Anschreiben länger als eine Seite

Hier besteht die Möglichkeit, über Anschreiben für die Ausbildung, für Praktika und für das Studium (Duales Studium, Universität, BA) mit anderen Mitgliedern zu diskutieren.
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julioprince
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Anschreiben länger als eine Seite

Beitrag von julioprince » 02.03.2016, 20:11

Hallo,

ich schreibe im Moment an meiner Bewerbung als Industriekaufmann.

Ich bin sogut wie fertig, allerdings komme ich auf mehr als eine Seite.

Ist dies überhaupt garnicht gerne gesehen oder kommt es immer auf den Personaler an, der die Bewerbung sichtet?

Romanum
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Beitrag von Romanum » 02.03.2016, 20:50

Wie viel Text steht auf der zweiten Seite, und warum ist das Anschreiben so lang geworden?

Für eine Ausbildungsbewerbung sollte eine Seiten Anschreiben ausreichen. Zwei Seiten sind prinzipiell möglich, aber werden tatsächlich nicht so gerne gesehen, weil es eben auch eine Fähigkeit ist, auf den Punkt zu kommen und die wichtigsten Fakten auszuwählen. Und Personaler wollen natürlich erst mal keine Romane mit Allgemeinheiten oder irgendwelche Erklärungen lesen. Also müsste ein Bewerber bei einem zwei-Seiten-Anschreiben schon verdammt gute Gründe dafür haben.

Denke daran: es geht in einem Anschreiben nicht darum, alles aufzuschreiben, was dich ausmacht bzw. was du erlebt hast.

julioprince
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Beitrag von julioprince » 02.03.2016, 21:01

Es sind nur einige Sätze, quasi die Schlussformulierung plus Anlagen.

Da ich Student im 12. Semester bin und ich mich umorientiere, habe ich dementsprechend ein wenig mehr zu "schreiben" als ein frischer Schulabgänger. Deshalb ist es für mich sehr wichtig, dass ich eine sehr sehr gute Bewerbung habe, da ich noch in diesem Jahr, falls es klappen sollte, eine Ausbildung anfangen möchte. Ich versuche keine gängigen Flosskeln zu verwenden, sondern eine individuelle Wortwahl zu finden, die sprachlich nicht 0815 ist.

katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag » 02.03.2016, 21:08

Stell doch mal das Anschreiben ein. Natürlich anonymisiert. Und die Anforderungen aus der Ausschreibung wären auch gut. Dann kann man das besser einschätzen.

julioprince
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Beitrag von julioprince » 02.03.2016, 21:35

Sehr geehrte Damen und Herren,


Innovationsfreude, Zuverlässigkeit, Qualität, Familienunternehmen – dies sind nur einige der Schlagwörter, welche ich auf Ihrer Firmenwebsite gesehen habe und welche mich überzeugt und beeindruckt haben. Über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit bin ich auf Ihre Ausschreibung für die Ausbildung zum Industriekaufmann aufmerksam geworden. Meine Neigung zu wirtschaftlichen Themen und Ihr Ansehen als ein international erfolgreiches und beständiges Unternehmen, welches eine ambitionierte Ausbildung anbietet, verleihen mir den Anreiz mich Ihnen zu bewerben.


Im Sommer 2010 habe ich die Fachhochschulreife, sowie den Titel des kaufmännischen Assistenten mit besonderem Fokus auf die Fremdsprachen erfolgreich erworben. Momentan studiere ich im zwölften Fachsemester Wirtschaft an der Westfälischen Hochschule. Da meine Stärken eher in der Praxis liegen und die nicht zeitgemäße Studienorganisation mich daran hindern meine optimale Leistung abzurufen, bevorzuge ich einen Arbeitgeber, bei dem ich die Theorie sofort in die Praxis umsetzen kann.


Im Rahmen meiner Ausbildung und meines Studiums konnte ich ein betriebswirtschaftliches Denken und Wissen entwickeln und stetig verbessern und erweitern. Umfangreiche Kenntnisse im Bereich des Rechnungswesens versetzen mich in die Lage anfallende Tätigkeiten zügig und fachkundig zu bearbeiten beispielsweise in Kosten- und Leistungsrechnung. Des Weiteren besitze ich ein breites Spektrum an betriebswirtschaftlichen Fachwissen, welches unter anderem in der Materialwirtschaft anwenden kann, sowie die Fähigkeit mich im internationalem Umfeld sprachsicher zu verständigen.

Aufgrund meiner Nebentätigkeit bei dem Caritas Verband Dxx und einem Auslandspraktikum in einem Einzelhandelsgeschäft in Großbritannien kann ich auf einen großen Erfahrungsschatz verweisen, welchen ich mir durch die von mir geschätzte Arbeit mit Menschen gewonnen habe.

Meine Arbeitsweise zeichnet sich durch einen hohen Grad an Selbstständigkeit, Ehrgeiz und Flexibilität aus. Zudem bin ich ein stets wissbegieriger Mensch und teamfähig.


Ich würde mich freuen, wenn ich mich Ihnen bald persönlich vorstellen und alsbald eine kommende erfolgreiche Epoche Ihrer Unternehmensgeschichte mitgestalten darf.




Auszubildender (m/w) zum Industriekaufmann

Ihre Ausbildung:
- Ausbildung in allen kaufmännischen Kernfunktionen
- Einblicke in die gesamten betriebswirtschaftlichen Geschäfts- und Ablaufprozesse eines produzierenden Unternehmens
- Planung, Durchführung und Kontrolle kaufmännischer Prozesse
- Selbstständige Mitarbeit im Tagesgeschäft
- Mitarbeit bei Projekten

Ihr Profil:
- Bis zum Ausbildungsbeginn erfolgreiches (Fach-)Abitur
- Ausgeprägtes Interesse an betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Prozessen
- Engagiert, lernwillig und wissbegierig
- Verantwortungsbewusstsein und sorgfältige Arbeitsweise
- Kontaktfreudiges Auftreten sowie Teamfähigkeit

Das erwartet Sie:
- Perspektiven für den beruflichen Start nach der Ausbildung und hervorragende Entwicklungschancen in einer dynamisch wachsenden Unternehmensgruppe
- Herausfordernde Aufgaben mit viel Eigenverantwortung
- Große Freiräume für eigene Ideen

Romanum
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Beitrag von Romanum » 02.03.2016, 22:54

Es sind nur einige Sätze, quasi die Schlussformulierung plus Anlagen.

Das ist dann aber sehr ungünstig. Du solltest überlegen, wie du Platz schaffen könntest:

- Anschreiben kürzen

- kürzere Absätze zusammenfassen, um eine Leerzeile zu "sparen"

- Anlagenvermerk auf ein Deckblatt (oder eigenständiges Anlagenverzeichnis bei vielen Anlagen)

- Absenderangaben in einer einzeiligen Kopfzeile

- Seitenabstände etwas minimieren

- andere (kurz laufende) Schriftart wählen

- andere Schriftgröße wählen

- eventuell Silbentrennung verwenden

julioprince
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Beitrag von julioprince » 02.03.2016, 23:21

Dankeschön.

Werde mich morgen damit beschäftigen.

Wenn wir schon mal dabei sind. Art und Weise der Formulierungen und Aufbau sind auch in Ordnung oder gibt es noch gravierende Verbesserungsvorschläge?

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 03.03.2016, 00:08

julioprince hat geschrieben:Innovationsfreude, Zuverlässigkeit, Qualität, Familienunternehmen – dies sind nur einige der Schlagwörter, welche ich auf Ihrer Firmenwebsite gesehen habe und welche mich überzeugt und beeindruckt haben. Über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit bin ich auf Ihre Ausschreibung für die Ausbildung zum Industriekaufmann aufmerksam geworden. Meine Neigung zu wirtschaftlichen Themen und Ihr Ansehen als ein international erfolgreiches und beständiges Unternehmen, welches eine ambitionierte Ausbildung anbietet, verleihen mir den Anreiz mich Ihnen zu bewerben.
Den Absatz kannst du schon mal ersatzlos streichen. Dass du dich bewirbst, steht im Betreff, Interesse wird vorausgesetzt, Fundort der Stellenanzeige kommt ebenfalls in den Betreff und der Rest ist Lobhudelei. Du sollst dich bewerben, nicht das Unternehmen!

Im Sommer 2010 habe ich die Fachhochschulreife, sowie den Titel des kaufmännischen Assistenten mit besonderem Fokus auf die Fremdsprachen erfolgreich erworben. Momentan studiere ich im zwölften Fachsemester Wirtschaft an der Westfälischen Hochschule.
Steht alles im Lebenslauf!
Da meine Stärken eher in der Praxis liegen und die nicht zeitgemäße Studienorganisation mich daran hindern meine optimale Leistung abzurufen, bevorzuge ich einen Arbeitgeber, bei dem ich die Theorie sofort in die Praxis umsetzen kann.
Die typische Ausrede aller Studienabbrecher. Angesichts der hohen Semesterzahl scheinst du auch eher zwangsexmatrikuliert zu werden, ansonsten ist der Wechsel vom Studium in die Ausbildung zu diesem Zeitpunkt kaum zu verstehen. Ein Personaler könnte sich hier verschaukelt vorkommen.
Im Rahmen meiner Ausbildung und meines Studiums konnte ich ein betriebswirtschaftliches Denken und Wissen entwickeln und stetig verbessern und erweitern.
Umfangreiche Kenntnisse im Bereich des Rechnungswesens versetzen mich in die Lage anfallende Tätigkeiten zügig und fachkundig zu bearbeiten beispielsweise in Kosten- und Leistungsrechnung. Des Weiteren besitze ich ein breites Spektrum an betriebswirtschaftlichen Fachwissen, welches unter anderem in der Materialwirtschaft anwenden kann, sowie die Fähigkeit mich im internationalem Umfeld sprachsicher zu verständigen.
Aufgrund meiner Nebentätigkeit bei dem Caritas Verband Dxx und einem Auslandspraktikum in einem Einzelhandelsgeschäft in Großbritannien kann ich auf einen großen Erfahrungsschatz verweisen, welchen ich mir durch die von mir geschätzte Arbeit mit Menschen gewonnen habe.
Hast du dir das gut überlegt nach einer abgeschlossenen Ausbildung und 12 Semestern noch mal in die Ausbildung zu gehen? (S.o.)

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 05.03.2016, 10:31

Ich würde ebenfalls sagen, dass dieser Inhalt unter keinen Umständen einen echten "Zweiseiter" abgibt, bei dem der Leser abschliessend denken könnte, dass die Lesezeit gut angelegt gewesen wäre. Interessant sind eigentlich nur der dritte und (mit Einschränkungen) der vierte Absatz. Alles Andere würde ich derzeit als wirkungsneutral bis kontraproduktiv einstufen - insbesondere die Begründung für den Studienabbruch. Die wäre zu einem frühen Stadium des Studiums schon oberflächlich und unterschwellig arrogant... nach 12 Semestern allerdings vollkommen lächerlich.

Auch deshalb würde ich mich der letzten Frage meines Vorredners anschliessen: Was genau versprichst Du Dir davon, nach 6 (!) Jahren die gleiche (!) Ausbildungsrichtung noch einmal "in klein" anzugehen? Die Frage nach der tatsächlichen Begründung zu diesem Schritt würde Dich vermutlich ein komplettes Berufsleben lang begleiten... und von jedem einzelnen Personalentscheider auf's Neue mit spontanem Unverständnis begleitet sein. MEHR Zeit für WENIGER Abschluss/Perspektive und OHNE erkennbaren Mehrwert an irgendeiner anderen Stelle... das klingt einfach nicht nach einem guten Geschäftsmann. Wenn ich ein Kaufmann wäre und ein Unternehmen hätte, wäre mir ein solcher Angestellter an der operativen Front unheimlich...

julioprince
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Beitrag von julioprince » 05.03.2016, 18:20

Ich danke Euch erstmal für eure Antworten!

Jedoch finde ich, die von Euch getätigkeiten Aussagen, ein wenig unter Gürtellinie.

Ich meine es nicht böse, allerdings finde ich es schon unfair:

Wenn Ihr so Spezis seid, wie soll ich dann Eurer Meinung nach folgendes in eine Bewerbung packen :

Seit dem 4. Semester habe ich mich um einen schwerkranken Elternteil gekümmert. Ich habe versucht das Studium und diese Situation unter einen Hut zu bekommen - klappte nicht. Aufgrund des Todes war ich nicht in der Lage das Studium fortzuführen. Nach 2 Jahren Pause habe ich versucht, doch es war aussichtslos, da ich zu viel verpasst habe und ich kein Ende gesehen habe.

Wie soll ich das bitteschön in einem Anschreiben positiv niederschreiben?

Ich habe mir sehr wohl Gedanken gemacht und versucht das beste aus der Lage zu machen.

- die erworbenen Kenntnisse im Studium nutzen um sich komplett neu zu orientieren. Was wäre da besser, als eine Ausbildung, in der man noch eine zweite Chance bekommt.

katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag » 05.03.2016, 18:41

Die Pflege und den Todesfall hattest Du bisher nirgends im Forum erwähnt, oder sehe ich das falsch? Natürlich kannst, darfst und solltest Du damit in Deiner Bewerbung anders argumentieren - aber die Fragen, die Dir gestellt wurden, mit denen musst Du im Berufsleben auch rechnen. Darüber werden Personaler solange „stolpern “, bis Du Chef in Deinem eigenen Betrieb geworden bist.

julioprince
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Beitrag von julioprince » 05.03.2016, 18:53

Nein, in diesem Thread noch nicht. Es tut mir Leid, wenn ich ein bisschen gereizt bin, aber es ist eine Herzensangelegenheit.

Bei einem Vorstellungsgespräch käme sicherlich die Frage, wieso so spät und alles. Da könnte ich normal argumentieren und alles erörtern.

Nur bis dahin zu kommen ist der Knackpunkt, weshalb ich eine "perfekte" Bewerbung erarbeiten möchte.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 05.03.2016, 20:07

Am Ende des Tages sind wir alle nur Menschen. Du bist vielleicht gereizt, weil Du eine (wenngleich NICHT erwähnte) Herzensangelegenheit nicht gewürdigt findest. Aber es ist Dein erster Thread hier - und zwar einer in eigener Sache. Das ist auch nichts Böses. Wenn wir jetzt einmal dabei sind, uns in andere Leute hinein zu versetzen: Was glaubst Du, wie es für Leute ist, die sich hier ausschliesslich um die Probleme ANDERER kümmern... und über die Jahre wieder und wieder und wieder den immer gleichen Ablauf erleben: So gut wie NIE beginnt irgendein Fragesteller mit einer Schilderung der Situation, auf deren Basis sich vernünftig arbeiten liesse! Die Bewerber starten hier immer mit der Spitze des Eisbergs... und holen die eigentlichen 90% dann Stück für Stück hervor... immer nur das vermeintlich "Allernötigste" nach dem dritten Nachhaken... wie Angeklagte vor Gericht, die an jedem Verhandlungstag exakt den Teil der Tat zugeben, zu dem die lückenlose Beweiskette auf dem Tisch liegt...

Du, der Du jetzt kurz vor Ende der ersten Threadseite mit diesen Werdegangsdetails um die Ecke kommst, hast ursprünglich nur gefragt, ob eine zweite Seite "zulässig" ist... was in diesem Fall nicht einmal die Oberfläche der Problematik berührt! Dieses Vorgehen ist so unfassbar ineffektiv und so unglaublich ermüdend, wenn man es in der Rolle des Hilfestellung Gebenden 1000 x erlebt hat...

Diese erste Frage war sofort beantwortet... und zu der Folgefrage nach Kürzungspotentialen ist ebenfalls weder in handwerklicher noch in inhaltlicher Hinsicht irgendetwas offen. Der unverlangte Hinweis, dass die eigentliche Frage an anderer Stelle liegt, ist nach wie vor extrem relevant... denn wie katerfreitag schon sagte: Das, was wir uns hier auf Basis der bis dato verfügbaren Informationen denken, wird sich auch jeder andere mit ebendiesen Informationen denken... nur niemand sonst so freundlich...

Charlie Schmidt
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Beitrag von Charlie Schmidt » 06.03.2016, 00:10

Dann also auf ein Neues ... :)

Erzähl doch mal mehr von Dir und gib uns einen Überblick. Seit dem vierten Semester hast Du ein Elternteil gepflegt - wie lange hat das gedauert? Das kannst Du auf jeden Fall im Lebenslauf angeben! Dann folgten zwei Jahre der Trauer? Hast Du Dich durch irgendwas abgelenkt, was sich im Lebenslauf erwähnen ließe? Wann war diese Phase zu Ende? Wie lange hast Du Dich der Wiederaufnahme Deines Studiums gewidmet? Ist der Zug wirklich abgefahren oder würde der Schritt in ein jüngeres Semester eventuell mit der Ausbildungszeit korrelieren?

Du könntest Dich auch ans Arbeitsamt wenden, dort soll es tatsächlich sehr gute Umschulungen für Studienabbrecher geben! Versuch das mal!

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 06.03.2016, 01:14

@Julio,

der Tod deines Elternteils ist für wirklich jeden ein nachvollziehbarer Trauergrund. Und die Pflege eines Elternteils ist auch für jeden ein nachvollziehbarer Grund, warum irgendetwas im Leben während dieses Zeitraums nicht so geklappt hat, wie geplant.

Aber....

Aber es ist nun mal so, dass das in ein Anschreiben nicht hineingehört. In ein Anschreiben gehören plausible Gründe, warum man dich einstellen soll. Du kannst aus der Pflege und/oder Trauerarbeit plausible Argumente für deine Einstellung begründen? Prima, nimm's auf. Du kannst es nicht? Dann lass es. Aus Mitleid stellt dich keiner ein.
Die Pflege des Elternteils kommt in den Lebenslauf.

julioprince
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Beitrag von julioprince » 06.03.2016, 16:26

Dann entschuldige ich mich erst mal an dieser Stelle! :)

Also 2010 habe ich ein Studium im Bereich International Management angefangen. 2012 konnte ich aufgrund der Pflege nicht mehr konstant das Studium fortsetzen. Nach dem Tod 2013 habe ich erst versucht durch einen Wechsel ins Studienfach "Wirtschaft" weiter voran zu kommen, doch aus emotionalen und psychischen Gründen konnte ich es nicht.

Wie wäre denn die beste Möglichkeit, die Pflege im Lebenslauf zu erwähnen?

- Pflege eines schwererkrankten Elternteils? Bspw?

Im letzten Jahr fing ich an mein Leben umzukrempeln.

Mit dem Auszug aus dem Elternhaus, welches ich ab dem Tod alleine bewohnt habe, und einer Tätigkeit als Kommissionierer, welche mir mehr und mehr gezeigt hat, dass ich zum damaligen Zeitpunkt ( auch aus gesundheitlichen Gründen ) mir es besser tut zu arbeiten.

Im Zuge einer psychotherapeutischen Behandlung, meiner neuen Partnerin, dem Umzug und der Tätigkeit, besserte sich mein Gesundheitszustand, verbunden mit sehr viel Kraft, wo ich wieder anfing mir Gedanken zu machen, wie es nun weiter gehen soll.

Seit Anfang dieses Jahres kam wieder das Bedürfnis zu lernen. Ich fragte mich, ob ich wieder 100 % das Studium durchziehe oder mich komplett umorientere?

Meine Gründe für den Entschluss für Ausbildung:

- Studium aussichtslos nach langer Abwesenheit
- Studium ist emotionaler und psychischer Balast
- Durch die Arbeit als Kommissionier, wohl gefallen am Arbeiten bekommen, aber auch den Drang wieder was zu lernen.
- Finanzierung des Lebensunterhalts durch eigene Kraft ( nicht abhängig sein bspw vom Bafög )
- ein kompletter Neuanfang


@ TheGuide


Als einziges Argument fällt mir jetzt nur ein, dass ich in kurzer Zeit eine komplette Selbstständigkeit aufbauen musste und ich was im Leben erreichen will.

Ich erwarte von keinem Mitleid, nur das Verständnis ( aus gesundem Menschenverstand heraus ), wieso ich nun diesen Schritt gehen möchte und wieso alles so gelaufen ist, wie es gelaufen ist in meiner Laufbahn.


Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen brauchbaren Einblick verschaffen :)

Charlie Schmidt
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Beitrag von Charlie Schmidt » 07.03.2016, 20:35

Das Problem bleibt - außerhalb des Forums - wohl nach wie vor, dass Du Dich innerhalb Deiner Branche "runterorientierst". Das ist ein ungewöhnliches Vorgehen und führt deshalb leider, wie die Reaktionen auf Dein Anschreiben relativ anschaulich gezeigt haben, zu einem Stirnrunzeln bei einem unwissenden Empfänger Deines Anschreibens.

Mein Vorschlag wäre ja nach wie vor, dass Du Dich an einer Stelle für Studienabbrecher beraten lässt. Entweder an der Hochschule oder beim Hochschulteam der Arbeitsagentur. Dafür musst Du Dich nicht arbeitslos melden, es ist eine kostenlose Beratung und die Leute dort sind sehr daran interessiert, Studienabbrecher und Ihr Potenzial wirtschaftlich zu "nutzen" (also adäquat in eine Arbeit zu bringen). Falls das nun gar nichts für Dich ist, muss man mal weitersehen.

Im Lebenslauf könntest Du die Zeit der Pflege als "Pflege eines nahen Familienangehörigen" angeben.

Wann hast Du denn hier gearbeitet: Nebentätigkeit bei dem Caritas Verband Dxx?

Romanum
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Beitrag von Romanum » 09.03.2016, 14:15

Danke für die Infos. Um mal zum Ausgangspunkt zurückzukommen, sollte dein Anschreiben nur eine Seite betragen. Im Anschreiben brauchst du die Situationen nicht langatmig erklären.

Nach 12 Semestern kann man aber eher nicht mehr schreiben:
Da meine Stärken eher in der Praxis liegen...
Weil 12 Semester für diese Erkenntnis ziemlich lang wären. Du könntest auch einfach aus privaten oder finanziellen Gründen schreiben. Danach gehst du ja noch mehr darauf ein, welche Vorteile du aus diesem Studium ziehen kannst.

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 09.03.2016, 20:07

Es sind ja auch im Grunde keine zwölf Semester Studium. Die Pfelgezeit würde ich gar nicht als Studienzeit angeben. Aber das gehört eh nicht ins Anschreiben sondern in den LL.

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