Wie Schwerbehinderung in Bewerbung formulieren?

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Taccno
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Wie bewirbt man sich als Schwerbehinderter?

Beitrag von Taccno » 31.12.2014, 10:04

Hallo,
Ich habe mit 15 eine Ausbildung als Metallbauer gemacht und danach zwei Jahre als Zerspanungsmechaniker gearbeitet. Vor zwei Jahren habe ich dann eine Krebserkrankung bekommen und wurde während der Behandlung von meinem Arbeitgeber gekündigt. Jetzt bin ich wieder arbeitsfähig, aber habe einige Nebenwirkungen von der Therapie behalten. Ich habe jetzt einen Behindertenausweiß mit einem GdB von 100 den ich nicht einfach verstecken kann, da ich außerdem alle 4 Wochen zur Kontrolle in eine Uniklinik muss. Jetzt die Frage: Wie bewirbt man sich jetzt mit dem kleinen Problemchen?
Ach ja ich bin jetzt 21 Jahre alt(Falls das wichtig ist).

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 31.12.2014, 16:25

Schränkt dich die Behinderung in irgendeiner Form ein, was die Arbeit angeht?

Taccno
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Beitrag von Taccno » 31.12.2014, 17:45

Das einzige ist, das meine Augen keine Tränenflüssigkeit mehr herstellen und deswegen muss ich alle 10 Minuten Augentropfen benutzen aber sonst eigentlich nichts.

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 31.12.2014, 21:31

Dann geht deine Behinderung - warum hast du 100%?! - den Arbeitgeber nichts an! Es sei denn, es handelt sich um einen öffentlich finanzierten Arbeitgeber, dann hättest du sogar die besseren Chancen (typischer Zusatz bei öffentlich finanzierten Stellenangeboten: "Behinderte werden bei gleicher Eignung bevorzugt.")

Marcel Förster
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Beitrag von Marcel Förster » 01.01.2015, 16:16

TheGuide hat Recht damit, dass du bei öffentlichen Arbeitgebern sehr gute Chancen haben könntest. Gerade in öffentlichen Einrichtungen wie Behörden, Ämter, Universitäten etc. sind die Menschen sehr sozial eingestellt und haben viel mehr Verständnis. Hier solltest du gute Chancen haben.

Öffentliche Arbeitgeber haben oft (nicht immer!) einen weiteren Vorteil: die Mitarbeiterproduktivität ist nicht das Maß aller Dinge. In der Personalabteilung so mancher Universität wird qualifizierten Mitarbeitern erstmal erläutert, wie sie langsam genug arbeiten - die erfahrenen Kollegen wollen ja nicht als Faulenzer enttarnt werden :roll:

Ich will dir das aber nicht als Traumjob verkaufen, es ist lediglich einfacher dort an einen Job zu kommen. Du hast nicht viel über die Nebenwirkungen gesagt, evtl. könntest du in Jobbörsen mit Stellenanzeigen für Menschen mit Behinderung schauen, bspw. myhandicap.de/jobboersen-behinderung.html. In großen Unternehmen habe ich gehört gibt es eine Pflichtquote. Interessant wäre zu wissen, welche Berufe für dich überhaupt in Frage kommen, also welche Tätigkeiten kannst+willst du machen?[/url]

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 01.01.2015, 18:02

Ich denke ebenfalls, dass man gedanklich bei der (realistischen) Wunschtätigkeit starten sollte. Der sozialste Arbeitgeber nutzt ja nichts, wenn Interessen und Fähigkeiten nicht zu der zu vergebenden Arbeit passen

Es würde mich auch ehrlich gesagt wundern, wenn eine derart spezielle Leistungseinschränkung sich in gängigen Berufslisten wiederfinden würde. Ich muss gestehen, dass ich von dieser Behinderung hier zum ersten Mal überhaupt höre. Wo genau liegt das Problem? Vermutlich darin, dass Du jegliche anderweitige Betätigung wie ein Uhrwerk unter allen Umständen in diesem 10-Minuten-Rhythmus unterbrechen musst, weil Deinen Augen sonst sehr ernste Folgen drohen?!?

Ansonsten würdest Du im Prinzip gern weiterhin als Handwerker arbeiten... dürftest dabei aber nur Aufgaben erhalten, die entweder sehr kurz (< 10 min) oder sehr flexibel getaktet sind?!? Für einen Mechaniker fällt mir da spontan die Wartung von Geräten und Maschinen als Thema ein. Wenn die ohnehin gerade aus dem laufenden Produktionsfluss ausgeklinkt sind, spielt der Rhythmus Deiner Arbeiten an und mit ihnen vermutlich keine grosse Rolle?!?

Kann es da ein Problem mit Wärme und/oder Staub geben?

fraurossi
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Krankheit und Schwerbehinderung in der Bewerbung angeben?

Beitrag von fraurossi » 28.09.2015, 19:40

Liebe Forums-Mitglieder,

ich bin chronisch krank und hatte Anfang des Jahres auch noch einen Herzinfakt, aufgrund dessen ich auch meine letzte Anstellung im Vertrieb verloren habe.
Jetzt möchte ich gerne wieder arbeiten, aber meinen potentiellen neuen Arbeitgeber auch im Anschreiben kurz erläutern, dass ich meine letzte Position aufgrund des Infarktes verloren habe und besser nicht mehr im Außendienst arbeiten sollte.
Wie findet Ihr das? Und wie könnte man dies trotzdem positiv formulieren?

Danke Euch für Eure Unterstützung und
herzliche Grüße

Claudia

Romanum
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Beitrag von Romanum » 28.09.2015, 21:38

Davon halte ich überhaupt nichts. Diese Krankengeschichte ist nicht einstellungsrelevant, also kümmere dich in erster Linie um die Argumente, die für dich sprechen.

Die genaue Krankheit solltest du auf keinen Fall nennen, denn die Personaler schlussfolgern dann erst recht auch Komplikationen für die Zukunft.

EvilBen
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Bewerben mit Behinderung

Beitrag von EvilBen » 03.04.2016, 17:35

Hallo liebes Forum,

ich bin neu hier und stehe nun vor einer Aufgabe, die ich bisher nur selten durchführen musste, vor allem nicht unter den nachfolgenden Bedingungen. Ich habe 2013 drei schwere Schlaganfälle erleiden müssen, durch die ich jetzt zu 70% Schwerbehindert bin. Rechtsseitig ist eine starke Spastik und kein Gefühl mehr, was mich allerdings nicht groß einschränkt zum Beispiel einen Computer zu nutzen, da ich mich dies bezüglich 3 Jahre lang perfektionieren konnte. Mein Studium, welches ich bis zum Ereignis betrieben hatte, musste ich leider abbrechen. Ein Wiedereinstieg wäre denkbar, aber würde mich zu viel Zeit kosten, da ich viele Klausuren wiederholen müsste.

Mein Bruder macht derzeit sein Praxissemester bei der Bundespolizei, und berichtete mir, dass ich dort einen Platz als Quereinsteiger bekommen könnte. Nun habe ich eine wichtige, für mich sehr entscheidende Frage:

Wie soll ich im Anschreiben auf meine Behinderung am "elegantesten" Hinweisen? In welchem Umfang ? Soll ich jede Querdiagnose angeben ?
Wie würde so ein "Aufmerksam machen auf meine Einschränkung" aussehen?

Könntet ihr mir Vorschläge senden, wie ich auf die Einschränkung aufmerksam machen sollte ? Eine gute Überleitung wäre das abgebrochene Studium, denke ich ?

Danke dafür schon einmal.

Eine nächste kleine Frage, die nur mit Ja oder Nein beantwortet werden könnte ist, ob ich mich auf mehrere Jobs bei dem Arbeitgeber bewerben sollte, oder meine volle Kraft auf einen einzigen Job fixieren sollte, hinter dem ich auch stehe.
Eigentlich beantworte ich damit ja die Frage schon fast selbst, nur bin ich noch etwas unsicher, ob ich meine "Chancen" erhöhen würde, wenn ich 5 statt 1 Bewerbung abgeben würde.


Ich danke euch im Voraus

LG

Ben

katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag » 03.04.2016, 19:07

Eine 70% ige Behinderung würde ich unbedingt direkt erwähnen. Allein schon, damit das VG barrierefrei sein kann. Aber wende Dich mal an die Gleichstellungsbeauftragten bei den AG, die Dich interessieren. Es gibt viele Stellen, an die man sich in Deiner Situation um Unterstützung und Information wenden kann. Integrationsämter, die ARGE... Und da gibt es bestimmt auch weiterführende Hinweise. Abgesehen davon sind Unternehmen ab 20 MA doch auch verpflichtet, Behinderte einzustellen....

Ich denke, Du könntest gute Chancen haben, so liest sich zumindest Dein Beitrag. :)

Romanum
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Beitrag von Romanum » 07.04.2016, 19:19

Für was willst du dich denn bei der Bundespolizei bewerben?

Ohne nähere Hintergründe würde ich zu einer einzigen Bewerbung bei einem Arbeitgeber raten.

Baltrun
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40 Grad Behinderung in Bewerbung angeben?

Beitrag von Baltrun » 21.04.2016, 13:46

Hallo Allerseits,

mein Mann hat einen GdB von 40. Bislang hat er die 40 Prozent nie beim Arbeitgeber angegeben um keine Nachteile zu haben. Einen richtigen Ausweis gibt es ja auch erst ab einen GdB von 50.

Nun möchte er sich gerne auf eine Position bewerben, bei der schwerbehinderte bevorzugt behandelt werden. Soll er nun die 40 Prozent angeben, oder wäre das in diesem Fall eher lächerlich, da er ja keine 50 und somit auch keinen Schwerbehinderten Ausweis hat, sondern nur den Nachweis über die 40 Prozent, mit dem Hinweis der dauernden Einschränkung der Beweglichkeit.

Falls das doch Vorteile bringen sollte, wo bringt man die 40 Prozent ein? In den Lebenslauf? Oder den Nachweis vielleicht als Anhang bei den Zertifikaten oder Zeugnissen?

Ich wäre für Tipps sehr dankbar.

Liebe Grüße

LisaMaa
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Beitrag von LisaMaa » 22.04.2016, 11:37

Ehrlichkeit geht vor! Wenn es schon so drin steht, ist es auf jeden Fall von Vorteil. Letztendlich entscheiden die Personaler für sich, ob man den Klopfenden zu einem Gespräch hereinlässt oder nicht.

porks
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Beitrag von porks » 23.04.2016, 19:14

hi

würde ich im Lebenslauf schreiben .Und noch was man kann sich eine Gleichstellung holen dann ist das so wie mit Ausweis.

Wird oft bei Bewerbungen bei Behörden gefordert (Schwer behinderte bevorzugt)

Baltrun
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Beitrag von Baltrun » 27.04.2016, 14:09

Vielen Dank für eure Antworten, leider war das Jobangebot schon am nächsten Tag nicht mehr verfügbar, aber gut zu wissen für die Zukunft.

Liebe Grüße

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