All-In Vertrag

Auch im Berufsleben steht man immer wieder vor Herausforderungen und Problemen. Die könnt ihr hier diskutieren.
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Alhyssa
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All-In Vertrag

Beitrag von Alhyssa » 12.06.2009, 15:04

Was haltet ihr von solchen All-In Verträgen oder Pauschalverträgen? Mir wurde bei einem Vortrag stark davon abgeraten, da solche Verträge angeblich durch die Wirtschaftskrise immer beliebter werden - v.a. weil der Firma keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Heute bin ich mit einer Firma konfrontiert worden, die nur solche Pauschalverträge anbietet. Keine Ahnung, ob das normal ist und ob ich für eine realistische Einschätzung einfach noch zu unerfahren bin, aber bei mir klang die ganze Konstellation nach "Abzocke". Zum Vorstellungsgespräch muss man einen 12-seitigen Fragebogen mitnehmen, in dem man u.a. sein ganzes Privatleben aufdecken soll und angibt, ob man Links- oder Rechtshänder ist (Kreativbranche). Man soll auch die Gehaltsvorstellungen bei 40h plus max. 12h Überstunden pro Woche (!) angeben. Die Firma schreibt auch, dass für sie nicht zählt, wie viel Zeit reingesteckt wird, sondern welches Produkt herauskommt.
Zusätzlich habe ich eine alte Version des Fragebogens von 2007 gefunden, in dem noch 40h plus max. 8h Überstunden/Woche angegeben wurde.

Geh ich recht in der Annahme, dass das ein Job ist, bei dem man für den Beruf lebt und keine Freizeit hat?

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ice_and_fire
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Beitrag von ice_and_fire » 12.06.2009, 23:48

mir ist noch nicht klar, was du unter einem All-In-Vertrag verstehst.

Dass es Vertragsvorlagen gibt, welche die Firmen immer wieder her nehmen ist ja eigentlich Gang und Gäbe.
Hier sind dann auch Arbeitszeit und Gehalt fest gehalten

Alhyssa
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Beitrag von Alhyssa » 13.06.2009, 00:36

Soweit ich das verstanden habe, sind bei All-In Verträgen alle Überstunden in der Vertragspauschale inkludiert, d.h. theoretisch könnte man 20 Überstunden pro Woche machen und trotzdem nicht mehr bezahlt bekommen als jemand, der Normarbeitszeiten hat (gesetzlich ist das etwas fairer angelegt, indem man sagt, man nimmt als Durchschnitt 20 Überstunden/Monat an und legt das All-In Gehalt anhand dessen fest - wenn die Überstunden weit drüber gehen, kann man eine Vergütung anscheinend auch nachfordern).

Mich wundert also, dass beim All-In Vertrag (der für mich einfach nicht rentabel erscheint, weil es einfach zu sehr nach "Arbeite so viel du kannst, mehr Geld bekommst du nicht" klingt) 20 Überstunden/Monat angenommen werden, aber bei diesem Pauschalvertrag 12 Überstunden/Woche gerechnet sind, was ja ungleich mehr sind.

Dass Arbeitszeit und Gehalt festgelegt sind, ist mir klar. Aber ich finde es bisweilen erschreckend, dass anscheinend wirklich schon als Norm angesehen wird, dass man regelmäßig Überstunden in diesem Ausmaß macht. Oder sehe ich das falsch?

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ice_and_fire
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Beitrag von ice_and_fire » 13.06.2009, 07:28

Also ich kenn das wie gesagt so, dass in Verträgen 40h/Woche angegeben sind (oder eben auf den Monat hochgerechnet) und dass entsprechende Jahresgehalt angegeben wird.
Meist gibt es dann noch die Klausel wie Überstunden gewertet werden. Z.B. als 125%
Über das Auszahlen oder Abfeiern einigt man sich doch meist sowieso individuell mit der Firma.

Dass ein Vertrag schreibt "12 Überstunde musst du wöchentlich kostenlos machen" hab ich zum Glück noch nicht gesehen.
Mag zwar grundsätzlich legal sein, so lange es die AN unterschreiben, aber das wäre eine prozentualer großer zusätzlicher Einsatz. Und; eigentlich muss ich ja dann das Gehalt/h neu herunterrechnen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es dann einige Verträge gibt, die so gar nicht zulässig sind, da sie z.B. zu weit unterm Tarifvertrag liegen.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 13.06.2009, 13:01

ice_and_fire hat geschrieben:Dass ein Vertrag schreibt "12 Überstunde musst du wöchentlich kostenlos machen" hab ich zum Glück noch nicht gesehen.
Es klingt ja noch härter (und gleichzeitig smarter):
Alhyssa hat geschrieben:Man soll auch die Gehaltsvorstellungen bei 40h plus max. 12h Überstunden pro Woche (!) angeben. Die Firma schreibt auch, dass für sie nicht zählt, wie viel Zeit reingesteckt wird, sondern welches Produkt herauskommt.
Einerseits ist der erste Satz nicht so tollpatschig, eine (arbeitsrechtlich ggf. schwierige) Regelarbeitszeit jenseits der 40 Stunden festzuschreiben; andererseits sagt der zweite, dass auch mit 52 Stunden das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht sein muss! Wenn das Arbeitsende durch das "Produkt" definiert wird, kann es auch 100 Stunden erfordern!

Womit wiederum nichts über die Umstände von dessen Zustandekommen gesagt sein muss. Will sagen: Die Gründe für die Überstunden müssen weder im Produkt selbst, noch in seinem Bearbeiter liegen, sondern können z. B. auch in betrieblichen Abläufen bis hin zu den Fähigkeiten von Vorgesetzten liegen...

Und dieser 12-seitige Fragebogen würde mich auch einmal interessieren. Die Schilderung im Ganzen klingt für mich schon beinahe sektenmässig...

Alhyssa
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Beitrag von Alhyssa » 15.06.2009, 16:10

Naja, ganz so sektenmäßig ist es nicht. Ein Großteil der Fragen des Fragebogens sind die, die typischerweise im Bewerbungsgespräch gestellt werden. Aber man lebt wahrscheinlich wirklich für die Firma (oder in der Firma ;)).

Ich würd dir ja den Link zur alten Version des Fragebogens schicken, allerdings finde ich den mittlerweile nicht mehr. Zumindest hat sich für mich bestätigt, dass der schlechte Ruf der Werbebranche nicht nur gerechtfertigt ist, sondern von manchen Firmen sogar übertroffen wird.

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