Wie ehrlich soll man in einem Anschreiben sein?

Hier kann über aktuelle Probleme diskutiert werden.
Antworten
scorpion007
Beiträge: 12
Registriert: 05.10.2011, 15:26

Wie ehrlich soll man in einem Anschreiben sein?

Beitrag von scorpion007 » 11.10.2011, 12:45

Hi,

also der Titel sagt ja schon was meine Frage ist. Ich meine damit, wenn ich in etwas nicht so gut bin, aber weiß das es dem Unternehmen schon darauf ankommt, soll ich dann lügen und sagen "...gute Kenntnisse" oder doch lieber ehrlich sein und sagen "...Grundkenntnisse" mit der Gefahr, nicht weiter beachtet zu werden? Aber tut man sich überhaupt einen Gefallen wenn man schreibt das man etwas gut kann obwohl das nicht so ist, und die von einem dann zu viel verlangen?

Benutzeravatar
FRAGEN
Bewerbungshelfer
Beiträge: 12159
Registriert: 22.07.2006, 18:18

Beitrag von FRAGEN » 11.10.2011, 13:00

Das klingt für mich so, als wäre der Sachverhalt Dir selbst sehr klar: Wenn man eine Fähigkeit nicht hat, die für eine bestimmte Tätigkeit unverzichtbar ist, kann das nicht gut gehen... und je später es heraus kommt (schlimmstenfalls erst bei der Arbeit), desto unangenehmer werden die Folgen. Ich würde mich eigentlich gar nicht erst bewerben, wenn ich wesentliche Voraussetzungen nicht erfülle.

Es gibt natürlich den Fall, dass ein bestimmter Job sich aus sehr unterschiedlichen Bestandteilen zusammensetzt, von denen man manche mehr, andere weniger beherrscht. Dann ist es m. E. legitim, sich in seiner Selbstpräsentation komplett auf die "starken" Seiten zu konzentrieren und die anderen bestmöglich unter den Tisch fallen zu lassen. Geradeaus lügen würde ich allerdings auch dann nicht. Es wäre ja zumindest denkbar, dass ein Arbeitgeber einer grösseren Firma das Aufgabenspektrum eines Themas auf verschiedene Personen verteilt... d. h. nicht zwei einstellt, die alles "normal gut" können, sondern zwei, die in jeweils einem Teilbereich über- und einem anderen unterdurchschnittlich sind und sich dann quasi puzzleartig ergänzen. Vielleicht auch einen komplett ausser Plan, wenn dessen "Schokoladenseite" im Gesamtteam unterrepräsentiert ist. Weiss man alles nicht... aber solche Chancen können sich natürlich nur auf Basis klarer Informationen ergeben.

Wer einfach nur Dinge nicht kann und obendrein auch noch lügt... was soll man mit so jemandem machen?

Benutzeravatar
therese
Bewerbungshelfer
Beiträge: 1945
Registriert: 26.10.2010, 23:12

Beitrag von therese » 11.10.2011, 13:12

Üblicherweise kommt sowas auch ganz schnell spätestens beim VG ans Licht.
Vor dir sitzt dann meist nicht der Fach-Idiot, sondern einer der ganz genau weiß was er zu fragen hat um die Rosinen zu finden.

Da du ja auch wirklich nicht weißt, was man am Ende mit dir vor hat, ist es immer eine gute Idee so selbsreflektiert wie möglich dran zu gehen.

Und mal noch anders gesehen: Angenommen du kannst dich, dank Fach-Idioten, durchs VG mogeln und bekommst sogar die Anstellung. Dann stehst du vor den Könnern und die erkennen in den ersten Tagen was für ein faules Ei ihnen da gelegt wurde. Dann bist du schneller wieder draußen als du "Probezeit" sagen kannst.
Damit ist niemandem geholfen. Weder deiner Reputation (was sich mglw rum sprechen kann, bedenke: Die Welt ist ein Dorf!) noch dem Unternehmen, das nun wieder von vorn beginnen kann, wenn die Ersatz-Kandidaten bereits vergeben sind.

scorpion007
Beiträge: 12
Registriert: 05.10.2011, 15:26

Beitrag von scorpion007 » 11.10.2011, 13:35

Danke sehr für die Antworten. Ich werde ganz sicher ehrlich sein.
Aber ich hatte auch vergessen zu schreiben, dass es sich "nur" um eine Bewerbung für ein Praxissemester, also ein Praktikum, handelt.

Benutzeravatar
therese
Bewerbungshelfer
Beiträge: 1945
Registriert: 26.10.2010, 23:12

Beitrag von therese » 11.10.2011, 14:35

Bei Ehrlichkeit sollte es keinen Unterschied machen um was es geht ;)

scorpion007
Beiträge: 12
Registriert: 05.10.2011, 15:26

Beitrag von scorpion007 » 11.10.2011, 16:07

Stimmt, danke!

Benutzeravatar
bart
Beiträge: 140
Registriert: 25.05.2010, 21:28

Beitrag von bart » 12.10.2011, 19:26

Eine kleine Anekdote dazu aus einem Vorstellungsgespräch von vor etwa 20 Jahren. Ich bewarb mich in einem internationen Unternehmen. Beim VG kam die Frage nach meinen Englisch-Kenntnissen auf.

Ich: Meine Kenntnisse bewegen sich auf Schulenglisch-Niveau, etwas eingerostet, bin aber lernbereit
Er: Klingt interessant
Ich: Was bitte ist daran interessant?
Er: Wissen Sie, unsere Haussprache intern ist Englisch. Da ist es ein Leichtes Ihre Kenntnisse zu überprüfen. Vor Ihnen hatte ich 5 Bewerber, die alle angaben gute bis sehr gute Englisch-Kenntisse zu haben. Ich hab Sie natürlich geprüft. Und was soll ich von jemanden halten, der mir im VG schon die Unwahrheit sagt?

Die Stelle hätte ich übrigens bekommen können, trotz oder wegen meiner Fremdsprachenunkenntnisse.

spike50
Beiträge: 67
Registriert: 30.03.2011, 17:55

Beitrag von spike50 » 17.10.2011, 13:29

Ahm in den Fall wiedersprechen sich selber Ausbildungssuchendanzeigen.

In der Anzeige heisst es Grundkenntnisse in Englisch Voraussetzung, aber wollen sie mindesten Realschulabschluss mit 2 in Englisch.

Es dann eher noch Frage welches Englisch man braucht. Ich kann z. B kein gesprochendes amerikanische Englisch verstehen. Die Leute sprechen einfach zu schnell und zu undeutlich.

Man niemals etwas behaupten, wenn es nicht stimmt. Es kommt immer heraus. Man sollte auch bei Sprache immer mal deine Kenntnisse überprüfen lassen.

heinzi
Beiträge: 7
Registriert: 23.11.2011, 16:10

Beitrag von heinzi » 25.11.2011, 11:09

Die Frage an sich stellt sich ob das dann überhaupt Sinn macht sich auf so eine Stelle zu bewerben. Wenn eine Anforderung für den Betrieb wichtig ist, aber ich diese Anforderung nicht erbringen kann, ist dies eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Mary87
Beiträge: 8
Registriert: 21.05.2012, 19:45

Beitrag von Mary87 » 22.05.2012, 18:34

Finde ich sehr interessant den Thread.

Dazu stellt sich mir die Frage: sollte man sich trotzdem bewerben, wenn man Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, die in der Stellenausschreibung als "erwünscht" und "vorteilhaft" beschrieben werden, aber die nicht hat, die als "vorausgesetzt" ausgeschrieben sind?

Mit anderen Worten: bewerb ich mich, wenn ich 4 von 5 Sachen kann, aber gerade die 5. als besonders wichtig erscheint?

Benutzeravatar
FRAGEN
Bewerbungshelfer
Beiträge: 12159
Registriert: 22.07.2006, 18:18

Beitrag von FRAGEN » 22.05.2012, 20:58

Es gibt ja auch die Möglichkeit, Dich eher BEI DER FIRMA als AUF EINEN BESTIMMTEN JOB zu bewerben. Wenn echte und grundsätzliche Voraussetzungen für eine bestimmte Stelle fehlen, ist das meist keine Kleinigkeit. Das würde aber nicht ausschliessen, dass Du ansonsten so gut in den Laden passt, dass sich ggf. ein anderes Plätzchen für Dich finden würde. Da ist natürlich Formulierungskunst gefragt... aber unmöglich wäre das m. E. nicht... ;-)

Rhodus
Bewerbungshelfer
Beiträge: 4205
Registriert: 01.07.2011, 16:10

Beitrag von Rhodus » 22.05.2012, 21:01

Hallo Mary87,

wenn mich eine stelle reizt, sollte ich mich doch immer bewerben. Denn ich kann doch nicht verlieren. Im schlimmsten Fall gibt's ne Absage.
Im günstigsten Fall gelingt es mir mit einer aussagekräftigen Bewerbung die Neugier des Personalverantwortlichen zu wecken und zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.
Wichtig ist natürlich, wenn man das Anforderungsprofil nicht komplett erfüllt, dass man über eine schnelle Auffassungsgabe verfügt und nur eine kurze Einarbeitungszeit benötigt.

Viele Grüße aus Duisburg

Benutzeravatar
Bengali
Beiträge: 37
Registriert: 01.04.2013, 19:42

Beitrag von Bengali » 05.04.2013, 19:59

Ich würde auch nicht lügen, aber mit Fähigkeiten etwa zu übertreiben, ist ganz normal.

Hateself
Beiträge: 37
Registriert: 12.02.2018, 13:05

Beitrag von Hateself » 12.02.2018, 14:24

In der Theorie ja, aber in der Praxis wird man für jede kleinste Lücke aussortiert. Da interessiert es nicht, dass man sich wirklich interessiert oder sich einarbeitet.

Controller123
Beiträge: 12
Registriert: 27.01.2019, 13:52

Beitrag von Controller123 » 27.01.2019, 14:07

Habe auch den Eindruck, dass Unternehmen extrem viel Wert auf Effizienz bei der Einarbeitung legen - d.h. es wird oftmals der genommen, der nicht umbedingt den besten Lebenslauf hat, sondern derjenige, der am besten schon am ersten Tag alle Prozesse ausführen und alle Systeme bedienen kann. Das führt dazu, dass man manchmal wegen solcher vermeintlich kleinen Lücken eher aussortiert wird.

Antworten