Abi unter schwierigen Bedingungen

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Darek
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Abi unter schwierigen Bedingungen

Beitrag von Darek » 04.07.2009, 23:09

Hallo zusammen,

ich habe dieses Jahr mein Abitur gemacht und fange im September meine Zivi an. Nun möchte ich mich um eine Ausbildung fürs nächste Jahr bewerben.
Ich schreibe euch hier an, da ich unter schwierigen, persönlichen, Umständen mein Abitur gemacht habe und mein Schnitt dementsprechend schlecht ist. Eigentlich sollte dies keine Erwähnung finden in einem Anschreiben, aber ich würde dem potenziellen Arbeitgeber gerne mitteilen, dass ich in einer schwierigen Situation mein Abi gemacht habe.
Was meint ihr? Ist es möglich sowas im Anschreiben zu erwähnen oder wird das dann eher als eine erste Entschuldigung für schlechte Leistungen angesehen und somit die Chance auf eine Einladung drastisch sinken lassen?
Ich hoffe das ihr meine Gedanken nachvollziehen und mir ein paar wertvolle Tipps geben könnt. :)

Gruß,Darek

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klarabella
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Beitrag von klarabella » 05.07.2009, 06:08

Wie sahen die schwierigen Bedingungen denn aus? Man könnte das eventell erwähnen, ich hätte da auch eine Idee, hängt aber davon ab, was das für Bedingungen waren.

Darek
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Beitrag von Darek » 05.07.2009, 09:28

Die erschwerten Bedingungen sahen so aus, dass ich zwei Todesfälle in der Verwandtschaft zu verarbeiten hatte.

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klarabella
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Beitrag von klarabella » 05.07.2009, 10:15

Okay, das kann und sollte einen aus der Bahn werfen, wenn man nicht aus Stein ist. Ganz normal. Nur wie verpacken wir das in deiner Bewerbung ohne dabei zu privat zu werden?

Zunächst wäre es gut folgendes zu wissen:

Welche Ausbildung strebst du an?
Wie sahen deine Zeugnisse vor dem Schicksalsschlag aus? Wie die Noten der Prüfungen? Wie schlecht waren sie also wirklich?
Welches waren deine besten Fächer?
Hast du Hobbys oder Extra-Aktivitäten, mit denen du Punkten kannst?

Beim Bewerbungen schreiben geht es vor allem darum, deine Stärken besonders herauszustellen und deine Schwächen möglichst nicht zu thematisieren. Man hat sie halt und kann daran in dem Moment nichts ändern, aber man muss sie nicht betonen.

In deinem Fall hieße das nicht weiter auf dein schlechtes Abitur einzugehen, sondern dich auf den Gedanken zu konzentrieren, dass du dein Abi trotz der privaten Umstände durchgezogen hast. Im Bewerbungsgespräch würde man dich dann ggf. auf die Noten ansprechen und deine Antwort sollte sie relativieren, nachdem du ohnehin schon in die engere Auswahl einbezogen wurdest.

In der Bewerbung selbst kannst du dein schlechtes Abitur relativieren, indem du der Bewerbung nicht nur dein Abschlusszeugnis (pro forma als Nachweis, dass du dein Abi geschafft hast), sondern auch 1 oder 2 vorhergehende Zeugnisse hinzufügst, die dein Potential möglicherweise besser wiederspiegeln.

Zudem hast du einen großen Vorteil: Du machst jetzt Zivi und Bewerbungen kannst du das ganze Jahr über schreiben, nicht alle Betriebe suchen so lange im Voraus. Das heißt, wenn du neben deiner Arbeit als Zivi Zeit hast, kannst du durchaus noch etwas unternehmen, um zu zeigen, dass dein Abitur einfach unter unglücklichen Umständen geschrieben wurde, indem du beispielsweise vhs-Kurse belegst, mit denen du die Wissenslücken füllen kannst. Zudem ist die Zivi-Zeit eine sehr glaubwürdige Auszeit vom Lernen, die dir ganz andere Dinge vermittelt.

Kopf hoch, so schlecht sieht es nicht aus, chancenlos bist du deshalb nicht.

edit: Tippfehler korrigiert.
Zuletzt geändert von klarabella am 05.07.2009, 12:57, insgesamt 2-mal geändert.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 05.07.2009, 12:38

... und ein super Zivi-Zeugnis ist natürlich direkt ein erster Hinweis auf Leistungsfähigkeit!

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Beitrag von klarabella » 05.07.2009, 12:56

FRAGEN hat geschrieben:... und ein super Zivi-Zeugnis ist natürlich direkt ein erster Hinweis auf Leistungsfähigkeit!
Das Naheliegende hatte ich ganz vergessen. FRAGEN hat damit natürlich absolut recht.

Darek
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Beitrag von Darek » 05.07.2009, 13:03

Vielen Dank erstmal für die Antworten.
Also ich strebe verschiedene Ausbildungen an. Ich hab mich nicht auf eine festgelegt. Mein Hauptaugenmerk liegt auf der Ausbildung zum Mediengestalter in Bild und Ton. Dafür mache ich momentan auch ein 2monatiges Praktikum. Ferner werde ich mich als Veranstaltungskaufmann, Luftverkehrskaufmann, Automobilkaufmann und bei der Polizei bewerben. Wie ihr seht, habe ich mich nicht auf eine Richtung beschränkt. Wichtig ist mir nur,eine gute Ausbildung zu bekommen.
Meine Noten waren vor dem Schicksalsschlag nicht vielll besser,daher kann ich mit den vorherigen Zeugnissen wohl kaum punkten. In den Prüfungen selbst habe ich in 2 von 4 Fächern komplett versagt. Einmal 2 und einmal 1Pkt. :( Am Ende hatte ich einen Schnitt von 3.5.
Meine besten Fächer waren Sport und Pädagogik lk. Diese helfen mir nicht unbedingt bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz in der Mediengestaltung.
Meinen Zivi mache ich in einem Kinderheim. Ein gutes Zeugnis wird dann schon positiv aus dem Lebenslauf hervorstechen,oder?
Extraaktivitäten mit denen ich punkten kann, habe ich kaum welche. Ich bin viel am arbeiten und habe 2 Punkte, die ich im Lebenslauf unter dem Stichwort "freiwilliges Engagement" schreiben kann.
Ob ich einen vhs-kurs zu meiner Zivizeit belegen kann,muss ich noch abwarten. Aber das ist definitiv eine gute Idee,vielen Dank schon Mal dafür.
Wie auch immer...im Anschreiben selbst gibts eigentlich keinen Platz für solche Informationen,stimmts? Schade eigentlich...

Im Bewerbungsgespräch sollte ich mich mit meiner Antwort meine Noten relativieren können...Das dachte ich auch. Letztes Jahr habe ich schon ein paar Bewerbungen abgeschickt und nach einem Einstellungstest wurde ich zu einem Gespräch eingeladen. Es ging um eine Ausbildung zum Automobilkaufmann. Dieses Thema hatte ich dann erwähnt, habe aber troztdem keinen Ausbildungsplatz bekommen. :/ Naja,kann auch daran gelegen haben,dass es mein erstes Gespräch war und ich natürlich noch recht nervös war.

Gruß,Darek

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Beitrag von klarabella » 05.07.2009, 13:39

Nimm dir das Vorstellungsgespräch nicht so zu Herzen, kommt Zeit, kommt Rat. Zum Beispiel solltest du bedenken, dass du nur dann eine Erklärung abgeben musst, wenn du gefragt wirst. Fragt keiner, spielt das Thema wohl keine so große Rolle und muss auch nicht angesprochen werden, meiner Meinung nach. Und hey, du hattest ein Vorstellungsgespräch, auch das ist bereits ein Erfolg, wenn auch noch nicht auf ganzer Linie. Start-Ziel-Siege sind bei Bewerbungen aber sowieso nichts, womit man rechnen sollte.

Übrigens, sehr viele Schüler fahren meiner Meinung nach folgende Taktik: Schule ist öde, alles auf halber Backe und gerade so zwischen 2 und 4 (eher 4) pendeln, je nach Interesse. Beim Abi wird die Note dann auf eine solide 2,5 - 3,0 gerissen. Wenn man im Abi dann nicht voll da sein kann, weil etwas unvorhergesehenes passiert, dann sitzt man halt ein bisschen in der Tinte. (Ich nehme mich davon nicht aus.)

Aber wie gesagt, kein Grund zur Verzweiflung. Es haben schon genug Leute mit schlechten Zeugnissen eine Ausbildung bekommen, auch wenn's vielleicht ein bisschen haariger ist.

Was an deiner Berufswahl auffällt, ist, dass du 3 total unterschiedliche Bereiche anpeilst. Das ist nach der Schule nicht ungewöhnlich. Oft wird ein Herzenswunsch, bei dem man sich nicht so gute Chancen ausrechnet, durch Vernunftentscheidungen flankiert.

Aber das wird schon, dass du gerade ein Praktikum machst, ist eine weise Entscheidung. Wenn du konkret eine Bewerbung schreiben willst, dann wird sich da sicher etwas ansprechendes basteln lassen.

Bis dahin hoffe ich, haben wir dir ein bisschen Mut gemacht.

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