Absage? Oder doch nicht?

Wie geht es weiter nach Absagen? Was kann daraus gelernt werden? Lass andere an deinen Erfahrungen teilhaben. Berichte über gute und schlechte Erfahrungen bei der Stellensuche.
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cambi
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Absage? Oder doch nicht?

Beitrag von cambi » 05.03.2011, 19:23

Hallo,

ich hatte mich bei einer Firma um die Stelle als telefonischer Kundenbetreuer (Call-Center inbound) beworben und bin auch zum Assessment-Center eingeladen worden. Dort habe ich mehrere Test sowie ein Persönliches gespräch hinter mich gebracht. Ich fand, dass alles sehr leicht war und ich die Aufgaben gut lösen konnte. Nach einiger Zeit bekam ich einen Brief von der Firma mit folgendem Schreiben:

"Sehr geehrter Herr XXX,

wir bedanken uns an dieser Stelle für Ihr Interesse an einer Mitarbeit in unserem Unternehmen und die Teilnahme an unserem Assessment-Center.

Wir haben einen positiven Eindruck von Ihnen gewonnen und können uns eine Zusammenarbeit mit Ihnen sehr gut vorstellen.

Leider haben wir kurzfristig nicht die Möglichkeit, Sie entsprechend Ihrer Fähigkeiten einzusetzen.

Mit Ihrem Einverständnis rechnend werden wir Ihre Unterlagen in unserem Unternehmen belassen und zum gegebenen Zeitpunkt auf Sie zurückkommen. Bis dahin bitten wie Sie noch um etwas Geduld.

Mit freundlichen Grüßen"


Was meint ihr hat das zu bedeuten? Bin ich zu überqualifiziert für ein Call-Center? Hab Abitur und eine Ausbildung hinter mir. Oder ist das eine Nett geschriebene Absage?

Bitte um Antworten

schattenmann
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Beitrag von schattenmann » 05.03.2011, 21:20

es geht um ein callcenter. die führen permanent personalselektionen durch. irgendwann bricht nämlich ein agent zusammen; wird wegen irgendwas entlassen, oder kündigt selber... dann brauchens sofortigen ersatz und rufen - in diesem falle: dich und andere aus dem AC - an ob du noch interesse hast.

das ist ein wartelisten brief; allerdings "warteliste auf ein freies headset".

überqualifiziert für's callcenter gibts nicht. ich hab maschinenbauingenieure am telefonieren gesehen, wie auch lehrabgänger, gymnasiasten, arbeitslose und studenten im nebenjob; bedenke einfach: wer sich dort bewirbt, ist eh verzweifelt und findet nichts mehr anderes... (resp. hat resigniert) und das werden sie dich spühren lassen. du wirst zur "human resource". und wirst aus erster hand erfahren was das WIRKLICH bedeutet.

das problem: warst du einmal im CC und kommst betriebsintern nicht dort raus - wirst du immerwieder auf's CC reduziert; egal wie deine qualis sind. was sich geändert hat. einmal callagent, immer callagent - oder schlimmeres.

gratis tip: such weiter, vor allem: such ausserhalb vom CC. geh nur dorthin wenn wirklich alle stricke reissen...

cambi
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Klingt einleuchtend

Beitrag von cambi » 05.03.2011, 22:10

Danke für die Antwort. Wusste nicht ganz was ich mit dem Brief anfangen soll. Natürlich bewerbe ich mich noch anderweitig, aber leider ist es schwer woanders arbeit mit einer Bürokaufmannsausbildung zu finden. Und zwischenzeitlich Geld zu verdienen ist besser als rumzusitzen.

schattenmann
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Beitrag von schattenmann » 05.03.2011, 22:15

ich hab genau so gedacht wie du, als ich mich als biologischer headsetwärmer verpflichtet habe. (auch inbound).

du wirst nur noch auf das reduziert danach. deine ausbildung; deine qualis. zählen nicht mehr - nur noch das du im CC warst. eben: du kommst betriebsintern aus dem CC raus (in eine andere funktion übernommen) oder du wirst dein leben lang nur noch im callcenter sitzen...

frage - du hast abi; hast du die tertiäre stufe mal bedacht? muss ja nicht uni sein - fachhochschule reicht ja auch (weniger theorie, mehr praxis)...

klar kommt so wenig bis kein geld rein (ausser du arbeitest nebenher) - aber im endeffekt zahlt es sich eher aus als im CC zu "überjobben"...

Cheryn
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Beitrag von Cheryn » 07.03.2011, 13:23

Ich würde auch sagen, dass das eine Art Warteliste ist.

Aber sag mal, schattenmann, stellst du das mit den CallCenter nicht ein bisschen zu schlimm da?
Ich arbeite seit zwei Jahren in einem und habe noch nie erlebt, dass bei uns in der Firma einer zusammen gebrochen ist. Gut, liegt vllt auch an den relativ guten Arbeitsklima in der Firma. (ja, es gibt nicht nur schlechte CallCenter)
Ich musste damals gezwungenermaßen in einen CallCenter anfangen.

Aber ist das wirklich so schlimm? Das es egal ist, was für eine Ausbildung man vorher gemacht und man von anderen potentiellen Arbeitgebern als "immer dummer Call Center-Agent" abgestempelt wird?

Ich mein, es ist eine Arbeit. Kommt doch immerhin besser an, als zwei Jahre arbeitslos anzugeben.
Bin jetzt ein bissel verwirrt über deine Aussagen.

schattenmann
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Beitrag von schattenmann » 07.03.2011, 13:34

@Cheryn

nein,
nicht wenn das CC "auf halde" selektiert.
schon gar nicht, wenn das CC - um gewisse rahmenverträge zu umgehen - als outsourcingpartner aufgebaut ist.
nicht wenn die agenten über personalvermittler dorthin kommen - und nicht als angestellte.
nicht wenn arbeitsbedingungen auf "arbeit auf abruf" sind, und man MA an die kandarre legt, indem man vorschreibt wieviele stunden zu arbeiten sind, aber den MA durch arbeit auf abruf klein halten kann vonwegen "du hast ja deine stunden nicht erreicht" und so...

ich war dsl-helpdesk in bound. 1,5 jahre. jetzt bin ich anwärter auf invalidenrente. ich kann nicht mehr in den kundenkontakt, halte ich nicht mehr aus. der 4 frontenkrieg (personalvermittler, einsatzbetrieb, auftraggeber kunde - und alle mit unterschiedlichen anforderungen an den callagent) hat mich zermürbt.

während meiner zeit dort wurden zwei agenten von der ambulanz abgeholt. herzinfarkt am arbeitsplatz. ein weiterer hatte auf dem arbeitsweg nen unfall; komplizierter beinbruch. nach 4 wochen KH kam er wieder - nur um seine fristlose kündigung (wegen einer bagatelle: er sei unzuverlässig, weil die personalabteilung kurzfristig umplanen musste) zu erhalten. der mann hatte familie.

nachdem ich 1,5 jahre lang dort telefoniert habe, mehrere tech-docs erstellt (die heute noch als schulungsunterlagen verwendet werden) und ausschlieslich positive kundenfeedbacks erhalten habe, wurde ich wegen "fehlenden technischen und sozialen kompetenzen" entlassen - ich war zwei wochen im KH. war nur etwas lebensgefährlich...

übertreibe ich mit den callcentern? nein. denn du hörst von fast allen das selbe. mir ist ein fall bekannt, da arbeitet eine person seit SECHS (6!) jahren im temp-verhälltnis dort; wie eine festangestellte. nicht etwa aus lohngründen, nein; offizielle begründung: damit man sie im falle eines falles schneller entlassen kann (kein bedarf ist für temporäre auch eine entlassung)........

wie immer: ausnahmen bestätigen die regel..

ok gut - man muss dazusagen:
es gibt auch solche die machen outbound weil es ihnen spass macht den leuten irgendwelchen quatsch anzudrehen, die haben keinerlei gewissensbisse oder probleme wenn sie von den genervten kunden angeschrien werden...

aber es nicht "nur eine arbeit" - ja ich verstehe was du meinst, dachte damals ja gleich. aber es ist ein schicksal; von dem du dich kaum noch befreien kannst...

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