Warum gerade wir? Begründung der Initiativbewerbung

Eine initiative Bewerbung lohnt immer dann, wenn keine konkrete Stellenausschreibung vorliegt. Worauf ihr achten musst, ist Thema in diesem Forum.
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ice_and_fire
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Warum gerade wir? Begründung der Initiativbewerbung

Beitrag von ice_and_fire » 14.09.2008, 14:18

Hallo liebe Community,

ich habe eine Frage bezüglich Initiativbewerbungen. Gerade hier sollte ja überzeugend dargestellt werden, warum man sich ausgerechnet bei der Firma und für eine Richtung bewirbt.

Die Richtung ist mit Studiengang und persönlicher Affinität noch gut zu begründen, aber bei der Frage, warum ich mich gerade bei DIESER Firma bewerbe, tue ich mich schwer.

Sind wir doch mal ehrlich. Oftmals hat man nur eine handvoll "Traum-Arbeitgeber". Wenn ich aber mehr Initiativbewerbungen schreibe, dann stehe ich automatisch vor folgendem Problem.

Ich würde wirklich gerne bei Firma XY arbeiten, aber es gibt durchaus Alternativen. Die Firma XY ist also nicht die "einzig logische Konsequenz"

Natürlich informiere ich mich vorab über die Firma und erfahre interessante Sachen, aber an der Grundlegenden Problemstellung ändert das jedoch nichts.


Frage: Wie stelle ich dann dennoch in einem Anschreiben dar, dass ich gerade für diese Firma arbeiten möchte -am besten, ohne einen Roman zu schreiben?

Vielleicht auch eine weitere kritische Firma v.a. an Personaler (sofern hier welche aktiv sind) um interessante Anstöße zu bekommen:
Inwiefern kann eine Firma z.B. in einer populären Industrie wie dem Automobilbau von sich behaupten, dem potentiellen Arbeitnehmer etwas zu bieten, was nicht vielleicht zumindest ein oder zwei Konkurrenten auch bieten können?

Vielen Dank schon jetzt für alle Vor- und Ratschläge


Gruß
IAF
Zuletzt geändert von ice_and_fire am 14.09.2008, 18:35, insgesamt 1-mal geändert.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 14.09.2008, 16:14

Hallo ice_and_fire!

Das eine Unternehmen als "einzig logische Konsequenz" von Interessen, Qualifikation und Werdegang herzuleiten, wäre sicher der Idealfall... wobei es allerdings wieder zum Wesen eines "Ideals" gehört, niemals vollständig erreicht werden zu können... ;-)

Ich denke, dass es völlig genügt, darzulegen, dass Du Dich (so eingehend, wie es einem Außenstehenden möglich ist) über das Unternehmen informiert hast und inwiefern es sich bei Deiner Einstellung um ein lupenreines Ineinandergreifen von Angebot und Nachfrage handeln würde... ohne dass dieses von einer (oder gar beiden) der Seiten alternativlos wäre. Erwarten könnte dies nur ein Arbeitgeber, für den seinerseits wieder nur ein einziger Bewerbungskandidat auf Erden in Frage käme... was ja ganz offensichtlich ebenfalls nicht der Fall ist... ;-)

Die zweite fette Frage verstehe ich, ehrlich gesagt, nicht. Bin allerdings auch kein "Personaler"... ;-)

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ice_and_fire
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Beitrag von ice_and_fire » 14.09.2008, 18:34

Fallo FRAGEN,

erst einmal danke für die flotte und kompetente Antwort; vielleicht kommen ja noch weitere Meinungen.

Das Problem mit dem "Idealfall" ist genau das, worauf ich hinaus wollte. Mir geht es eigentlich immer so, dass auf der Internetseite eher einige "halbe" Anreize zu erfahren sind, z.B. ...:

- wir sind ein mittelständisches flexibles Unternehmen
- wir sind ein Familienunternehmen
- wir sind ein international agierendes Unternehmen mit regionalen Wurzeln
- wir arbeiten projekt- und kundenorientiert

das sind alles wissenswerte Informationen, die einen Anreiz auslösen und damit auch begründen können, aber solche Informationen kann ich halt auch noch auf der ein oder anderen Seite der Konkurrenz lesen. Den Weltmarkführer für ein Produkt, dass ich z.B. schon im Praktikum kennen gelernt habe, gibt es leider genauso nur einmal, wie es den Technologieführers eines interessanten Verfahrens nur einmal gibt

Ich persönlich versuche dann -wenn es nicht wirklich einen "Aufhänger" gibt- zu argumentieren, dass es eher das Zusammenspiel vieler Aspekte ist, die mich zur Bewerbung bewogen haben - und das ist ja auch nicht gelogen.

Nun kann ich natürlich aber nicht behaupten, dass die aufgezählte Vorteile nur für den AG gelten und er damit eben "die einzig logische Konsequenz" ist. Er wäre ein interessanter und vielversprechender AG; aber nicht der "Traumkandidat". Und will ein Personalverantwortlicher soviel Ehrlichkeit hören???

So war übrigens auch die zweite Frage zu verstehen. Die erste Frage bezog sich eher, wie man aus diesem Dilemma als Bewerber heraus kommen kann und die zweite Frage eben, inwieweit dann die Frage warum GERADE WIR (und NUR wir) überhaupt fair und sinnvoll ist.

Mich würde das wirklich mal interessieren. Das ist doch nun wirklich eine Frage, die auch in 99% der Interviews auftaucht, möchte ich behaupten

Gruß :wink:

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Eauvive
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Beitrag von Eauvive » 14.09.2008, 20:06

Frage1
Will ein Personaler wirklich hören, dass das Unternehmen eine gute Möglichkeit von 20 darstellt?


Antwort:
Meiner Ansicht nach klar nein. Denn er weiß es. Bei dieser Frage geht es nicht darum, dass man tatsächlich die Idee hätte, ein Bewerber wolle nur und ausschließlich für diese Firma arbeiten. Das wäre kein besonders weitsichtiger Bewerber. Bei dieser Frage geht es viel mehr zum einen darum zu ergründen, wie gut sich der Bewerber wirklich mit dem Unternehmen ausseinandergesetzt hat (denn wer fragt als Personaler denn schon offen: "Na gut, haben Sie überhaupt eine Ahnung WO sie sich beworben haben? Schießen Sie mal los - was tun wir?") und zum anderen geht es um einen diplomatischen, überzeugenden Lösungsansatz.

Ein Bewerber, der hier erzählt, er hätte sich nur und ausschließlich bei diesem einen Unternehmen beworben ist dabei ähnlich unglaubwürdig wie ein andrer positiven Eindruck erzeugt, der antwortet: "Nein, ich habe aktuell zwanzig Bewerbungen laufen - Sie waren am schnellsten mit der Antwort."

2. Frage:
Was unterscheidet den einen AG WIRKLICH von anderen?


Es gibt nicht immer DEN Unterschied. Sicher gibt es einzelne die wirklich herausstechen, aber es werden immer ein paar Fische im Teich schwimmen. Dass man sich dann eines heraussucht heißt nicht, dass man ein absolutes Durchschlagargument für dieses eine und NUR dieses Unternnehmen braucht.

Paradebeispiel:

International/Global aktiv (internat. Karrieremöglichkeiten), damit meist verknüpft eine gewisse Größe (Stabilität, Sicherheit, viele Richtungen zum Entwickeln) und aufgrund der Größe mit diversen etablierten Personalentwicklungsprogrammen ausgestattet und dergleichen. Natürlich gilt das im Grunde für nahezu alle Unternehmen einer gewissen Größe. Aber das macht nichts.

Kombiniert mit anderen Aspekten - wie du es erwähnt hast - ergibt sich nicht selten wirklich eine pole position. Ist es zum Beispiel nach o.g. Kriterien ein typischer Globalkolloss, ist die zugrundeliegende Managementmentalität immer ein Argument. Mag man es amerikanisch? nadisch? Japanisch?

Aber es muss wie gesagt nicht DAS eine Argument sein.

Es geht nur darum, warum DIESES Unternehmen interessant ist. Nicht darum, warum andere es nicht sein sollten.

Gruß
Eauvive

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ice_and_fire
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Beitrag von ice_and_fire » 14.09.2008, 20:36

Hallo Eauvive,

danke für diesen interessanten Beitrag.
Lassen wir mal tatsächlich die wenigen AG heraus, die wirklich wegen einem besonderen Kriterium "herausstechen".

Dein Paradebeispiel finde ich gut. Mir gefällt nur irgendwie nicht, dass du zu dem Schluss kommst, dass sich eine Pole Position herauskristallisiert. Pole Position bedeutet für mich "Traumkandidat" und damit eben "einzig logische Konsequenz". Wenn ich das -v.a. schon beim Verfassen eines Anschreibens- immer darstellen könnte, gäbe es das Problem gar nicht.

Meiner Meinung nach - wie geschrieben - ist die Kombination von verschiedenen Vorteilen gut, weil absolut ehrlich, weil es Interesse an dem Unternehmen zeigt (was wissen Sie) und weil sich zumindest Pluspunkte abzeichnen.

Aber nehmen wir mal dein Bsp. Ich mache jetzt Fiktion

Daimler:
Sie sind ein global tätiges Unternehmen, in welchem ich auch meine Fremdpsrachenkenntnisse einsetzen kann. Von Freunden und der Größe Ihres Unternehmen (>100.000) kann ich erfahren, dass ich hier einen sicherer Arbeitsplatz habe, und mich doch vielseitig Weiterentwickeln kann. Auch kann ich hier mein Wissen optimal einbringen und werde von der Personalabteilung evtl. entsprechend gefördert


ich konnte so noch weiter machen. Was aber wenn ich folgende Antwort bekomme?

Stimmt, das sind alles Vorzüge unseres Unternehmens. Die bekommen Sie aber bei Audi, BMW, GM usw auch. Haben Sie sich hier auch beworben?

Ehrlich gesagt würde dieser Einwand stimmen. Würdest du demnach sagen, dass du dies tatsächlich genauso tun könntest?

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Eauvive
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Beitrag von Eauvive » 15.09.2008, 00:03

Antwort:

"Natürlich. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass die mit den besten Autos mich nicht wollen..."

Es will in finaler Konsequenz doch niemand tatsächlich eine auch noch glaubwürdige Antwort, die da lautet: "Nein, nein, sie haben meine einzige Bewerbung bekommen"


Du vergisst den "Geschmacks" Faktor. Bei OEMs hast du z.B. im Zweifel immer das Argument, dass dir die Autos schlichtweg besser gefallen.. die Qualität besser ist.. das "Niveau" dir eher liegt.. whatever.

Gruß
Eauvive

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