Stärken und Schwächen Vorstellungsgespräch

Fragen zum Vorstellungsgespräch: Welche Kleidung ist am besten? Welche Vorbereitung ist nötig? Welche Fangfragen werden gestellt? Wie bekomme ich meine Aufregung in Griff?
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KillrAngel
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Zurückhaltung als Schwäche wenn Kommunikationsstärke gesucht

Beitrag von KillrAngel » 29.03.2012, 21:56

Mal eine Frage: für mein Praktikum wird Kommunikationsstärke verlangt. Einerseits kann ich gut Dinge ansprechen, auf den Punkt bringen und arbeite auch sehr gut und gerne mit anderen zusammen. Jedoch neige ich allgemein zu einer anfänglichen Zurückhaltung, wenn ich Situationen noch schlecht einschätzen kann. Je nach Person bin ich also offener oder nicht. (Das war aber früher viel schlimmer!)
Könnte man das jetzt als ehrliche Schwäche angeben oder wird mir das möglichweise angekreidet?

Ansonsten hätte ich noch so schmunzelnde Antworten wie Sehschwäche und dass ich zu oft schwarz trage, was in meiner Ausbildung eben auch oft angesprochen wurde. (Schwarze Hose und schwarze Bluse, no go)

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 31.03.2012, 14:42

Hmmmmm... welcher Art ist denn die "Kommunikationsstärke", die von Dir verlangt wird? Und was wären denn Deine sonstigen Schwächen, KillrAngel?

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KillrAngel
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Beitrag von KillrAngel » 01.04.2012, 15:08

Nun ja, obersters Ziel ist ja eine Tätigkeit im Personalmanagement. Hier ist es ja besonders wichtig mit Leuten gut umgehen zu können. Aber andererseits muss ich nicht täglich neu auf Kunden oder so zugehen, wo ich die Situation immer neu einschätzen muss und dementsprechend einen schlechteren Eindruck mache durch meine Zurückhaltung. Es wäre zumindest eine ehrliche Schwäche von mir.
Ansonsten rührt diese Zurückhaltung auch von einem gewissen Gefallenwollen her. Es ist also besser nichts zu sagen, als etwas falsches. Ist aber auch abhängig von der Situation und Person. Bin also sehr diplomatisch im Umgang mit meinen Mitmenschen. Diese Schwächen sind eben sehr situativ.
Ansonsten wird mir eine gute Selbsteinschätzung nachgesagt und gleichzeitig eine zu hohe Selbstkritik, weil ich eben das Beste aus mir rausholen will.
Und manchmal kann ich auch ein Kontrollfreak sein. Sozusagen kann ich kaum spontan sein, weil ich erst alles vorher planen möchte, damit ich beispielsweise zum Übernachten Kontaktlinsenpflege dabei habe. Ich hasse es auch, wenn Freunde sich erst einen Kopf um die Abendgestaltung machen, wenn es abends ist und dann macht man üblicherweise nichts Tolles mehr.

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Alles durchgelesen.

Beitrag von ajna » 22.05.2012, 13:46

Ich bin bei meinen Gesprächen immer über diese Fragen gestolpert und denke das liegt auch an mangelndem Selbstvertrauen und Nervosität. Diese Schwächen werde ich aber lieber nicht im Gespräch benennen.... Da ich heute eine Einladung für den 15.06. erhalten habe habe ich hier eben mal alles durchgelesen. Vorher habe ich mir bereits folgende Stärken und Schwächen herausgearbeitet und bitte um Anregungen.

Stärken:
-Selbstständigkeit, eigenverantwortliches Arbeiten, gute Terminorganisation z.B. bei Terminabstimmungen mit anderen Arbeitsbereichen für Versand etc.
-Ehrlichkeit gegenüber mir selbst und andere z.B. scheue ich mich nicht zu hinterfragen oder "Alarm zu schlagen" wenn es Probleme mit einer Aufgabe gibt
-Fachlich: Gute EDV-Anwendungskenntnisse, fit wenn es hier um neue Anwendungen geht

Schwächen:
-Ein etwas chaotischer Arbeitsstil, d.h. mein Schreibtisch wirkt manchmal im Laufe des Tages etwas wild da ich nicht der Typ bin, der Kugelschreiber neben Kugelschreiber legt etc. Mein Schreibtisch wirkt da manchmal etwas unaufgeräumt ohne es wirklich zu sein, nach Feierabend passt die Ordnung dann wieder
-Sehr ungeduldig wenn andere meine Arbeit bewusst reklamieren, da kann ich sogar etwas zickig werden. Z.B. habe ich eine Kollegin in Frankreich die, wenn sie nicht will, mein Englisch nicht mehr versteht (I don't understand what you mean...) oder eine Dame im Service die bei jeder freundlichen Anfrage erstmal mit "Ich kann da nix dazuuuuu" blockt
-Fachlich Englisch :? Ich kann mich verständlich machen und hatte auch mit Amerikanern kein Problem aber mein Englisch ist sehr schlecht von der Grammatik und Aussprache, ich tu mich generell mit Sprachen sehr schwer (und bewerbe mich natürlich auch nicht auf Stellen wo perfektes Englisch verlangt wird)

Für Tipps und Anregungen danke ich! Herzliche Grüße Anja

Cruz
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Bitte um Kritik

Beitrag von Cruz » 17.08.2012, 21:21

Heyho,

hier meine Schwächen mit der Bitte um ehrliche Kritik. Es ist eine qualifizierte Stelle, d.h. Universitätsabschluss mit ausstehender Promotion, jedoch bislang kaum Berufserfahrung.


Obwohl ich weniger Lampenfieber habe als viele meiner Kommilitonen scheint meine Prüfungsangst doch größer als normal zu sein. Das war einer der Gründe für den Aufschub des Vordiploms. Zum Diplom war sie fast verschwunden, da ich mich immer sicherer fühlte aber dass sie noch da ist habe ich neulich beim ersten Vorstellungsgespräch nach einer längeren Zeit wieder gemerkt.

Ich habe oft zu hohe Ansprüche an meine Arbeit. Bei meiner Tätigkeit als Consultant habe ich zum Beispiel anfangs oft mehr Bewertung geschrieben, als der Kunde bezahlt hat, weil es für mich einfach zu einem „runden“ Bericht dazu gehörte. Später wusste ich dann aber recht gut, was in den Bericht muss und worauf man den Kunden hinweisen kann, ihm die entsprechende Bewertung dann jedoch auf Wunsch als Mehraufwand berechnen muss. Ein weiteres Beispiel ist natürlich auch meine Doktorarbeit. Es haben genug Kommilitonen Arbeiten von 100 Seiten abgegeben oder welche mit schiefen und kopierten Diagrammen. Sie haben dafür sogar teils gute Noten bekommen. Da ich vermutlich nur einmal promoviere ist mir dagegen eine perfekte Arbeit wichtig, bei der ich auch in 10 Jahren noch ein gutes Gefühl habe. Darum habe ich sie auch erst jetzt und nicht schon im letzten Jahr abgegeben.

Ich bin im privaten ein eher zurückhaltender Mensch. Wenn es um fachliche Themen geht blühe ich auf aber beim Smalltalk bin ich eher schwach. Gespräche unter 4 Augen sind normalerweise kein Problem aber in größeren Runden bin ich oft nur ein Nebendarsteller.


Mögliche Alternativen und meine Einwände dagegen:

Ungeduld --> ausgelutscht und kommt inzwischen laut monster sogar negativ an.

Kann nicht auf den Tisch hauen --> keine Durchsetzungsstärke?

Nehme Dinge zu herzen --> nicht kritikfähig?

Oft zu direkt --> Plaudertasche?


Vielen Dank und Grüße
Dennis

yourdestiny
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Pseudoschwäche: Sachorientierung

Beitrag von yourdestiny » 11.02.2013, 01:53

Hallo.

Denkt ihr, man könnte als Schwäche Sachorientierung gegenüber der sozialen Kompetenz nennen für einen IT, Handwerks oder Wissenschaftsberuf? Dadurch beschönt man seine soziale Schwäche etwas und punktet gleichzeitig, da diese Berufe ja sachorientierung benötigen. Klingt auf jedenfall besser als "sozial unerfahren, wenig Teamfähigkeiten, usw"

MfG

yourdestiny
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Gilt Fachkompetenz als nennenswerte Stärke?

Beitrag von yourdestiny » 11.02.2013, 02:09

Hallo,

angenommen man hat übernatürlich viel Berufserfahrung für sein Alter, könnte man dies als Stärke nennen im Vorstellungsgespräch? Ich sage zwar ja, und behaupte überdies, dass es vielleicht die wichtigste Stärke ist, jedoch möchte man mir weiß machen, dass sie nicht extra genannt werden muss auf die Frage nach den Stärken, weil man dort wohl nach "Charaktereigenschaften" forscht.

MfG

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 11.02.2013, 14:25

Du bist wohl nicht der Typ, der sich etwas "weissmachen" lässt. Auf der anderen Seite macht der Versuch aber schon deutlich, dass man die Frage offenbar unterschiedlich auffassen kann... und wenn man nun (als Deine Freundin) in die konkrete Situation gerät, jemandem gegenüber zu sitzen, der auf seiner abweichenden Interpretation besteht, wird die Sache schnell schwierig. Ich meine... sie könnte ja 10 x recht haben, dass ihre Erfahrung als "Stärke" anzusehen ist. Wenn das Gegenüber letztendlich über ihre Person reden möchte (und diese Frage lediglich als Aufhänger hierzu gedacht hat) wird sie dem wohl schwer ausweichen können. Will sagen: Schon rein gesprächstechnisch würde ich diese Stärke nicht ohne "Plan B" (d. h. mindestens eine nichtfachliche Stärke) auf der Hinterhand präsentieren.

Unabhängig davon ist es ja eine sehr vergängliche "Stärke". Die hat sie jetzt, in diesem Moment. Dann, wenn alle auf "0" stehen und sie aufgrund ihres Werdegangs ein paar kleine Schritte weiter. Spätestens gegen Ende der Lehrzeit wird es - zumindest in Bezug auf ausbildungsrelevanten Themen - mehr oder minder Gleichstand geben. Damit hätte sich die "Stärke" quasi in Luft aufgelöst. Eine Stärke, die hingegen grundlegender Teil ihres Wesens ist, bleibt auch dann ein Unterschied gegenüber anderen Charakteren, wenn alle dieselbe Ausbildung genossen haben.

Das heisst natürlich nicht, dass sie das gute Argument ihres Vorwissens in den verschiedenen Bewerbungsphasen nicht herausstellen sollte. Ich würde nur vermuten, dass es unter'm Strich wirkungsvollere Zeitpunkte und Kontexte gibt, es anzubringen... ;-)

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Beitrag von FRAGEN » 11.02.2013, 14:44

Ich weiss ja gar nicht, wann und wo das Missverständnis entstanden ist, bei dieser Frage werweisswie tricksen zu müssen. Für mich ist die Frage nach dem individuellen Stärken-/Schwächenprofil jedes Bewerbers einer der elementarsten Aspekte, die allerspätestens zum Ende des Vorstellungsgesprächs, besser eigentlich schon vorher, geklärt sein müssen - und zwar im Sinne sämtlicher Beteiligten! Es muss doch jedem daran gelegen sein, dass jeder genau dort eingesetzt wird, wo er mit der geringsten Mühe und der besten Stimmung den grössen Effekt bringt... genauso, wie jedem daran gelegen sein muss, dass niemand in eine Situation hineingerät, mit deren ganz spezifischen Belastungen er voraussichtlich nicht zurecht kommen können wird.

M. E. wäre es absolut unverantwortlich, jemanden einzustellen, ohne genau zu wissen, für welche Schwerpunkte innerhalb seines Berufsbilds er sich gut eignet, für welche bedingt und für welche gar nicht. Was wäre denn das für ein Personal-Verantwortlicher(!), der vom Geld seines Arbeitgebers reihenweise Katzen in Säcken kauft? Wie siehst Du selbst als angehender Personaler diese Sache? Hättest Du ein gutes Gefühl, wenn Du jemanden einstellst, ohne zu wissen, wo derjenige seine individuellen Fähigkeiten und Grenzen hat?

Ob es klug ist, das über eine derart primitive Frage herausfinden zu wollen, ist natürlich ein anderes Thema. Es weiss ja jeder, dass jeder weiss, dass *man* auf die Frage nach "Schwächen" angeblich mit "Stärken" antworten soll. Von daher wird diese Fragestellung m. E. in aller Regel nirgendwo hin führen... zumindest nicht in eine ernsthaft verwertbare Richtung. Aber um einmal zu Deinem/Eurem konkreten Fall zurück zu kommen:

Die Richtung ihrer (realen!) Schwächen ist schon das, was die Steller solcher Fragen interessiert... und ich glaube wie Du, dass man diese Fragen wegen der von Dir angesprochenen Deutungsmöglichkeit als "Sachorientierung" in solch einem Beruf auch als verzeihlich betrachten wird. Für mein Gefühl geht Deine Idee, auf die explizite Frage nach einer "Schwäche" mit einer ebenso expliziten "Stärke" zu antworten einen Schritt über das "Übliche" hinaus. Mir würde da ein Zwischenschritt fehlen: Der der tatsächlichen Schwäche halt... ;-)

GutOderSchlecht
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Beitrag von GutOderSchlecht » 12.02.2013, 00:20

Hätte es nicht ein Thread mit allen Themen getan, statt 2 zu einem und 3 weitere, also insgesamt 5 Threads aufzumachen??

mupfy
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Beitrag von mupfy » 15.11.2013, 12:46

Hallo Fories,
2013 soll nicht verstreichen, ohne dass es hier weiter geht ;)

Ich habe bei einer Bewerbung für eine Azubistelle mal versehentlich eine nicht ganz richtige Angabe (Grundvoraussetzung für die Stelle) im Lebenslauf gehabt. Als ich das, während meiner Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch gemerkt habe, wollte ich kurzzeitig absagen. Letztlich bin ich doch hingegangen, weil ich das für eine gute Übung gehalten habe. Ich habe dann während des Gespräches eine Chance genutzt und ganz offen gesagt das ist mir passiert, so und so ist das, ich kann mich an diese Stelle nur entschuldigen und wenn ich die Stelle bekomme habe ich noch so und so lange Zeit dieses Defizit auszugleichen. Das kann ich schaffen.

Ich habe das deshalb so offen gemacht weil ich 1. keine Lust habe irgendwo zu arbeiten wo ich schon bei der ersten Begegnung taktieren muss und weil ich 2. davon ausgehe, dass recht schnell gemerkt werden wird, da stimmt was nicht. Niemand hat etwas davon, wenn ich mir etwas ausdenke, von dem ich denke damit kann mein Gegenüber am besten leben.
Ich bin außerdem der festen Überzeugung, dass diejenigen, die uns in Bewerbungsgesprächen piesacken schon vor dieser Frage ihre ganz eigenen Antworten haben. Die machen das ja nicht zum ersten Mal und können Menschen sicher ziemlich schnell, ziemlich gut einschätzen. Deshalb denke ich, ist weniger entscheidend, welche Stärken und Schwächen (mit Ausnahmen) wir genau nennen, sondern wie glaubhaft wir sind und wie wir mit unseren Stärken und Schwächen umgehen.

Übrigens: Ich habe damals eine Zusage bekommen, mich aber für eine andere Stelle entschieden

Eine gute Zeit
mupfy

natalie-16
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Beitrag von natalie-16 » 06.03.2014, 18:24

Hey

der letzte Beitrag ist ja schon ein bisschen her, aber ich würde gerne eure Meinung zu meinen "Schwächen" wissen, die ich im Vorstellungsgespräch nennen will.

1. Keine Berufserfahrung
2. Will zu viele Sachen auf einmal machen
3. Kann nicht "Nein" sagen.

Irgendwie finde ich diese Antworten zu.. ausgelutscht.

Ich habe irgendwo mal gelesen, dass wenn man z.B kreativität als Stärke nennt (was ich machen will) kann man als schwäche sagen, dass der schreibtisch immer etwas chaotisch ist.
Das soll die stärke unterstreichen und soll sympathisch auf den Gesprächspartner wirken. Was haltet ihr davon?

Hummelbrummel
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Beitrag von Hummelbrummel » 29.07.2015, 00:14

Als ich selbst noch auf Jobsuche war, hielt ich die obligatorische Frage nach Stärken und Schwächen für ziemlich sinnlos. Mittlerweile führe ich selbst Vorstellungsgespräche, und habe sie zu schätzen gelernt. Ein Vorstellungsgespräch ist eine Stresssituation, in der jeder Mensch anders reagiert. In einigen Jobs werden Spontanität und Souveränität zwingend vorausgesetzt, meist geht es aber nur darum jemanden zu finden der den Job gut und gerne macht. Die Frage nach Stärken und Schwächen ist, neben der Frage nach dem Unternehmen selbst, einer DER Klassiker auf den man sich leicht vorbereiten kann. Auch wenn der Bewerber an anderer Stelle patzt, kann er hier zeigen dass er sich auf das Gespräch vorbereitet hat und seine Bewerbung ernst nimmt.

Am schlechtesten kommt bei mir an, wenn der Bewerber rot anläuft, erst gar keine Antwort nennt und dann rumstammelt. Man liefert dem Kandidaten eine Möglichkeit zu brillieren, und dann ist er nicht vorbereitet und kann diese nicht verwerten.

Durchschnittlich gut finde ich die Klassiker wie "übermotiviert", "schlecht nein sagen" usw... Auf eine Standardfrage darf man natürlich mit Standardantworten reagieren, der Test ist hiermit bestanden. Sofern die Argumente nicht nachweisbar sind, finde ich sie allerdings nicht besonders originell.

Am schönsten ist, wenn der Bewerber Stärken und Schwächen aus seinem Lebenslauf nennt und diese auch begründen kann. Damit ist nicht nur die Frage beantwortet, er nimmt einem auch gleich einen Angriffspunkt für spätere peinliche Nachfragen.

Ruthenium
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Beitrag von Ruthenium » 11.07.2016, 18:52

Heute hatte ich mein Vorstellungsgespräch. Es ging um eine Führungsposition (Teamleitung in der Produktion). Dabei ging es wieder um Stärken/Schwächen, Umgang mit Konflikten. Ich hab gesagt, dass ich ein emotionaler Mensch bin und es kann schon mal vorkommen, dass die emotionale Komponente überwiegt. Darauf fragte der HR-Mensch: wenn Sie emotional sind, wie reagieren Sie auf Konflikte?". Ich habe darauf geantwortet, dass Konflikte nicht immer negativ sind, sondern auch eine Chance zur Verbesserung. Dass ich mich mal auch im Ton vergreifen kann, wenn es zu hektisch zugeht, suche danach aber immer ein sachliches Gespräch und wenn ich in Unrecht bin, entschuldige ich mich.

Jetzt bin am grübeln: was habe ich mir dabei gedacht? Jetzt werden sie denken, ich sei ein Psycho, der sich gar nicht im Griff hat. Was meint ihr, ist das nun ein Ausschlusskriterium?

cre
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Beitrag von cre » 11.07.2016, 19:08

Sagen wir mal so, das war sicherlich nicht die ideale Antwort. Sich im Ton zu vergreifen geht gar nicht, selbst wenn du danach das sachliche Gespräch suchst. Denn das könnte deinem AG schnell ein paar Probleme bringen.
Auf der anderen Seite kannst du es ja auch nicht mehr ändern, also wieso sich darüber den Kopf zerbrechen?
Ich glaube irgendwie sowieso nicht das es dieses eine K.O. Kriterium gibt, (es sei denn es ist ein wirklicher Ausrutscher wie den Chef sagen das er scheiße ist)
was einen vollkommen aus der Bahn wirft. Deshalb abwarten und Tee trinken. Soweit ich weiß geht es vor allem darum ob es Schwächen sind, an denen man arbeiten kann. Aber ich hasse diese Frage sowieso :D

BlackDiamond
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Beitrag von BlackDiamond » 11.07.2016, 19:22

Ruthenium hat geschrieben:Heute hatte ich mein Vorstellungsgespräch. Es ging um eine Führungsposition (Teamleitung in der Produktion). Dabei ging es wieder um Stärken/Schwächen, Umgang mit Konflikten. Ich hab gesagt, dass ich ein emotionaler Mensch bin und es kann schon mal vorkommen, dass die emotionale Komponente überwiegt. Darauf fragte der HR-Mensch: wenn Sie emotional sind, wie reagieren Sie auf Konflikte?". Ich habe darauf geantwortet, dass Konflikte nicht immer negativ sind, sondern auch eine Chance zur Verbesserung. Dass ich mich mal auch im Ton vergreifen kann, wenn es zu hektisch zugeht, suche danach aber immer ein sachliches Gespräch und wenn ich in Unrecht bin, entschuldige ich mich.

Jetzt bin am grübeln: was habe ich mir dabei gedacht? Jetzt werden sie denken, ich sei ein Psycho, der sich gar nicht im Griff hat. Was meint ihr, ist das nun ein Ausschlusskriterium?
Das war jetzt nicht die geschickteste Antwort aller Zeiten, aber damit warst du ehrlich und man kann positiv sehen, dass du dir immerhin deiner Schwächen bewusst bist. Das Problem mit denen, die immer nur Pseudo-/0815-Schwächen haben (ich bin ungeduldig/ich arbeite zuviel...) ist doch, dass sie viel zu aalglatt sind und sie durchs Raster fallen, weil sie nicht authentisch waren.

Ein KO Kriterium ist das sicher nicht, jedenfalls nicht bei den meisten. Es ist einfach ein Teil des Gesamtbildes. Es kann theoretisch zum Ausschluss führen, wenn beispielsweise dein zukünftiger Vorgesetzter oder engster Kollege ebenfalls diese Schwäche haben, dann will man das vielleicht nicht. Kann aber auch sein, dass dein zukünftiger Chef sagt: super, so bin ich auch, so jemand ist mir lieber als das Gegenteil. Du siehst, es kommt auf die individuelle Situation an.

Ruthenium
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Beitrag von Ruthenium » 11.07.2016, 23:21

Besten Dank Euch für Eure Rückmeldungen....Das war der einzige Patzer währen des zweistundigen Gesprächs, aber dafür ziemlich grosser. Weiss nicht, was in mich eingefahren ist: eigentlich wollte ich sagen: "Ich bin emotional und deshalb nehme Kritik etwas persönlich auf" und stattdessen so eine Passage. Allerdings stand ich schon etwas neben den Schuhen, da es gestern Nacht schrecklich laut war wegen dem portugisischen Sieg. Konnte erst gegen 1.30 einschlafen

Nun bin ich aufgefordert bis Ende der Woche ein schriftliches Feedback zu meinen Impressionen über der Firma zu übermitteln...

BlackDiamond
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Beitrag von BlackDiamond » 12.07.2016, 12:29

Ruthenium hat geschrieben: Nun bin ich aufgefordert bis Ende der Woche ein schriftliches Feedback zu meinen Impressionen über der Firma zu übermitteln...
Hey, cool. Haben sie das gleich im Gespräch gesagt oder kam das schriftlich hinterher.

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Beitrag von Ruthenium » 12.07.2016, 12:52

Das haben sie mir am Abschluss vom Gespräch gesagt. Das Gespräch beinhaltete auch eine Führung durch die Firma, eine grosse Präsentation, der Organigramm wurde gezeigt und erörtert in Bezug auf die vakante Stelle (dabei wurden die Schnittstelle, Funktionen, Spielraum etc duskutiert). Das alles muss ich jetzt wohl in diese Rückmeldung einfliessen lassen.

Eigentlich dachte ich nichts besonders dabei, als Sie dies am Ende vom Gespräch gesagt haben. Oder bedeutet das was?

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Beitrag von BlackDiamond » 12.07.2016, 14:01

Nein, keine Sorge, nicht, dass ich wüsste. Höchstens, dass sie sich viel Mühe geben, die besten Mitarbeiter zu finden und auch, dass sie sich viel Mühe geben, den zukünftigen Mitarbeitern möglichst viel Informationen zu geben. Also Wertschätzung und so.

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Beitrag von katerfreitag » 12.07.2016, 18:13

Ich würde das auch als extrem wertschätzend einordnen. So eindeutig nach seinen Eindrücken gefragt zu werden, wirkt auf mich sehr respektvoll.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 12.07.2016, 23:12

Ruthenium hat geschrieben:Das haben sie mir am Abschluss vom Gespräch gesagt. Das Gespräch beinhaltete auch eine Führung durch die Firma, eine grosse Präsentation, der Organigramm wurde gezeigt und erörtert in Bezug auf die vakante Stelle (dabei wurden die Schnittstelle, Funktionen, Spielraum etc duskutiert). Das alles muss ich jetzt wohl in diese Rückmeldung einfliessen lassen.
Was heisst hier "musst"? Du KANNST! Und selbstverständlich bist Du frei in der Schwerpunktsetzung nach Deinen persönlichen Prioritäten. Ich glaube wie meine Vorrednerinnen, dass da ein ehrliches Interesse hinter steckt - zum Einen nach der Person des Bewerbers, zum Anderen aber auch nach der Aussenwirkung der Firma! M. E. kann da niemand ein logisches Interesse an einer ellenlangen Auflistung von Dingen haben, die sie selbst viel besser wissen. Es geht tatsächlich um den Blick des Aussenstehenden - des Aussenstehenden, der ggf. bald innen stehen könnte... ;-)

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Beitrag von Ruthenium » 13.07.2016, 10:59

FRAGEN, Deutsch ist nicht meine Muttersprache, deswegen seid bitte etwas nachsichtig mit mir :) Schon klar, dass ich es nicht muss: aber wenn ich weiterhin interessiert bin, soll ich etwas schreiben. Und gar keine Rückmeldung wäre sowieso unhöflich.

Ich empfand es auch sehr wertschätzend, dass sie so viel Informationen offenlegten. Die Frage nach Impressionen fasse ich eher pragmatisch auf und zwar als eine Aufgabe und somit ein Teil des Entscheidungsprozesses: ich denke, sie wollen sehen, was der Bewerber mit diesen Informationen anfangen kann: ob er noch Interesse an der Anstellung hat und wie er dies begründen kann, warum meint der Bewerber, dass er/sie für die Firma die bestmögliche Wahl ist und welche Tätigkeiten/Aspekte er/sie besonders spannend findet und warum....

Nun bin ich natürlich verunsichert, ob ich mich durch meine komische Aussage zu den Schwächen nicht komplett ins Abseits katapultiert habe....:(

BlackDiamond
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Beitrag von BlackDiamond » 13.07.2016, 11:42

Wie gesagt, kann sein, dass sie jemanden mit genau diesem Profil suchen. Aber ich hab ja schon was dazu gesagt. Mach dich mal nicht verrückt.

Ruthenium
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Beitrag von Ruthenium » 13.07.2016, 11:49

Und noch etwas: diesen katastrophalen Patzer habe ich mit einem guten Bekannten aus Deutschland besprochen: er ist ein Abteilungsleiter in einem Amt und ist häufig bei Rekrutierungen beteiligt. Er hat mir erzählt, dass sie vor kurzem eine Stelle zu besetzen hatten. Und dabei hat eine einzige Bewerberin auf die Frage zu Schwächen ehrlich geantwortet: "Ich begreife Excel nicht, Sie können mich damit jagen". Alle anderen Bewerber waren durch und durch Perfektionisten und Workaholicer. Durch ihre Ehrlichkeit hat die Dame jedoch viele Sympathien gewonnen.

Am Ende hat man ihr aber doch abgesagt. Der Grund: sie hat ein 1.5 jähriges Kind und wohnt ca 1 h Autofahrt weg von der möglichen Arbeitsstelle. Dies hat man der Bewerberin natürlich nicht mitgeteilt. Da war ich schon erstaunt, was alles dazu führen kann, dass man am Ende doch eine Absage kassiert: irgendeine Sache, auf welche man überhaupt nicht kommt. Aber man nimmt eine Absage immer irgendwie persönlich und als eine Niederlage auf. Ich meine, wenn eine erwachsene Frau sich für eine Stelle bewirbt, dann hat sie sich etwas mit einer Kindsbetreuung überlegt, die Stellenausschreibung hat sie angesprochen und sie hat sich Gedanken gemacht, wie sie ihr Alltag in diesem Fall am besten organisieren kann etc....Auf meine Frage, ob man diesen Punkt (der Arbeitsweg, das kleine Kind...) beim VG angesprochen hatte, meinte der Kollege: "nein, es ist etwas heikel"....

Und noch was: ich begreife nicht wirklich, warum diese Frage zu den Schwächen/Stärken jedes Mal gestellt wird? Fast alle beantworten diese Frage doch mit 08/15 Floskeln aus den Bewerbungsratgebern und haben schlicht Angst, dass die Ehrlichkeit überhaupt nicht belohnt wird, sondern umgekehrt....Ich höre oft: "bei einem VG muss man sich gut verkaufen"...Ob man danach auch gut arbeiten kann, ist eine ganz andere Frage. Vielleicht spricht da meine Frust: aber ich habe oft das Gefühl, dass oft wirklich diejenige angestellt werden, die sich gut verkauft haben. Arbeiten müssen für sie die anderen :)

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