Absagen, Nachhaken und Vorgesetzer bekannt als Nachtreter

Wie geht es weiter nach Absagen? Was kann daraus gelernt werden? Lass andere an deinen Erfahrungen teilhaben. Berichte über gute und schlechte Erfahrungen bei der Stellensuche.
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John33
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Absagen, Nachhaken und Vorgesetzer bekannt als Nachtreter

Beitrag von John33 » 18.11.2009, 12:40

Hallo zusammen,

nach einer Auszeit (1 Jahr, Familie/privates) bewerbe ich (Dipl.Inf., 32 Jahre) mich gerade recht erfolglos. Mein fachliches Können liegt eher im Umgang mit der IT als im Programmieren. Das schränkt die Jobauswahl schon ein.

Jetzt habe ich auf eine Stelle eine Ablehnung erhalten, ohne zuvor eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen zu haben. Das überrascht mich doch, da ich die geforderten Fähigkeiten zu 100% erfülle, ein gutes Arbeitszeugnis habe, die Unterlagen professionell genug sein dürften, und ich sofort verfügbar bin (telefonisches Vorabgespräch: Stelle soll ASAP besetzt werden). Zudem ist die Stelle erst vor kurzem veröffentlicht worden, da vermute ich geringe Bewerbungen bisher.

Frage 1:
Wie kann man sicherstellen, dass meine Suche nach einer neuen Arbeit nicht vom letzten Arbeitgeber torpediert wird?
Hintergrund:
Mein letzter Vorgesetzter war leider ein verbaler "Nachtreter". Das habe ich bei meinen vorher gegangenen Mitarbeitern erleben müssen und befürchte, dass er das auch bei Anfragen anderer Arbeitgeber macht. Ich habe entnervt selbst gekündigt, mein Arbeitszeugnis kam aber nur auf Vermittlung der Geschäftsführung zustande, die meine "Unfähigkeit" aufgrund meiner Kunden und Überstunden doch nicht glauben konnten.

Frage 2:
Im Stellenprofil heißt es: Hohe Leistungsmotivation - ist eine Auszeit und mglw. Eigenkündigung ein Problem dabei?

Frage 3:
Da die Stelle weiterhin vakant ist, will ich sobald als möglich telefonisch oder schriftlich auf die Absage reagieren und meine Fähigkeit, die Stellenanforderungen zu erfüllen, mitteilen. Welche Tipps könnt Ihr mir dazu geben?

Merci schon mal,
Johannes

schattenmann
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Beitrag von schattenmann » 18.11.2009, 17:52

ich weis nicht ob's gut kommt, wenn ich (der notorisch "keine stelle findender") dir tips gebe, aber denoch:

frage 1: mh - referenz absprechen, am besten mit der vermittelnden partei wenn möglich, da es mit dem ehem. vorgesetzten probleme gab; ansonsten: nicht als referenz angeben (wenn's schon mit dem zeugnis probleme gab)
frage 2: ich glaube eher die auszeit an sich ist das problem; arbeitslose haben's heute per se schwerer eine stelle zu finden; man sieht nur die lücke - der grund ist irrelevant, es gibt einfach ein angebotsüberschuss an "arbeitern", die pers.verantwortlichen können auswählen :-/
frage 3: auf alle fälle. anrufen, feedback bez. bewerbung fordern, fragen was du (an dir) verbessern könntest um in frage zu kommen - ev. hast du beim gespräch gleich gelegenheit "nachzudoppeln", bsp. wenn du die geforderte "stärke" hast, aber zuwenig rausgestrichen hast...

jedenfalls: viel glück bei der suche!

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ice_and_fire
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Beitrag von ice_and_fire » 18.11.2009, 19:06

schattenmann hat geschrieben:ich weis nicht ob's gut kommt, wenn ich (der notorisch "keine stelle findender") dir tips gebe,
wieso nicht?
Würde dir hier in vollem Umfang zustimmen. Nur 2 Dinge will ich ergänzen

1) Man kann ja einfach um Diskretion bitten. Ist eigentlich inzwischen Standard (in welchem Fall will ich schon, dass mein momentaner AG von meiner Wechselabsicht weiß) und sollte doch auch befolgt werden

3) Nachfragen kostet ja nix. Man sollte sich aber wirklich keine Hoffnungen machen. Wenn einer von 25 ne ehrliche Antwort rausrückt ist es ein Gewinn

John33
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Beitrag von John33 » 19.11.2009, 11:53

Ich werde mal telefonisch nachfassen. Das zeigt wenigstens meine Leistungsmotivation.

Schon nervig, dass man soviele Variablen hat, die einem das Bewerberleben verunsiche rn und schwer machen.

schattenmann
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Beitrag von schattenmann » 19.11.2009, 11:58

ich würd eher sagen:

nervig ist eher, das immer mehr variablen hinzukommen, und so das auflösen der gleichung immer schwerer wird...

(man siehts schon: mathematik, die universelle sprache; man kann sogar die arbeitslosigkeit damit ausdrücken ;-)

John33
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Beitrag von John33 » 19.11.2009, 16:28

Habe jetzt aufgrund einem Webhinweis einen Brief entworfen, da ich befürchte, dass ein Telefonat zu aufdringlich erscheint:
Sehr geehrte Frau XXX,

vielen Dank für schnelle Bearbeitung meiner Unterlagen. Mit sehr großem Bedauern nehme ich dabei den negativen Bescheid zur Kenntnis.

Erneut will ich auf diesem Wege meine äußerst hohe Motivation zum Ausdruck bringen, bei FIRMA ein produktives Teammitglied zu werden. Nach Stellen wie in Ihrer Ausschreibung beschrieben halte ich gezielt Ausschau, da mich der Umgang mit Daten und deren Management stets interessieren. In meinem bisherigen Werdegang zeichne ich mich dadurch aus, mich schnell in neue Aufgabengebiete einzuarbeiten. Dabei kommt mir entgegen, dass ich in allen von Ihnen geforderten Qualifikationen umfassende Kenntnisse besitze. Zudem sind mir die im Stellenprofil genannten Aufgaben durch meine Berufserfahrung - nicht zuletzt durch Schulung meiner Kunden - geläufig.

Die FIRMA reizt mich zudem besonders: Durch seine Größe und Organisation ist ein strukturiertes Umfeld gegeben, welches Qualität und Professionalität fordert und fördert. Überstunden sind für mich bei einer qualitäts- und kundenorientierten Arbeitsweise selbstverständlich. Durch die Lage in WOHNSITZORT bleibt trotzdem Raum für aktive Erholung und ein gesundes Familienleben.

Meine Bewerbungsunterlagen bereite ich natürlich stets mit größter Sorgfalt vor. Dennoch besteht immer die Möglichkeit, dass Sie Kritikpunkte bemerken oder wichtige Details vermissen. Daher bitte ich Sie um eine kurze Rückmeldung, gerne auch telefonisch. So können Sie fragliche Punkte zu meiner Person klären. Andererseits helfen mir die Informationen bei der Aufwertung meiner Unterlagen und der zukünftigen Arbeitssuche.

Mit freundlichen Grüßen,
Trotzdem bin ich nicht sicher, ob ein Telefonat nicht das bessere wäre. Geschweige denn, ob der Brief wirkt. Daher freue ich mich über jede Meinung.

John33
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Beitrag von John33 » 20.11.2009, 15:05

Beim Verfassen des Briefs nutze ich das alte Anschreiben als Vorlage. Mir ist gleich der unverzeihlichste Fehler überhaupt aufgefallen: Als Adressat (z.HD.) habe ich fälschlicherweise aufgrund vorhergehender Recherchen den Abteilungsleiter der betreffenden Abteilung genommen. Als Ansprechpartner jedoch richtigerweise die zutreffende Personalleiterin. So was ist mir in 15 Jahren nicht passiert. Das war vermutlich meine rote Karte.

Da ich nun den Kardinalfehler kenne - und angesichts der Forderung im Stellenprofil nach sehr genauem, qualitätsorientiertem Arbeiten - stellt sich die Frage, soll ich mich im Brief dafür entschuldigen, oder einfach weiter nach den Gründen fragen und meine Motivation bekräftigen?

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ice_and_fire
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Beitrag von ice_and_fire » 20.11.2009, 16:59

Einen Brief würde ich gar nicht schreiben. Hier geht deine Chance auf eine brauchbare Antwort wirklich gegen Null.
Wenn überhaupt dann telefonisch.

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FRAGEN
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Re: Absagen, Nachhaken und Vorgesetzer bekannt als Nachtrete

Beitrag von FRAGEN » 21.11.2009, 00:37

John33 hat geschrieben:Jetzt habe ich auf eine Stelle eine Ablehnung erhalten, ohne zuvor eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen zu haben.
Dir ist schon klar, dass dies eher die Regal als die Ausnahme ist?!?
John33 hat geschrieben:Das überrascht mich doch, da ich die geforderten Fähigkeiten zu 100% erfülle
Was macht Dich da so sicher? Es ist nicht gesagt, dass jede Wunschvorstellung des Arbeitgebers schwarz auf weiss den Eingang in das Inserat findet. Mancher stillschweigend vorausgesetzten Tatsache ist sich der Verfasser vielleicht gar nicht bewusst; andere erwähnt er vielleicht aus taktischen Gründen nicht... mal ganz abgesehen von reinen Stil- und Geschmacksfragen aller Art... ;-)
John33 hat geschrieben:Zudem ist die Stelle erst vor kurzem veröffentlicht worden, da vermute ich geringe Bewerbungen bisher.
Umso sicherer kannst Du m. E. sein, dass Du tatsächlich irgendwelche (möglicherweise nicht explizit genannten) Kriterien nicht erfüllt hast. Wenn die Dir JETZT (d. h. am Anfang des Besetzungsprozesses, wenn man noch gar nicht weiss, wo hinterher die Benchmark liegen wird!) schon absagen, muss die Abweichung von der Erwartungshaltung schon deutlich sein...

Ich würde mich auch gar nicht in irgendwelche Verschwörungstheorien hinein steigern. In aller Regel ist man anderen Menschen viel unwichtiger, als man glaubt. Es ist wirklich selten, dass jemand grosse Energie entwickelt, um einem zu schaden... ;-)

M. E. kannst Du nichts besseres tun, als Dich auf die Aspekte konzentrieren, die Du selbst in der Hand hast. Dazu gehört vor allen Dingen die Bewerbung selbst!

**mizi**
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Beitrag von **mizi** » 24.11.2009, 13:50

Vor allem hat es ja einen Sinn, wenn man diese Standardabsagen bekommt und dir keine Begruendung gibt.
Die Gefahr ist viel zu gross, dass man irgendwas sagt oder schreibt, was ein guter Anwalt als Diskriminierung auslegt. AGG machts moeglich.
Den zusaetzlichen Stress muss man sich als Arbeitgeber nicht antun, mal von dem Geld abgesehen und dem Imageschaden.

Wenn man eine Absag bekommt, ist das schade, aber nicht zu aendern. Da hilft auch kein netter Brief oder Telefonat, wenn man raus ist, ist man raus.

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