Alter Arbeitgeber bankrott: Wie bei Bewerbung argumentieren?

Welche anderen Bewerbungsstrategien kennt ihr noch? Fragen dazu bitte hier reinschreiben.
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schaukelpferd
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Alter Arbeitgeber bankrott: Wie bei Bewerbung argumentieren?

Beitrag von schaukelpferd » 04.10.2013, 11:36

Liebe Bewerbungshelfer,

ich habe ein Problem und würde mich sehr über Hilfe freuen - vielen Dank schon einmal im Voraus.

Im Juli bin ich mit meinem Studium fertig geworden und hatte seit April die Zusage für einen Job. Im September habe ich diesen auch angetreten, dann hat sich jedoch sehr rasch herauskristallisiert, dass das Unternehmen finanziell am Boden kriecht - offiziell läuft allerdings noch kein Insolvenzverfahren. Deshalb habe ich, am letzten Tag meiner Probezeit, die Flucht ergriffen (in Österreich dauert die Probezeit maximal ein Monat und es ist sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer möglich, das Verhältnis von einer Sekunde auf die andere zu lösen). Mein Gehalt, das bereits am 30. September fällig gewesen wäre, habe ich bis jetzt nicht am Konto.

Nun muss ich mich also leider wieder bewerben. Nur: Was schreibe ich da jetzt am besten? Ich nehme an, potenzielle Arbeitgeber interessiert es, warum ich das Handtuch geworfen habe... Aber ich kann ja schlecht ausplaudern, dass das Unternehmen mehr oder weniger bankrott ist, solange da noch kein offizielles Verfahren eröffnet wurde? Ich möchte aber auch nicht den Eindruck erwecken, ich sei unzuverlässig (bin ich nämlich definitiv nicht!)...

Den Job gar nicht anzuführen, ist keine Option für mich. Erstens weil ich nicht seit Studienabschluss als arbeitslos erscheinen möchte und zweitens weil mir die Tätigkeit dabei helfen kann, zu unterstreichen, dass ich mich für einen bestimmte Branche besonders interessiere.

Danke!
schaukelpferd

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FRAGEN
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Re: Alter Arbeitgeber bankrott: Wie bei Bewerbung argumentie

Beitrag von FRAGEN » 04.10.2013, 14:06

schaukelpferd hat geschrieben:Den Job gar nicht anzuführen, ist keine Option für mich. Erstens weil ich nicht seit Studienabschluss als arbeitslos erscheinen möchte und zweitens weil mir die Tätigkeit dabei helfen kann, zu unterstreichen, dass ich mich für einen bestimmte Branche besonders interessiere.
Also... sooooo unmöglich finde ich diese Option nicht, wenn es sich gerade mal um drei Monate handelt... und diese sich unmittelbar an ein Studium anschliessen, wo ohnehin viele Leute längere Zeit suchen. Zumindest gäbe es bei dieser völlig "normalen" Variante keinerlei unerwünschte Fragen...

Die zweite Möglichkeit, die mir einfiele, wäre die Interpretation, dass es sich bei Deinem kurzen Gastspiel dort um eine Art von vornherein begrenzte Tätigkeit (ggf. projektbezogen?) gehandelt hätte, die nun quasi an ihrem natürlichen Ende angekommen ist. Damit hättest Du alles... sofern der Arbeitgeber zeugnistechnisch mitspielt... oder zumindest nicht explizit "entgegenspielt"...

Die Wirklichkeit lässt sich m. E. nicht positiv umschreiben: Eigenkündigung in die Arbeitlosigkeit aufgrund von Vermutungen/Gerüchten klingt im besten aller denkbaren Fälle unprofessionell. Und selbst wenn Du die Details weglässt: Schon allein die Tatsache, den ersten "echten" Job so schnell zu beenden (aus Arbeitgebersicht lange, bevor man sich als Anfänger ein qualifiziertes Urteil über Inhalte und Perspektiven dort bilden kann), ist eigentlich nicht wirklich erklärbar... mit heftigem Praxisschock nach universitärer Idealwelt vielleicht, wenn man es extrem gut mit Dir meint. Aber auch das klingt im Endeffekt weder positiv noch wahrscheinlich. Unter'm Strich wird man der allgemeinen Lebenserfahrung nach wohl am ehesten davon ausgehen, dass Du schlicht und einfach die Probezeit nicht bestanden hast... sodass es halt die andere Seite war, die am letztmöglichen Tag die Notbremse gezogen hat...

schaukelpferd
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Beitrag von schaukelpferd » 04.10.2013, 16:48

Hallo Fragen,

danke für die Antwort.

Ja, ich werd über's "Verschweigen" noch einmal scharf nachdenken... Hätte mir nur gedacht, es macht einen guten Eindruck, wenn man sieht, dass ich gleich nach dem Studium einen Job gefunden habe (eben weil viele lange suchen - und schlecht wäre die Tätigkeit eigentlich nicht gewesen). Aber es stimmt schon: Die Umstände sind nicht so wahnsinnig ideal...

Sonst wäre es tatsächlich eine Möglichkeit, dass ich so argumentiere, dass ich als Vertretung dort ein Monat gearbeitet habe - denn immerhin hatte ich die seltene Ehre, gleich fünf Vorgänger zu haben. Die hat der Chef alle gekündigt - hat sich wohl mit den Personalkosten verschätzt...

Aber vielleicht wird ohnehin sehr bald das Insolvenzverfahren eröffnet - ich habe bei der externen Lohnverrechnungsfirma angerufen und mich erkundigt, ob sie etwas über "mein" Unternehmen wissen. Da musste ich gleich am Anfang ein Missverständnis aus der Welt räumen: Die Dame am anderen Ende der Leitung hielt mich für eine Finanzbeamtin... Ich finde, das sagt sehr viel.

Gruß

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