Absagen aufgrund von Vorurteilen?

Wie geht es weiter nach Absagen? Was kann daraus gelernt werden? Lass andere an deinen Erfahrungen teilhaben. Berichte über gute und schlechte Erfahrungen bei der Stellensuche.
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Hellequin
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Absagen aufgrund von Vorurteilen?

Beitrag von Hellequin » 13.02.2013, 16:26

Hallo,

ich vermute, dass ich ein Problem habe, weiß allerdings nicht, ob mir überhaupt jemand helfen kann. Jedoch würde ich meine Geschichte trotzdem gerne erzählen.

Ende letzten Jahres beendete ich erfolgreich mein Studium ("was mit Medien") und bin seither auf der Suche nach einem Job. Bisher habe ich knapp 60 Bewerbungen geschrieben und hatte kürzlich ein Vorstellungsgespräch, bei dem die Antwort noch aussteht. Das finde ich, um ehrlich zu sein, extrem bedenklich und bin frustriert. Sowohl an meiner Bewerbung, als auch an meinen Qualifikationen ist soweit nichts auszusetzen, das wurde mir von mehreren, unabhängigen Quellen bestätigt (Uni, Arbeitsamt).

Problem scheint meines Erachtens mein Hobby zu sein, das ich während meines Studiums durch verschiedene Praktika zum Beruf gemacht habe. Und zwar beschäftige ich mich seit ca. 15 Jahren mit Videospielen und habe so bei verschiedenen TV- und Web-Produktionen meine Praktika absolviert.
Und ich vermute, dass es das ist, was meine potenziellen Arbeitgeber abschreckt. Wenn man nämlich keine Ahnung von der Materie hat, dann hat man wahrscheinlich die ganzen Vorurteile im Kopf, die in den Medien verbreitet werden (Amokläufe, Gewaltverherrlichung, Sucht, etc.). Bei meinen Bewerbungen habe ich bisher tatsächlich nur positives Feedback von Unternehmen aus eben der Gamesbranche erhalten. Unternehmen aus anderen journalistischen Bereichen sagen mir konsequent ab, wenn überhaupt eine Rückmeldung kommt. Dabei versuche ich dort schon, in meiner Bewerbung mein Praktikum im Print-Bereich (kein Gaming) in den Vordergrund zu stellen. Dass aber auch im Games-Bereich die Sendungen produziert werden müssen und das genauso harte Arbeit ist, wie andere Sendungen auch, wird offenbar vergessen oder ausgeblendet.

Zu meiner Person ist zu sagen, dass ich eine ganz normale junge Frau mitte 20 bin. Ich bin weder sozial abgekapselt, noch sitze ich den ganzen Tag im dunklen Keller und spiele Videospiele. Ich habe weitere, "normale" Hobbys (Tennis, Fotografie) und habe ein gepflegtes Äußeres.

Ich bin, ehrlich gesagt, mehr als frustriert. Dass die Medienbranche überlaufen ist, weiß ich. Aber dass nach 60 Bewerbungen nahezu nichts zustande gekommen ist, kann doch eigentlich nicht sein.

Habt ihr auch schon einmal solche oder ähnliche Erfahrungen gemacht? Gibt es vielleicht irgendwelche Tipps, die ich befolgen könnte?

Vielen Dank!

GutOderSchlecht
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Beitrag von GutOderSchlecht » 13.02.2013, 16:37

Man muss dazu sagen, dass Arbeitsamt alles i.O. findet, was der deutschen Rechtschreibung entspricht ;)

Grundsätzlich muss man natürlich gerade bei der Bewerbung im (professionellen) journalistischen Bereich ganz andere Bewerbungen schreiben, als wenn man sich im Gaming-Bereich (egal ob Print, online oder in der Entwicklung) bewirbt.

Wenn denen dein Schreibstil nicht gefällt, bist du raus. Das wird dir aber außer anderen Journalisten keiner sagen können, ob dein Stil der Branche entspricht. Hier gibt es auch große Unterschiede in welchen Bereich du dich wiederum bewirbst. Deshalb solltest du immer deine Bewerbung stark individualisieren und z.B. Beispielschreiben, die du beilegst, gut auswählen.

Mehr kann ich dazu jetzt nicht sagen.

Außer 20 Jährige Gamerbraut, lecker ;-)

Romanum
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Beitrag von Romanum » 13.02.2013, 16:57

Wenn du schon eine Spezialisierung hast, ist es doch am sinnvollsten, bei dieser Spezialisierung zu bleiben und in passenden TV- und Web-Produktionen, die eben auch Praktika anbieten, eine feste Stelle zu suchen.

Was hast du denn genau studiert und was für Stellen suchst du? Medien ist ein zu allgemeiner Begriff.

Hellequin
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Beitrag von Hellequin » 13.02.2013, 18:55

GutOderSchlecht hat geschrieben: Grundsätzlich muss man natürlich gerade bei der Bewerbung im (professionellen) journalistischen Bereich ganz andere Bewerbungen schreiben, als wenn man sich im Gaming-Bereich (egal ob Print, online oder in der Entwicklung) bewirbt.
Würde ich nicht pauschalisieren und finde ich auch nicht ganz richtig. Journalismus ist Journalismus, egal, ob Sport, Politik, oder eben Games. Allerdings ist mir schon klar, dass man beispielsweise eine Bewerbung an die FAZ anders schreiben muss als die an ein Gaming-Portal.
GutOderSchlecht hat geschrieben: Wenn denen dein Schreibstil nicht gefällt, bist du raus. Das wird dir aber außer anderen Journalisten keiner sagen können, ob dein Stil der Branche entspricht. Hier gibt es auch große Unterschiede in welchen Bereich du dich wiederum bewirbst. Deshalb solltest du immer deine Bewerbung stark individualisieren und z.B. Beispielschreiben, die du beilegst, gut auswählen.
Wie gesagt, man kann einen Schreibstil ja nicht auf die komplette Branche übertragen. Demnach müsste jeder Journalist den gleichen Stil haben.
Natürlich wird es Leute geben, denen mein Schreibstil nicht gefällt. Das ist ja ganz normal. Aber ich kann mir schwer vorstellen, dass er niemandem zusagt, zumal ich während meiner Praktika (auch außerhalb des Games-Bereichs) viel positives Feedback erhalten habe.

Und ja, meine Bewerbungen individualisiere ich natürlich schon stark.
Romanum hat geschrieben:Wenn du schon eine Spezialisierung hast, ist es doch am sinnvollsten, bei dieser Spezialisierung zu bleiben und in passenden TV- und Web-Produktionen, die eben auch Praktika anbieten, eine feste Stelle zu suchen.

Was hast du denn genau studiert und was für Stellen suchst du? Medien ist ein zu allgemeiner Begriff.
Genau in der Sparte wollte ich eigentlich nicht bleiben.

Studiert habe ich Medien-, Literatur und Kommunikationswissenschaften und wollte Redakteurin werden. Print, Online oder TV ist mir im Moment recht egal, wählerisch zu sein, kann ich mir auch nicht erlauben, nur sollte der Bereich stimmen (Politik z.B. wäre nichts für mich). Mittlerweile sehe ich mich aber auch im PR-Bereich um.

Romanum
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Beitrag von Romanum » 13.02.2013, 19:46

Wenn du die Vermutung hast, dass die Absagen hauptsächlich mit der expliziten Erwähnung von "Videospielen" zu tun haben, dann solltest du überlegen, ob du die Praktikumsbeschreibungen im Anschreiben und Lebenslauf nicht umändern könntest, mehr in Richtung "IT-Branche".

GutOderSchlecht
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Beitrag von GutOderSchlecht » 13.02.2013, 19:50

Hellequin hat geschrieben: Würde ich nicht pauschalisieren und finde ich auch nicht ganz richtig. Journalismus ist Journalismus, egal, ob Sport, Politik, oder eben Games. Allerdings ist mir schon klar, dass man beispielsweise eine Bewerbung an die FAZ anders schreiben muss als die an ein Gaming-Portal.
Ob du das richtig findest ist natürlich nicht entscheidend für die Branche.
Ich weiß nicht ob du mal Zeitungen gelesen hast. Aber da sollte auch dir auffallen, dass Sport und Politik vollkommen unterschiedlich geschrieben werden.
Dass das ganze noch mal von FAZ zu Spiegel sich ändert ist auch klar. Aber auch innerhalb dieser gibt es verschiedene.
Du brauchst mir das nicht glauben, aber vielleicht achtest du einfach mal mehr drauf und entdeckst das. (Seltsam eigentlich, dass dir das jemand von außen sagen muss, wo du doch eigentlich da drin steckst).


Wie gesagt, man kann einen Schreibstil ja nicht auf die komplette Branche übertragen. Demnach müsste jeder Journalist den gleichen Stil haben.
Das habe ich nie behauptet, ausnahmen gibt es immer. Aber als Ausnahme aufgenommen zu werden ist ungleich schwerer als jemand der sowieso passt. Außerdem gibt es nicht um sonst gute Redakteure und schlechte. Das ließt man auch und ein guter Redakteur ist das meist in einem Bereich.
Natürlich wird es Leute geben, denen mein Schreibstil nicht gefällt. Das ist ja ganz normal. Aber ich kann mir schwer vorstellen, dass er niemandem zusagt, zumal ich während meiner Praktika (auch außerhalb des Games-Bereichs) viel positives Feedback erhalten habe.

Und ja, meine Bewerbungen individualisiere ich natürlich schon stark.
Es mag blöd sein. Aber vielleicht hast du einfach pech gehabt und genau falsch individualisiert. Während der eine das eine gesucht hat, hast du das dem anderen geboten.
Es gibt leider unglaublich viele Möglichkeiten, woran es gelegen hat. Aber natürlich ist an sich der Journalismus nicht die einfachste Branche die du dir ausgesucht hast, weil viele die mal drei Sätze geschrieben haben, meinen zum Reporter geboren zu sein. Dem entsprechend ist es nicht leicht dort reinzukommen.
Mein Cousin hat Journalismus studiert und arbeitet heute an der Uni, da er in der Branche nichts bekommen hatte.
Genau in der Sparte wollte ich eigentlich nicht bleiben.

Studiert habe ich Medien-, Literatur und Kommunikationswissenschaften und wollte Redakteurin werden. Print, Online oder TV ist mir im Moment recht egal, wählerisch zu sein, kann ich mir auch nicht erlauben, nur sollte der Bereich stimmen (Politik z.B. wäre nichts für mich). Mittlerweile sehe ich mich aber auch im PR-Bereich um.
Ich sage mal so in der Not ißt der Teufel Fliegen. Du könntest natürlich über Spielesendungen im Fernseh/Internet in andere Branche rüber zu wechseln, wenn du nicht direkt reinkommst.

Hazet
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Beitrag von Hazet » 26.02.2013, 14:43

Das mit dem Hobby würde ich mal streichen.

Bei 60 Bewerbungen und nur einer Einladung zum Gespräch liegt es definitiv nicht daran bzw wenn nur zu einem kleinen Teil.

Du wirst anscheinen bei der ersten Auswahl direkt aussoritert,soll heissen:

bewirbst du dich auf die richtigen Stellen? wenn dort berufserfahrung 2- 5 Jahre gefordert wird oder es sich um eine Stelle mit Personalverantwortung handelt, bist du auf jedenfall falsch

sind deine Noten sind zu schlecht?

keine Berufserfahrung (sicherlich der Hauptgrund)

Mitte 20 ist für einige Jobs definitv zu jung (fehlende Berufs- und Lebenserfahrungen)

Irgendwerwo
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Beitrag von Irgendwerwo » 26.02.2013, 18:36

Hazet hat geschrieben:Das mit dem Hobby würde ich mal streichen.

Bei 60 Bewerbungen und nur einer Einladung zum Gespräch liegt es definitiv nicht daran bzw wenn nur zu einem kleinen Teil.

Du wirst anscheinen bei der ersten Auswahl direkt aussoritert,soll heissen:

bewirbst du dich auf die richtigen Stellen? wenn dort berufserfahrung 2- 5 Jahre gefordert wird oder es sich um eine Stelle mit Personalverantwortung handelt, bist du auf jedenfall falsch

sind deine Noten sind zu schlecht?

keine Berufserfahrung (sicherlich der Hauptgrund)

Mitte 20 ist für einige Jobs definitv zu jung (fehlende Berufs- und Lebenserfahrungen)
Stellenanzeigen für Akademiker ohne den obligatorischen Hinweis auf mehrjährige Berufserfahrung gibt es schlichtweg nicht. Dann kann man es mit dem Bewerben gleich ganz sein lassen.

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