qualitativ und quantitativ unterfordert im Job

Auch im Berufsleben steht man immer wieder vor Herausforderungen und Problemen. Die könnt ihr hier diskutieren.
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Fabian-8804
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qualitativ und quantitativ unterfordert im Job

Beitrag von Fabian-8804 » 01.05.2017, 12:37

Hallo,

in Zeiten, in denen man überall nur von zu viel Stress und Druck redet, habe ich mal ein anderes Problem, was, meiner Meinung nach, jedoch nicht minder schwerwiegend ist.
Ich arbeite seit knapp 2 Jahren in einem mittelständischen Unternehmen in der Holzindustrie. Studiert habe ich Wirtschaftswissenschaften. Ich bin dort im Bereich Buchhaltung/Kostenrechnung eingesetzt. Mittlerweile jedoch deutlich mehr im Bereich Kostenrechnung, was auch mein gewünschter Schwerpunkt ist.

Während ich in der ersten Zeit natürlich erst einmal gut zu tun hatte, mich in die ganzen Strukturen etc einzuarbeiten und zum Beispiel das Berichtswesen usw. zu optimieren, geht es seit ein paar Monaten nicht mehr wirklich weiter.

Das Unternehmen steht im Bereich Kostenrechnung/Controlling noch recht am Anfang und es gäbe eigentlich sehr großen Handlungsbedarf, so dass ich über zu wenig Arbeit nicht klagen dürfte, aber der Geschäftsführer, ein reiner Techniker der "alten Schule", legt einfach keinen großen Schwerpunkt auf diesen Bereich. Mein Vorgesetzter, der aber auch noch einen anderen Bereich leitet, würde auch gerne vieles ändern, ist aber zeitlich immer in anderen Projekten eingespannt (wo wir wieder beim Thema Prioritäten sind). Er scheitert zum Teil dann auch daran, dass die GF keinen Schwerpunkt auf den Bereich legt.

Nunja es ist dann nunmal so, dass zwar alle wissen, dass sich da viel tun muss, es aber wenn immer nur kurzfristig auf der Prioritäten Liste ganz oben steht und dann gerne wieder nach hinten geschoben wird. In den wenigen wichtigen Projekten ist dann meist nur mein Vorgesetzter eingespannt, der wiederum zu wenig Zeit dafür hat, aber, so kommt es mir vor, das ungerne abgeben will.

Ich warte daher sehr oft sehr lange auf Entscheidungen und kann daher in meinem Bereich nicht wirklich weiter kommen und mich weiterentwickeln (ich muss in dem Bereich natürlich noch sehr viel lernen). Daher habe ich oft Leerlauf, in dem ich dann bspw. Auswertung X noch mal überarbeite und perfektioniere und beschäftigt tue. Das nicht immer nur tolle Arbeit auf einen wartet ist mir klar, aber dass ich mir krampfhaft irgendwas zusammen suche, ist nun auch nicht Sinn der Sache. Ich bin schon ein-, zwei mal mit einer Liste mit wichtigen Themen zu meinem Vorgesetzten gegangen um die mit ihm durchzusprechen. Er hat mir das alles als wichtig bestätigt und gemeint, dass wir das angehen müssen, passiert ist dann aber recht wenig.
Mir ist dabei natürlich klar, dass keine Zeit schlicht und ergreifend heißt "auf der Prioritätenliste weit hinten".
In den wirklich elementaren Bereichen kommt man so natürlich nicht voran.
Glücklich macht mich das Ganze überhaupt nicht. Es demotiviert einen extrem und es ist verdammt anstrengend, sich Arbeit zusammen zu suchen. Mittlerweile schlägt sich das stark auf meine Stimmung nieder, zu mal ich für diesen Job auch noch weit pendele.
Das verwunderliche ist, dass, obwohl ich meiner Meinung nach noch deutlich mehr leisten könnte, meine Leistung als sehr gut angesehen wird. Ich habe letztens eine Gehaltserhöhung bekommen und mir wurde dort nochmal versichert, dass ich sehr hoch angesehen sei im Unternehmen.
Ich habe schon in den letztjährigen Mitarbeitergesprächen vorsichtig angedeutet, dass ich gerne mehr Verantwortung übernehmen würde, aber so richtig geholfen hat es nicht. Es steht nun bald wieder ein Gespräch an und ich überlege, wie ich das Ganze nun angehen soll.
Ich arbeite grundsätzlich gerne in dem Unternehmen. Es ist erfolgreich, ich verstehe mich mit Kollegen und Vorgesetzten wirklich gut und ich werde dort auch "als Mensch" gesehen und nicht "ausgebeutet" in dem z.B. Überstunden ohne Ende gefordert werden oder so. Zudem könnte ich mich dort fachlich sehr weiterentwickeln, wenn nicht die oben genannten Probleme wären.

Wie würdet ihr das Ganze sehen bzw. angehen? Das ganze so offen ansprechen kann ja auch mal schnell nach hinten losgehen?

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 01.05.2017, 20:10

Du könntest ja in einem Vier- oder Sechs-Augen-Gespräch das ganze mal angehen, deine Frustration verdeutlichen. Ich glaube nicht, dass das Ganze nach hinten losgeht, aber selbst wenn: Was ist denn schlimmer als Frustration? (naja, okay, Burnout).
Sag, dass du (zunächst) keine Gehaltserhöhung willst, sondern, dass es dich auffrisst, dass da aus deiner Sicht etwas im Argen liegt und dass keiner außer dir so richtig ernst zu nehmen scheint.

Fabian-8804
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Beitrag von Fabian-8804 » 04.05.2017, 18:25

Danke für deine Antwort.

Jahregespräch steht demnächst so oder so an. Ich werde das dann mal offen ansprechen. Ich denke das Verhältnis ist auch gut genug, dass es nicht falsch verstanden wird.

Hitiong
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Beitrag von Hitiong » 09.10.2017, 22:28

Immer wenn man vor einem Problem steht, gibt es 2 Mögichkeiten. Den Status Quo akzeptieren oder ihn ändern.

Vielleicht ist aber auch ein Kompromiss möglich.

Es einfach zu akzeptieren wird dir wahrscheinlich schwer fallen, sonst hättest du hier nicht geschrieben.
Es zu ändern habt ihr ja schon besprochen, du solltest diplomatisch konstruktive Kritik anbringen, wie du das Unternehmen voran bringen möchtest.

Und der Kompromiss? Du akzeptierst es und beschäftigst dich nebenbei? Ich habe mit der Selbständigkeit angefangen brauchte aber auch Ablenkung. Ich designe nebenbei Tshirts. Ist zwar auch Arbeit, aber ich kann es mit einem Hobby verbinden und so noch etwas extra verdienen. Wenn die Arbeit mal nicht fordert, freue ich mich noch stressfrei und mit Kapazitäten zuhause noch etwas machen zu können :) Vielleicht gibt es etwas ähnliches für dich?

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