Die verkorkste Personalpolitik

Wie geht es weiter nach Absagen? Was kann daraus gelernt werden? Lass andere an deinen Erfahrungen teilhaben. Berichte über gute und schlechte Erfahrungen bei der Stellensuche.
tommyholmes
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Die verkorkste Personalpolitik

Beitrag von tommyholmes » 02.09.2008, 16:24

Zunächst einmal ein herzliches Hallo an alle in diesem interssanten Forum. War lange auf der Suche nach Gleichgesinnten, um sich über das Thema Bewerbungen, Absagen usw. zu unterhalten, da die grosse Anzahl an Bewerbern keine richtige Lobby haben.

Ich bin gelernter Industriekaufmann und habe dieses Jahr das BWL Studium beendet. Nun bin ich auf der Suche nach einen Arbeitsplatz. Habe in den letzten zwei Monaten interessante Erfahrungen gemacht, was den Berufstart betrifft, um es vorweg zu nehmen, ich bin immer noch arbeitslos.

Ich habe mittlerweile mehr als 40 Bewerbungen geschrieben und wenn überhaupt eine Antwort kam, dann standartisierte Absagen.

Interessant hierbei ist, dass viele Unternehmen über einen längeren Zeitraum immer wieder die selben Jobs ausschreiben(auf der firmeneigenen Homepage, sowie diversen Jobportalen), obwohl sich mehrere hunderte Bewerber auf diese Stelle bewerben. Ich habe Teils nachgefragt und die Antwort bekommen:" Das kommt mir auch komisch vor!" (Originalzitat einer Personalreferentin eines grossen deutschen Unternehmens).

Auf mich wirken diese Stellenausschreibeungen wie PR Maßnahmen, um die positive "einstellungsfreudige" Personalpolitik vorzugaukeln.

MFG

Tommy

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Knightley
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Beitrag von Knightley » 03.09.2008, 13:27

Hallo,

deine Erfahrungen haben einige andere User hier auch schon gemacht.

Die Gründe für das fortlaufende Ausschreiben können sehr unterschiedlich sein.

rokko
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Beitrag von rokko » 03.09.2008, 17:52

Ja, davon können hier sicher viele ein Liedchen singen.

Aber was die Unterhaltung und den Austausch mit Gleichgesinnten betrifft, ist dieses Forum hier eher nicht so sonderlich geeignet (meine Meinung). 90% aller Threads stellen eine simple Bitte (Zeugnis bewerten, Anschreiben korrigieren u.ä.), bekommen ihre 1-2 Antworten und verschwinden dann wieder, inklusive der Bittsteller. Eine interessante und fortlaufende Diskussion kommt leider eher selten zustande... :?

Dafür
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Beitrag von Dafür » 03.09.2008, 18:27

Knightley hat geschrieben: Die Gründe für das fortlaufende Ausschreiben können sehr unterschiedlich sein.
Kannst Du mal ein paar dieser Gründe nennen? So wirklich viele fallen mir nämlich da nicht ein.
Und ich vermute, wenn die Stellenanzeige in einer Jobbörse auch nur annähernd so teuer wäre, wie in Printmedien, dann hätten wir dieses Phänomen der fortlaufenden Ausschreibungen nicht.


rokko hat geschrieben: Aber was die Unterhaltung und den Austausch mit Gleichgesinnten betrifft, ist dieses Forum hier eher nicht so sonderlich geeignet (meine Meinung). 90% aller Threads stellen eine simple Bitte (Zeugnis bewerten, Anschreiben korrigieren u.ä.), bekommen ihre 1-2 Antworten und verschwinden dann wieder, inklusive der Bittsteller. Eine interessante und fortlaufende Diskussion kommt leider eher selten zustande... :?

Ein berechtigter Kritikpunkt. Ich empfinde das auch als sehr schade.

Grüße, Dafür

Dafür
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Beitrag von Dafür » 05.09.2008, 17:26

Dafür hat geschrieben:
Knightley hat geschrieben: Die Gründe für das fortlaufende Ausschreiben können sehr unterschiedlich sein.
Kannst Du mal ein paar dieser Gründe nennen?

Und er hub an und schwieg folgendermaßen:












.

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Knightley
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Beitrag von Knightley » 06.09.2008, 13:42

Kannst Du mal ein paar dieser Gründe nennen? So wirklich viele fallen mir nämlich da nicht ein.
Und ich vermute, wenn die Stellenanzeige in einer Jobbörse auch nur annähernd so teuer wäre, wie in Printmedien, dann hätten wir dieses Phänomen der fortlaufenden Ausschreibungen nicht.
Mit den PR-Maßnahmen und den Kosten hat man schon einen ersten Ansatzpunkt. Die größeren Unternehmen dürften sogar nur eine Pauschale pro Jobbörse entrichten, und dementsprechend eine bestimmte Anzahl von Stellenanzeigen veröffentlichen. Bei den fraglichen Stellen handelt es sich dann oftmals um solche, die eben auch fortlaufend gesucht werden (typische Einstiegspositionen). Das Unternehmen muss ja auch davon ausgehen, dass ein suchender Absolvent nicht über einen längeren Zeitraum nach Stellen sucht, sondern dass die Jobbörsen relativ kurzfristig und nicht zu lange genutzt werden. Wenn das Unternehmen in der Suchphase des Bewerbers keine Stellenanzeigen geschaltet hat, weil der nächste Einstellungstermin bspw. erst in vier Monaten wäre, dann erfährt eine große Anzahl von Bewerbern auch nichts von diesem Unternehmen - und geht zur Konkurrenz. Global Player haben zwar noch den Vorteil, dass diese vielen Bewerbern bekannt sind, so dass sie auch direkt auf der Website des Unternehmens vorbeischauen. Aber viele große Unternehmen sind unbekannt, obwohl sie Tausende Beschäftigte haben und in ihrem Segment/ ihrer Branche Weltmarktführer sind. Und die sind dann schon darauf angewiesen, sich auch über Jobbörsen bei potentiellen Bewerbern bekannt zu machen.

Die fortlaufende Ausschreibung könnte auch an der Organisation des Unternehmens bzw. der Personalabteilung liegen. Der Leiter hat eben ein bestimmtes Budget zur Verfügung, welches für die unterschiedlichsten Kanäle verwendet wird. Und in den meisten Fällen wird das Budget auch ausgegeben, egal ob geeignete Kandidaten schon gefunden wurden oder nicht.

Und von der Quantität der Bewerber auf eine Stellenanzeige kann nicht unbedingt auf die Qualität geschlossen werden. In vielen Fällen haben die Unternehmen sehr hohe oder spezielle Anforderungen, die möglicherweise eine längerfristige Ausschreibung erklären können.

Dafür
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Beitrag von Dafür » 06.09.2008, 18:01

Naja. Also Gründe sehen für mich anders aus. Das, was Du schreibst, sind keine Gründe, es sind spärliche Erklärungsversuche für das Phänomen, das ich "Schnäpchenjäger des Arbeitsmarktes" nenne. Denn diese Unternehmen würden einen einstellen, wenn er Überflieger ist und gleichzeitig seine Leistung "für lau" anbietet. Und solange der nicht kommt, sieht das Unternehmen nach außen hin wenigstens sehr sehr expansiv aus.

Gibt es eigentlich im Internet irgendwo eine Blacklist, in die alle verdächtigen Unternehmen eingetragen werden können, die Jobs fortlaufend ausschreiben, ohne die ausgeschriebenen Stellen zu besetzen???
Denn hier wird die Zeit, Mühe und die Hoffnungen der meist arbeitslosen Bewerber für ein bisschen PR und die moralisch bedenkliche Jagd nach Arbeitsmarktschnäpchen vernichtet!

Mir persönlich stoßen diese Unternehmen unangenehm und unseriös auf.

Grüße, Dafür

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 06.09.2008, 22:29

Dann gibt es noch die Fälle, in denen die Stellen tatsächlich besetzt werden... die glücklichen Sieger dann aber derart verheizt werden, dass sie regelmässig von sich aus innerhalb kürzester Zeit wieder kündigen. Mit der Folge, dass eine kontinuierliche Ausschreibung quasi immer "passt"... ;-)

Dafür
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Beitrag von Dafür » 07.09.2008, 08:51

@Fragen: Absolut! So ein Unternehmen kenne ich auch. Inserieren stets und ständig, haben eine irrsinnig hohe Fluktuation und auch sonst hört man wenig Gutes. (Bsp.: Schamloses Ausnutzen von stud. Aushilfskräften und Absolventen auf Praktikantenbasis). Trifft genau Dein Beispiel, vermute ich.

Unterm Strich bleibt für mich: Ich kenne für fortlaufende Ausschreibung ein- und derselben Stelle immer noch keinen einzigen moralisch unbedenklichen Grund. Stets sind es die Arbeitssuchenden und Bewerber, auf deren Rücken dergestalt ausgeschrieben wird.

Grüße, Dafür

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Knightley
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Beitrag von Knightley » 07.09.2008, 13:42

Du machst es dir dann aber auch sehr einfach: Nur weil ein Unternehmen fortlaufend Stellenanzeigen ausschreibt, aber angeblich niemanden findet, ist es ein schlechtes und unseriöses Unternehmen? Das kannst du doch überhaupt nicht wissen, ob aus Stellenanzeigen nun Einstellungen resultieren. Und die Personalabteilungen haben sicherlich besseres zu tun, als jede Woche hunderte von nicht passenden Bewerbungen durchzuarbeiten.
Denn diese Unternehmen würden einen einstellen, wenn er Überflieger ist und gleichzeitig seine Leistung "für lau" anbietet. Und solange der nicht kommt, sieht das Unternehmen nach außen hin wenigstens sehr sehr expansiv aus.
Von was für Unternehmen sprechen wir jetzt eigentlich? Ich spreche von international engagierten Konzernen, die Akademikerstellen ausschreiben. Die sind 1. nicht darauf angewiesen, die Konkurrenz mit der Anzahl der Stellenanzeigen in Jobbörse XYZ zu beeindrucken. Und 2. bezahlen die mehr als genug!
Gibt es eigentlich im Internet irgendwo eine Blacklist, in die alle verdächtigen Unternehmen eingetragen werden können, die Jobs fortlaufend ausschreiben, ohne die ausgeschriebenen Stellen zu besetzen???
Du kannst das Anliegen ja an Schäuble herantragen. Der macht gerne solche Listen von Verdächtigen.
Unterm Strich bleibt für mich: Ich kenne für fortlaufende Ausschreibung ein- und derselben Stelle immer noch keinen einzigen moralisch unbedenklichen Grund.
Ein großes Unternehmen mit Tausenden Beschäftigten hat permanent Personalbedarf, weil die Fluktuation aus betrieblichen und persönlichen Gründen einen bestimmten Teil der Beschäftigten betrifft. Und zum Personalmanagement gehört es, rechtzeitig Ersatz einstellen zu können. Wenn in einem Drei-Mann-Betrieb eine Fachkraft wegzieht, dann wird ggf. eine Stellenanzeige geschaltet, um diesen Wegfall zu kompensieren. In einem Großunternehmen scheiden fortlaufend Mitarbeiter aus. Demenstprechend erscheinen fortlaufend Stellenanzeigen.
Stets sind es die Arbeitssuchenden und Bewerber, auf deren Rücken dergestalt ausgeschrieben wird.
Ja, genau, die Personaler haben einen riesen Spaß daran, mit möglichst vielen Stellenanzeigen Arbeitssuchende zu verarschen.

Dafür
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Beitrag von Dafür » 07.09.2008, 13:54

Schau Dir die wirklichen Global Player an. Die schreiben nicht fortlaufend dieselben Stellen aus. Gerade im akademischen Bereich nicht!
Ich selber war in einem Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern in der Personalabteilung tätig und auch wir haben das nicht gemacht!
Es sind größtenteils Kleinunternehmen und Mittelständler mit weniger als 1.000 Mitarbeitern, die das machen. Und ich bleibe dabei, es ist moralisch ausgesprochen bedenklich und wird auf dem Rücken der Bewerber ausgetragen.
Wie falsch Deine Annahme übrigens ist, zeigt schon, dass es fortlaufende Ausschreibungen derselben Stelle vor Zeiten der Onlineausschreibungen gar nicht gegeben hat.
Ob Personaler Spaß daran haben, Bewerber zu verarschen? Nein. Es ist ihnen bzw. denen, die diese Strategie fahren, schlicht egal.

Grüße, Dafür

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Felixx
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Beitrag von Felixx » 07.09.2008, 15:35

Ich frag mich gerade, ob ein Bewerber wirklich von einem Unternehmen verarscht werden kann. Ich denke nicht. Selbst wenn ein Unternehmen jahrelang immer dieselbe Stellenanzeige online geschaltet hat - na und?

Ich selbst habe mich vor 3-4 Monaten bei einem größerem Arbeitgeber beworben und bekomme immer noch in regelmäßigen Abständen standardisierte e-mails in denen steht, daß meine Bewerbung einem Personaler vorliegt und noch geprüft wird. Ich reg mich darüber aber keineswegs auf. Das ist nunmal kein guter Stil und ich bin froh, daß ich auch nicht bei solch einem Unternehmen arbeiten muß.

Es gibt nunmal Arbeitgeber, die einen miesen Umgang mit ihren Bewerbern pflegen. Aber diese Erfahrung muß jeder selbst mit dem jeweiligen Unternehmen machen, eine "Blackliste" finde ich eher absurd. Wichtig ist es trotz diesen Unternehmen optimistisch zu bleiben. Und bitte hört auf, Zeit darin zu investieren, die Schuld über eine mißlungene Bewerbung bei den jeweiligen Unternehmen zu suchen. Verwendet diese Zeit lieber dazu, zu schauen, was man vielleicht bei der nächsten Bewerbung besser machen könnte.

Grüße, Felix

schattenmann
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Beitrag von schattenmann » 07.09.2008, 16:21

Was leider auch immer öfter vorkommt, sind Inserate von Unternehmen, die für ne typische Einstiegsposition die eierlegende Wollmilchsau suchen (Studium, 5 Jahre Berufserfahrung, mind. 3 Fremdsprachen fliessend, und Bereitschaft für das Existenzminimum zu arbeiten)...

Dann stellen's diese vermeintliche Wollmilchsau ein, verheizen diese mit miesen Anstellungsbedingungen oder falschen Versprechungen, WMS sucht nen neuen Job, findet diesen (hat ja gute Qualis), und schon geht die gleiche Suche von vorne los...

Sowas findet man jedoch nur bei Unternehmen; bei Personalvermittlern sieht's ja anders aus; es hat sich sogar schon eine richtige Sprache für diese gefakten Inserate entwickelt. Wenn ich lese "wir suchen für ein renomiertes Unternehmen junge, motivierte und qualifizierte Mitarbeiter in den Bereichen" (ohne klaren Bezug auf's Unternehmen oder die Region wo dieses zu finden wäre, oder wenn "mehrere" gesucht werden) ist mir schon klar: da geht es WENN ÜBERHAUPT nur um den Kandidatenpool... "Sehen ob's nicht bessere als die schon registrierten gibt"...

Ich würde eine Blacklist wie weiter oben beschrieben befürworten. Stellensinserate sind keine Werbeplatformen für Unternehmen. Es wird mit Menschen gespielt, die in ziemlich derben Situationen stecken. Diese stecken viel Zeit und Energie in Bewerbungen, und haben nicht mal den Hauch einer Chance... Wer noch nicht resigniert hat, macht sich sogar Hoffnungen; dann kommt (wenn überhaupt) eine Absage, man fragt nach und kriegt nach einigem bohren die Antwort "grad keine Stelle zu besetzen"... Das sowas enttäuscht ist selbsterklärend...

Gruss,
s.

rokko
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Beitrag von rokko » 07.09.2008, 17:51

schattenmann hat geschrieben:Was leider auch immer öfter vorkommt, sind Inserate von Unternehmen, die für ne typische Einstiegsposition die eierlegende Wollmilchsau suchen (Studium, 5 Jahre Berufserfahrung, mind. 3 Fremdsprachen fliessend, und Bereitschaft für das Existenzminimum zu arbeiten)...
Das verstehe ich auch nicht. Wie soll man als Berufsanfänger, wenn man nicht gerade übernommen wird, überhaupt einen Job finden, wenn alle Unternehmen mindestens 3 - 5 Jahre Berufserfahrung voraussetzen?

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Knightley
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Beitrag von Knightley » 07.09.2008, 18:02

Handelt es sich dabei nicht auch um eine Mär, die immer wieder gerne berichtet wird, aber überhaupt keine objektive Grundlage hat?

schattenmann
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Beitrag von schattenmann » 07.09.2008, 18:13

Leider nein, Knightley...

Guck bsp. mal auf www.jobs.ch im Bereich Administration/Verwaltung; dort findest du lauter Einstiegsjobs im kaufm. Bereich... Brauchst nur zu gucken was für Anforderungen da gestellt werden...

Hierzulande gilt übrigens "bereits Erfahrung in dem Bereich" als mind. zweijährige Tätigkeit in diesem Bereich als Angestellter (Lehrzeit wird nur seltenst angerechnet)...

Steig mal in sonen Job ein (ohne Vitamin B)... Wie Rokko schrieb: wenn man nicht übernommen wird, wird's lustig...

Toto
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Beitrag von Toto » 09.09.2008, 13:29

Ich bin immer noch rat- und fassungslos über das Ergebnis eines kleinen Tests, den ich und ein Bekannter zu den sagenumworbenen "online-jobangeboten" bekannter Unternehmen gemacht haben.

Über die Jobsuchmaschine im Internet hatte ich letztendlich zwei interessante und passende Stellenangebote auf dem Bildschirm, die für berufserfahrene Interessenten auf das jeweilige Online-Bewerbungstool der inserierenden Unternehmen verwiesen. Also rief ich die Webseiten der stellenanbietenden Unternehmen aus München und Hamburg auf, beantwortete 'online' gewissenhaft die Fragen und lud am Ende wie gewünscht meine eigenen Dateien (Anschreiben, Lebenslauf) hoch.

Da kein direkter Ansprechpartner in der Anzeige genannt wurde (erfahrungsgemäß immer verdächtig!) und die beiden Stellenanzeigen zur gleichen Zeit von direkten Marktkonkurrenten geschaltet worden sind (watch out, it's always PR!) dachte ich mir gleich, dass das nicht richtig zum Erfolg führen kann. Und so war es auch - die erste freundliche Absage von Unternehmen A kam genau nach einer Woche, die zweite freundliche von Konkurrenz-Unternehmen B exakt um 9:02 Uhr 14 Tage später.

Tags darauf führte ein Freund von mir - man möge uns jetzt bitte keine Böswilligkeit unterstellen, eher die Suche nach Gewissheit und nach Erhalt unseres Selbstbewusstseins im Arbeitsmarkt - den Test durch. Er beworb sich mit einem irrwitzigen Pseudonym, beantwortete brav 'online' alle Fragen (ging mit der Gehaltsvorstellung allerdings deutlich runter) und lud am Ende ebenfalls zwei Dateien hoch. Anstelle seines Lebenslaufes nahm er allerdings eine beliebige, nichtssagende Grafik aus dem Internet und anstelle seines Anschreibens den exakten Wortlaut der Stellenanzeige des Konkurrenzunternehmens!

Wir hatten zumindest gehofft, dass uns die eifrigen und beflissenen Leser in der Personalabteilung einen Hinweis (... wie "leider können wir Ihre Dateien nicht zuordnen - bitte nochmals schicken!" o.ä.) ODER gar keine Antwort ODER gleich eine barsche Absage wegen der Inkompetenz beim Hochladen zukommen lassen würden ... aber nein, aber nein, aber nein ... genau eine Woche später kam per E-Mail genau die gleiche freundliche Absage von Unternehmen A an meinen Bekannten, exakt 14 Tage später um 9:02 Uhr die von Konkurrenz-Unternehmen B mit identischem Wortlaut - wie bei meinem ersten ernsthaften Versuch. "Es gab leider einige wenige Bewerber, die unseren Anforderungen an die Stelle und den Qualifikationen mehr entsprechen haben". Aber, aber liebe Profis - er hatte doch gar keine Qualifikationen angegeben!

Diese Erfahrung verärgert, ist enttäuschend und ist für mich persönlich ein klares und dauerhaftes Nein zu den anonymen und voll automatisierten Online-Bewerbungsportalen.

Beweist dieser Wahnsinn doch nichts anderes, dass niemand ernsthaft unsere Dokumente aus dem Bewerbungsprozess gelesen, geschweige denn geöffnet hat. Der Verdacht reiner Scheinanzeigen bzw.image-Anzeigen liegt (auch) hier leider nahe und bei aller Liebe zur - und bei allem Verständnis für die deutsche Wirtschaft: Ich befürworte und unterstütze ab sofort die Idee von "Dafür", eine "black list" solcher Unternehmen im Web zu installieren. Ihr werdet sehen, dass zukünftig solche unerträglichen Spielereien aus der Kommunikationsstrategie der Unternehmen langfristig gestrichen werden. Spätestens dann, wenn einschlägige, nationale Medien wie der Spiegel ein Auge darauf werfen.



T
Zuletzt geändert von Toto am 12.09.2008, 16:57, insgesamt 2-mal geändert.

08/15
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Beitrag von 08/15 » 10.09.2008, 21:38

@ Toto: Hast Du ernsthaft erwartet, dass da eine individuelle Absage kommt? Da gibt es Serienbriefe oder Textbausteine und gut ist.

Selbst bei grottenschlechten Bewerbungen schick ich den Standarttext raus und gut ist. Dank dem AGG werde ich mich hüten, irgendwas anderes zu schreiben, als das von den Juristen Abgesegnete!

Und ohne Zeugnisse sind eh die wenigsten Bewerbungen wirklich aussagefähig.

Dafür
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Beitrag von Dafür » 11.09.2008, 11:51

08/15 hat geschrieben: Dank dem AGG werde ich mich hüten, irgendwas anderes zu schreiben, als das von den Juristen Abgesegnete!
Das AGG. Auch so eine Verarsche!
Ich will gar nicht wissen, wieviel Zeit der Gesetzgeber mir schon gestohlen hat, weil ich mich auf Stellen beworben habe, bei denen der Arbeitgeber z.B. eine Frau suchte.
Aber ein Geschäftsführer darf ja z.B. lt. AGG keine Assistentin mehr suchen. Tut er zwar trotzdem. Aber eben umständlicher und arbeitsintensiver für alle Beteiligten!
Genauso könnte der Personaler den entscheidenden Tip für den Bewerber parat haben "Lieber Mann, wir nehmen sie nicht, weil..." Er wäre schön doof, wenn er sich auf ein solches Gespräch einließe und sich ggf. vom Bewerber vor den Kadi ziehen ließe.

Der Threadtitel sagts: Verkorkste Personalpolitik! Von Arbeitgebern und Politik!

Grüße, Dafür

Toto
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Realität.

Beitrag von Toto » 11.09.2008, 13:04

@ 08/15: Dein 'Name' scheint Programm zu sein. Nicht nur im Job, sondern auch in diesem Forum. :lol:

Denn es ging uns in diesem Test weiß Gott nicht um die individuell formulierte, freundliche Absage, die konträr zum AGG ist; es ging darum, uns in erster Linie selbst die Gewissheit zu verschaffen, dass hinter diesen beiden exemplarischen Stellenangeboten aus HH und MUC wirklich nichts steckt und es deswegen auf Unternehmensseite an Ernsthaftigkeit in der Durchsicht der Bewerbung(en) mangeln wird.

Oder glaubt Ihr wirklich - ein anderes aktuelles Beispiel aus der Tagespresse - dass tatsächlich bei DEM Münchner "Bezahl-Fernsehsender" über 100 offene Stellen laut firmeneigenem Job-Portal zur Verfügung stehen? Halleluja - die haben gerade über 15 Millionen Euro Verlust (!) im zweiten Quartal eingefahren und sich aus völliger Verzweiflung deswegen von ihrem Boss heute getrennt. Also ehrlich ... niemals!

@ Dafür: Das AGG hat sicherlich viele Nachteile - aber auch seine (Gleich-)Berechtigung. So völlig verteufeln würde ich es nicht, zumal es jedem Arbeitswilligen und Bewerber in Deutschland klar sein sollte, dass eine 'schriftliche' Absage meistens aus Zeitnot nur aus Standardtextblöcken - siehe die freundlichen Ausführungen von 08/15 - besteht. Verloren hat man sowieso bereits, bevor man seine Unterlagen verschickt hat! Wer es genau wissen will, sollte beim AG anrufen und ihm die mündliche Information liebevoll herauskitzeln, dass bei der Stellenbesetzung einfach "das andere Geschlecht" gesucht worden ist ...

Schöne restliche Mittagspause,
T
Zuletzt geändert von Toto am 12.09.2008, 17:01, insgesamt 1-mal geändert.

08/15
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Beitrag von 08/15 » 11.09.2008, 18:51

Jeder tut halt, was er kann und das nicht nur im Job :wink:

@Toto: Ist mir auch klar, dass es schon zumindestens merkwürdig ist, wenn die Umstände in beiden Fällen die Absagen so identisch sind. Vielleicht haben die ja so eine tolle Managementsoftware, wo man nur "ja" oder "nein" anklickt und dann wird nach einer angemessenen Wartezeit (zu schnelle Absagen gelten ja auch als unfein) automatisch eine Standartmail verschickt.

Bei uns hab ich immerhin noch selbst die Auswahl, ob ich den Absagentext für ausgeschriebene Stellen oder Initiativ nehme.

Wenn Firmen ständig die gleichen Stellen ausschreiben, dann halt ich das nicht zwingend für billige Werbung, sondern eher für ein Anzeichen für eine sehr hohe Fluktuation. Wobei das auch nicht gerade für die Firma spricht.

Und zum AGG: Das Ziel ist sicherlich gut und richtig, aber ich halte es für den falschen Weg, etwas von oben vorgeben zu wollen, ohne es selbst zu leben. Denn Frauen in hohen politischen Ämtern, die vielleicht sogar noch Kinder haben, sind leider immer noch die absolute Ausnahme in Deutschland.

Schönen Feierabend

schattenmann
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Beitrag von schattenmann » 11.09.2008, 19:50

Sorry 08/15 - aber das Argument mit den Frauen ist etwas... Naja...

Als ich mein Studium versuchte, gab es ein Gender-Programm (Förderprogramm für Frauen, welche in "ungeliebte" Studiengänge wie Wirtschaftsinformatik gefördert werden wollten)... Wirtschaftsinformatik fand keinen Anklang bei Studentinnen anderer Fakultäten, trotz der Förderung... Studiengangleitung gab uns Männer die Schuld. Eine Umfrage (der selben Studiengangleitung) in den Studiengängen Marketing & Kommunikation, Finanzwesen & Management, Hotelerie, NGO ergab jedoch: Grund für den Nichtwechsel, resp. die "Unattraktivität von Wirtschaftsinfo für Frauen" war schlicht mangelndes Interesse an diesem Fachgebiet...

Ich bin daher der Meinung, das man immer abwägen sollte, ob eine niedrige "Frauenquote" (sry; für mich ist dieses Wort klar diskriminierend **) wegen diskriminierenden ** Hürden, oder schlicht wegen mangelndem Interesse begründet ist... Im ersten Fall greifen Antidiskriminierungs-Gesetze, im 2. Fall wohl nur eine Gehirnwäsche... (sry aber ist doch so)

Das mit dem AGG also Frauen in "Männerdomänen" gehoben werden sollen oder diskriminierende **Personalpolitik verhindern, halte ich für zumindest stark übertrieben...

Es ist zwar richtig, das man Diskriminierung verhindert; aber zu welchem Preis?
-> Bewerber erhalten kein ehrliches Feedback mehr (aus Angst vor Repressionen)
-> Obwohl ein Unternehmen eine Frau anstellen will, darf man im Inserat nicht reinschreiben "Wir suchen eine Sachbearbeiterin", weil sonst Verstoss gegen das Gesetz... Das Unternehmen stellt trotzdem "nur" eine Frau ein. Auch hier erhalten (männliche) Bewerber keine ehrliche Absage

Und was das mit der Fluktuation betrifft:
bei Unternehmen ok; aber die inserieren nicht monatlich die gleiche Stelle! Spätestens beim 5. mal schalten sich ein paar Behörden ein (oder sollten's zumindest; wenn für die selbe Stelle im Monatstakt gekündigt wird, sollte das Fragen aufwerfen)... Was sagst du aber zu Personalvermittler, die die selbe Stelle fast schon wöchentlich schalten, jedoch mit "keine Vakanzen" absagen?


diskriminierend **:
Warum darf man ein Wort, welches Diskriminierung zwischen Mann und Frau als das bezeichnet was es ist, in diesem Forum nicht schreiben? (Wird durch STOP ersetzt) Doch hoffentlich nicht durch einen zu scharfen Filter, welcher wegen den ersten 3 Buchstaben blockiert?!

Dafür
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Beitrag von Dafür » 11.09.2008, 21:57

schattenmann hat geschrieben: Es ist zwar richtig, das man Diskriminierung verhindert; aber zu welchem Preis?
-> Bewerber erhalten kein ehrliches Feedback mehr (aus Angst vor Repressionen)
-> Obwohl ein Unternehmen eine Frau anstellen will, darf man im Inserat nicht reinschreiben "Wir suchen eine Sachbearbeiterin", weil sonst Verstoss gegen das Gesetz... Das Unternehmen stellt trotzdem "nur" eine Frau ein. Auch hier erhalten (männliche) Bewerber keine ehrliche Absage

Meine Worte!
Das AGG schüttet das Kind mit dem Bade aus! Mir fallen ausschließlich Nachteile ein. Und selbst, wenn ein Unternehmen ausschließlich eine bestimmte Nationalität oder ein bestimmtes Geschlecht sucht. Dann laßt das Unternehmen doch! Weitaus diskriminierender ist doch, alle anderen die Bewerbungsarbeit und ggf. hiermit verbundene Hoffnungen aufzubürden. Wenn ein Unternehmen jemanden Bestimmtes sucht, wird es den auch einstellen. Da helfen alle AGGs der EU nicht weiter!

Grüße, Dafür

Toto
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Beitrag von Toto » 12.09.2008, 09:30

Ich finde es respektabel, dass sich in diesem Forum zumindest ein paar Köpfe und Jobsuchende neben den bisherigen 500 stillen (Mit-)Lesern zusammenraufen, um über die 'Problemzonen' des Arbeitsmarktes zu diskutieren.

Viele Argumente zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sind für mich nachvollziehbar und tragen zu meiner persönlichen Meinungsbildung bei. Nur: Können wir daran etwas ändern? Ich denke nicht.

Tollen Worten sollten aber auch Taten folgen - Was hält nun das Forum von der Installation einer 'black list'? Was hält 'Carolline' als Supervisor & RechtehüterIn dieses Forums von der provokanten Idee, hier explizit national bekannte Unternehmen zu nennen, die dieses unwürdige und widerliche Spielchen der Scheinanzeigen offensichtlich betreiben? Was hielte 'eauvive' von ihrem 'international point of view' aus von dieser basisdemokratischen Zurschaustellung der schwarzen Schafe? Die Webseite www.kununu.com zur AG-Bewertung gibt es ja bereits.

Soll ich etwa damit beginnen? P wie ... E wie ... S wie ...

Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.


Einen schönen Arbeitstag.

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Eauvive
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Beitrag von Eauvive » 12.09.2008, 11:00

Auch kein Grund aber mögliche Erklärungen für Mamutlangzeitsuchen auf ein und dieselbe Stelle:

- Gesucht werden tatsächlich 10 Papiertütenfalter. Ausgeschrieben wird lediglich 1 Papiertütenfalter. Die interne Organisation scheitert an unzureichend ausgebildetem bzw. erfahrenem Personal in der Personalabteilung, die eingehende Bewerbungen praktisch nach "Position" sortieren, was dann dazu führt, dass alle Bewerbungen in Ablage A landen, nachdem 1 der 10 Positionen besetzt wurde, weil irgendjemand glaubt, die kämen ja jetzt alle wieder für die zweite Position. Rekruting ist ein Job, der eine gewisse Hintergrundstrategie verlangt, die in der Regel dem durchschnittlichen Personalreferenten etc. gar nicht bekannt ist. Da machen Leute einen Job, den sie schlicht nicht können. Viele große gehen jetzt explizit dazu über, sich inhouse-recruiting anzuschaffen, weil sie begriffen haben, dass das NICHTS ist, was die klassische Personalabteilung abdecken kann.

- Das Unternehmen hat schlichtweg markt- und realitätsferne Vorstellungen und keine Bewerbung passt. Schönes Beispiel kürzlich bei uns erlebt: Vertriebler ohne Firmenwagen. Man könne das ja per Bahn und Bus bzw. mit dem Privat-PKW erledigen. Oder gemütliche 10-20K unter Marktgehalt und keinerlei Flexibilität seitens AG.

- Die Firma hat aus mangelnder Kompetenz in Sachen Stellenausschreibung etwas anderes ausgeschrieben, als sie sucht. Das wird dann nicht zwischen "Design Engineer" und "Betriebsleiter" wackeln aber es reicht vollkommen aus, wenn der Persomitarbeiter, der die Anzeige verfasst, einen maßgeblichen Anforderungspunkt nicht drin hat, wovon der Entscheider nichts weiß, der dann reihenweise die Bewerbungen aussortiert und Aussagen wie "Bewerben sich einfach nicht die richtigen" in die Welt trägt.


Grundsätzlich kann man natürlich nicht aus "Habe mich beworben, Absage bekommen, Anzeige wurde aktualisiert" nicht direkt den Schluss ziehen, die Firma wolle niemanden einstellen. Manchmal passt es einfach nicht. Manchmal passt der Bewerber nicht so gut wie er glaubt.

Bei automatisch generierten Absagemails die - das scheint ja die Vermutung zu sein - automatisch vom System verschickt werden, können noch ganz andere Gründe vorliegen. Zum Beispiel kann das System so eingestellt sein, dass es automatisch eine Absage verschickt, wenn z.B. innerhalb 14 Tagen keine andere Verfahrensweise angewiesen wird. In der Personalabteilung gab es zwischenzeitlich aber vielleicht einen Personalengpass und für die Datenbank fühlt sich niemand zuständig.

Seien wir ehrlich - Personalmarketing, Rekruting etc. ist in vielen Unternehmen im Verhältnis zu den sonstigen Entwicklungen ein absolutes Stiefkind. Mit ein Grund, weshalb ich so gut verdiene :P Ich werde gebraucht um das auszugleichen.

Gruß
Eauvive

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