350 Bewerbungen in 115 Tagen - kein Arbeitsvertrag

Wie geht es weiter nach Absagen? Was kann daraus gelernt werden? Lass andere an deinen Erfahrungen teilhaben. Berichte über gute und schlechte Erfahrungen bei der Stellensuche.
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anabelaki
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350 Bewerbungen in 115 Tagen - kein Arbeitsvertrag

Beitrag von anabelaki » 07.02.2013, 11:22

Hallo zusammen,

ich bin etwas verzweifelt und hoffe auf Euer Feedback, da ich mir ständig den Kopf über mögliche Gründe zerbreche und nicht mehr weiter weiß!

Ich habe seit Mitte Oktober Sage und Schreibe 350 Bewerbungen gesendet und noch keinen Arbeitsvertrag in den Händen.

Kurz zu meinem Background:
-Geboren und aufgewachsen in Griechenland, 30 Jahre alt, weiblich
-Hochschulabschluss in GR gemacht
-Studiert in Großbritannien (zwei Studiengänge und zwei gute Abschlüsse)
-seit 2010 lebend in Deutschland.
-8 Jahre Auslandserfahrung
-ich spreche natürlich fließendes Deutsch, schriftlich ist mein Deutsch genauso gut – also verhandlungssicher!
-neben Deutsch spreche ich Englisch (verhandlungssicher, ohne Akzent), Dänisch und Griechisch
-ich bewerbe mich auf Stellen in Marketing/PR/Öffentlichkeitsarbeit/Projektmanagement
-im Lebenslauf nenne ich 4 vorherige Arbeitgeber, bei denen ich Erfahrungen sammeln konnte - zwei in England und zwei in Deutschland. Das längste Arbeitsverhältnis in Deutschland dauerte nach meinem Studium mehr als zwei Jahre.
-aus meinem Lebenslauf ist ersichtlich, dass ich diverse Sprachdiploma (Englisch und Deutsch) habe.

Meine Bewerbungsunterlagen sind 1A:
Professionelles Layout und Format, keine Rechtschreibfehler, lückenloser Lebenslauf, keine Tippfehler – meine Unterlagen zeigen Professionalität.
Meine Gehaltsvorstellungen sind durchaus realistisch – von Headhuntern wurde mir gesagt, dass ich durchaus mehr verlangen kann.
Ich bewerbe mich im Rhein/Main-Gebiet, in einem der größten Ballungszentren Deutschlands, in welchem ich auch wohne.

Ich rechtfertige vieles damit, dass ich Ende des Jahres angefangen habe mich zu bewerben – natürlich sind dann die Chancen geringer als am Jahresanfang einen Job zu bekommen.
Jetzt ist allerdings bald Mitte Februar und ich habe immer noch keinen Vertrag unterschrieben.
Ich hatte bislang auch mehrere Vorstellungsgespräche;
u.a. bei zwei guten Unternehmen, in denen ich jeweils zu einem Zweiten eingeladen wurde, sprich in die nächste Runde kam --> danach kam allerdings die Absage.

Ich bin mit meinem Latein am Ende, und fühle mich langsam so, als ob ich bereits den kompletten Stellenmarkt im Rhein-Main-Gebiet abgegrast habe.

Hat es vielleicht damit zu tun, dass deutsche Unternehmen keine Griechen (hahaha, Griechenland-Krise, wie lustig - bitte spart euch den Kommentar! :) ) mehr einstellen möchten?
Wollen Unternehmen mich nicht einstellen, weil sie denken ich könnte schwanger werden?

Thema Vorstellungsgespräch: natürlich bin ich optimal vorbereitet, bin professionell gekleidet und bin in keinem Gespräch bei fast keiner Frage ins Stottern geraten. Ich gebe gute Antworten und weiß was die Unternehmen von mir hören wollen. Bestätigende Reaktionen (Nicken, Antwort: „Ja genau so ist es“, etc.) seitens Personaler bestätigen meinen Eindruck.

Aktuell hatte ich in den letzten Tagen bereits zwei Gespräche bei denen die Entscheidung noch offen ist, und noch zwei kommende Gespräche in den nächsten Tagen.
Ich bin aber so pessimistisch, dass ich denke, dass das aus irgendwelchen Gründen sowieso nichts wird. Vielleicht passt dem Personaler meine Frisur nicht, mein Jackett, meine Schuhe, meine Bluse, meine Nase oder mein Händedruck nicht und ich passe deshalb nicht ins Team... Super! :cry:

Vielen Dank für Euer Feedback...

Grüße,
Anabelaki

Rhodus
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Beitrag von Rhodus » 07.02.2013, 13:40

Hallo anabelaki,

leider muss ich Dir einen Zahn ziehen; Deine Bewerbungen können nicht 1a sein, sonst hättest Du schon längst einen Arbeitsvertrag. Denn wer über 1a-Bewerbungen verfügt, hat eine Quote von mindestens 1:4, d.h. auf 4 Bewerbungen kommt 1 Vorstellungsgespräch. Bei 350 Bewerbungen hättest Du dann ab die 90 Vorstellungsgespräche haben müssen; und ich bezweifele ein wenig, dass du so oft eingeladen worden bist.

Das zweite was mir auffällt: 350 Bewerbungen in gerade vier Monaten, also 90 pro Monat, d.h. Du musst Dich auf so ziemlich Alles beworben haben. Und das spürt ein Personalverantwortlicher; sowohl in den Unterlagen, als auch im Vorstellungsgespräch.

Bewerber, die klar wissen, welche Position sie wollen und sich auch entsprechend gezielt bewerben, sind die Bewerber, die ein Unternehmen auch haben will. Denn bei denen kann man eine höhere Motivation und leistungsbereitschaft erwarten, als bei den Bewerbern, die sich auf alles bewerben und damit signlisieren "Ich will einfach nur irgendeinen job!".

Viele Grüße aus Duisburg

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FRAGEN
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Re: 350 Bewerbungen in 115 Tagen - kein Arbeitsvertrag

Beitrag von FRAGEN » 07.02.2013, 13:45

Hallo anabelaki!
anabelaki hat geschrieben:Hat es vielleicht damit zu tun, dass deutsche Unternehmen keine Griechen (hahaha, Griechenland-Krise, wie lustig - bitte spart euch den Kommentar! :) ) mehr einstellen möchten?
Ich sehe keinen Grund, warum ein deutsches Unternehmen keine Griechin einstellen sollte. Die Unsicherheit, die die deutsche Politik im Ganzen derzeit gegenüber der griechischen Verwaltung hat, gibt es für den einzelnen Arbeitgeber gegenüber seiner einzelnen Arbeitnehmerin ja nicht. Du lieferst die Gegenleistung für Dein Gehalt doch jeden Monat direkt... ;-)
anabelaki hat geschrieben:Wollen Unternehmen mich nicht einstellen, weil sie denken ich könnte schwanger werden?
Glaube ich in Deinem Fall auch eher nicht. Dein Lebenslauf sieht für mich nicht so aus, als wären in unmittelbarer Zukunft Kinder geplant. Auch ansonsten hört sich eigentlich alles, was Du so erzählst, sehr gut an. Meine einzige Idee liegt momentan hier:
anabelaki hat geschrieben: 350 Bewerbungen in 115 Tagen
Das wären im Durchschnitt 3 Bewerbungen pro Tag. Ich kann mir wirklich schwer vorstellen, dass die alle mit demselben Einsatz auf den individuellen Arbeitgeber eingehen und Dein Interesse an genau dieser Stelle gleich gut zeigen.

Auf der anderen Seite hast Du ja Gespräche... die sich nach Deinen Schilderungen auch recht positiv anhören. Allerdings lässt sich Deinen Aussagen auch hier nicht entnehmen, dass Ihr Euch inhaltlich auf die konkrete Stelle sonderlich nah gekommen wärt. Du redest auch hier (genau wie beim schriftlichen Teil Deiner Bewerbungen) im Grunde nur von professioneller Reaktion im weitesten Sinne. Gerade in Bereichen wie Marketing/PR/Öffentlichkeitsarbeit kann es ggf. sein, dass das nicht reicht... bzw. nicht als reichend erachtet wird.

Wäre es möglich, dass Deine Ansprechpartner den Eindruck gewinnen, nur jeweils einer von vielen zu sein? Dass es Dir letztlich ziemlich egal wäre, wo Du arbeitest? Dass Du vielleicht zwar alles könntest, was man braucht... aber das Gefühl hat, dass Du schnell wieder weg wärst, sobald sich ein vermeintlich besseres Angebot zeigt?

Romanum
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Beitrag von Romanum » 07.02.2013, 13:52

-ich bewerbe mich auf Stellen in Marketing/PR/Öffentlichkeitsarbeit/Projektmanagement

Hallo, also du ein Studium absolviert, welches fachlich eng mit solchen Stellenarten verbunden ist? Oder könntest du mit deinem Studienfach auch in andere Richtungen gehen?
Hat es vielleicht damit zu tun, dass deutsche Unternehmen keine Griechen (hahaha, Griechenland-Krise, wie lustig - bitte spart euch den Kommentar! :) ) mehr einstellen möchten?
Wollen Unternehmen mich nicht einstellen, weil sie denken ich könnte schwanger werden?

Das können zwei gewichtige Gründe sein. In Marketing/PR/Öffentlichkeitsarbeit/Projektmanagement gibt es nun mal viel Konkurrenz, so dass sich der Personaler eben fragt, warum er ein (allerding eher subjektiv empfundendes) "Risiko" (denn du bietest ja die harten Fakten an Qualifikation) eingehen sollte, wenn er mit dem deutschen Bewerber "auf der sicheren Seite" ist.

Die Personaler erhalten eben derzeit auch viele Bewerbungen aus Südeuropa, manche sicherlich auch aus Verzweiflung, die nicht so durchdacht sind. Vielleicht machen sich einige Personaler dann auch nicht mehr die Mühe, alle Bewerbungen konzentriert durchzuarbeiten und bewerten nach Vorurteilen. Aber ich kenne auch einige Griechen und Spanier, die in der letzten Zeit einen Job in D gefunden haben.
Ich bin aber so pessimistisch, dass ich denke, dass das aus irgendwelchen Gründen sowieso nichts wird. Vielleicht passt dem Personaler meine Frisur nicht, mein Jackett, meine Schuhe, meine Bluse, meine Nase oder mein Händedruck nicht und ich passe deshalb nicht ins Team... Super! :cry:

Das bringt in deiner Situation am allerwenigsten, wenn du jetzt deine Persönlichkeit in Frage stellst. Lasse dich von den Absagen nicht runterziehen, vor allem hattest du ja schon vier Jobs, wo vorher deine Persönlichkeit überzeugte.

anabelaki
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Beitrag von anabelaki » 07.02.2013, 20:08

Herzlichen Dank für Eure Antworten.

Ja ich weiß, 350 Bewerbungen in 115 Tagen klingen unrealistisch und an den Haaren herbeigezogen.
Ich kann es selbst kaum fassen. Wenn ich jedoch in meinen Ordner schaue, in denen ich die Anschreiben einzeln abspeichere steht da heute 354.

Auch mein Freund konnte es nicht glauben.
Er ist bei meinem Bewerbungsprozess aktiv mit eingebunden und steht mir bei und hilft wo er nur kann.
Ich habe ja gerade deswegen kontroverse Diskussionen mit meinem Freund und meinen engsten Bekannten - 350 Bewerbungen? Da hätte ich doch schon mit Arbeitsverträgen übersäht werden müssen! Das ist genau das, was mich momentan so fertig macht!

Deine Bewerbungen können nicht 1a sein, sonst hättest Du schon längst einen Arbeitsvertrag.Denn wer über 1a-Bewerbungen verfügt, hat eine Quote von mindestens 1:4, d.h. auf 4 Bewerbungen kommt 1 Vorstellungsgespräch. Bei 350 Bewerbungen hättest Du dann ab die 90 Vorstellungsgespräche haben müssen; und ich bezweifele ein wenig, dass du so oft eingeladen worden bist.
Nein, so viele Vorstellungsgespräche hatte ich noch nicht. Oftmals kommt ja nicht mal eine Antwort auf meine Bewerbung.
Gerne kann ich dir meine Unterlagen per E-Mail oder PM anonymisiert zukommen lassen, nur möchte ich diese nicht öffentlich posten.
Ich habe meine Unterlagen (Textwahl, Design, Format) in den 115 Tagen mehrfach geändert und weiß mittlerweile nicht mehr, was ich noch besser machen kann.
Das zweite was mir auffällt: 350 Bewerbungen in gerade vier Monaten, also 90 pro Monat, d.h. Du musst Dich auf so ziemlich Alles beworben haben. Und das spürt ein Personalverantwortlicher; sowohl in den Unterlagen, als auch im Vorstellungsgespräch.

Bewerber, die klar wissen, welche Position sie wollen und sich auch entsprechend gezielt bewerben, sind die Bewerber, die ein Unternehmen auch haben will. Denn bei denen kann man eine höhere Motivation und leistungsbereitschaft erwarten, als bei den Bewerbern, die sich auf alles bewerben und damit signlisieren "Ich will einfach nur irgendeinen job!".
Sorry, ich verstehe nicht 100% was du meinst.
Ja, ich habe mich auf ziemlich alles beworben, was in meinem Pendler-Radius liegt, meiner Qualifikation entspricht und im Bereich Marketing/PR/Öffentlichkeitsarbeit liegt.
Im Grunde genommen erkenne ich bei allen Stellenanzeigen ein klares Muster. Jede Stelle erwartet dieselben Qualifikationen, hat ähnliche, wenn nicht so gar komplett gleiche Anforderungen.
Das ist eine Tatsache, die sich einfach aus Stellenanzeigen erlesen lässt.
Ich bin der Meinung, dass ich mein Anschreiben immer bestmöglich auf die Stellenanzeige anpasse – lasse mich aber hier gerne berichtigen. Ich will ja einen Job :-)

Was ich damit sagen möchte: natürlich achte ich darauf, dass mein Anschreiben und mein Lebenslauf passend zu der Stellenanzeige ist. Direkt gesagt: ich bewerbe mich mit meinem Background nicht auf eine Stelle als Bauingenieur.
Dennoch denke ich, dass ich das Anschreiben Individueller gestalten kann. Aber wie?
-Stellen spezifische Formalitäten - wie Adresse, Anrede, Betreff ist klar und selbstverständlich. In der Grußzeile schreibe ich in der Regel immer den Ort „Mit besten Grüßen nach xy,“. Hiermit möchte ich Individualität zeigen und nicht den üblichen Standardmist wie „Mit freundlichen Grüßen“ zeigen.
-Mein Anschreiben hat einen standardisierten Aufbau in Sätzen. Fachbegriffe und Anforderungen nenne ich im Anschreiben und passe diese individuell an.
-Das Ziel meines Anschreibens liegt darin, Interesse beim Unternehmen an mir zu wecken. Ich kann mit Standard-Anschreiben, die ich im Internet finde, nichts anfangen und so steche ich m.E. nicht aus der Menge heraus!
-Das zweite Ziel ist, meinen Lebenslauf interessant zu gestalten und zu zeigen, dass ich für die Stelle das nötige Know-How und auch Erfahrung habe
-und schlussendlich hänge ich meine Zeugnisse an, um diese Erfahrung + Know-How auch belegen zu können.
Hallo, also du ein Studium absolviert, welches fachlich eng mit solchen Stellenarten verbunden ist? Oder könntest du mit deinem Studienfach auch in andere Richtungen gehen?
Mach ich bereits. Ich hab Kommunikationswissenschaften und Rechtswissenschaften (da ein "Certificate of Higher Education") studiert. Mein Schwerpunkt ist klar Kommunikationswissenschaften. Im Marketing/PR-Bereich bewerbe ich mich u.a. auf Stellen im Projektmanagement.
Auf der anderen Seite hast Du ja Gespräche...
Ja. Und ich denke du hast hier Recht. Im Anschreiben denke ich trotzdem was ich oben geschrieben habe, dass ich intensiver und individueller auf die Firma (Referenzen, veröffentl. Projekte, etc.) eingehen könnte und vielleicht dann mehr Resonanz hätte.

Aber in den Gesprächen I kicked ass denke ich! Meine große Stärke ist das Kommunikative (ihr merkt es, weil ich so viel schreibe). In den Gesprächen bin ich auf Projekte und Referenzen eingegangen und hatte mit dem Personaler oder Fachleiter ein hohes Niveau erreicht. Es wurde nicht über oberflächliches Bla Bla geredet, sondern über Projekte gesprochen.
Schlussendlich denke ich, dass einfach kleine Macken die Entscheidung gegen mich getroffen haben.
Z.B. hatte ich ein Gespräch im Marketing einer großen int. Rechtsanwaltskanzlei in Frankfurt: das Gespräch lief wirklich gut und war eines meiner Besten, aber ich denke, dass sie jemand mit deutschem Studium in Rechtswissenschaften genommen haben.

Ich denke, dass ich meine Anschreiben individueller gestalten muss.
Dennoch bin ich für jedes noch so kleine Feedback dankbar, und wäre froh, wenn sich jmd. bereit erklärt mal 2, 3 Anschreiben zu prüfen :o

Noch was zum Schluss: ich würde die Anzahl von 350 Bewerbungen in 115 Tagen nicht erfinden um Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Wenn ich nach 20 Bewerbungen einen Job hätte, würde ich hier nicht posten, da ich mir dann bewusst wäre, dass meine Unterlagen OK sind und mein Auftreten im Vorstellungsgespräch überzeugt hat und ich Eure Hilfe und Euren Rat nicht benötige.

Es ist leider die außergewöhnliche Tatsache, dass ich bereits so viele Bewerbungen geschrieben habe!

Vielen Dank für Eure Mühe + Eure Zeit.

Irgendwerwo
Beiträge: 12
Registriert: 18.07.2012, 23:59

Beitrag von Irgendwerwo » 28.02.2013, 19:32

Und, haben dir die Tips geholfen und bist du mittlerweile an einen Job gekommen?

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