Aller guten Dinge sind drei?

Auch im Berufsleben steht man immer wieder vor Herausforderungen und Problemen. Die könnt ihr hier diskutieren.
Antworten
freakzzz
Beiträge: 19
Registriert: 02.11.2010, 17:00

Aller guten Dinge sind drei?

Beitrag von freakzzz » 11.07.2011, 23:46

Da habe ich seit vier Wochen knapp einen neuen Job (kaufmännische Angestellte für Abrechnung und Disposition im Medizinbereich) und den Eindruck mal wieder einen Griff ins Klo gemacht zu haben.

Kurz zu mir, ich bin Mitte 30 und gelernte Bürokauffrau mit diversen Weiterbildungen. Vor ca. 5 Jahren wollte ich mich weiterentwickeln, mehr Geld verdienen und meinen Job vertiefen im QM-Bereich und bin zu einem Konzern gewechselt, mit dem Ergebnis, dort fachlich total überfordert zu sein.

Das Vorstellungsgespräch und die INhalte der STelle entsprachen nicht dem, was es nachher in der Realität war. Wir haben uns zum Schluß auf eine Kündigung seitens Arbeitgeber geeinigt und ich habe nahtlos einen Job gefunden, in dem ich als Assistentin und für QM eingestellt war.

Dies war ein kleineres Unternehmen, stark im Wachstum und im Bereich neue Medien angesiedelt. Mich hat die Stelle gereizt und ich wollte nicht arbeitslos werden und habe diese angenommen.

Tja, leider wieder mit dem Ergebnis, daß ich nach kurzer Zeit vom Zeitdruck eines Projektes, in das ich eingespannt war, total überfordert war und die Vorstellungen bezgl. der Umsetzungen einer gewissen Struktur im Unternehmen dann nicht realisierbar waren.

Zum Schluß habe ich nur noch als Empfangsdame dort gearbeitet und dies auf TEilzeit, da mein Körper nicht mehr mitgespielt hat und ich nur noch krank war. Es passte von der Chemie her nicht.

So, dann war ich seit Anfang MÄrz arbeitslos und es hat nichts geklappt. Ich habe geschrieben, Gespräche gehabt, aber alles nur kleckerweise und nichts hat richtig geklappt.

Zum Schluß habe ich mich auf eine kleine Anzeige beworben, wo jemand gesucht wurde, der Abrechnung macht und Disposition. Da ich dachte, das kann ich lernen und auch kein Harz 4 bekommen wollte (ich hatte nur noch 2 Monate Anspruch auf Arbeitslosengeld), habe ich also meine Unterlagen hingeschickt und die Stelle auch bekommen.

Jetzt haben in dieser Firma 2 Kräfte aufgehört, die lange dabei waren und es ist total chaotisch. 2 Kollegen gehen auch am Woende arbeiten und bis um 12 nachts und ich habe das GEfühl, vom Regen in die Traufe gekommen zu sein.

Ich mache jetzt den ganzen Tag Telefon, von Dispo habe ich keinen Plan und diese Abrechnungsdinge mit den ganzen Fremdwörtern sind ein Buch mit 7 Siegeln für mich.

Der Chef bekommt in in gewissen Abständen Tobsuchtsanfälle und schreit rum und dann so böse Wörter die mit A... beginnen, genauso wie die Chefin.

Mein Vertrag ist nur auf ein halbes Jahr befristet und ich bin mir nicht sicher, was ich machen kann / soll.

Ich denke, ich warte erstmal ab, wie es sich entwickelt und dann werde ich es drauf ankommen lassen. Ich möchte keine Überstunden bis nachts um 12 machen. Das ist doch total banane.

Der letzte Job hat mir schon ne Magenschleimhautentzündung eingehandelt und Herzprobleme.

Wie geht Ihr mit solchen chaotischen Firmen um? Ist das mittlerweile normal? Gibt es keine Firma mehr, wo man um punkt nach Hause gehen kann und die Arbeit ist gemacht? Überstunden können ja mal vorkommen, aber doch nicht so extrem...

Ich bin ziemlich verzweifelt und habe den Eindruck von Job zu JOb zu schlittern und nicht läuft rund.

Benutzeravatar
Knightley
Bewerbungshelfer
Beiträge: 13520
Registriert: 16.03.2004, 18:52

Beitrag von Knightley » 13.07.2011, 02:00

Die Beschreibungen machen den Eindruck, als wenn du deine Arbeit viel besser und mit Spaß machen würdest, wenn (gerade auch am Anfang) du einen Kollegen hättest, der dich in die Arbeit einführt und dann auch lenkt, wie eine Führungskraft das machen sollte. Aber leider war das bei den letzten Stationen nicht der Fall.

Es geht sicherlich nicht in allen Unternehmen so chaotisch zu, aber das ist eben das Dilemma für beide Seiten, dass jede Seite in Stellenausschreibungen, Bewerbungen und Vorstellungsgespräche das Blaue vom Himmel versprechen kann. Daher musst du dir überlegen, wie du schlechten Unternehmen während des Bewerbungsprozesses auf die Schliche kommen kannst, z.B. durch gezielte Fragen im Vorstellungsgespräch (auch der Bewerber hat das Recht, alles zu hinterfragen) oder durch Betriebsführungen und Gespräche mit Mitarbeitern außerhalb der Personalabteilung.

Benutzeravatar
FRAGEN
Bewerbungshelfer
Beiträge: 12159
Registriert: 22.07.2006, 18:18

Beitrag von FRAGEN » 13.07.2011, 23:47

Unabhängig davon fällt mir aber auch auf, dass das Thema "fachliche Überforderung" sich genauso durchzieht wie die menschlich fragwürdigen Umfelder. Wie ging es Dir denn damals als "normale" Bürokauffrau? Dein Posting lässt sich zumindest auch so lesen, als ob die Schwierigkeiten in dem Moment begonnen hätten, in dem Du "Karriere" machen wolltest... ?!?

freakzzz
Beiträge: 19
Registriert: 02.11.2010, 17:00

Beitrag von freakzzz » 14.07.2011, 08:55

Oh, ich bin erstaunt, beide Antworten treffen den Punkt, ich brauche eine genaue Anleitung, sonst eier ich eben rum. Und der zweite ist, das das ganze Anfing, als ich mich entwickeln wollte, jetzt habe ich tausende Qualifikationen und für "einfache" Jobs bin ich überqualifiziert. In dieses QM Thema bin ich damals so reingerutscht über eine Stelle. Das hat mir Spaß gemacht, ich denke, das ließ sich aber auch nur so in dieser Firma umsetzen.

Ich mache mir heute mal GEdanken und werde mal heute oder morgen was posten dazu.

Benutzeravatar
FRAGEN
Bewerbungshelfer
Beiträge: 12159
Registriert: 22.07.2006, 18:18

Beitrag von FRAGEN » 15.07.2011, 01:03

In diesem Zusammenhang noch eine Frage am Rande: Hast Du schon darüber nachgedacht, Dich INITIATIV als ASSISTENTIN im QM-Bereich zu bewerben? Das wäre doch in Prinzip genau das, was Du jetzt willst und kannst - Dein neues Wissen für's Erste quasi in zweiter Reihe nutzen. Wenn Du Dich auf Stellen als Qualitätsmanagerin o. ä bewirbst, halte ich die Wahrscheinlichkeit für sehr hoch, dass sich Erlebnisse wie Deine letzten wiederholen. Bei solchen Stellen wird einfach jemand erwartet, der es aus dem Stand drauf hat...

freakzzz
Beiträge: 19
Registriert: 02.11.2010, 17:00

Beitrag von freakzzz » 15.07.2011, 16:56

Da überschlägt sich ja manchmal alles. Heute habe ich meine Kündigung bekommen inkl. Freistellung mit dem Hinweis, ich wäre fachlich nicht geeignet. Es wäre auch keine Zeit um mich anzulernen, es ist ein Experiment gewesen... Super Sache. Um mich herum nur Mitarbeiter vom Fach und ich als Laie, ganz tolle Sache. Ich habe mich vorher schon gefragt, warum ich angestellt werde, die da gar nicht aus dem Bereich kommt. Na, nächste Woche kommt eine neue Dame, die ist aus der Firma ausgeschieden und wieder zurück. Es war Urlaubssituation und wer weiß schon ob die nicht nur ne Urlaubsvertretung gesucht haben...

Ich hab nicht mal ne Abrechnung bekommen für den letzten Monat. Es gibt ja auf dieser Welt nichts mehr, was es nicht gibt. Da sagt mir die GF jaaa, also es wäre ja nicht schön, sowas zu machen usw. aber es wäre halt nicht anders zu machen. Am Anfang hieß es noch, vielleicht könnte ich ins Büro zu ihr, da war jetzt keinerlei Rede mehr von...

Blablabla, ich wäre ja noch die beste Bewerberin gewesen...lalalala. Na super und ich kann jetzt gucken, wie es weitergeht. Das Amt hätte mir ne Fortbildung gezahlt, die hab ich abgeblasen wegen der Stelle und am Montag kann ich mich dann erstmal wieder arbeitslos melden.

Das gibts doch gar nicht. Ich bin fassungslos.

Ich glaube, ich habe mich die letzten Jahre einfach über meine Kenntnisse hin beworben. Die Leute sehen in mir immer eine Powerfrau, ehrgeizig, packt an, teamfähig, ich engagiere mich, gehe alles an, bin gewissenhaft. Ja, und sowas kommt bei rum.

Jetzt werde ich das anders angehen und mal anders suchen was und mich anders orientieren. In Richtung Teilzeit, evtl. eine schöne Nebenbeschäftigung, die mir Spaß macht oder umgekeht.

Es muß doch mal was bei rumkommen.

Mehr morgen an dieser STelle. Ich muß das erstmal sacken lassen...

Benutzeravatar
Knightley
Bewerbungshelfer
Beiträge: 13520
Registriert: 16.03.2004, 18:52

Beitrag von Knightley » 17.07.2011, 16:58

Das ist ja eine nicht so schöne Entwicklung.

Aber nur alleine die Länge der Arbeitszeit ist doch noch keine Neu-Orientierung. :?: Wenn schlechte Chefs schlechte Jobs in Vollzeit und Teilzeit vergeben, dann hast du nichts gewonnen. :?

Vielleicht gibt es ja auch eine Möglichkeit, sich nicht so sehr bei profitorientierten Unternehmen, sondern in sozialen Einrichtungen zu bewerben, wo mehr der Mensch im Vordergrund steht. Dort ist das Arbeiten vielleicht etwas anderes, was mehr deinen zukünftigen Vorstellungen entspricht. Hier mal ein paar Job-Beispiele aus der Caritas-Jobbörse:

http://www.caritas-jobs.de/joboffer.asp ... d1aec68546

http://www.caritas-jobs.de/joboffer.asp ... 5d7170adda

http://www.caritas-jobs.de/joboffer.asp ... 7e9ad98ac3

freakzzz
Beiträge: 19
Registriert: 02.11.2010, 17:00

Beitrag von freakzzz » 19.07.2011, 12:41

Hallo, Danke für die kritische Hinterfragung. Das war eine Anregung von einer Bekannten, ob man vielleicht Teilzeit sich was sucht, womit man hauptsächlich das Geld verdient, das kann ja auch mal nicht so doll sein (ist aber zeitlich begrenzt) und man sucht sich dann als Zusatz etwas, was Spaß macht.

Teilzeit selber gefällt mir sehr gut, ich habe auch 3/4 Jahr eine 30 Stunden-Woche gemacht, von 8 - 14 Uhr und das war schon gut von der ARbeitszeit her. Man ist allerdings teilweise genauso aufgerieben, wie von einem 8 h oder mehr h Job.

Danke für die Links übrigens.

Ich bezweifele allerdings, das es im sozialen Bereich heutzutage auch sozial zugeht. Wo Geld fließt, ist heute immer auch Druck. Gerade im sozialen Bereich.

Eine stelle ohne Druck von 8 - 5 gibts doch heute gar nicht mehr oder sehe ich das jetzt verkehrt. Zumindest ist es das, was ich im Freundeskreis ebenfalls so höre...

Schatten26
Beiträge: 16
Registriert: 13.07.2011, 21:18

Beitrag von Schatten26 » 21.07.2011, 20:34

Ich glaube ganz eine Stelle ohne Druck ist ein wiederspruch in sich.
Ich sehe drei Dinge die du machen kannst:
a) An dir selbst arbeiten wie du mit Stress umgehst. Meine Mutter arbeitet auch in einem Unternehmen in dem es Phasenweise sehr, sehr stressig wird. Das hat sie krankgemacht bis sie andere Wege gefunden hat, mit dem Stress umzugehen.
b) Suche dir eine Stelle, in der du deine Fähigkeiten einbringen kannst, ohne total überfordert zu sein.
c) Bewerbe dich bei Firmen, die etwas strukturierter sind. Tendentiell also evtl. größere Unternehmen oder Behörden.
Das der soziale Bereich aber ruhiger ist, würde ich mir abschminken, gerade die Branche arbeitet immer mit 1-2 Stellen zu wenig, dass war zumindest mein Eindruck in den letzten Jahren.

freakzzz
Beiträge: 19
Registriert: 02.11.2010, 17:00

Beitrag von freakzzz » 25.07.2011, 11:32

Hallo Schatten,

ja, das denke ich in allen Punkten ebenfalls.

Wenn es so Ruhepausen im Job gibt, vielleicht saisonbedingt, dann ist das super für mich. Da kann ich dann auch nochmal auftanken.

Streß kann ich schon ab, wenn der Arbeitspegel dann evtl. sagen wir im Laufe des Tages mal abklingt oder halt im Jahr es bestimmte Zeiten gibt, in denen es ruhiger wird, ansonsten mache ich schon Pilates, fahre Rad, was man machen kann, um zu entspannen.

Ein Therapeut meinte mal, die verkehrte Firma kann man nicht wegtherapieren oder wegentspannen. Wenn gar nichts passt, dann kann man auch nix machen. Es muß zumindest entweder der Kollegenkreis stimmen oder die Arbeit Spaß machen oder oder, irgendwas muß passen:)

Antworten