Ältere Bewerber...Chancen?

Wie geht es weiter nach Absagen? Was kann daraus gelernt werden? Lass andere an deinen Erfahrungen teilhaben. Berichte über gute und schlechte Erfahrungen bei der Stellensuche.
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stefan99
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Ältere Bewerber...Chancen?

Beitrag von stefan99 » 21.03.2012, 11:34

Hallo,

nachdem ich nun auch schon einige Zeit ein aktiver Bewerber bin möchte
ich hier kurz meine Eindrücke mitteilen - vielleicht ist es ja für den einen oder anderen hilfreich.
Ich bin 40 und komme beruflich aus dem Bereich Marketing. Nachdem ich schon u.a. bei zwei sehr großen Firmen gearbeitet habe, bin ich seit Juni 2009 ohne Job (unverschuldet). Natürlich habe ich die Zeit genutzt um mich weiterzuqualifizieren (Bereich Web). Die Arbeitsmarktlage war allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich gut, so habe ich mich selbständig gemacht.
Seit Januar versuche ich nun intensiv wieder eine Anstellung zu finden, zumal mir meine Arbeit bisher immer viel Spaß gemacht hat und ich die Selbständigkeit eher als "Notlösung" gesehen habe.
Meine Bewerbungsunterlagen habe ich mit einem Coach zusammen optimiert und wie ich finde sehr gut. Derzeit habe ich 52 Bewerbungen geschrieben, davon ca. 1/3 Absagen und 9 VG. Eigentlich garnicht so schlecht, aber für eine zweite Runde hat es halt noch nicht gereicht.
Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass die Kombination aus dem Alter und der doch schon relativ langen Zeit ohne Festanstellung ein "Killer-Kriterium" ist, wenn es um die Entscheidung für einen neuen MA geht. Die VG liefen eigentlich bisher immer ganz gut...sicher man macht immer mal was nicht ganz optimal, aber langsam deprimiert mich das etwas (gerade heute habe ich drei Absagen auf einmal bekommen :( )
Ich habe Familie, einen kleinen Sohn und bin aber trotzdem bereit mich bundesweit neu zu orientieren.
Eigentlich müsste ich ja noch gut 25 Jahre arbeiten....fragt sich nur wo.
Ich wünsche allen hier im Forum viel Erfolg bei euren Bewerbungen.

Grüße

Rhodus
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Beitrag von Rhodus » 21.03.2012, 14:22

Hallo stefan99,

auf jede fünfte Bewerbung ein Vorstellungsgespräch zu bekommen, ist zwar nicht überragend; aber sichlich auch keine Katastrophe. Wobei 52 Bewerbungen in drei Jahren auch nicht überragend viele sind.

Abgesehen von dem "vordergründigen" Alter gibt es aus meiner Sicht zwei Gründe für den ausbleibenden Erfolg.

Die Bewerbungen machen zwar einen guten Eindruck, präsentieren dich aber nicht so, wie Du tatsächlich bist. Da das im persönlichen Gespräch offensichtlich wird, ist nach der ersten Runde bereits Schluss. Denn man ist nicht an einem Bewerber interessiert, bei dem etwas offensichtlich nicht stimmt, so dass er sich schriftlich anders präsentiert, als er in natura ist.
Wer sich etwa schriftlich sehr selbstbewusst präsentiert, wird im Vorstellungsgespräch scheitern, wenn er dort eher schüchtern und zurückhaltend auftritt.

Unabhängig davon kann es natürlich sein, dass Du Dich im vorstellungsgespräch einfach nur schlecht "verkaufst". Gerade im Bereich des Marketings achten Personalverantwortliche natürlich auf die Selbstvermarktungsqualitäten des Bewerbers. Kann er sich selbst gut "verkaufen", sollte es ihm leicht fallen, auch fremde Produkte zu verkaufen.

Eine dritte Möglichkeit: der Bewerber soll sich beruflich verändern, hat es aber selber noch nicht erkannt. Kaum besinnt er sich auf das, was er tatsächlich machen soll, stellt sich umgehend der Erfolg ein.
Wir hatten vor zwei Jahren einen Kunden, Mitte 50, nachdem er auf Lehramt studiert hatte, war er anschließend im bankenbereich gelandet und ahtte dort fast 3 Jahrzehnte lang im Bereich der Vermögensanlage gearbeitet. Die Bankenkrise hatte ihn arbeitslos gemacht. Bewerbungen blieben erfolglos. Auf die Frage, was er denn gerne beruflich machen möchte, wenn er die Wahl hätte, meinte er, Lehrer. Drei Bewerbungen bei Schulen eingereicht; und er konnte sich dann zwischen zwei Schulen entscheiden, die ihn beide haben wollten.

Viele Grüße aus Duisburg

stefan99
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Beitrag von stefan99 » 21.03.2012, 15:21

Danke für die Antwort.
Die Bewerbungen schreibe ich erst seit Anfang Januar. Möglicherweise kommt es nicht so gut bei AN an, wenn man aus einer Selbständigkeit wieder zurück ins Angestelltenverhältnis wechseln möchte. In meinen VG habe ich das aber bisher immer ganz gut rübergebracht - so war zumindest mein Eindruck

Rhodus
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Beitrag von Rhodus » 21.03.2012, 15:43

Hallo stefan99,

ich denke eher nicht. Bei Deinen neun Einladungen wusste der Personalverantwortliche von Anfang an, dass Du aus der Selbstständigkeit kommst. Ergo kann das im Vorstellungsgespräch kein ko-Kriterium gewesen sein.

Das ko-Kriterium kann auch nicht das Alter gewesen sein, denn auch das war vorher bereits bekannt.

Viele Grüße aus Duisburg

laterne
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Beitrag von laterne » 24.03.2012, 20:12

stefan99 hat geschrieben:Danke für die Antwort.
Die Bewerbungen schreibe ich erst seit Anfang Januar. Möglicherweise kommt es nicht so gut bei AN an, wenn man aus einer Selbständigkeit wieder zurück ins Angestelltenverhältnis wechseln möchte. In meinen VG habe ich das aber bisher immer ganz gut rübergebracht - so war zumindest mein Eindruck
Also, Bewerber im fortgeschrittenen Alter haben-trotz guter Qualifikation- oftmals schlechte Karten!Warum?
Weil sie aufgrund ihrer langen Berufserfahrung auch die Betrügereien auf dem Arbeitsmarkt kennen und nicht alles mit sich machen lassen
Arbeitgeber bevorzugen lieber eine Ja und Amen Mentalität, sprich am liebsten Praktikanten und generell im Niedriglohnbereich!!! :wink:

Rhodus
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Beitrag von Rhodus » 25.03.2012, 08:18

Tja es sind halt diese bösen Arbeitgeber. Böse, böse, böse.

Die haben doch tzatsächlich den ganzen Tag über nichts besseres zu tun, als sich zu überlegen, wie man die Arbeitnehmer noch weiter ausnehmen kann.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 25.03.2012, 11:41

Rhodos hat geschrieben:Bei Deinen neun Einladungen wusste der Personalverantwortliche von Anfang an, dass Du aus der Selbstständigkeit kommst. Ergo kann das im Vorstellungsgespräch kein ko-Kriterium gewesen sein.

Das ko-Kriterium kann auch nicht das Alter gewesen sein, denn auch das war vorher bereits bekannt.
Sehe ich genauso... und um die "Ergos" fortzusetzen: Es würde mich bei Deinem (soweit ich das verstanden habe, ganz erfolgreichen?!?) Vorleben als Angestellter in grossen Firmen auch wundern, wenn mangelndes Selbstbewusstsein und/oder fehlende Überzeugungskraft per se das Problem wären. Hmmmm... was bleibt dann übrig?

Mal ins Blaue geraten: Ich könnte mir vorstellen, dass man eine klarere Vorstellung zur weiteren Entwicklungsrichtung von Dir erwartet hätte. M. E. müsste diese Zielsetzung eine der wichtigsten Fragen auf der Agenda der Leute sein, die Dich zu Gesprächen einladen. Kannst Du exakt beschreiben, wie Dein Wunschjob back als Angestellter aussähe? Und tust Du das in den Vorstellungsgesprächen?

stefan99
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Beitrag von stefan99 » 26.03.2012, 11:13

Ich sehe das etwas pragmatischer. Die "bösen bösen" Arbeitgeber sind es sicherlich nicht :wink:
Vielmehr ist es die Tatsache, dass ich nun nach einiger Zeit der Selbständigkeit wieder ins Angestellten-Verhältnis wechseln möchte und das eben optimal "verkaufen" muss.

Rhodus
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Beitrag von Rhodus » 26.03.2012, 11:27

Hallo stefan99,

verkaufen "musst Du nur dann etwas, wenn Du nicht wirklich dahinterstehtst, wenn Du eigentlich lieber noch selbstständig bleiben möchtest. Ist es aber so, dass Du einfach wieder zurück möchtest, Dir die Teamarbeit fehlt, das Miteinander, die Gespräche mit Kollegen, dann ist es Dein wunsch und kein Muss mehr; dann wird es jeder Personalverantwortliche auch spüren, wie sehr Du motiviert bist.

Viele Grüße aus Duisburg

stefan99
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Beitrag von stefan99 » 26.03.2012, 12:35

Hallo Rhodos,

genauso ist es auch. Insofern ist "verkaufen" vielleicht falsch ausgedrückt.
Es ist mein absoluter Wunsch wieder für ein Unternehmen zu arbeiten. Zwar haben meine bisherigen VG noch nicht zum Ziel geführt, jedoch weiss ich das ich auf dem richtigen Weg bin. Gerade heute habe ich ein sehr positives Feedback zu meinem letzten VG bekommen - letztendlich habe ich aber nicht ganz aufs Profil gepasst.
Mein Rat an alle die suchen: Laßt euch nicht entmutigen und fangt nicht an an euch zu zweifeln....ich weiss das ist schwierig, aber wer dabeibleibt und an sich glaubt wird früher oder später Erfolg haben. Letztendlich ist jedes VG ein Gespräch auf Augenhöhe. Der zukünftige AG will keinen "Bittsteller" vor sich sitzen haben, sondern einen gleichberechtigten Gesprächspartner.
Schließlich geht es um ein Geschäft....man bietet seine Arbeitsleistung an und findet im Idealfall einen gemeinsamen Konsens.

Rhodus
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Beitrag von Rhodus » 26.03.2012, 12:51

Hallo stefan99,

ich kann Dir da, vor allem, was das Vorstellungsgespräch betrifft, nur voll und ganz zustimmen.

Letztlich bekommt der Bewerber den Zuschlag, bei dem aus sicht des Unternehmens die Chemie am meisten stimmte, der am besten in das Team passte. Personalverantwortliche bestätigen, dass es letztlich eine reine Bauchentscheidung ist.

Bewerber sollten deshalb nur mit einer Zielrichtung in das Gespräch gehen: herausfinden, ob man sich dort "wohl fühlt", ob man sich gut vorstellen kann, dort künftig von morgens bis abends, fünf Tage die Woche, zwölf Monate im Jahr zu arbeiten. Entsteht im gespräch ein solch gutes Gefühl, wird es der Personalverantwortliche auch spüren. Und das kann dann den entscheidenden Ausschlag geben.

Viele Grüße aus Duisburg

Wisdom
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Hört sich doch fast gut an..

Beitrag von Wisdom » 02.04.2012, 13:53

Hallo stefan99,

zunächst einmal möchte ich Dich darauf hinweisen, dass Du mit 9 Vorstellungsgesprächen wirklich einen sehr guten Schnitt hast, dieses im Kontext zum Alter und der von Dir genannten Vita. Um nun einmal die Punkte anzugehen, folgende Erfahrung/ Meinung von mir:

Alter
Je nach Branche, bisheriger Tätigkeit und Spezialisierung bist Du de facto ab 40 aufwärts alt. Das ist zunächst einmal grundsätzlich nichts böses, aber in einigen Branchen, so z.B. der IT mit Sicherheit ein mögliches KO-Kriterium. Auch wenn die Interessenverbände und die Politik gerade hier den Eindruck propagiert und erwecken möchte, dass auch 50jährige Dank Fachkräftemangel problemlos wieder einen Job bekommen können, dem ist nicht so, dass ist eine Lüge.

Nun zu Deinem Alter:
Wer bei 50 Bewerbungen zu 9 Vorstellungsgesprächen eingeladen wird, bei dem kann das Alter kein KO-Kriterium gewesen sein. Wäre dem so, hättest Du keine einzige Einladung erhalten. Somit sehe ich Dein Alter hier schon einmal nicht als Grund an.

Mein Resümee
Basierend auf Deinen Aussagen kann man nur feststellen, dass sowohl Dein Alter als auch Deine Bewerbungsunterlagen scheinbar nicht das Problem sind. Was bleibt dann übrig? Tja, letztendlich nur das Vorstellungsgespräch. Entweder hat man durch Deine Bewerbung und Unterlagen ein Bild von Dir gehabt, sprich eine Erwartungshaltung der Du jedoch im direkten Gespräch nicht gerecht geworden bist, oder die Darstellung deiner Person, deine Erklärungen und Dein Auftreten konnten nicht überzeugen. Häufige Gründe dafür können sein:
- Erscheinungsbild passt nicht
- Man hat auf Fragen andere Antworten erwartet
- Man ist nicht überzeugt von den Aussagen oder dem Bewerber
- Man hat eine andere Persönlichkeit erwartet
- Der Gehaltswunsch ist zu hoch
- Man kommt nicht gut rüber(im Auge des Betrachters)
(Zu viel Negatives über die eigene Situation und die letzten Arbeitgeber etc.
zu erzählen kommt "immer" schlecht an, auch wenn es der Wahrheit
entspricht.)
- etc.

Tipp
Versuche die oben genannten Punkte einmal zu beleuchten, viele davon kannst Du beeinflussen. Dazu wäre vielleicht ein Coaching für Bewerbungsgespräche, relativ zu Deiner Vita sinnvoll. Was Du auch versuchen solltest, auch wenn die Chancen gering sind: Versuche bei den Gesprächspartnern zu erfahren, woran es gelegen hat. Das wird in der Regel schriftlich nicht erfolgen, sondern wenn, dann nur im Telefonat. Du kannst als Grund angeben, dass es Dir sehr wichtig ist dieses zu erfahren, um Deine Situation zu verbessern und Deine Chancen für nächste Gespräch zu erhöhen, deshalb wäre Dir der Grund wichtig, damit Du daran arbeiten kannst etc. ich denke von 3x, habe ich 2x eine ehrliche Antwort erhalten. Wichtig ist, die Antwort muss für Dich nicht unbedingt nachvollziehbar sein, da die Chemie und die Vorstellungen zwischen Menschen halt sehr unterschiedlich ist. Aber Du solltest dennoch Dein Tun & Handeln permanent hinterfragen, manchmal erfährt man Dinge die durchaus nachvollziehbar und somit berechtigt sind. Was Dir auch passieren kann ist, dass Du nach dem 3. Feedback vielleicht schon 2x das Gleiche gehört hast. Da scheint dann etwas dran zu sein, weil es somit ja schon fast einen objektiven Charakter hat.

Ist alles nicht ganz so einfach, wünsche Dir noch viel Glück… ich denke es sieht ganz gut aus bei Dir :D

Gruß,

Wisdom

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