"Was sollten wir besser nicht über Sie wissen?"

Fragen zum Vorstellungsgespräch: Welche Kleidung ist am besten? Welche Vorbereitung ist nötig? Welche Fangfragen werden gestellt? Wie bekomme ich meine Aufregung in Griff?
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kevlin
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"Was sollten wir besser nicht über Sie wissen?"

Beitrag von kevlin » 22.08.2010, 18:14

Ich bin fertiger Ingenieur und bereite mich derzeit auf Vorstellungsgespräche vor.
In diesem Zuge habe ich in einem Buch von der Frage "Was sollten wir über Sie besser nicht wissen?" gelesen.

Was soll man denn da antworten?
Zum Beispiel: "Tut mir leid, da fällt mir nichts ein?"
Oder eher etwas scherzhaft: "Das würde ich ihnen dann ja jetzt nicht erzählen ;)! "

Esprit
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Beitrag von Esprit » 22.08.2010, 21:09

Ich würde die zweite Antwort wählen.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 22.08.2010, 22:24

Aber ganz grundsätzlich, Kevlin: Die Zahl bescheuerter Fragen dieser Kategorie ist unendlich. Von daher würde ich mich nicht damit abmühen, mir auf jedes Beispiel, was ich in irgendeinem von den ungezählten Bewerbungsbüchern finde, DIE passende Antwort zurecht zu legen. Das ist ein Fass ohne Boden. Egal, wie viele Fragen Du in dieser Form "bearbeitest" - es gibt Milliarden mehr... und wenn Du jemandem begegnest, der sich von solchen Fragen etwas verspricht... besteht m. E. eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass Du genau DIESE Frage nicht "gelernt" hast... ;-)

Ich würde genau umgekehrt vorgehen - und mir überlegen, was die (positiven) Botschaften sind, die ich auf jeden Fall anbringen möchte... und mir überlegen, wie ich das hinbekommen könnte. Punkt 2 wären die Dinge, die ich wissen möchte. So ein Gespräch ich keine Prüfung, wo es darum geht, die "richtige" Antwort zu geben. Es handelt sich um ein wechselseitiges Kennenlernen... und Dein Einfluss auf die Gesprächsverlauf (bzw. die Möglichkeit dazu) ist sehr wahrscheinlich viel grösser als Du denkst! Ich meine sogar, schon beobachtet zu haben, dass viele Arbeitgeber es ziemlich angenehm finden, einfach "kommen zu lassen"... und sich nur bei akutem Rückfragebedarf einzuschalten... ;-)

**mizi**
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Beitrag von **mizi** » 23.08.2010, 07:44

die Gesprächsverteilung in einem VG sollte ungefähr bei 80-20 liegen, wobei der Bewerber 80% der Zeit reden sollte.

Ich denk nicht, dass es besonders sinnvoll ist sich Antworten zurecht zu legen. Das merkt man dem Bewerber ziemlich schnell an. Schließlich geht es ja darum sich einander kennen zu lernen. Wenn man selbstreflektiert ist, dann können einem solche Fragen nach Schwächen usw. nicht aus der Bahn werfen.

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Lucky Luke
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Beitrag von Lucky Luke » 23.08.2010, 07:52

FRAGEN hat vollkommen Recht! Es geht nicht um die richtige Antwort. Hier ein persönliches Beispiel:

Mir ist einmal in einem Gespräch nach einem Assessment Center mit Persönlichlichkeitstest (also, dem Unternehmen reichten noch nicht einmal die Testergebnisse aus dem Assessment Center vom Vortag) die Frage gestellt worden, welches denn nun tatsächlich meine wahre Schwäche wäre, da schließlich kein Mensch perfekt sei. Und ich kam eben wieder mit meinen Antworten, die aber keine Schwäche preisgaben, sondern eben versteckte Stärken waren, was die Personalerin auch Zähne knirschend zur Kenntnis nahm und mir so auf den Kopf zusagte.
Irgendwann war es dann ihr zu viel und sie meinte: 'Geben Sie zu, Sie sind übergenau und pingelig.'
Ich bin aber eher das genaue Gegenteil davon, wollte das aber nicht zugeben, weil es für einen angehenden Programmierer wohl eher negativ ist und meinte dann nur: 'Ja, wenn Sie es unbedingt hören möchten: Ich neige dazu, alles perfekt machen zu wollen und bin sehr genau.'

Letztlich konnte ich auch nur so gelassen und cool reagieren, weil das Unternehmen hier nicht mein Favorit war.

Im Endeffekt blieb ein bitterer Beigeschmack - ich denke auf beiden Seiten, weil ich zu aalglatt herüberkam und ich fand dagegen dieses Insistieren und diese Persönlichkeitstests äußerst befremdlich.

Was ich also sagen wollte: Wenn dir jemand mit solchen Fragen kommt, wirst du dort ohnehin nicht mehr arbeiten wollen.... :wink:

**mizi**
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Beitrag von **mizi** » 23.08.2010, 08:11

Letztendlich geht es bei diesen Fragen aber um etwas anderes. Sinn ist nicht den Bewerber in die Enge zu treiben! Du sollst auch nicht sagen, was du meinst, dass die hören wollen.
Es geht um Selbstreflektion und Authensität.

So ein Personaler ist ja in der Regel nicht blöd und merkt schon, wenn man ihn "veräppeln" will, so wie Lucky Luke das versucht hat. Es ging um eine konkrete Antwort und er hat sie nicht gegeben, sondern versucht sich zu verstellen. Wenn dann hinterher noch kommt "Wenns Sie es unbedingt hören möchten..."??? Die Frau versucht dich aus der Reserve zu locken und du machst auf bockig?
Das hat für mich nichts mit cool und gelassen reagieren zu tun.

Sinnhaftigkeit von zusätzlichen Persönlichkeitstest jetzt mal völlig außen vor gelassen.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 23.08.2010, 08:36

Um Dir mal eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie weit sich der Irrsinn in den Fragestellungen theoretisch treiben lässt, Kevlin:

http://www.bewerbung-forum.de/forum/-un ... 37848.html

Ich bin vollkommen Luckys Meinung: Von einem bestimmten Punkt an ist eine Frage keine inhaltliche Herausforderung mehr... sondern schlicht und einfach ein Alarmsignal, dass man es mit Leuten zu tun hat, denen man besser fern bleiben sollte... ;-)

Wobei ich die "normale" Frage nach "Schwächen" noch gar nicht so negativ sehe. Die beantworte ich sogar ganz gerne... vor allem dann, wenn der Gesprächsverlauf den Verdacht weckt, dass sich die tatsächliche Arbeit anders gestalten wird, als eine Anzeige suggeriert hat. Ich finde, dass es sich bei "Schwächen" (vor allem denen, die KEINE Stärken sind) um einen ziemlich eleganten Weg handelt, klarzustellen, für welche Aspekte des Berufsbildes man definitiv nicht zur Verfügung steht... ;-)

Die Schwächen sind auch ein Mittel, die quasi komplementären Stärken zu unterstreichen... im Sinne einer verschärften Profilbildung. BTW: Ein "Profil" (ob jetzt bei Reifen oder sonstwo) zeichnet sich ja nicht nur optisch durch das Zusammenspiel von "Höhen" und "Tiefen" aus, sondern ist bei Licht betrachtet sogar die Voraussetzung für seine Funktion!

Und um zu Kevlin zurück zu kommen: Ich würde mir (für mich) sehr genau und offen überlegen, wer und was ich bin - und wie man diese Wahrheit auf den Beruf und Betrieb bezogen schmackhaft verkaufen kann... ganz unabhänigig von einer konkreten Frage... einfach als eine Art Kompass, der bei den verschiedenartigsten Fragestellungen (wie gesagt: es gibt 1000 x mehr Möglichkeiten, als in all Deinen Büchern zusammen) eine Orientierungshilfe gibt...

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Lucky Luke
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Beitrag von Lucky Luke » 23.08.2010, 10:36

**mizi** hat geschrieben: So ein Personaler ist ja in der Regel nicht blöd und merkt schon, wenn man ihn "veräppeln" will, so wie Lucky Luke das versucht hat. Es ging um eine konkrete Antwort und er hat sie nicht gegeben, sondern versucht sich zu verstellen. Wenn dann hinterher noch kommt "Wenns Sie es unbedingt hören möchten..."??? Die Frau versucht dich aus der Reserve zu locken und du machst auf bockig?
Mag sein, aber ich fühlte mich auch veräppelt. Entgegen der versprochenen Entscheidung musste ich noch einmal antanzen (dazu gab es keine Fahrkostenerstattung) und sollte gar noch ein Praktikum (wieder ohne Fahrkostenerstattung)ableisten, dazu in in einem Unternehmen, das für mich nur dritte Wahl war. Wenn man es nach einem Tag Assessment Center nicht schafft, sich ein genaues Bild von den Kandidaten zu machen, dann hat man seinen Beruf als Personaler aber verfehlt.


Und verstellt habe ich mich auch nicht. Ich bin nur in bestimmten Dingen nachlässig, in anderen tatsächlich übergenau. Man ist nur irgendwann müde, alles haarklein zu erklären. Ich wollte da auch nicht anfangen, ich habe nur auf die Zusage meines Lieblingsunternehmens gewartet. Das kam damit dann wohl auch heraus und das war es, was sie nicht über mich hätten erfahren sollen.:wink:


Der Witz an der Sache ist, sie haben sich dort für den Kandidaten entschieden, der bei meiner Nummer 1 kläglich versagt hat, während ich dort glänzend abgeschnitten habe und angenommen wurde.

kevlin
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Beitrag von kevlin » 23.08.2010, 11:45

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten.
Ich bin sehr beeindruckt von euren Ratschlägen, Hinweisen und Begründungen dazu.

Ihr habt m.E. völlig Recht:
1. Man kann sich nicht auf alle Fragen vorbereiten und
2. werde ich mir natürlich zu gewissen Fragen meine Antworten überlegen, aber nicht um dann auswendig zu rezitieren, sondern um mir selbst eine Klarheit zu verschaffen und dann frei zu antworten.

Daher werde ich (falls wider Erwarten eine solche Frage gestellt wird), ehrlich antworten und eher ein wenig scherzhaft darauf hinzuweisen, dass es von mir nicht schlau wäre, eine dunkle Seite preis zu geben.

Danke auf jeden Fall! Dieses Forum ist wirklich sehr hilfreich!

arrrbeit
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Beitrag von arrrbeit » 23.08.2010, 16:00

Grenzt schon an einer Scherzfrage. Also ich würde sagen, dass es da nichts gibt, fertig.

floxxy
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Registriert: 04.07.2011, 16:15

Selbstpräsentation - Was steht nicht in Ihrem Lebenslauf?

Beitrag von floxxy » 09.05.2019, 13:46

Hallo liebe Community,
gerne würde ich eure Meinung zu folgender Aufgabe in Form einer Selbstpräsentation (PowerPoint) für ein Vorstellungsgespräch hören:
"Erzählen Sie uns etwas über sich, was nicht im Lebenslauf steht!"

Worauf würdet ihr näher eingehen? Alles fachlich relevante für die Stelle sollte ja eh schon im CV stehen. Würdet ihr es trotzdem passend zur Stelle schneidern oder einfach ganz "frei Schnauze" etwas wählen, was euch direkt in den Sinn kommt?
  • (Frühere) Hobbies, die man nicht im CV angegeben hat?
    Charaktereigenschaften?
    Eine Story über eine "Niederlage", aus der man gelernt hat?
    Ein schönes Ereignis, was einem die Augen geöffnet hat?


Ich brauch ein paar Ideen, vielleicht komme ich dann auf den richtigen Pfad und mir fällt was ein, woran ich anknüpfen kann.

Romanum
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Re: Selbstpräsentation - Was steht nicht in Ihrem Lebenslauf?

Beitrag von Romanum » 13.05.2019, 15:54

Indem du dich mit diesem Thema schon beschäftigst, kann es ja nicht mehr "frei Schnauze" sein. Deine Ideen sind doch schon gut. Die Intention des AG zielt dabei darauf ab, dass Bewerber dann vielleicht doch etwas erzählen, was sie selbst als Makel empfunden haben. Mit "Ehrlichkeit" kann man sich dann reinreiten - oder eben auch Pluspunkte sammeln.

Über "Niederlagen" und "schönes Ereignis" reflektieren, sind gut geeignet, wenn das Positive und eine berufliche Verknüpfung im Vordergrund stehen.

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