Wie aus Absagen lernen?

Wie geht es weiter nach Absagen? Was kann daraus gelernt werden? Lass andere an deinen Erfahrungen teilhaben. Berichte über gute und schlechte Erfahrungen bei der Stellensuche.
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Skatermieze
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Wie aus Absagen lernen?

Beitrag von Skatermieze » 21.07.2020, 17:52

Hallo!
Ich bin seit September 2019 Soziologin mit Mastergrad. Seitdem habe ich nun über 90 Bewerbungen geschrieben, wurde lediglich 3 mal zu einem Vorstellungsgespräch geladen und habe nun insgesamt 77 Absagen erhalten. Laut Berater der Arbeitsagentur seien mein Bewerbungsschreiben sowie Lebenslauf super. Und doch soviele Absagen, trotz der wenigen ausgeschriebenen Vakanzen. Das lässt doch sehr zweifeln an seine eigenen Fähigkeiten. Ich habe mehrmals versucht ein Feedback zu erhalten, dabei ging es mir nicht darum, warum meine Bewerbung nicht berücksichtigt werden konnte (im Übrigen die nervigste sowie häufigste Absage) - sondern darum, was ich verbessern könnte, sei es nun schriftlich oder gar mündlich. Leider erhalte ich jedoch auch nur Absagen bzgl. eines objektiven Feedbacks, da die Angst der Unternehmen jeweils zu groß vor einer Anklage ist. Wie habt ihr aus Absagen lernen können? Und falls ja, wie und was habt ihr an der eigenen Bewerbung optimiert?

Zu meiner Person - weiblich, 32 Jahre alt, BA sozialwissenschaften und MA Soziologie... bisherige Berufserfahrung: 1 1/2 Jahre Arbeitsvermittlerin bei der Agentur für Arbeit und ansonsten nur kleinere Aushilfsjobs, die keinen Zusammenhang mit meinen Studien haben. Freilich habe ich gewisse Vorstellungen meines Zukünftigen Jobs, bin jedoch mittlerweile realistisch... Und nehme alles was ich kriegen/mich bewerben kann. Ich hatte leider nicht die Chance während meines Studiums BE zu sammeln, weshalb es auch nun noch schwerer ist einen Berufseinstieg zu finden.

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TheGuide
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Re: Wie aus Absagen lernen?

Beitrag von TheGuide » 22.07.2020, 01:19

Aus Absagen zu lernen, ist beinahe unmöglich, weil die meisten Absagen doch eher in einem juristisch unangriefbaren Tonus gehalten sind, insofern dürfte das vergebene Liebesmüh sein. Allerdings beenden jährlich mehrere Zehntausend Geisteswissenschaftler ihr Studium, dem stehen ca 500 geisteswissenschaftliche Stellen gegenüber. Das heißt,, die Konkurrenz summmiert sich auf. Du musst also nicht an dir zweifeln, weil du keine Erfolge hast, das ist systembedingt. Corona wird die Situation nicht vereinfachen.
Was die Bundesagentur und die Bewertung von Anschreiben angeht, da hätte ich meine Zweifel. Die Qualität der Berater der BA ist doch sehr heterogen.


Stell doch mal ein anonymisiertes Anschreiben ein, dann kann man da mal drüber schauen, nur um sicher zu gehen, dass das wirklich gut ist. Auch deinen anonymisiertenn LL.

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Re: Wie aus Absagen lernen?

Beitrag von Skatermieze » 22.07.2020, 11:58

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Danke für deine Rückmeldung @TheGuide.
Ich habe nun hier mal eine Bewerbung rausgesucht. Für konstruktive Kritik bin ich offen! Sollte das Bewerbungsschreiben nicht als RE hier im Post gewünscht sein, bitte mich darauf hinweisen - dann werde ich diese in die jeweilige Rubrik des Forum einstellen.

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Re: Wie aus Absagen lernen?

Beitrag von TheGuide » 22.07.2020, 19:59

Ich habe schon beim ersten Satz drei Fehler entdeckt, darunter mindestens einen für Geisteswissenschaftler unverzeihlichen Fehler. Allerdings werde ich kein Bild korrigieren, die Korrektur mache ich gerne, wenn du das Anschreiben als Text einstellst. So gerne ich schreibe: abtippen ist für mich Strafarbeit.

Auch dein Lebenslauf ist nicht in allem - obwohl in der Übersichtlichkeit vorbildlich!!! - eindeutig. Neben dem Genuswechsel fällt vor allem auf, dass du deine Aushilfsjobs sehr stark gewichtest und deinen LL nicht stellenspezifisch anpasst.

Das Logo des Landesamtes in die Adresszeile zu kopieren, finde ich seltsam.

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Re: Wie aus Absagen lernen?

Beitrag von Skatermieze » 22.07.2020, 23:51

Gerne komme ich auf dein Angebot zurück. Was meinst du mit stellenspezifisch anpassen?
Bzgl. der Nebenjobs wurde mir gesagt, ich solle diese einbringen, da 1. damit keine Lücken im Lebenslauf vorhanden wären und 2. meine Flexibilität und mein Tatendrang ersichtlich wären.
Das Logo des jeweiligen AG dient lediglich als Eyecatcher.

Hier das Anschreiben in Textform:
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Ihrer Stellenausschreibung, die sich gut mit meinen Kompetenzen und Fähigkeiten deckt, kam
Freude in mir auf. Denn mein Ziel ist es den Enthusiasmus und die Ambitionen, die ich mitbringe,
in einem förderlichen Umfeld zu Leistung und Erfahrung zu formen.

Als Soziologin ist es meine Berufung durchweg Gesellschaftsstrukturen, -entwicklungen sowie
-veränderungen zu analysieren und diese im Status quo kausal zu erklären.
Terrorismus, (Links-)Extremismus, (Cyber-)Kriminalität und Radikalisierung waren seit Anbeginn
meiner Studien, die Themen, die mein Interesse geweckt haben. So schrieb ich meine Abschlussarbeit für
den Bachelor über das Kollektiv „Anonymous“ (Cyberkriminalität mit Auswirkungen auf die Lebenswelt).
Und die Abschlussarbeit für den Master behandelte die Thematik der Moderne in Zusammenhang mit
Terrorismus und Radikalisierung. Durch Analysen extremistischer Aktionen, unter Einbezug des jeweiligen
Umfeldes, können prägnante Sozialstrukturen erfasst und somit Präventivmaßnahmen abgeleitet
werden.

Durch meinem abgeschlossenen Bachelor- sowie Masterstudium im Bereich Sozialwissenschaften (B.A. -
Universität *******) und Soziologie (M.A. - Universität ******) und einer 1 ½-jährige Berufserfahrung
an der Agentur für Arbeit ******* bringe ich sehr gute Voraussetzungen mit, die eine tatkräftige
Unterstützung und Bereicherung für das Landesamt für Verfassungsschutz gewährleisten.
Als Arbeitsvermittlerin waren meine Aufgaben, abgesehen von der Beratung von Jugendlichen und der
Protokollierung, das Profiling sowie die Entwicklung und Umsetzung von Handlungsstrategien. Durch das
Studium erhielt ich u.a. umfassende Kenntnisse in den Bereichen der Arbeits-, Kultur- und
Organisationssoziologie, in der empirischen Sozialforschung sowie Auswertungs- und
Reflexionsmethoden.

Eigenschaften, wie die der Offenheit, Flexibilität und Lernbereitschaft führten mich zur der
Studentenorganisation AIESEC, in der ich als Projektleiterin ein Praktikum für internationale Studentinnen
und Studenten entwickelte und mit einem kleinen Team umsetzte. Ich organisierte Unterkünfte, Visum-
Anträge, Sponsoren und Schirmherren, leitete das Recruiting sowie Workshops („Kulturschock
Deutschland“ und „Einführung in Deutsch“). Ich verfüge über Soft & Hard Skills, die ein sicheres Auftreten,
präzise Recherchearbeiten, SPSS-Grundlagen, quantitativen/qualitativen Methodenforschung sowie
Kommunikations- und Präsentationskompetenzen beinhalten. Darüber hinaus habe ich, durch diverse
Praktika, Erfahrungen in verschiedenen Bereichen der Öffentlichkeitsarbeit, Organisation, Beratung,
Medienarbeit und der internationalen Kooperation gesammelt.

Falls Sie noch Fragen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Auf die Gelegenheit, mich Ihnen
persönlich vorzustellen, freue ich mich.

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Re: Wie aus Absagen lernen?

Beitrag von TheGuide » 23.07.2020, 01:55

Skatermieze hat geschrieben:
22.07.2020, 23:51
Gerne komme ich auf dein Angebot zurück. Was meinst du mit stellenspezifisch anpassen?
Wenn du dich als Soziologin in der Extremismusbeobachtung bewirbst, interessiert Warenpflege bei Saturn 'n Toten. Das ist einnfach irrelevant. Wenn du dich im Einzelhandel bewirbst, dann ist das interessant.
Bzgl. der Nebenjobs wurde mir gesagt, ich solle diese einbringen, da 1. damit keine Lücken im Lebenslauf vorhanden wären und 2. meine Flexibilität und mein Tatendrang ersichtlich wären.
Es geht nicht darum, dass du die Nebenjobs erwähnst. Das ist völlig okay, würde ich auch so machen. Es geht wirklich um die irrelevanten Details.
Das Logo des jeweiligen AG dient lediglich als Eyecatcher.
Da habe ich wirklich nur meine Meinung genannt. Ich find's seltsam. Wenn du's gut findest, behalt es bei.
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Ihrer Stellenausschreibung, die sich gut mit meinen Kompetenzen und Fähigkeiten deckt, kam
Freude in mir auf. Denn mein Ziel ist es den Enthusiasmus und die Ambitionen, die ich mitbringe,
in einem förderlichen Umfeld zu Leistung und Erfahrung zu formen.
Der erste Fehler ist schon raus. Im Bild hast du nach der Anrede mit Majuskel fortgesetzt.
Der erste Satz ist trotzdem nichtssagend und klischeehaft. Ich kann damit als Leser nicht wirklich etwas anfangen. Auch der zweite Satz ist nichtssagend.
Da kommt Freude auf ist zudem ein meist ironisch gemeinter Satz.

Fanng mal so an - und vergiss nicht, dass du das aktive Subjekt in diesem Satz sein musst(!):

Sehr geehrte/r Frau/Herr X,

Extremismusforschung....




Als Soziologin ist es meine Berufung durchweg Gesellschaftsstrukturen, -entwicklungen sowie
-veränderungen zu analysieren und diese im Status quo kausal zu erklären.
Ja, hier fehlt aber noch der Transfer zu den Bedürfnissen des Arbeitgebers.
Terrorismus, (Links-)Extremismus, (Cyber-)Kriminalität und Radikalisierung waren seit Anbeginn
meiner Studien, die Themen, die mein Interesse geweckt haben. So schrieb ich meine Abschlussarbeit für
den Bachelor über das Kollektiv „Anonymous“ (Cyberkriminalität mit Auswirkungen auf die Lebenswelt).
Und die Abschlussarbeit für den Master behandelte die Thematik der Moderne in Zusammenhang mit
Terrorismus und Radikalisierung. Durch Analysen extremistischer Aktionen, unter Einbezug des jeweiligen
Umfeldes, können prägnante Sozialstrukturen erfasst und somit Präventivmaßnahmen abgeleitet
werden.
Hier kommst du selbst zu wenig vor. Du müsstest hier insgesamt aktiver auftreten.
Durch MIT meinem abgeschlossenen Bachelor- sowie Masterstudium im Bereich Sozialwissenschaften (B.A. -
Universität *******) und Soziologie (M.A. - Universität ******) und einer 1 ½-jährige Berufserfahrung
an der Agentur für Arbeit ******* bringe ich sehr gute Voraussetzungen mit, die eine tatkräftige
Unterstützung und Bereicherung für das Landesamt für Verfassungsschutz gewährleisten.
Wo du BA und MA gemacht hast, kann der Adressat ggf. im Lebenslauf nachschauen.
eineinhalbjährige
Der Satz an sich ist noch zu schwach. Welche Methoden, welche Kompetenzen genau willst du einbringen? Dass du das zwei Sätze später schreibst zählt nicht, der Leser will das hier wissen und nicht erst in zwei Sätzen.
Als Arbeitsvermittlerin waren meine Aufgaben, abgesehen von der Beratung von Jugendlichen und der
Protokollierung, das Profiling sowie die Entwicklung und Umsetzung von Handlungsstrategien.
Relevanz für die Stelle?
Durch das
Studium erhielt ich u.a. umfassende Kenntnisse in den Bereichen der Arbeits-, Kultur- und
Organisationssoziologie, in der empirischen Sozialforschung sowie Auswertungs- und
Reflexionsmethoden.
Erhalten drückt keine Eigenleistung aus.
Eigenschaften, wie die der Offenheit, Flexibilität und Lernbereitschaft führten mich zur der
Studentenorganisation AIESEC, in der ich als Projektleiterin ein Praktikum für internationale Studentinnen
und Studenten entwickelte und mit einem kleinen Team umsetzte.

Eigenschaften, wie Offenheit...

Ich würde den Satz aber anders beginnen: Bei der Studierendenorganisationn AIESE übernahm ich mit meiner Offenheit .... die Rolle der Projektleiterin, entwickelte...
Ich organisierte Unterkünfte, Visum-
Anträge, Sponsoren und Schirmherren, leitete das Recruiting sowie Workshops („Kulturschock
Deutschland“ und „Einführung in Deutsch“). Ich verfüge über Soft & Hard Skills, die ein sicheres Auftreten,
präzise Recherchearbeiten, SPSS-Grundlagen, quantitativen/qualitativen Methodenforschung sowie
Kommunikations- und Präsentationskompetenzen beinhalten. Darüber hinaus habe ich, durch IN diverseN
Praktika, Erfahrungen in verschiedenen Bereichen der Öffentlichkeitsarbeit, Organisation, Beratung,
Medienarbeit und der internationalen Kooperation gesammelt.
Ich habe divers zwar stehen lassen, würde aber das Adjektiv eher abstoßen und stattdessen die Praktika nennen. Das klingt dann nicht so, als wolltest du zwei Kurzpraktika zu einer in Summe jahrelangen Erfahrung aufbauschen wollen.
Zuletzt geändert von TheGuide am 23.07.2020, 02:01, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: Wie aus Absagen lernen?

Beitrag von TheGuide » 23.07.2020, 01:55

Um das an dieser Stelle noch zu sagen: ich bin davon überzeugt, dass du die notwendigen Kompetenzen für die Stelle hast. Aber die haben andere eben auch. Und deshalb ist die Aufgabe deines Anschreibens, dich zu präsentieren und zu inszenieren.

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Re: Wie aus Absagen lernen?

Beitrag von Skatermieze » 24.07.2020, 07:38

Vielen lieben Dank, TheGuide! Ich werde deine Ratschläge beherzigen und versuchen mein Anschreiben sowie meinen Lebenslauf daraufhin zu optimieren. Nochmals, danke für deine Mühe.

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