Stärken und Schwächen in Bewerbung darstellen

Informationen und Fragen zum Bewerbungsablauf, zu einzelnen Elementen der Bewerbungsmappe und zu individuellen Formulierungen. Wie soll eine Bewerbungsmappe aufgebaut sein? Welche Fakten gehören in ein Anschreiben? Welche Formulierungen sollten unbedingt vermieden werden?
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ceodor
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Stärken und Schwächen in Bewerbung darstellen

Beitrag von ceodor » 11.04.2008, 19:46

Hallo zusammen,

dieses Forum wurde mir von einem Freund empfohlen.

In meiner Bewerbung soll ich meine Stärken und Schwächen tabellarisch auflisten.
Meine Schwierigkeit lieg NICHT darin, dass ich meine Stärken und Schwächen nicht kenne. Es hapert an der korrekten Formulierung ohne groß ins Detail zu gehen. Zu viel Detail könnte als "Entschuldigung" ,dass ich diese und jene Schächen habe, gesehen werden. Zumal es nur tabellarisch sein soll...also kurz und pregnant beschreibend.

Hab soweit alle Schwächen wie folgt aufgezählt: (das in Klammern stehende ist nur Erklärung, steht also nicht in der Tabelle)

1.) eigenwillig, engstirnig (will alles immer perfekt machen, aber steh mir dabei selber nur im Weg, bzw. mach mir das Leben selber schwer)

2.) ruhige Art, die oberflächlich gesehen als Introvertiertheit fehlinterpretiert werden könnte (rede nur wenn ich finde, dass es notwendig und sinnvoll ist, alles andere empfinde ich als sinnloses Geplapper.)

3.) tja genau da fehlt mir die Formulierung...nennen wir sie erstmal "unsensible aber konstrucktive Kritik"

Ich stelle immer große Ansprüche an mich selbst und so auch an meine Umwelt!!! Meist tue ich das aber, um meine Umwelt besser zu machen. Also wenn ich z.b. Kritik an jemandem ausübe kommt es so rüber als wolle ich ihn fertig machen, aber ich will eigentlich das Gegenteil erreichen. Also kurz gesagt bin ich zu streng und unsensibel...aber wie kann man das kurz in 2 bis 3 Worten ausdrücken????????? Meist sagen die Leute: ja ist gut...du weißt es besser und ich bin zu doof dafür.....(werde also als "Besserwisser und Klugscheisser" bezeichnet und wirke überheblich) Aber eigentlich will ich die Leute nur offen und ehrlich (auf freundschaflicher Basis) auf ihre Fehler hinweisen damit diese Leute es besser machen können...ich würde es den Leute nicht sagen, wenn ich nicht davon ausgehen würde, DASS sie es besser können, also sie NICHT für zu doof halte.....

Viel Text...ich weiss..aber genau den versuche ich zu vermeiden!!! Also vielen Dank schon mal an die jenigen, für ihre Geduld, die das Lesen bis hier hin durchgehalten haben!!!!

P.S.: Schwäche Nummer 2.) ist auch etwas holprig formuliert...enthält eigentlich auch schon zu viel "Entschuldigungcharakter".
Vielleicht hat jemand dazu auch eine passendere Formulierung!

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 12.04.2008, 00:00

Hallo Ceodor!

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass mir Deine Schwächen gut gefallen... wobei ich nicht von den Eigenschaften selbst rede, sondern von dem Mut, bei einer Frage, durch die sich die Allermeisten mehr oder minder glaubhaft hindurch zu mogeln versuchen, richtig die Hosen herunter zu lassen. Zudem passen die Eigenschaften sehr gut zusammen und ergeben ein absolut stimmiges Bild. Ich kenne mehrere (aus meiner Sicht sehr sympathische) Leute, die sich so beschreiben liessen. Man sieht tatsächlich einen "Typ".

Was die Formulierungen angeht: Ich finde die Erläuterungen in den Klammern deutlich klarer als die reinen Eigenschaften (die gerade bei Punkt 1 auch nicht unbedingt den Inhalt der nachfolgenden Erklärung wieder geben). Zudem würde ich die drei Schlagworte auf jeden Fall sprachlich analog umschreiben, d. h. z. B. jeweils ein Substantiv, ein Adjektiv, ein Substantiv + ein Adjektiv, einen Halbsatz oder was auch immer. Wobei ich in Deinem Falle vielleicht ganz auf dieses (z. T. vermutlich leicht missverständliche) Wort verzichten und NUR den erklärenden Satz schreiben würde... sofern sich das mit den vorgegebenen "Spielregeln" der Bewerbung vereinbaren lässt.

ceodor
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Beitrag von ceodor » 15.04.2008, 15:00

Hallo...

...und vielen Dank für die Antwort! Fühl mich ja fast schon geschmeichelt! :oops:

Zum Thema "Hose runter"...nun...ich stimme der Aussage "die größte Stärke die man haben kann ist wer seine Schwächen kennt und wer sie kennt weiß auch damit um zu gehen." voll und ganz zu! :!:

Die "Spielregeln" sind streng festgelegt. Die Idee mit den Substantiven und Adjektiven finde ich gut, denn genau so solls ausehen.
Deshalb suche ich auch nach Adjektiven die mich bzw. meine Schwächen beschreiben.

In diesem Sinne würde ich mich sehr über ein paar Adjektive von euch freuen. Einfach mal drauf los. Ich nehms keinem übel! :D
Ganz sicher!!!

Vielen Dank schon mal!!!

Romray
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Extrablatt um über seine Stärken und Schwächen zu berichten?

Beitrag von Romray » 26.04.2013, 16:25

Folgende Frage: So weit ich eine klassische Bewerbung mir anschaue, gibt es Anschreiben, Lebenslauf, Motivationsschreiben und Anlagen.

Ich habe mir überlegt, ob es Sinn machen würde ein Extrablatt einzufügen indem man über seine Schwächen und Stärken berichtet und wie man sich selbst als Persönlichkeit sieht.
Also so eine Art Anlage: "Über meine Person: Stärken und Schwächen".

Für mich macht es Sinn, weil das jemanden helfen würde, einen persönlichen Eindruck von mir zu bekommen.

Das ist aber nicht unbedingt die "klassische Bewerbung", deswegen habe ich Angst negativ aus der Masse aufzufallen.

Ich bin Student und bewerbe mich um eine Praktikantenstelle.

Vielen Dank für die Antworten :D

Romanum
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Beitrag von Romanum » 26.04.2013, 20:21

Das ist zwar sehr löblich, dass du über deine Schwächen schreiben willst, aber das ist für eine Bewerbung sicherlich wenig zielführend. Der AG schreibt in der Stellenanzeige ja auch nicht über seine Schwächen. Und für deine Stärken solltest du im Anschreiben und Motivationsschreiben genug Platz haben.

Romray
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Beitrag von Romray » 26.04.2013, 21:39

Hmmm, ok. Wenn das der klassische Standard ist, den man nicht brechen soll, dann ist das ok.
Ich habe mir nur überlegt, wie man es schaffen kann, nicht wie ein Durchschnittsbewerber zu sein und sich positiv hervorzuheben. An sich wurde es zumindest statistisch belegt, dass eine Person, die "perfekt" ist, weniger sympatisch ankommt, wie eine Person die "fast perfekt" ist. Also perfekte Person+kleiner Fehler. Das gilt natürlich nicht für Personen, die an sich einen negativen Eindruck machen, da macht dieser "zusätzliche" Fehler den Eindruck nur noch schlechter.

Mir würde eine Person, die sich seiner Fehler bewusst ist, und offen damit umgehen kann, vertrauenswürdiger vorkommen, wie jemand, der das nicht ist. Aber wahrscheinlich ist das dann eher für das Bewerbungsgespräch.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 26.04.2013, 22:40

Romray hat geschrieben:Hmmm, ok. Wenn das der klassische Standard ist, den man nicht brechen soll, dann ist das ok.
Ich glaube nicht, dass das das ist, was Romanum sagen wollte. Es ist schon OK, in seiner Bewerbung einen Mehrwert zu bieten, um sich vom Durchschnitt abzusetzen. Mir kommt die "Stärken/Schwächen"-Idee dabei aber auch nicht allzu schlagkräftig vor. Neben den schon genannten Gründen glaube ich auch nicht, dass irgendwer sich ernsthaft für besonders tiefgreifende psychologische Analysen seiner studentischen Praktikanten interessiert. Die sind im Endeffekt nicht allzu lange da... sollen aber einen guten Einblick in ein komplexes Fach haben, pfiffig, umgänglich, kostengünstig sein... und das ist es dann auch schon... ;-)

Wenn ich aus dieser Situation eine zusätzliche Seite liefern wollte, würde ich nach einem fachlich interessanten Ansatz dafür suchen... z. B. eine Dokumentation zu einem Studienprojekt, das Parallelen zu der Zielstelle hätte... oder sonst eine Form von vorab erfolgter Auseinandersetzung mit dem Interessengebiet des Institutsleiters...

Romray
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Beitrag von Romray » 27.04.2013, 13:45

Ok, danke schön, wird verwendet. :D

tedus
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Stärken übertreiben & untertreiben in Bewerbung?

Beitrag von tedus » 05.08.2016, 12:46

Hallo,

ich fange gerade an (nach leider schlecht laufender Selbständigkeit) mich zu bewerben.
Jetzt habe ich meine erste Bewerbung verschickt und direkt eine Anfrage zum Bewerbungsgespräch bekommen.

Mein moralisches Dilemma ist jetzt allerdings, das ich mich frage, ob ich nicht übertrieben habe - es geht um einen Laborjob - gesucht wird ein Laborant (ich war direkt nach der Uni für 5 Jahre selbständig).

Es wird "mindestens 3 Jahre Berufserfahrung" erwartet und 3 verschiedenen Techniken, die beherrscht werden sollen, sind aufgelistet.
Eine beherrsche ich sehr gut, die zweite bin ich Anfänger (d.h. erst 2x mit Anleitung gemacht - was ich in der Bewerbung nicht geschrieben habe), die dritte habe ich keine Erfahrung (und auch nicht in der Bewerbung erwähnt).

Im Endeffekt habe ich auch alle weiteren gewünschten Erfahrungen - aber größtenteils würde ich mich dort als Anfänger bezeichnen - und mein Wunschjob wäre auch einer, bei dem ich ein wenig an die Hand genommen werde (während in der Stellenanzeige "selbständige Analytik" und "selbstorganisierter Arbeitsstil" erwartet werden), da ich besonders da wo ich wenig Erfahrungen hab lieber zweimal fragen als einfach probieren würde (Es geht um das Arbeiten mit recht teuren Geräten).

Zusammenfassen könnte man es so: ich habe mich auf einen Job beworben, bin theoretisch überqualifiziert (Uni - Laborant wird gesucht - meinen Gehaltswunsch habe ich auch im Laborantenbereich mit unter 5 Jahren Berufserfahrung angesiedelt) und habe eher theoretische als praktische Erfahrung - das zwar über die geforderten 3 Jahre - aber in einigen Bereichen sehr wenig Erfahrung.
Sprich: ich würde einen Teil nicht alleine ohne Einweisung hinbekommen bzw. mir zutrauen. Das ich schnell den Umgang lerne traue ich mir hingegen zu, da ich es "theoretisch" kann - Praxiserfahrung fehlt.

Meine Bewerbung werde ich wohl noch etwas überarbeiten (wie gesagt: es geht um die erste, die ich verschickt habe) - allerdings finde ich es schwierig die Grenze zu ziehen und ringe gerade mit mir ob ich das Gespräch absage.

Was sind eure Erfahrungen mit dem Einschätzen der eigenen Fähigkeiten? Wie geht ihr mit dem geforderten um? Wart Ihr schon einmal in so einer Situation? Was habt ihr gemacht?

Im Endeffekt ist es ein ähnliches Thema wie hier:
http://www.bewerbung-forum.de/forum/wie ... 47100.html

katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag » 05.08.2016, 15:26

An Deiner Stelle würde ich das Gespräch wahrnehmen - und wenn Du es bloß als Lernerfahrung verbuchst :)

Du kannst ja auch dort noch mal nachhaken, wie das mit der Einarbeitung ist. In aller Regel lässt man Dich nicht vom allerersten Tag völlig allein arbeiten.

Dadurch, dass Du Deine Gehaltsvorstellungen so weit unter Norm angesetzt hast, werden die Entscheider wahrscheinlich zumindest ahnen, dass Du nicht soviel Erfahrung hast, wie Du behauptest.

Qualifikationen vorzutäuschen ist allerdings ziemlich uncool. Und kommt am Ende doch raus. Denk mal an Frau Hinz... Was ist, wenn Du die teuren Gerätschaften durch unsachgemäße Handhabung beschädigst oder sogar zerstörst?

BlackDiamond
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Beitrag von BlackDiamond » 05.08.2016, 16:45

Seh ich auch so. Ein Bewerbungsgespräch ist oft eine gute Gelegenheit, etwas zu lernen, das solltest du mitnehmen. Im Gespräch wird das Thema ja sicher auch nochmal aufkommen und die Gegenseite wird hoffentlich entsprechende Fragen stellen, um abschätzen zu können, in wieweit du die Anforderungen erfüllst. Die werden dann schon beurteilen können, in wieweit sie dir zutrauen, die ggfs. noch fehlenden Kenntnisse schnell aneignen zu können.

Bei der Suche nach dem idealen Kandidaten spielen ja auch viele zwischenmenschliche Dinge eine Rolle, die man nicht in die Ausschreibung reinschreiben kann. Vielleicht entsprichst du diesen, ohne es zu wissen und hast sehr gute Chancen.

Also nimm die Erfahrung mit, geh hin und erzähle danach :wink:

tedus
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Beitrag von tedus » 05.08.2016, 17:01

Vortäuschen tue ich sie in dem Sinne ja nicht - ganz so schlimm sehe ich sie nicht. Das Erfahrunglevel ist halt die Sache ;) - wobei dann andersrum die Frage ist - wann stapelt man zu tief.

Immerhin habe ich ja nicht wirklich gelogen - und die dritte Technik wie gesagt ja auch garnicht erwähnt (weil keine praktischer Erfahrung)- obwohl sie in der Stellenbeschreibung genannt ist - und trotzdem die Einladung. Vielleicht suchen sie ja in der Hauptsache für die Technik, die ich gut kann.
Beim Gespräch würde ich da sicher auch nicht lügen - sondern hoffen, das eine ordentliche Einarbeitung eingeplant ist.

Die Gehaltsvorstellungen sind auch nicht unter Norm (jedenfalls für Laboranten ) - da habe ich mich nach Werten orientiert, die man im Internet findet für den Beruf - ich habe lediglich nicht die Ausbildung für die eigentlich der Beruf ausgeschrieben wurde - sondern halt ein Studium. Klar ist mir, das damit die Frage auf mich zukommt, warum ich mich auf eine Laborantenstelle bewerbe (ich will Erfahrungen sammeln) - und das man sich nicht in x Jahren unbedingt als Laborant sieht brauche ja nicht zu erzählen.

Aber ihr habt schon recht: zu verlieren hab ich nichts.

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 05.08.2016, 19:14

Ich bin immer für Ehrlichkeit, aber ich glaube du machst dir gerade einen zu großen Kopf. Es geht ja gerade ganz explizit darum, dein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.

Holger
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Beitrag von Holger » 07.08.2016, 01:16

Hallo tedus,

also ich denke schon, dass im VG bemerkt wird, ob du übertrieben hast.
Selbst wenn es so sein sollte, aber die Chemie im VG passt und du lern- und wissbegierig bist, kann es ja trotzdem mit dem Job klappen.
Und dann gibt es immer noch die Probezeit und somit für beide Seiten die Möglichkeit sich zeitnah wieder zu trennen.

Romanum
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Beitrag von Romanum » 09.08.2016, 13:59

tedus hat geschrieben:und mein Wunschjob wäre auch einer, bei dem ich ein wenig an die Hand genommen werde

Sprich: ich würde einen Teil nicht alleine ohne Einweisung hinbekommen bzw. mir zutrauen. Das ich schnell den Umgang lerne traue ich mir hingegen zu, da ich es "theoretisch" kann - Praxiserfahrung fehlt.

Wenn du im Vorstellungsgespräch noch einmal nachgefragt hast, wie die Aufgaben genau aussehen werden und was von dir erwartet wird, dann solltest du diese Wünsche hinsichtlich der Arbeitsorganisation vortragen (bzw. entsprechende Nachfragen stellen). Denn das zeugt von einem mitdenkenden und reflektierten Mitarbeiter.

Und wenn dir Einweisung und Anleitung so wichtig ist, dann würdest du dich im Arbeitsalltag wahrscheinlich nicht so wohlfühlen, wenn dieses nicht gegeben ist.


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