überdurchschnittliches Alter ansprechen bei Anruf?

Informationen und Fragen zum Bewerbungsablauf, zu einzelnen Elementen der Bewerbungsmappe und zu individuellen Formulierungen. Wie soll eine Bewerbungsmappe aufgebaut sein? Welche Fakten gehören in ein Anschreiben? Welche Formulierungen sollten unbedingt vermieden werden?
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Joca
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überdurchschnittliches Alter ansprechen bei Anruf?

Beitrag von Joca » 18.10.2011, 11:00

Hallo Leute,


ich bin 32 und habe einen etwas ungeraden Lebenslauf. Ich hatte vor einigen Jahren mein Studium abgebrochen, hole jetzt aber meinen Abschluß nach. In der Zeit u.A. als Mechaniker (keine Ausbildung, aber Kenntnisse vom ExArbeitgeber bescheinigt) gearbeitet. Meine Zeugnisse (Arbeits.- Praktika, Uni) sind gut, und jetzt qualifiziere ich mich durch eine berufsbegleitenden Studiengang in dem bevorzugten Bereich (Public Realtions) weiter. Aber mein Alter und der ungerade Lebenslauf sind natürlich ein Problem bei der Bewerbung auf Berufsanfängerstellen.

Ich bewerbe mich derzeit auf PR-Volontärs/Trainee Stellen bei Agenturen und Unternehmen im technischen/industriellen Bereich. (Immerhin kann ich technisches Know How und akademisches Wissen/Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit einbringen)

Lange Rede, kurzer Sinn:
Ich wollte Euch Bewerbungsprofis fragen, ob es sinnvoll ist, beim ersten Anruf die Altersfrage anzusprechen.
Einerseits kann ich durch Geschick vielleicht die Verantwortlichen zu mehr Toleranz und Verständnis bewegen (Sie werden mit dem Alter nicht erst in der Bewerbung konfrontiert, der Schock ist nicht so groß :wink: ). Oder ist das doch ein Nogo, weil man den Arbeitgeber noch extra auf eine Schwäche hinstößt?

Vielen Dank für Eure Einschätzungen

Rhodus
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Beitrag von Rhodus » 18.10.2011, 11:43

Hallo Joca,

was ich noch nicht so ganz nachvollziehen kann, ist, was es mit dem ersten Anruf auf sich hat. Der übliche Weg der Bewerbung ist doch grundsätzlich der schriftliche.

Und mit einer guten aussagekräftigen und individuellen Bewerbung sowie der gezielten Stellenauswahl solltest Du eine realistische Chance auf ein Vorstellungsgespräch haben; Algter hin oder her.

Da es sich ja bei der Bewerbung um WERBUNG handelt, gilt der Grundsatz, dass nur verkaufsfördernde Argumente vorgetragen werden. Verkaufsverhindernde Argumente haben in der BeWERBUNG nichts zu suchen.

Bei einem persönlichen Gespräch sollte das Alter dann weniger einen Schock hervorrufen, allenfalls eine Überraschung. Dort kannst du dann mit geschick die vermeintliche Schwäche in eine Stärke umwandeln. denn -und das ist das Schöne - alles hat eine zweite Seite. Denn das Alter bringt ja auch wieder Vorteile mit sich (Erfahrung, Reife, ....)

Viele Grüße aus Duisburg

Joca
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Beitrag von Joca » 18.10.2011, 12:02

Rhodos hat geschrieben:Hallo Joca,

was ich noch nicht so ganz nachvollziehen kann, ist, was es mit dem ersten Anruf auf sich hat. Der übliche Weg der Bewerbung ist doch grundsätzlich der schriftliche.
Ich weiß es ist umstritten, doch wie oft geraten wird, rufe ich vor einer Bewerbung immer kurz an, und versuche sinnvolle Fragen zu stellen.

Aber hier beantwortest du ja meine Frage eindeutig.
Da es sich ja bei der Bewerbung um WERBUNG handelt, gilt der Grundsatz, dass nur verkaufsfördernde Argumente vorgetragen werden. Verkaufsverhindernde Argumente haben in der BeWERBUNG nichts zu suchen.
Vielen Dank

Rhodus
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Beitrag von Rhodus » 18.10.2011, 12:23

Hallo Joca,

der Tipp mit dem anruf ist wahrlich nichts Neues.

Gleichwohl auch hierzuu ein Tipp. es geht einzig und alleine um deine Bewerbung, also auch um deine Art der Präsentation. Du alleine entscheidest, wie Du Dich präsentierst.

Und deshalb solltest Du auch nur den Weg wählen, bei dem Du Dich auch gut fühlst. Denn Personalverantwortliche spüren so etwas sehr genau.

Wählst Du einen Weg, der nicht zu Dir passt, wirst Du Dich nie optimal präsentieren können, weshalb der rfolg auch ausbleiben wird.

Deshalb nie etwas machen, weil andere einem dazu raten, sondern nur, weil man es für den eigenen richtigen und passenden Weg hält.

Viele Grüße aus Duisburg

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therese
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Beitrag von therese » 18.10.2011, 12:31

Rhodos hat geschrieben:Bei einem persönlichen Gespräch sollte das Alter dann weniger einen Schock hervorrufen, allenfalls eine Überraschung.
Vorausgesetzt natürlich, dass der Leser bisher so blöd war und nicht selbst nachgerechnet hat, ne?

Ich bin Fan von Vorher-Anrufen, so ist das eben. Jeder hat da Vorlieben. Der Vorteil beim Anrufen ist der, dass man bereits neugierig machen kann. Wenn die Bewerbung dann auf dem Fuß folgt ist der Sympathiefaktor aus meiner Sicht sehr hoch.
Voraussetzung ist eine unabdinglich interessante Telefonstimme. Stottern, Verhaspel, nervöses Leisesprechen und Sinnlos-Fragen sind da absolut kontraproduktiv.
Auf das Telefonat muss man sich sehr gut vorbereiten, 1-2 wirklich gute Fragen parat haben und unbedingt locker an die Sache ran gehen.
Idealerweise kommt man mit dem Gesprächspartner in eine ganz kleine und lockere Plauderrunde. In dem Zusammenhang kann das Alter auch sehr gut genannt werden, verbunden mit der Frage, wie denn das Unternehmen allgemein dazu steht etwas älteren Semestern eine Chance zu ermöglichen.
Und ganz ehrlich, meine spontane Einschätzung: "Das ist kein Problem, schicken Sie ruhig Ihre Bewerbung her", denn rein rechtlich dürfen sie einen deswegen ja gar nicht ablehnen ;)
Durch das Telefonat wiederum entsteht dann der Vorteil, dass der andere schon weiß was ihn erwarten wird.
Mal abgesehen davon, dass 32 echt kein Alter ist, selbst für Berufseinsteiger. Ein Freund von mir ist 30 und hat nach einem abgebrochenen Studium jetzt eine Ausbildung angefangen. Bei ihm wars ähnlich, er hat sich viele Gedanken gemacht wegen dem Alter und dann einfach munter das Telefon in die Hand genommen und alle in Frage kommenden der Reihe nach angerufen und auch erwähnt, dass er das Studium abgebrochen hat und wie alt er ist. Und alle (!) haben gesagt, dass das kein Problem ist.
Letztlich hat er einen tollen Ausbildungsplatz bekommen und konnte vor allem durch die Probearbeit überzeugen, denn hier wiederum war das Alter von Vorteil, da er keine albernen Verhaltensweisen an den Tag gelegt hat, sondern sich verantwortungsvoll und dienstleistungsbewusst gezeigt hat.

Noch als Nachsatz: Das Alter ist aus meiner Sicht auch kein Argument geegn einen selbst. Wieso auch? Kann ich doch nicht ändern!?

Rhodus
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Beitrag von Rhodus » 18.10.2011, 12:42

Genau aus diesem Grunde würde ich therese auch zu dem telefonischen Anruf raten, weil es zu ihr passt, weil sie eloquent und redegewandt ist.

Ob es allerdings auch für Joca der richtige weg ist, kann nur er selbst entscheiden.

malox
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Beitrag von malox » 18.10.2011, 13:27

Ich stand vor einem ähnlichen Problem und habe gestern bei der (möglichen) Stelle angerufen - aber eigentlich wegen einer anderen Nachfrage.
Ob ich das mit dem Alter erwähnen oder nachfragen sollte, habe ich mir offengelassen und wollte spontan entscheiden.
Ich habe es dann gelassen, weil ich kein Problem daraus generieren wollte.

Die Bewerbung schicke ich jetzt einfach mal hin.
Im Anschreiben selbst habe ich es durchaus erwähnt und versucht, das ganze mit positiven Eigenschaften zu unterlegen.

Rhodus
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Beitrag von Rhodus » 18.10.2011, 13:34

Hallo malox,

in das Anschreiben würde ich nur alle 100% positiven Argumente anführen, die für mich sprechen. Denn eine Bewerbung ist WERBUNG in eigener Sache.

Wenn man sich nicht vollkommen sicher sein kann, dass das Arguemnt verkaufsfördernd ist, sollte man es in dem Anschreiben nicht ausdrücklich erwähnen.

Viele Grüße aus Duisburg

malox
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Beitrag von malox » 18.10.2011, 14:10

Verkaufsfördernd kann auch sein, wenn man sich seiner (vermeintlichen) Schwächen bewusst ist und diese selbstbewusst(!) anspricht.

Ich habe mein Alter angesprochen (nicht mal direkt, aber als Hinweis, dass ich mir es mir sehr bewusst ist, dass ich mich vom üblichen "Bewerberklientel" abhebe. Darauf habe ich dann positiv erwähnt, was ich bereits kann/besitze.)
Aber mein Beispiel ist ein Speziallfall, den ich als Fall nicht eingestellt habe und der hier an dieser Stelle nicht diskutiert wird :)
Ich weiß, was ich da tue und dass ich mich damit auf eine Gratwanderung begebe.

Im Grunde gebe ich dir recht, eine Bewerbung ist Werbung in eigener Sache.

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