Anonyme Bewerbungen

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Esprit
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Anonyme Bewerbungen

Beitrag von Esprit » 25.08.2010, 12:22

Im Spiegel erschien gerade ein Artikel zum Thema anonyme Bewerbungen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 83,00.html

Was haltet ihr davon? :?:

buerokauffrau85
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Beitrag von buerokauffrau85 » 25.08.2010, 12:44

Also ich finde die Idee garnicht mal sooo schlecht. So würde sicherlich mehr nach Qualifikation entschieden werden. Das glaube ich schon. Aber wer macht sich den Aufwand und macht die persönlichen Daten unkenntlich, kopiert sie und und und.. Ich würde sagen, hat wie alles andere seine Vor- und Nachteile.

**mizi**
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Beitrag von **mizi** » 25.08.2010, 13:01

ich habs vor ein paar Tagen im Fernsehen gesehen. Ich steh der Sache eher kritisch gegenüber.
Letztendlich gibt nun mal nicht nur die Qualifikation darüber Aufschluss, ob jemand auf die Stelle passt oder nicht.
Gerad Infos wie das Alter lassen sich ja trotzdem nicht verstecken. Wenn im Lebenslauf angebe, dass ich 15 Jahre im Controlling gearbeitet habe, dann kann der Personaler auch ein bisschen rechnen.

Den letzten Satz in dem Fernsehbericht dazu fand ich sehr treffend: "Schließlich wollen wir Menschen einstellen und keine Maschinen"

Ich bin gespannt auf die Ergebnisse vom Pilotprojekt

Esprit
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Beitrag von Esprit » 25.08.2010, 14:55

Ich finde es zumindest gut, wenn man kein Foto mehr mitschicken muss. Die Haarfarbe sagt schließlich nichts über die fachliche Qualifikation aus.

Chancen
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Beitrag von Chancen » 25.08.2010, 15:49

Glaub von müssen war noch nie die Rede. Alle Angaben im Lebenslauf sind doch freiwillig solange sie der Wahrheit entsprechen.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 25.08.2010, 16:13

Weiss denn zufällig jemand, wie sich die Propagandisten dieser Idee Lebensläufe vorstellen, die keine Rückschlüsse mehr auf das Alter zulassen? Einfach Stationen ohne Angabe von Zeiträumen? So ganz spontan stelle ich mir das relativ schwierig vor...

Esprit
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Beitrag von Esprit » 25.08.2010, 16:20

Theoretisch gibt es natürlich keine Vorschriften, wie Bewerbungen aus zu sehen haben. Praktisch ist man aber doch gezwungen, ein Foto beizulegen, wenn alle das machen. Sonst wird man ja sofort aussortiert.

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ice_and_fire
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Beitrag von ice_and_fire » 25.08.2010, 20:07

FRAGEN hat geschrieben:Weiss denn zufällig jemand, wie sich die Propagandisten dieser Idee Lebensläufe vorstellen, die keine Rückschlüsse mehr auf das Alter zulassen? Einfach Stationen ohne Angabe von Zeiträumen? So ganz spontan stelle ich mir das relativ schwierig vor...
So wie ich das nachvollziehen kann, geht es darum, nur gewisse Daten auszusparen. So z.B. das Bild (das MUSS man hier nicht und tut es woanders schon nicht), den Namen (was wenig sinnvoll ist, wenn meine Mail-Adresse "Vorname.Name@web.de" ist) und das alter (und auch hier Deine berechtigten Zweifel)

Selbst wenn es irgendwann mal so kommen sollte und keine Jahreszahlen mehr angedacht sind. Ich denke nicht, dass sich das durchsetzen kann; denn im Lebenslauf zu sehen "15 Jahre in Branche A" ist alleine noch keine Aussage. Wer weiß, ob der 30-jährige die letzten 15 Jahre so gearbeitet hat, oder der 50-jährige danach 20 jahre arbeitslos war.

Und auch ich denke; der Bauch sollte mit entscheiden. Es muss am Ende auch "einfach passen"

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Knightley
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Beitrag von Knightley » 26.08.2010, 23:30

Sinnlose Beschäftigungstherapie für Technokraten. Denn dadurch wird ja kein einziger Job mehr geschafft, höchstens in der Bürokratie. Wenn zehn Jobs zu vergeben sind, dann sind zehn Jobs zu vergeben, egal ob diese zehn Jobs nun zehn Männer oder zehn Frauen besetzen.

Die teilnehmenden Institutionen müssen ein schlechtes Gewissen haben, dass ihre Personalauswahl in der Vergangenheit sich nicht allein an den Qualifikationen ausrichtete. Wenn Bewerber A bezüglich der Qualifikationen objektiv besser als Bewerber B ist, dann würde sich der Arbeigeber ins Bein schneiden, Bewerber B zu nehmen, egal ob Bewerber A nun alt, weiblich oder Spanier wäre. Ein marktwirtschaftlich denkender Arbeitgeber könnte sich sowas gar nicht leisten. Nur weil wenig Eisbären in der Sahara leben, bedeutet dies nicht, dass Eisbären in der Sahara diskrimiert werden. Nur weil die Beschäftigungsquoten von Alten, Frauen und Spaniern niedriger als der Durchschnitt sind, bedeutet dies nicht gleich, dass eine Diskriminierung (nach neuer Bedeutung) vorliegt. Es muss nicht alles exakt gleich sein, damit es keine Diskriminierung mehr gibt. :wink:

Es müssen eher neue Beschäftigungskonzepte umgesetzt werden, die die Vielfalt der Menschen repräsentieren. Da haben vor allem die Behörden noch viel zu tun, denn als mitteloser Student kann man bspw. in vielen Bundesminsterien kein Praktikum ableisten, weil viele Praktika keine Vergütung beinhalten. Das können sich nur die Studenten mit finanzkräftigen Eltern leisten.

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ice_and_fire
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Beitrag von ice_and_fire » 27.08.2010, 00:50

Knightley hat geschrieben: Sinnlose Beschäftigungstherapie für Technokraten. Denn dadurch wird ja kein einziger Job mehr geschafft, höchstens in der Bürokratie.
Sehe ich genauso; auch dass der Aktionismus wohl zumindest teilweise daher kommt, dass einige Leute (nicht nur in der Industrie selbst) ein schlechtes Gewissen haben, oder zumindest meinen, sie müssten was "verbessern".
Das Problem ist; anonym entschieden haben wir m.M.n. bislang dennoch noch nie
Knightley hat geschrieben: Wenn Bewerber A bezüglich der Qualifikationen objektiv besser als Bewerber B ist, dann würde sich der Arbeigeber ins Bein schneiden, Bewerber B zu nehmen, egal ob Bewerber A nun alt, weiblich oder Spanier wäre.
Hmm, der AG würde sich wohl tatsächlich ins Bein schneiden. Das Problem dabei ist, dass der Entscheider nicht "der AG" ist, sondern eine Person aus Fleisch und Blut, wie Du und ich. Und diese Person entscheidet eben auch aus dem Bauch heraus. Das bedeutet, dass wenn er keinen gravierenden Nachteil erkennt, nimmt er schon mal den geringfügig schlechteren qualifizierten, weil der aus dem gleichen Lehrbetrieb kommt; notfalls redet sich der zukünftige Chef eben noch ein, dass das die beste Entscheidung war, weil dann das Betriebsklima zu höherer Produktivität führt
Knightley hat geschrieben: Ein marktwirtschaftlich denkender Arbeitgeber könnte sich sowas gar nicht leisten.
Aus Sicht eines sehr marktwirtschaftlich denkenenden AG .... die machen das fast täglich ;)
Knightley hat geschrieben: Es müssen eher neue Beschäftigungskonzepte umgesetzt werden, die die Vielfalt der Menschen repräsentieren....
Ja, ich denke auch, dass es sinnvollere Ansatzpunkte gäbe

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