Zwischenzeugnis-Berichtigung einklagen?

Fragen zu Zeugnissen und Nachweisen: Müssen alle bisherigen Zeugnisse mitgeschickt werden? Welche Nachweise sind wichtig? Wie müssen die Zeugnisse geordnet werden?
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tanda
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Zwischenzeugnis-Berichtigung einklagen?

Beitrag von tanda » 02.02.2017, 11:28

Hallo,

da mein Arbeitsvertrag bis Ende September befristet ist, hatte ich mir ein Zwischenzeugnis ausstellen lassen. Da dieses nicht zu meiner Zufriedenheit ausgefallen ist, habe ich um Berichtigung gebeten. Die überarbeitete Version habe ich vor Weihnachten erhalten. Da ich auch mit dieser Fassung nicht zufrieden bin, habe ich dem Personaler Mitte Januar per E-Mail einen Widerspruch zukommen lassen und um Korrektur der missverständlichen Formulierungen bis Ende Januar gebeten. Die Frist ist abgelaufen, ohne dass der Personaler irgendwie reagiert hat. Was soll ich jetzt tun? Ich neige dazu, noch ein oder zwei Wochen abzuwarten und dann beim Personaler nachzufragen, ob da noch eine berichtigte Zeugnisversion kommt oder ob ich mich deswegen ans Arbeitsgericht wenden soll.

Im Widerspruch habe ich die nicht widerspruchsfreie Formulierung des Zeugnisses bemängelt. Das Zwischenzeugnis enthält deutlich voneinander abweichende Leistungsbewertungen (Gesamturteil sehr gut, die Teilbewertungen Auffassungsgabe und Arbeitsergebnisse sind jedoch nur befriedigend). Außerdem wird das Zeugnis durch die Positionsbezeichnung „Aushilfe“ abgewertet. Dadurch sehe ich mein berufliches Fortkommen erheblich erschwert. Ich habe studiert und verfüge über mehrjährige Berufserfahrung in diesem Berufsfeld. Nur weil ich einen befristeten Arbeitsvertrag habe, muss man mich doch nicht abwertend als „Aushilfe“ bezeichnen. Der Bitte, mich als „Mitarbeiterin“ zu bezeichnen, wurde auch in der neuen Zeugnis-Version nicht entsprochen.

Irgendwie sitze ich total in der Falle. Ich bewerbe mich ständig, um eine neue Stelle zu finden, damit ich ab Oktober nicht arbeitslos bin. Bisher tue ich das ohne Zwischenzeugnis, weil die bisherigen Versionen mir mehr schaden als nützen. Bleibt der Personaler stur, müsste ich meinen Arbeitgeber auf Zeugnisberichtigung verklagen. Damit mache ich mich dort natürlich unbeliebt. Tue ich nichts, wird das Endzeugnis vermutlich genauso mäßig ausfallen wie das Zwischenzeugnis. Im ungünstigsten Fall bin ich ab Oktober arbeitslos und habe überhaupt kein Zeugnis, das ich meinen Bewerbungen beilegen kann. Eine Klage vor dem Arbeitsgericht kann sich über mehrere Monate hinziehen und jeder Bewerbungsempfänger wird es zu meinem Nachteil auslegen, wenn in meinen Unterlagen das letzte Arbeitszeugnis fehlt. Was soll ich tun?

GoWell
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Beitrag von GoWell » 02.02.2017, 16:21

Hallo tanda,

ich weiß ja nicht, wie Du mit Deinem Vorgesetzten und insgesamt in der Firma klarkommst. Aber in Hinblick darauf, dass Du vielleicht dort bleiben möchtest solltest Du es erstmal auf die freundliche Art versuchen und nicht gleich mit dem Anwalt drohen. Da Dich Dein Vorgesetzter beurteilt, könntest Du ihn auf die Diskrepanz in den Bewertungen ansprechen oder konkret fragen, wie er Dich bewertet hat. Vielleicht kann er ja intervenieren, falls es die Personalabteilung verbockt hat.
Viele Firmen sind nicht geübt im Schreiben von Zeugnissen, da dies eher als lästig bewertet wird. (bringt ja kein Geld ein).

Im Zeugnis sollte die selbe Tätigkeitsbezeichnung stehen wie in Deinem Vertrag; Bist Du als Aushilfe eingestellt?

Außerdem könntest Du ja mal persönlich bei der Personalabteilung nachfragen.
Meist erreicht man viel mehr, wenn man entschieden und unbedingt freundlich auftritt (was immer man sich bei dem bösen Spiel denkt).

Hast Du die zu berichtigenden Teile vorgeschrieben? Manchmal werden diese Teile dann übernommen.

Viele Grüße

GoWell

tanda
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Beitrag von tanda » 02.02.2017, 16:35

@GoWell:
Mit meinem Chef komme ich gut klar. Ich hatte schon nach der ersten Zeugnis-Version freundlich mit ihm geredet, da die Leistungsbewertung nur befriedigend war. Sein mündliches Feedback hörte sich jedoch deutlich besser an. Daraufhin schickte ich meine Kritikpunkte und Formulierungsvorschläge an den Personaler. Es wurden jedoch nicht alle Punkte umgesetzt, so dass das Zeugnis nun widersprüchlich klingt.

Es geht nicht mehr um die Tätigkeitsbeschreibung, sondern um die Stellenbezeichung. Im Arbeitsvertrag ("Aushilfsarbeitsvertrag") steht "kaufmännische Angestellte", in der Stellenanzeige war von "Aushilfe" die Rede. Ich arbeite Teilzeit und der Vertrag ist befristet.

Romanum
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Beitrag von Romanum » 03.02.2017, 09:02

Hallo tanda,

wenn es organisatorisch möglich ist, solltest du mit dem zuständigen Personaler einen persönlichen Termin machen und mit ihm den Sachverhalt sachlich erörtern. :)

GoWell
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Beitrag von GoWell » 06.02.2017, 12:17

Hallo Tanda,

ich bin nach wie vor der Meinung, Dein direkter Vorgesetzter sollte da nicht aus der Pflicht genommen werden. Wahrscheinlich hat er eine Beurteilung an den Personaler geschickt. Bitte doch darum, diese einsehen zu können. (Habe ich auch gemacht und problemlos bekommen). Dann kannst Du prüfen, wie der Personaler diese umsetzt. Letztlich muss dieser nur das Zeugnis schreiben und hat, sofern Du nicht mit im gearbeitet hast, nicht das Recht, die Bewertung Deines Vorgesetzten mit anderen Noten auszulegen.

Sollte er es dennoch getan haben, wäre es sinnvoll, die Änderung über Deinen Chef laufen zu lassen (falls er drauf einsteigt). Seine Bewertung wurde ja nicht umgesetzt.

Also entweder der Personaler ist unfähig oder er versucht, Dir Schwierigkeiten zu bereiten. Die andere Möglichkeit wäre ja nur, dass es Dein Chef ist, der Probleme machen möchte - und davon ist ja so wie Du es beschreibst im Moment nicht davon auszugehen.

Von daher würde ich versuchen, Deinen Vorgesetzten als "Verbündeten" zu gewinnen.
Betriebsrat kann ja am Ende auch noch eingeschaltet werden, sofern Eure Firma einen hat. Durch Anwälte und Rechtskämpfe verstärkt man die Gräben und daher ist es wohl das letzte Mittel.

Hast Du es mal von einem Anwalt quer checken lassen?

Kenne diese Nervenkriege, aber nicht aufgeben und immer freundlich bleiben.

Viele Grüße

tanda
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Beitrag von tanda » 06.02.2017, 18:03

@GoWell:

Mit meinem Vorgesetzten hatte ich bereits gesprochen. Dieser hatte mit dem Personaler wegen den Änderungen an der ersten Version gesprochen. Mein Chef hat mir gesagt, dass die Gesamtbewertung verbessert wurde, aber einige Teilbewertungen so bleiben müssten. Dass sich daraus ein widersprüchliches Zeugnis ergibt, ist ihm wohl egal. Er meinte, dass die zweite Version nicht mehr unbedingt geändert werden würde, wenn mir daran etwas nicht gefällt. :(

Eigentlich habe ich mit dem Chef keine Probleme aber er offensichtlich mit mir. Einen Betriebsrat haben wir nicht. Da wird mir wohl nur die Klage bleiben.

GoWell
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Beitrag von GoWell » 09.02.2017, 01:04

Hallo tanda,

erstmal sorry wegen der späten Antwort. Aber das klingt ja sehr seltsam. Dann ist die gute Gesamtbewertung ja schlimmer, als wenn die gesamte Bewertung eine Note schlechter, dafür aber stimmig wäre.

Für eine Vorgehensweise ist da wirklich schlecht zu raten.

Da Du ja noch einige Monate vor Dir hast, würde ein Prozess sich ja unter Umständen negativ auf das Endzeugnis auswirken (z.B. mit der Begründung, dass die Leistung so stark nachgelassen hat). Mal abgesehen davon, dass sich das auch einige Monate hin ziehen kann und Du dann gewiss keine Verlängerung des Vertrages bekommen wirst. Aber ich weiß ja nicht, ob Du das anstrebst.

Ich würde wahrscheinlich weiterhin auf eine Änderung pochen. Es kann kein Argument sein, dass es jetzt nicht mehr geändert wird, ich würde nochmal das Gespräch suchen. Bist Du sicher, dass Dein Chef die Konsequenzen und die gesamte Situation für Dich erkannt hat? Du könntest ihn ja auch fragen, warum Du kein stimmiges Zeugnis bekommst, welches seiner Bewertung entspricht. Und dass Du so keine Arbeit finden kannst, da Dir das Zeugnis mehr schadet als nutzt. Oft haben die Vorgesetzten einfach keine Lust dazu und wollen die Leute einfach loswerden.

Hast Du eine reelle Chance, auch ohne dieses Zeugnis eine Anstellung zu finden? Dann könntest Du mit der Klage warten, bis Du da raus bist.

Hat sich Dein Chef schon geäußert, ob der Vertrag verlängert wird?

Liebe Grüße

GoWell

tanda
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Beitrag von tanda » 09.02.2017, 09:37

@GoWell:

Als ich die erste Version des Zwischenzeugnisses schrftlich bemängelt habe, habe ich eine mindestens gute Leistungsbewertung gefordert. Mir wäre ein widerspruchsfreies Zeugnis mit Gesamtnote "gut" lieber gewesen als die aktuelle, widersprüchliche Version.

Eine stark nachlassende Leistung müsste das Unternehmen im Zweifelsfall beweisen. Und ich bekomme per E-Mail regelmäßig positive Rückmeldungen aus der Abteilung, mit der ich zusammenarbeite.

Eine Verlängerung meines Vertrages ist nicht mehr möglich, da Ende September die Obergrenze von zwei Jahren erreicht ist. Und eine Entfristung escheint sehr unwahrscheinlich, weil die gleichartigen Stellen immer nur befristet besetzt werden. Nur durch eine erfolgreiche interne Bewerbung auf eine andere Stelle könnte ich im Unternehmen bleiben.

Meinem Chef habe ich in einem Gespräch verdeutlicht, was das Zeugnis für mich bedeutet und dass ich mit einem widersprüchlichen Zeugnis keine Stelle finden werde. Er hat mich in zwei Punkten des Beurteilungsbogens nur mit einer 3 bewertet - aber nicht bezüglich der Quantität meiner Arbeit (die ist sehr gut). Mein Chef hatte mit dem Personaler besprochen, was an dem Zeugnis geändert werden kann, nachdem ich die erste Version bemängelt hatte.

Bisher bewerbe ich mich ohne Zwischenzeugnis und ich erhalte ab und zu Einladungen. Aber es sind nicht so viele, so dass ich nicht weiß, ob ich bis Ende September eine andere Stelle finde. Wenn ich mich ab Oktober ohne Zeugnis bewerbe, weil ich das Endzeugnis noch nicht habe oder dieses wieder widersprüchlich ist, habe ich ein großes Problem. Denn ab dem Ausscheiden erwarten die Arbeitgeber bei Bewerbungen ja ein Zeugnis. Und ich habe ja noch nicht mal ein widerspruchsfreies Zwischenzeugnis... :cry:

GoWell
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Beitrag von GoWell » 09.02.2017, 14:47

Hoffe, dass es sich für Dich doch noch löst.

Liebe Grüße
GoWell

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