliche Gesetzgebung, sondern immer nur das, was die Arbeitgeber wollen.

Ist wirklich ein Scheiß spiel.

Gruss
Ken

Mona-Lia
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Beitrag von Mona-Lia » 12.08.2006, 17:58

Früher hab ich auch nach dem Grundsatz gelebt "Wenn ich Euch nicht passe, dann lasst es doch".
Leider musste auch ich erfahren, dass man damit heute nicht mehr unbedingt weit kommt in der beruflichen Laufbahn. Es ist ganz einfach: Wenn man denen nicht passt, dann lassen sie es eben.
Ich hab mir schwer Sorgen um meinen Lebenslauf gemacht während meiner Arbeitlosigkeit, mach ich mir immer noch. Mein Lebenslauf war jahrelang perfekt. Immer wieder ein Schritt nach vorn, immer ein bisschen mehr Verantwortung. Und dann plötzlich der Einbruch...
Ich versuch es geschickt zu vertuschen, schreibe ich habe die Zeit für Reisen genutzt, um durch zu atmen, neue Perspektiven zu fassen und Energie zu tanken . Und zwischendurch eben temporäre Einsätze gemacht, was auch stimmt.
Aber ich werde IMMER darauf angesprochen. Es ist halt wie ein grosses rotes Tuch in meinem Lebenslauf, diese Lücke.
Jetzt ist der Druck natürlich gross, dass mein nächster Job wieder passt und mich ein paar Jährchen hält, damit mein Lebenslauf wieder auf Kurs kommt und die Lücke nicht mehr relevant ist.
Deshalb geh ich bei jedem Vorstellungsgespräch auf das Gegenüber ein, geb mir Mühe, genau das zu sagen, was sie hören wollen.... Man kann es mir schlich nicht mehr erlauben zu sagen: "Take it or leave it" ! :cry: Der Ball ist heute definitiv bei den Arbeitgebern...

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Beitrag von TEMproMens » 12.08.2006, 18:45

Naja, angesprochen wurde ich auch auf meine Lücke. Ist ja logisch, dass die das abklopfen wollen. Ich war halt ehrlich und somit authentisch.
Darum denke ich, habe ich dennoch meinen Traumjob bekommen.

Wieviele perfekte Arbeitnehmer gibt es wohl wirklich?
Und was sagt eine Lücke im LL über mich aus? Dass ich ein Mensch bin? Ja, und?
Der größte Fehler, den wir begehen können, ist, dass wir uns ständig mit anderen vergleichen...

Im Grunde ist es doch nur die Frage, wie man damit umgeht. Schäme ich mich, oder gehe ich locker damit um und stehe dazu?

Der Arbeitgeber wünscht sich natürlich dies und das. Aber wünschen kann man sich viel. Ich habe als Arbeithemerin auch gaaanz viele Wünsche!

lG

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ksmith
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Beitrag von ksmith » 12.08.2006, 18:53

Ich habe ja in meinem LL auch die ein oder andere Lücke drin, empfinde es aber nicht als negativ.

Wenn man mich darauf anspricht, muss ich nur offen und ehrlich darauf antworten.

Das ist besser, als sich etwas zusammenzureimen. Denn Lügen oder kleinere Schwindeleien fliegen immer irgendwann mal auf.

Gruss
Ken

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Beitrag von TEMproMens » 12.08.2006, 18:59

Man darf auch nicht vergessen, dass so kleine Lücken und Fehler extrem sympathisch wirken.

Stellt Euch nur mal den perfekten Arbeitnehmer vor, der auch noch vor Selbstsicherheit strotzt. So etwas ist doch sicher nicht so interessant, wie jemand, bei dem nicht immer alles glatt lief und der auch mal dazu steht "ja, da habe ich eben dies und das... das war damals wichtig, heute würde ich es anders machen." Vor allem, wenn jemand zu seinen Fehlern steht, ist das extrem positiv. Das ist ein Mensch, der Verantwortung für sein Tun übernimmt. Der sich dann auch überlegt, was habe ich aus dieser Sache gelernt damals?

lG

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ksmith
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Beitrag von ksmith » 12.08.2006, 19:07

Frei nach dem Motto: " Ich war jung und brauchte das Geld!"..... :D

Gruss
Ken

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Beitrag von Mona-Lia » 12.08.2006, 19:25

ja, das ist ja alles schön und gut mit den kleinen Fehlern, netten Macken, LL-lücken oder Zahnlücken....

Aber meine Erfahrungen sind so, dass die Chefs heutzutage Chefs sind, die auf Fakten und Leistung schauen und gar nicht das Zeugs oder die Zeit dazu haben, sich mal auf der psychologischen Ebene mit den Bewerbern auseinander zu setzen... Jedenfalls ist da selten jemand auf mich eingegangen, wenn ich mal einen kleinen Schritt Richtung "Ich versuchs Dir jetzt mal ehrlich zu erklären" unternommen habe....

Ausser einmal, da hat mir doch tatsächlich das Gegenüber geantwortet: "Ich versteh das gut....." :P Und wisst ihr was ? Das war auch die einzige FRAU, mit der ich je ein Vorstellungsgespräch geführt habe !!! (sie hat es natürlich mit mir geführt.... vor einer Woche, ich warte also noch sehnlichst auf Antwort )
Da ist die Ebene halt sofort weicher... Bei Männern heisst es dann immer "ja wie meinen Sie das jetzt, erklären Sie das mal näher".. das ist dann, wenn ich mich ziemlich in meinen Erklärungen verstricke und mir wünschte, ich hätte es gar nie angesprochen....

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Beitrag von TEMproMens » 12.08.2006, 19:34

Leider ziehen Männer solche Sachen oft viel schneller auf eine emotionale Ebene. Ist mir auch passiert. Plötzlich ist nicht mehr das fachliche im Vordergrund. Ich habe da echt oft das Gefühl manchen Männern fällt es schwer sachlich zu bleiben. Vor allem, wenn sie für sich in Anspruch nehmen ja sooo super professionell zu sein *flöt*

Ich denke, wir beide, Mona-Lia haben da nur noch nicht gelernt damit umzugehen. Männer untereinander sind oft viel nachsichtiger, weil sie sich auf der anderen Seite ständig verstellen und bluffen.
Frauen legen leider Schwächen auch zu schnell bloß, meine ich und Männer nutzen sowas dann leider manchmal...
Da brauche ich auch nur mal daran zu denken, dass es anscheinend noch immer Männer gibt, die eine Frau als Chef nicht akzeptieren können und dann diese so lange Psychoterroe-mößig bearbeiten, bis diese aufgibt. Da könnten wir alle noch intrigenmäßig dazulernen.
Nur der Fehler der Frauen ist oft, dass sie zuwenig Souveränität und Auorität ins Spiel bringen. Da bräuchte es viel mehr Supervision, meine ich.

ABER es gitb totel viele Männer, die auch gaaanz anders sind. Ein Gespräch hatte ich mit einem, der meinte, sofort ich kann das alles und ich schaffe das alles, da ist er sich sicher und er meinte, dass er von meinem Auftreten beeindruckt ist. Wir haben dann noch ein bisschen über unser Studium gefachsimptel (waren aus dem selben Stall sozusagen *g*) und das war sehr nett.

Nur ich hatte auch schon Gespräche, wo das Gegenüber extrem überheblich wurde und sich dann obendrein noch bemüßigt fühlte mich zu belehren, wie es wirklich in der Arbeitwels aussieht... :roll:
Aber ich weiß sowieso, dass ich an solchen Stellen nicht arbeiten will. Das macht es leichter :lol:

Mona-Lia, versuche aus solchen Vorfällen zu lernen, aber schließe daraus nicht, dass Deine Lücke eine Katastrophe ist...

lG

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Beitrag von Mona-Lia » 12.08.2006, 19:47

auch deine Worte in Gottes Ohr "TEMproMENS",

ja, wir Frauen müssen da noch einiges lernen an Skrupellosigkeit, Dreistigkeit, Bestimmtheit und Überheblichkeit....

Meinen Job letztes Jahr hab ich aus genau den Gründen aufgegeben. Ich wurde zum Spielball von den 2 Herren (Chefs) über mir und manchmal dachte ich echt, die machen mich fertig, weil sie zu Hause nichts sagen dürfen und totale Pantoffelhelden sind... Naja, ich hätte entweder hysterisch werden können oder eben meine sieben Sachen packen.... !

Die Zeit danach und jetzt haben aber auch mich härter gemacht, eben: was einem nicht umbringt macht einem stark ! Das hat halt schon was.... und ich bin mir sicher, sollte ich je wieder Vorgesetzter von jemandem sein, wird das wohl etwas "strenger " ablaufen.... :wink:

(klingt das etwa nach Rache eines frustrierten Weibes ? :wink: )

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ksmith
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Beitrag von ksmith » 13.08.2006, 10:08

Also ich habe mit Frauen als Vorgesetzte oder Gesprächspartner fast immer das Gegenteil erlebt.
Sie waren meist härter und direkter als die Männer in vergleichbaren Jobs.

Ich habe es immer als ablenkend empfunden ein Vorstellungsgespräch mit Frauen zu führen als mit Männern, was aber wohl anders herum genau so der Fall sein dürfte. Wenn Frauen ein Gespräch mit Frauen führen ist es meist anders als Frauern mit Männern.

Als ganz besonders störend und ablenkend empfinde ich es hinzu noch, jetzt kommt der Machospruch, wenn der Gesprächspartner noch sehr gut aussieht und so noch zusätzlich für Ablenkung sorgt. Männer sind da wohl sehr leicht ablenkbar.
Frauen entscheiden dann auch noch eher emotional, wo die Männer eher Sachlich bleiben.

Aber wie gesagt, meine Erfahrungen sind, dass Frauen als Gesprächspartner bei einem Vorstellungsgespräch wesentlich härter sind.

Gruss
Ken

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Beitrag von Mona-Lia » 13.08.2006, 10:20

ja, das glaub ich dir sofort...

Da kommt dann das alte Muster ins Spiel: "Er muss merken, dass ich hier der Boss bin". Was ja eine Frau als Chef gleich klarstellen muss und auch so kommunizieren, wenn sie ernst genommen werden will !!!

Männer lächeln in solchen Situationen gern über Frauen, und nehmen ganz unbewusst die "Macho"-Haltung an.... (ach geh Dir doch die Fingernägel lackieren.... :lol: )

Da die Welt nun halt leider immer noch so ist und die Männer eher in den Chef-Sesseln sitzen, kommt es soooo selten vor, dass eine Frau das Vorstellungsgespräch führt. Vielleicht 1 aus 20 ! Um so entspannter ist es dann.... Aber wiederum wenn er und sie Chefs sind und das Vorstellungsgespräch gemeinsam führen, dann kommt die Frau immer eher als "Biest" weg.... ( Gott bewahre Euch von einem Chef-Ehepaar !!!) Wahrscheinlich wieder aus den alten Mustern handelnd: Hey, aber ich hab auch noch was zu sagen !!!

Sei es wie es ist: Möge einfach der Beste der Chef sein, ob Mann oder Frau :wink:

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ksmith
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Beitrag von ksmith » 13.08.2006, 10:38

Moin,

auch diese Situation habe ich erlebt.
Nicht als Chefehepaar, aber das war ein Gespräch wo ich mir richtig als Würstchen vorkam.

Gesprächteilnehmer waren:
Abteilungsleiterin
Teamleiterin
Geschäftsführer
Betriebsratsmitglied

Die ersten drei saßen nebeneinander an einem Großen Konferenztisch am Kopf. Ich gegenüber und zwei Stühle weiter der Kerl vom BR, der wohl eher für meine Rückenstärkunug da sein sollte.
Ich kam mir echt verlassen vor und die Frauen sind wirklich als Biester aufgetreten. Hätten glatt in einem Dominastudio anfangen können.
Bei diesem Gespräch hatte ich nicht den Hauch einer Chance gehabt, davon mal abgesehen, dass ich für die nie hätte arbeiten wollen.

Aber auch bei Männern hatte ich ähnliche Erlebnisse gehabt.
Man kann das also nie wirklich über einen Kamm scheren.

Gruss
Ken

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Beitrag von Mona-Lia » 13.08.2006, 11:06

da gehen bei mir auch immer die "Warnblinker" an, wenn da
mehr als 2 Personen (Chef und Personalchef) ins Vorstellungsgespräch
involviert sind.... Ok, in der zweiten Runde mit direktem Vorgesetzten und dem Team mal ein Wort wechseln ist ok.

Aber wenn da die halbe Firma am Tisch sitzt, da sinkt meine Laune. So nach dem Motto: "Hier haben alle was zu sagen, aber keiner wirklich was." Aber jeder nutzt die Chance zu demonstrieren, dass er am Schluss derjenige ist, der entscheidet. Es ist dann mehr so ein Machtspiel innerhalb der Anwesenden und hat mit einem wirklichen Vorstellungsgespräch nicht sehr viel am Hut.

Solche Situationen sagen immer bereits viel über die Firmastruktur aus.... Ich mags lieber, wenn jeder weiss, was und wieviel er zu entscheiden hat !!!

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ksmith
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Beitrag von ksmith » 13.08.2006, 11:18

Da stimme ich vollkommen zu.

Es gibt nichts schlimmeres, wie wenn lauter möchtegern Manager am Tisch sitzen.

Die psychologische Komponente für den Bewerber ist da auch nicht zu verachten, wenn aus allen Ecken halbherzige Fragen oder Komentare kommen.
Das belastet sehr und man geht mit einem richtig beschissenen Gefühl aus so einem Gespräch.
Da wäre am Ende noch ein Psychologe nicht schlecht um einen wieder aufzubauen.... :o

Ich vertrete die Meinung, das erste Gespräch sollte entwerde mit der Perso stattfinden oder mit dem Abteilungsleiter. Maximal beide. Aber keinesfalls mehr, sonst läuft man auch Gefahr sich im Gespräch nicht alle Namen merken zu können.

Richtig übel war auch mal eine art Vorstellungsgespräch am Telefon in Form einer Telefonkonferenz.
Da der Lautsprecher bei den beiden eingeschaltet war und beide den Hörer nicht in die Hand genommen hatten, war die Akkustik miserabel undich konnte kaum verstehen, was die eigentlich wollten.
Kein wunder, dass die seit drei Monaten immerwieder die gleiche Anzeige schalten und weiterhin Leute suchen.

Gruss
Ken

TEMproMens
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Beitrag von TEMproMens » 13.08.2006, 13:13

Oh, Frauen können sicher auch extreme Biester sein. Ich würde mal sagen immer dann, wenn sie "besser, härter, ehrgeiziger, erfolgreicher" als die Männer sein wollen. Und meistens muss eine Frau doch noch über einige Männerleichen steigen beziehungsweise mal einen Spießrutenlauf durch die Männerwelt machen, bevor sie weiterkommt.
Allerdings habe ich auch schon von Männern gelesen, dass es unter Männern auch nicht viel besser ist. Männer diskriminieren sich auch gegenseitig. Nur Männer sind weit eben geschickter im Netzwerken.
Was ich nicht verstehe, warum viele Frauen das nicht hinkriegen. Ich versuche es immer ein wenig...
Wobei ich das bei Frauen auch kenne. Wenn man sich in manchen Bereichen nicht ins Weibchenschema schmiegt, ist man schon eine schreckliche Emanze und was weiß ich - gut damit kann ich auch leben. ;)

Also im Grunde schenken sich die Geschlechter beide nix.

Ich weiß nicht, ob ich es noch erleben werde, dass Männer und Frauen sich nicht mehr gegenseitig fertig machen und diskriminieren :roll:

Ansonsten denke ich wirklich oft, dass ich eben auch nicht skrupellos genug bin. Wenn man nicht Ellbogen mit Rasiermessern hat und über andere drübersteigt, gilt man doch heute schon als nicht ehrgeizig genug :?
Ich weiß aber bis jetzt nicht, ob ich wirklich jemals so eine hohe Führungsposition haben will. Ein paar Leute um sich haben - o.k., aber Chef? Erstens weiß ich nicht, ob ich das psychisch stemmen würde und auf der anderen Seite will ich noch etwas von meinem Leben haben. Geld ist für mich da nicht soo wichtig und machtgeil bin ich bisher auch nicht... aber was nicht ist, kann ja noch werden. :lol:
Mona-Lia, ich bewundere Dich wirklich wie Du das bisher geregelt hast. Aber als Chef braucht man glaube ich eine gute Supervision...

lG

Mona-Lia
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Beitrag von Mona-Lia » 13.08.2006, 14:20

TEMproMENS,
danke für die Blumen, aber ich hab es eben nicht ganz geregelt gekriegt... Jahrelang hatte ich so meine 5-8 Personen, die " machen mussten was der Chef sagte :wink: ", das ging ganz gut und ich hab es immer ordentlich hingekriegt.

Ich bin so der Typ "Ich verlange nichts, was ich auch nicht selber mache" und hab extrem darauf geschaut, dass alle im Team sich gleich behandelt fühlen und zufrieden sind, Konflikte haben wir schön ausgequatscht (ich beherrsche die Kunst Kritik so auszuteilen, damit das Gegenüber tatsächlich das Gefühl hat, das sei alles bloss zu seinem Besten ... :wink: )

Dann eben war ich plötzlich der "grosse" Chef (von ca. 20 Mitarbeitern), über mir selbstverständlich noch die Herren in den Sesseln (deren 3). Naja, und da war ich dann am Ende mit meinem "Latein". Da ging es dann eben plötzlich darum ans Unternehmen zu denken (wär ja noch eine Sache gewesen, wenn ich eingesehen hätte, das die Massnahmen zum Unternehmenserfolg beigetragen hätten) und nicht an das Schicksal einzelner Mitarbeiter... Sie wollten einfach die ganze Crew auswechseln, die mir bereits ans Herz gewachsen war, weil sie mich so nett aufgenommen haben als "Newcomer-Chef" und mich echt unterstützt haben. Ich hab wirklich gekämpft, fand es unfair und wollte da nicht mitmachen.
Als typische Frau hab ich mir alles zu sehr zu Herzen genommen.

Wie gesagt wurde ich zum Spielball, von oben die Befehle und dann so tun, als ob ich dahinter stehen würde. Das hat meine Psyche nicht einfach so hingenommen und nach vielen schlaflosen Nächten mit Bauchkrämpfen hab ich kapituliert.... Ich bin einfach nicht dafür geschaffen, über Leichen zu gehen.... soviel Prinzipien muss einfach sein !!!

Und so sitz ich da und frag mich, ob ich es weiterhin da "oben" versuchen soll, oder mich einfach irgendwo in der sicheren Mitte niederlassen soll.... aber wie gesagt, ich lass mich ja jetzt mal coachen. Die kriegen mit Ihren tollen Analysen von Fremd- und Selbstbild etc. ja einiges raus... :wink:

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Beitrag von FRAGEN » 13.08.2006, 15:46

@Mona-Lia

Habe ja schon gelesen, wie Du zu "Du musst halt einfach..."- Statements lachender Unbeteiligter stehst - und verstehe das auch bestens! Trotzdem noch ein spontanes von meiner Seite: M. E. "musst Du" (PEACE!) gucken, dass Du "oben" in einem kleinen Unternehmen unterkommst... wo Du eine lebenslaufkompatible Rolle in "Deinem" Maßstab, d. h. einem rein zahlenmässig noch überschaubaren Umfeld einnehmen kannst. Gegen seine Natur zu arbeiten kann, glaube ich, niemals gutgehen...

Und was den vielbeschworenen Geschlechterkrieg angeht: Ich habe bisher nur gute Erfahrungen mit weiblichen Vorgesetzten gemacht!

Interessant finde ich dabei noch TEMproMensens Aussage zum Thema "Rationaliät/Emotionalität". Mein Eindruck ist ein ähnlicher: Sie nehmen emotionale Gesichtpunkte (z. B. was das Arbeitsklima angeht) zwar ernster - und scheinen trotzdem rationaler in den eigentlichen Entscheidungen zu sein. Zumindest habe ich da bisher wesentlich seltener eine "DEM zeig ich´s jetzt!"-Haltung als entscheidenden Antrieb gesehen... genauso wie die nicht minder kindische "SCHEISSE - warum haben WIR nicht das, was DIE haben?"-Haltung... einfach eher aus der Sache selbst heraus...

Der langen Rede kurzer Sinn: Bleibt, wie Ihr seid! ;-)

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Beitrag von Mona-Lia » 13.08.2006, 16:15

ja, das ist wohl völlig richtig- nicht gegen die eigene Natur arbeiten !!!

Zur Zeit bin ich mir aber noch nicht ganz schlüssig, ob es der Job, das heisst die Position war die nicht zu mir passte oder der Betrieb!! Mein Umfeld sagt natürlich : Der Betrieb ! Aber so sind halt Freunde und Familie, die stehen immer zu einem....

Deshalb bin ich ganz gespannt was die Leute sagen, die weder mich noch den Betrieb persönlich kennen, sondern das ganz einfach sachlich analysieren... In ein paar Tagen weiss ich mehr !

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Beitrag von ksmith » 13.08.2006, 17:28

Also was ich aber oftmals festgestellt habe, und das überwiegend bei weiblichen Vorgesetzten, ist die "Mutter Theresa Rolle".
Es allen immer recht machen zu wollen.

Das geht einfach nicht. Genauso halte ich es für einen riesen Fehler eines Vorgesetzten, wenn er/sie sich zu privat mit den Mitarbeitern einläßt.
Ich sage nicht, dass das hier der Fall war, dazu weis ich zuwenig, aber der Abstand eines Vorgesetzten zu den Mitarbeitern ist sehr wichtig, um neutral allen gegenüber zu bleiben.

Ansonsten entsteht Neid und das kann schlimme Folgen haben.
Auch versuche ich, selbst wenn ich einen Chef schon sehr lange kenne, immer beim "Sie", zumindest in der Firma, zu bleiben.
Ein "Du" gegenüber dem Chef ist schon wieder zu persönlich.

Das hatten wir bei unserer letzten Teamleitung und beim Service Manager.
Da haben sich ein zwei Kollegen mit denen angebandelt und sind privat mit denen unterwegs gewesen. Somit entstand eine ungleiche Behandlung gegenüber den anderen Mitarbeitern und es ist ein nicht wieder gutzumachender Schaden am Team. Diesen ASchaden kann auch der neue Teamleiter, mag er noch so gut und neutral sein, nicht wieder gutmachen. Auch wenn er nichts dafür kann.

Ein gesundes Maß an Abstand ist also ab einer bestimmten Hierachiestufe unerläßlich, sonst geht man unter und ist dem Druck der Chefs nicht mehr gewachsen.

Gruss
Ken

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Beitrag von TEMproMens » 13.08.2006, 17:38

Ich trenne sowieso gerne privat von beruflich.

Ich könnte ja z.B. NIE was mit einem Kollegen haben, weil die mir echt immer vorkommen wie Brüder :lol:
Das klingt jetzt vielleicht sehr seltsam, aber bisher war das immer so. Aber ich will natürlich nicht ausschließen, dass sich das mal ändern könnte *glaub ich aber nicht*
Außerdem finde (wohl nicht nur) ich sowas im Team sowieso fatal. Genauso wie ich nie mit meinem Partner (oder Verwandten) in der selben Abteilung arbeiten würde wollen.

Allerdings finde ich Duzen o.k. Das ist aber auch eine Geschmackssache. Man kann da dennoch Respekt bewahren.

Dass es Frauen aber oft allen recht machen wollen, würde ich auch sofort unterschreiben...

Was mich oft stört ist, dass manche Firmen schon auch in die eigene Privatsphäre "eindringen" wollen. Durch Sport und was weiß ich. Firmenfeiern sind zuweilen da auch so ein Grenzfall. Die können schön sein, aber auch nervige Pflicht. Aber wahrscheinlich bin ich wie gesagt sehr seltsam... :lol:

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Beitrag von Mona-Lia » 13.08.2006, 17:55

ja, es immer allen recht machen..... wer hat uns Frauen denn bloss diesen Floh ins Ohr gesetzt... ????

Ob Du oder Sie mit dem Chef ist wohl eine firmenpolitische Frage... entweder man ist per Du oder per Sie. Ich hab schon in Firmen gearbeitet, wo man per Du war bis in die alleroberste Etage.... Das ging gut, weil es ja auf jeder Ebene so war.

Wenn das aber nicht konkret so gelebt wird, dann bin ich auch eher für ein Sie, aber das kommt eben wieder auf die Firma an. Muss man von Fall zu Fall anschauen....

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ksmith
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Beitrag von ksmith » 13.08.2006, 19:04

Das Du ist soweit in Ordnung, wenn es allen und nicht nur ausgewählten angeboten wird, da sonst wieder eine ungleiche Behandlung vorliegt und so auch gezeigt wird, dass man den EINEN den anderen vorzieht. Alle oder keiner!

Was Firmenfeiern angeht, stimme ich zu.
Aufgrund der Vorkommnisse mit der alten Teamleitung, bin ich nicht mal mehr auf Firmenfeiern oder Abteilungsessen gegangen, da ich einfach keine Lust hatte, diese Gesichter nich in meiner Freizeit zu sehen und mir das Dünngelaber anzuhören. Immer ein auf heile Welt machen und so. Da bin ich schon etwas eigenwillig.

Wie gesagt, bei uns war es bis zum Zwangsaustausch der Teamleitung wirklich schlimm und ich bin da ein gebranntes Kind, was das Thema angeht.
Das ist auch mit eine der Gründe, weshalb ich einen Aufhebungsvertrag angenommen habe und das Unternehmen ende November verlassen werde.

Gruss
Ken

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Beitrag von Mona-Lia » 13.08.2006, 20:35

ich komme ja aus der Hotelbranche, habe aber auch schon in der
Privatwirtschaft rein geguckt. Und ich muss halt schon sagen ,dass wir die Sache mit privatem Zusammensitzen, Ausgehen etc in der Hotellerie viel lockerer sehen.... Man wechselt ja da oft die Orte und Hotels, da ist man froh, wenn man im Betrieb Leute kennen lernt und irgendwie geht es allen gleich... Ausserdem ist das "Feierabend" Bier Tradition nach Dienstschluss...

In einem Job waren wir eine echt gute Clique und bei diesem netten Zusammensein sind auch oft gute Ideen entstanden. Und es fördert ja auch den Teamgeist. Also ich bin es total gewohnt, dass Menschen aus meinem Arbeitsumfeld zu meinen besten Freunden gehören...

Ich finde das auch immer sehr erfrischend und es macht dann richtig Spass zur Arbeit zu gehen, weil man da ja seine Freunde trifft ...

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