Akademische Mitarbeiterin Bewerbung um eine Position an PH

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Welle
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Akademische Mitarbeiterin Bewerbung um eine Position an PH

Beitrag von Welle » 03.03.2010, 09:36

Liebes Forum,

ich stelle hier einmal die erste Version meines Bewerbungsschreibens ein, in der Hoffnung auf konstruktive Kritik und Hilfe. (Bitte zögert nicht; ich sollte die Mappe spätestens am Freitag abgeben)

Zum Hintergrund:
Ich bewerbe mich auf die Stelle eines akademischen Mitarbeiters am psychologischen Institut einer Pädagogischen Hochschule.

Die Stelle umfasst zu einem großen Teil Mitwirkung an der Lehre, weiter Betreuung der Studierenden bei Schulpraktika und Zulassungsarbeiten sowie „Dienstleistungen für das Fach“, z. B. Verwaltungstätigkeiten.
Ausdrücklich gefordert ist als Voraussetzung neben einem abgeschlossenen Psychologiestudium nur Erfahrung in der Lehre.

Da sieht es schon mal nicht gut aus; das Studium habe ich, aber überhaupt keine echte fachspezifische Berufserfahrung, sondern nur 2 Praktika und 2 längerfristige Honoraraufträge zu bieten sowie 2 Veröffentlichungen im Bereich Demenzdiagnostik. Die Praktika liegen schon lange zurück, enthalten aber das einzige, was tatsächlich in Richtung Lehrerfahrung geht.
Statt dessen habe ich ursprünglich eine juristische Ausbildung und war vor und während des späteren Studiums als Sachbearbeiterin in verschiedenen Justizbehörden tätig. Gegen Ende des Studiums bin ich als einzige Mitarbeiterin in den Betrieb meines Freundes – ein Versandantiquariat - gewechselt und dort hängen geblieben. 2008 habe ich dann zusätzlich mit der Honorartätigkeit angefangen.

Da ich ein schwaches Selbstbewußtsein habe, finde ich selbst den Text fast überzogen, sehe aber auch, dass er noch weit von einem knalligen Werbetext entfernt ist. Ich denke allerdings, dass bei der Bewerbung bei einer Behörde mehr Zurückhaltung angebracht ist als in der freien Wirtschaft. Außerdem möchte ich nicht den Eindruck erwecken, mangelnde Qualifikationen durch Prahlerei ausgleichen zu wollen.

Die kursiven Absätze in dem folgenden Anschreiben kennzeichnen die Passagen/Formulierungen, die ich am ehesten hinauswerfen würde oder für die ich Alternativen habe.

Bewerbung um eine Position als akademische Mitarbeiterin am Institut für Psychologie ab
01. April 2010
Ihre Ausschreibung auf Arbeitsagentur.de; Kennziffer 5/2010

Sehr geehrte Frau xxx,

da ich als Psychologin besondere Freude am wissenschaftlichen Arbeiten und der Vermittlung von Inhalten meines spannenden Fachgebiets habe, interessiert mich die genannte Stelle sehr. In dem entsprechenden Lehrangebot der Pädagogischen Hochschulen sehe ich außerdem eine entscheidende Schnittstelle bei der Umsetzung des wichtigen Transfers psychologischer Erkenntnisse in die schulische Praxis.

Neben der momentanen Hauptanstellung im Betrieb meines Lebensgefährten habe ich Honoraraufgaben übernommen, durch die mir stark bewusst wurde, dass ich meine Qualifikationen und Qualitäten mit dieser Haupttätigkeit nicht hinreichend nutze. Daher strebe ich eine berufliche Stellung an, die mich mehr fordert und befriedigt.

Im Rahmen meiner Praktika habe ich aufbauend auf einen Kursleiterschein Seminare zu einer Entspannungsmethode gehalten. In der Psychotherapeutischen Beratungsstelle für Studenten konnte ich weiter Erfahrungen in der Betreuung von Studierenden sammeln. Da mir systematisches Arbeiten besonders liegt, habe ich einen Teil dieser Erfahrungen vertieft durch die Beratung von Kommilitonen bei der Konzeption ihrer Diplomarbeiten. Die Honorartätigkeit, die die Erprobung eines computergestützen Leistungstests beinhaltete, gab mir die Gelegenheit zu diversen Projektvorstellungen vor größerem Publikum. Einen weiteren Auftraggeber habe ich bei der Planung und Durchführung eines (fachfremden) Workshops unterstützt und hierfür ein sehr positives Feedback erhalten. Im Hinblick auf die Übernahme von Verwaltungstätigkeiten sollten meine frühere Ausbildung und Berufspraxis von großem Nutzen sein, da ich mit formalen/bürokratischen Abläufen und der Rechtsanwendung besonders vertraut bin.

Auch wenn mein Werdegang nicht dem typischen Bild eines akademischen Mitarbeiters entspricht, bin ich daher überzeugt, die Fähigkeiten und Fertigkeiten zu besitzen, die für die ausgeschriebene Position relevant sind.
ALTERNATIV (vermutlich besser) :
Meine guten Leistungen und vielfältigen Erfahrungen zeigen, dass ich über die relevanten Fähigkeiten verfüge und es mir leicht fällt, vorhandene Fertigkeiten auszubauen und neue zu erwerben

Auf die Gelegenheit, mich in einem Gespräch näher vorzustellen, freue ich mich sehr.

(Name)

Anlagen …



Zum 1. Absatz:
- Kommen „Freude“ und „interessiert“ wirklich so schlecht? Mir gefällt der 1. Satz so eigentlich ganz gut.
- Der 2. Satz soll vermitteln, dass ich bei der Stelle eine sinnvolle, wichtige Aufgabe vor mir sehe – gelungen oder zu indirekt?

zum 2. Absatz:
- Dieser soll sagen, warum ich mich verändern möchte und schon einmal für den 3. Absatz die Honorartätigkeit einführen.
- Das mit dem „Betrieb meines Lebensgefährten“ vllt. erst in den Lebenslauf und im Anschreiben nur Hinweis auf eine fachfremde Haupttätigkeit?
- Insgesamt würde ich diesen Absatz gerne positiver formulieren.

zum 3. Absatz:
- Kann ich hier noch mehr Bezug zu der Stelle herstellen?
Zur Erläuterung: Das Beraten bei Diplomarbeiten ist nichts offizielles; finde ich allerdings ganz interessant im Hinblick auf die Betreuung von Zulassungsarbeiten, die die Stelle beinhaltet. Den computergestützen Leistungstest erwähne ich deshalb, weil (Leistungs)diagnostik ein relevanter Bereich an der PH ist.
- Was mache ich mit den kursiven Teilen?
- Wie könnte ich besser den Eindruck begründen, dass meine Justizerfahrungen für Verwaltungstätigkeiten relevant sind, obwohl ich nie direkt in der Verwaltung tätig war?

zum 4. Absatz: 2. Alternative besser?

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Knightley
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Beitrag von Knightley » 03.03.2010, 20:28

Den 1. Absatz finde ich soweit gut.
- Das mit dem „Betrieb meines Lebensgefährten“ vllt. erst in den Lebenslauf und im Anschreiben nur Hinweis auf eine fachfremde Haupttätigkeit?
Die Formulierung finde ich unpassend. Du solltest nur schreiben, als was du arbeitest bzw. was dein Arbeitsbereich ist. Dass der Betrieb dem Lebensgefährten gehört, ist unwichtig.

Außerdem solltest du bedenken: Antiquariat und Fachbibliothek sind vom Aufgabenbereich nicht so unterschiedlich. Da gibt es bestimmt eine Schnittmenge, die man noch positiver ins Anschreiben einbringen könnte.
Im Rahmen meiner Praktika habe ich aufbauend auf einen Kursleiterschein Seminare zu einer Entspannungsmethode gehalten.
Am Anfang des Absatzes etwas unpassend.
In der Psychotherapeutischen Beratungsstelle für Studenten konnte ich weiter Erfahrungen in der Betreuung von Studierenden sammeln. Da mir systematisches Arbeiten besonders liegt, habe ich einen Teil dieser Erfahrungen vertieft durch die Beratung von Kommilitonen bei der Konzeption ihrer Diplomarbeiten.
Ersteres war ein Praktikum von dir? Und die Beratung hast du in erster Linie für Bekannte/ Freunde gemacht, die auf dich zugekommen sind?
- Wie könnte ich besser den Eindruck begründen, dass meine Justizerfahrungen für Verwaltungstätigkeiten relevant sind, obwohl ich nie direkt in der Verwaltung tätig war?
Soweit finde ich diesen Teil eigentlich schon ganz gut.
zum 4. Absatz: 2. Alternative besser?
Beides noch nicht so überzeugend. Am besten eine Kombination aus beiden Alternativen.

Welle
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Beitrag von Welle » 03.03.2010, 23:37

Wow - Danke!
Knightley hat geschrieben: Dass der Betrieb dem Lebensgefährten gehört, ist unwichtig.
Ich halte es deswegen für wichtig, weil es ohne viel Worte darauf hinweist, wie ich auf die Idee kam, nach dem Studium weiter etwas so fachfremdes zu machen. (Und auch, wieso ich kein Zeugnis dazu beilege.)
Aber wahrscheinlich nehme ich das in den Lebenslauf statt in das Anschreiben.
Knightley hat geschrieben:Ersteres war ein Praktikum von dir? Und die Beratung hast du in erster Linie für Bekannte/ Freunde gemacht, die auf dich zugekommen sind?
Ja. Ich bin auf diese Verknüpfung gekommen, weil ähnliche Themen (z. B. Strukturierung von Aufgaben) auch in der Beratungsstelle relevant waren. Aber da privat, paßt es doch nicht so gut in die Bewerbung. Da sollte ich mir wohl etwas anderes einfallen lassen für mein "systematisches Arbeiten"

Welle
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Beitrag von Welle » 04.03.2010, 04:34

Da ich vor Aufregung sowieso nicht schlafen konnte und die Zeit drängt, habe ich nun eine hoffentlich bessere 2. Version ausgetüftelt.

In Kursiv sind weiterhin die Textteile, die ich überlege, wegzulassen. Mit Grün habe ich die Teile mit Alternativ-Formulierungen hervorgeheben. Den 2. Absatz finde ich noch zu umständlich; ich möchte aber alles drin haben und das in nicht mehr als 2 Sätzen.


Bewerbung um eine Position als akademische Mitarbeiterin am Institut für Psychologie ab
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Sehr geehrte Frau xxx,

da ich als Psychologin besondere Freude am wissenschaftlichen Arbeiten und der Vermittlung von Inhalten meines spannenden Fachgebiets habe, interessiert mich die genannte Stelle sehr. In dem entsprechenden Lehrangebot der Pädagogischen Hochschulen sehe ich außerdem eine entscheidende Schnittstelle bei der Umsetzung des wichtigen Transfers psychologischer Erkenntnisse in die schulische Praxis.


Neben meiner derzeitigen Anstellung in einem Versandantiquariat, die ich bereits in der letzten Studienphase in Teilzeit ausübte, habe ich Honoraraufgaben übernommen, welche mich dahingehend bestärkten, dass ich meine Qualifikationen und Qualitäten mit dieser Haupttätigkeit nicht hinreichend nutze. Daher strebe ich eine berufliche Stellung an, die mich mehr fordert und befriedigt.
ODER:
Seit Mitte 2008 habe ich nebenberuflich Honoraraufgaben übernommen, die mich dahingehend bestärkten, dass ich meine Qualifikationen und Qualitäten derzeit nicht hinreichend nutze. Daher strebe ich eine berufliche Stellung an, welche mich mehr fordert und befriedigt als meine derzeitige Haupttätigkeit in einem Versandantiquariat, die ich schon in der letzten Studienphase in Teilzeit ausübte.


Erfahrungen mit der Betreuung von Studierenden habe ich bereits in einem Praktikum bei der Psychotherapeutischen Beratungsstelle für Studenten (PBS) erworben. Da mir systematisches Arbeiten besonders liegt, konnte ich mich dort gerade auch bei Beratungen zur Strukturierung studienbezogener Aufgaben gut einbringen. In diesem und einem weiteren Praktikum habe ich Übungen zu der Entspannungsmethode „progressive Muskelrelaxation“ gehalten, für die ich mich in einem Kursleiterseminar qualifiziert habe. Durch meine Auftragstätigkeit hatte ich weiter die Gelegenheit zu diversen Projektpräsentationen vor größerem Publikum. In diesem Rahmen habe ich zuletzt die Konzeption und Durchführung eines (fachfremden) Workshops unterstützt und hierfür ein sehr positives Feedback erhalten. Für anfallende Verwaltungsarbeiten werden neben meiner jetzigen Berufspraxis vor allem meine langjährige Beschäftigung im Landesdienst als Rechtspflegerin von großem Wert sein, da ich mit formalen/bürokratischen Abläufen und der Rechtsanwendung bestens vertraut bin.

Auch wenn mein Werdegang nicht dem typischen Bild eines wissenschaftlichen Mitarbeiters entspricht, zeigen meine guten Leistungen und vielfältigen Erfahrungen, dass ich über die relevanten akademischen Fähigkeiten verfüge und es mir leicht fällt, bei der Übernahme neuartiger Verantwortungen vorhandene Fertigkeiten auszubauen und neue zu erwerben.

Auf die Gelegenheit, mich in einem Gespräch näher vorzustellen, freue ich mich sehr.

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Beitrag von Knightley » 04.03.2010, 21:22

Neben meiner derzeitigen Anstellung in einem Versandantiquariat, die ich bereits in der letzten Studienphase in Teilzeit ausübte, habe ich Honoraraufgaben übernommen, welche mich dahingehend bestärkten, dass ich meine Qualifikationen und Qualitäten mit dieser Haupttätigkeit nicht hinreichend nutze. Daher strebe ich eine berufliche Stellung an, die mich mehr fordert und befriedigt.
Die erste Version gefällt mir dann besser.
vor allem meine langjährige Beschäftigung im Landesdienst als Rechtspflegerin von großem Wert sein, da ich mit[/color] formalen/bürokratischen Abläufen und der Rechtsanwendung bestens vertraut bin.


"bürokratisch" hat ja einen etwas negativen Touch. Zu Recht. :wink: Aber ich weiß nicht, wie die Empfänger sehen, wenn man Verwaltungsaufgaben zu sehr als (unwichtige) Bürokratie ansieht.

Die andere kursiven Stellen finde ich eigentlich passend.

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