(Sehr) schlechte Noten in Bewerbung rechtfertigen

Informationen und Fragen zum Bewerbungsablauf, zu einzelnen Elementen der Bewerbungsmappe und zu individuellen Formulierungen. Wie soll eine Bewerbungsmappe aufgebaut sein? Welche Fakten gehören in ein Anschreiben? Welche Formulierungen sollten unbedingt vermieden werden?
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Post-Rebell
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Schlechte Schulnoten durch Unterforderrung;für ewig versaut?

Beitrag von Post-Rebell » 05.04.2014, 13:30

Hallo liebe Gemeinde,

das hier ist mein erster Eintrag. Ich habe ein Problem.

Ich bin jetzt 20 Jahre alt und bewerbe mich um eine Ausbildung als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung bei mehreren Unternehmen.

Das Programmieren ist meine Leidenschaft. Seit Jahren beschäftige ich mich mit Kryptographie, Mikrocontrollern, Netzwerkinfrastruktur und IT-Sicherheit. Ich beherrsche C/C++,Java, die wichtigsten Websprachen und arbeite größtenteils mit selbst zusammengebastelten Linux-Distributionen auf Konsolenebene.
Einfach gesagt: Ohne eingebildet klingen zu wollen bin ich wohl mehr als geeignet für diese Art Job. (Und ja, ich bin noch sozial - Schlank, Kontaktfreudig und mir krümeln keine Chips aus dem Bart, nur sehr selten)


Jetzt zum eigentlichen Problem:

Ich habe miserable Schulnoten.

Damals besuchte ich ein Gymnasium und ab der 11. Klasse fühlte ich mich zunehmend eingeschränkt und unterfordert. Das Schulsystem hat mir absolut nicht gepasst. Geäußert hat sich das darin, dass ich zu Prüfungen gar nicht erst erschienen bin oder mich mit Lehrern angelegt habe, bis sie mich rausschmissen und 6en aufbrummten.
Das Resultat:

Mathe 5
Physik 5
Biologie 4
...etc..

Zusammen mit diesem Zeugnis bekam ich wundersame Weise noch die theoretische Fachhochschulreife dazu, weil ich mit Ach und Krach die 11. Klasse einmal bestanden habe.

Diesen Fehler habe ich sofort bereut, nachdem ich die erste Bewerbung nach meinem Abgang geschrieben habe. Um mein Portfolio dann noch aufzubessern habe ich mich mit 18 Jahren bei einer 2 jährigen Schulischen Ausbildung im Bereich Mediendesign eingeschrieben um noch das Fachabitur zu bekommen. (Im Sommer 2014 ist es dann so weit).


Jetzt (endlich) zu meinen Fragen:

Gibt es noch Hoffnung für mich? Wie bringe ich den Ansprechpartnern bei, dass meine Schulnoten an Unterforderung und "FTS" gescheitert sind?
Eine Anmerkung beilegen, vor den Zeugnissen? Die Zeugnisse gar nicht mit abgeben?


Danke für eure Geduld, der Text ist länger als beabsichtigt.

Liebe Grüße!

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 05.04.2014, 20:24

Ich hatte in meinem Abiturjahrgang einen ähnlichen Fall, der ist in der 11 von der Schule gegangen, mit ganz ähnlichen Problemen wie du und hat dann zwei Jahre später angefragt, ob er nicht doch wieder in die Schule gehen dürfe und ist dann bei uns in die 12 eingestiegen und hat ein recht passables Abit gemacht.
Vieles, was man in der Pubertät macht - Rebellion, Überheblichkeit, Dummheiten - wird einem als Jugendsünde gerne verziehen. Mit FTS kommst du allerdings nicht weit, die Chefs wollen zwar (Behauptung 1) alle kreative Denker haben, aber Leute, die wirklich ein Problem mit Autoritäten haben, (Behauptung 2) wollen sie dann doch nicht, es sei denn, (Behauptung 3) sie erkennen sich selbst darin wieder.

dicker Zeh
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Beitrag von dicker Zeh » 05.04.2014, 20:48

wie sind denn deine noten im sommer 2014 ?

je nachdem wie dein letztes zwischenzeugnis aussieht läßt du die alten (schlechten) zeugnisse weg.
das ist nicht die ideallösung aber fünfen und sechsen eben auch nicht.

im anschreiben kannst du ggf. erklären das du dich bereits während deiner schulzeit schon stärker mit der praxis und dem programmieren beschäftigt hast als mit prüfungen und klausuren (is ja auch so !) und das du jetzt deinen traumberuf ergreifen möchtest.

gib mal ein paar mehr informationen bzgl. noten und bewerbungen (welche jobs genau) aber auf den ersten blick sehe ich gar nicht diese großen probleme. :D :D :D

Post-Rebell
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Beitrag von Post-Rebell » 06.04.2014, 13:29

Mit FTS kommst du allerdings nicht weit
Das weiß ich; und das habe ich auch schon vor Jahren begriffen und diese Einstellung abgelegt. Sie war eher ein Resultat des aufgestauten Frustes, über den oberflächlichen Schulstoff und die Tatsache, dass stupides Auswendiglernen zu einem 1-er Abi führt, aber nicht unbedingt zu Wissen. (Eine gute, angeregte Unterhaltung konnte ich mit kaum einem Abgänger führen, man sollte doch meinen ein 1er Abi setzt Kompetenz vorraus?)

Ich habe kein Problem mit Autoritäten, ich möchte einfach meinen Traum verwirklichen und als Programmierer arbeiten. Etwas Anderes kann ich mir nicht vorstellen.

An das Nachholen des Abiturs habe ich auch schon gedacht. Das wären aber wieder weitere 2 Jahre. Ich weiß nicht ob ich mit 23 noch gute Chancen auf eine Ausbildung habe?
wie sind denn deine noten im sommer 2014 ?
Die werden gut. Allerdings kann ich das Zeugnis ja noch nicht jetzt vorzeigen, bis jetzt muss ich noch die alten Schinken zeigen.

Die Noten sind nicht durchgehend schlecht. Chemie, Englisch, Deutsch und Informatik sind sogar gut bis sehr gut.

Ich bewerbe mich auf Ausbildungen zum Fachinformatiker für AWE o. SYI. Damit kann ich dann meinen Softwareentwickler machen.

Und danke für die Zuversicht, das macht Hoffnung. :)

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 06.04.2014, 15:15

Post-Rebell hat geschrieben:An das Nachholen des Abiturs habe ich auch schon gedacht. Das wären aber wieder weitere 2 Jahre. Ich weiß nicht ob ich mit 23 noch gute Chancen auf eine Ausbildung habe?
Behalt die Variante ruhig mal im Hinterkopf... falls es in dieser Saison nicht mehr klappt. Was das aktuelle Anschreiben angeht, würde ich Dir raten, das Thema "Noten" gar nicht anzusprechen - und stattdessen einfach ein möglichst fundiertes Anschreiben zu verfassen, aus dem Dein Vorwissen klar heraus zu lesen ist:
Post-Rebell hat geschrieben:Seit Jahren beschäftige ich mich mit Kryptographie, Mikrocontrollern, Netzwerkinfrastruktur und IT-Sicherheit. Ich beherrsche C/C++,Java, die wichtigsten Websprachen und arbeite größtenteils mit selbst zusammengebastelten Linux-Distributionen auf Konsolenebene.
Je nachdem, was Dir dazu so alles einfällt, könnte ich mir vorstellen, auch kleinere (oder grössere) Bestandteile dieses Vorwissens in ein eigenes Schriftstück (gedachter Arbeitstitel "Die Computer und Ich"... o. ä.) auszulagern. Ziel des Ganzen wäre, dass die offensichtliche Diskrepanz zwischen Noten und Können dem Leser auffällt - und diesen neugierig macht. Das kommt durchaus vor... so nach dem Motto: "Wie kann DAS denn möglich sein?" Gerade (Selfmade)Unternehmer haben hin und wieder aus ihrer eigenen Geschichte so einen Rest von Underdog-Mentalität an sich, die eine leise Sympathie mit (post) rebellischen Typen einschliesst... ;-)

Wenn Du die Sache im Anschreiben ansprichst, solltest Du sie m. E. ganz klar auf Deine Kappe nehmen... so ungefähr in dem Sinne, dass Du in den letzten Jahren den Kopf halt rund um die Uhr derart voll mit avancierterem Computerkram hattest, dass Du die Schule in sträflicher Form hast schleifen lassen. Unter keinen Umständen auf schlechte Lehrer, fragwürdiges Bildungssystem und/oder charakterlose 1er-Abiturienten eindreschen... auch nicht in allerzartesten Andeutungen!

Ich bin übrigens begeistert von Deinem Nick... und ansonsten ebenfalls zuversichtlich, was Dich und Deine Zukunft angeht... ;-)

Karlauer
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(Sehr) schlechte Noten in Bewerbung rechtfertigen

Beitrag von Karlauer » 22.10.2018, 21:07

Hallo allerseits,

kurz zu meiner Situation:
Im Jahr 2009 habe ich nach Problemen in der Schule einen sehr schlechten Hauptschulabschluss erworben, seitdem habe ich selbstständig im Bereich Softwareentwicklung gearbeitet.
Ich bin jetzt 25 und habe noch keinerlei Berufserfahrung, Praktika oder sonstiges vorzuweisen.

Dieser Abschluss quält mich seither sehr, ich hätte mich schon längst für einen richtigen Job beworben, habe mir aber immer eingeredet, dass mich mit einem solchen Zeugnis doch eh keiner haben will.
Nachdem die Sache mit der selbstständigen Arbeit nun nicht mehr so richtig rund läuft und mir auch keinen Spaß mehr macht, würde ich mich jetzt gerne doch endlich auf einen Ausbildungsplatz bewerben.

Leider sind die Noten wirklich extrem schlecht, wir reden hier von Vieren und Fünfen in den wichtigen Fächern. Hier werden natürlich nicht ansatzweise meine realen Fähigkeiten widergespiegelt, als Kind bekam ich sogar einen überdurchschnittlichen IQ bescheinigt und es war von Hochbegabung die Rede. Nützt dann halt nichts, wenn man in der Schule unter Mobbing leidet und sich immer weiter zurückzieht.

Ich wollte mich jetzt mal erkundigen, ob hier vielleicht jemand Erfahrung im Umgang mit einer solchen Situation hat.
Im Netz heißt es einerseits "niemals für schlechte Noten rechtfertigen" und bei entsprechenden Nachfragen "auf positive Errungenschaften verweisen".
Leider habe ich (noch) nichts dergleichen, als Zeugnis für meine Leistung habe ich wirklich nur diesen miesen Schulabschluss.

Was würdet ihr in meiner Situation tun?
Freue mich über jeden Ratschlag.

Eine kleine Frage zum Abschluss noch: Auf meinem Zeugnis steht fälschlicherweise, ich hätte an einem Betriebspraktikum teilgenommen. Dem ist aber nicht so. Könnte hier womöglich der Eindruck entstehen, ich würde ein schlechtes Praktikumszeugnis verheimlichen? Wie sollte man damit umgehen?

Viele Grüße
Karl

nordlaender
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Beitrag von nordlaender » 23.10.2018, 19:59

Versuche doch jetzt einen Realschulabschluss nachzuholen. Wenn du diesen erfolgreich mit passablen Noten schaffst, dann kannst du deine Jugendsünden wegargumentieren. Versuche nebenbei Praktika zu finden und baue dir einen Neustart auf, der einem "roten Faden" folgt auf.

DAnn wirst du auch einen Arbeitgeber finden der das würdigt und dir eine Chance gibt.

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 29.10.2018, 00:18

Ja, Abendschule wäre für dich vielleicht die richtige Lösung. Oder ein Praktikum in einer IT-Firma, in dem du von deinem Leistungsvermögen überzeugen kannst und dann anschließend die Ausbildung machst.

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