Anschreiben öffentlicher Dienst

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Zane
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Anschreiben öffentlicher Dienst

Beitrag von Zane » 13.06.2012, 12:56

Hi ihr Lieben,

ich habe eine spannende Ausschreibung gefunden, auf die ich mich gerne bewerben möchte.

Hier erstmal die konkreten Voraussetzungen:

- Abgeschlossenes Hochschulstudium in Geschichte, Kunstgeschichte, Kultur- und Erziehungswissenschaften oder einem museumsrelevanten Fachgebiet
- Erfahrungen in der Vermittlungsarbeit, besonders für die Zielgruppe Jugendliche
- Versierter Umgang mit neuen Medien
- Ausgeprägte kommunikative und kreative Fähigkeiten
- Museumspädagogische Praktika
- Fähigkeit und Bereitschaft zur Teamarbeit
- Einsatzbereitschaft und überdurchschnittliche Belastbarkeit
- Nachweislich erfolgreiches Projekt- und Zeitmanagement

Und hier nun mein Anschreiben dazu:

Sehr geehrter Herr ...,

durch zahlreiche Besuche Ihrer Dauerausstellung über die Geschichte ... sowie der themenübergreifenden Sonderausstellungen konnte ich mich immer wieder überzeugen, dass Ihre Einrichtung eine überregional bedeutende soziokulturelle Begegnungsstätte verkörpert. Da ich in ... studiert habe, kenne ich zudem aus den Seminaren von Frau ... Ihre einzelnen Abteilungen und habe für Sie im Jahre ... eine Analyse zum Einsatz neuer Medien in Ihren Ausstellungen aufgestellt, sodass ich einen ganz besonderen Bezug zu Ihrem Museum habe und Sie daher sehr gerne mit meinem historischen und museumsrelevanten Wissen bei der Vermittlung Ihres kulturellen Vermächtnisses wirksam unterstützen möchte.

Dank meiner praxisorientierten Studienfächer bin ich mit den aktuellen Trends der Geschichtsvermittlung vertraut. Hierbei lasse ich meiner Kreativität und meinem Organisationstalent sehr gerne freien Raum, sodass ich bereits zahlreiche eigene Ideen realisieren konnte. So leitete ich selbstständig den Unterricht einer 8. Schulklasse zum Thema Nationalsozialismus und Judentum, engagierte mich mit den Schülern für das Mahnmalprojekt der Ev. Landeskirche in ... und übernahm die Planung und Koordination einer Gedenkfeier für die jüdischen Opfer des Dritten Reiches, indem ich das Programm erarbeitete sowie Künstler und Medienvertreter einlud.

Zudem arbeitete ich als studentische Hilfskraft für ein halbes Jahr als Besucherguide am ... in ... Hier führte ich unsere meist jugendlichen Gäste durch die Ausstellung, vermittelte anschaulich deren Inhalte und machte auf aktuelle Kontroversen aufmerksam. Ebenso bereitete es mir großen Spass, durch die Unterstützung von Publikationen meine Flexibilität und mein innovatives Denkvermögen unter Beweis zu stellen. So werde ich neben der alltäglichen Umsetzung Ihrer Museumspädagogik auch Ihre Bildungsprogramme effektiv unterstützen.

Darüber hinaus beteiligte ich mich bei meinen mehrmonatigen Tätigkeiten am ... sowie der ... an konkreten Ausstellungsvorbereitungen. Dort habe ich jeweils Recherche- und Verwaltungsaufgaben übernommen, auf Projektleitersitzungen meine Ergebnisse präsentiert und mit Datenbanken gearbeitet. Diese Erfahrungen brachte ich bei der Konzeption und zur Beschaffung von Leihgaben für die aktuellen Ausstellungen „...“ und „..." ein.

Neben meiner Begeisterung, all solche Aufgaben im Team zu erarbeiten, verfüge ich über ein hohes Maß an sozialen Kompetenzen und Kommunikationsstärke, die ich bei meinen Praktika stets unter Beweis stellte.

Sehr gerne möchte Sie in einem persönlichen Gespräch davon überzeugen, dass ich mich gewinnbringend in Ihrem Team einbringen kann und freue mich sehr über eine Einladung dazu.

Mit freundlichen Grüßen aus ...,



Für jegliche Hinweise, Anmerkungen, Kritiken und Verbesserungsvorschläge wäre ich äußerst dankbar.

Beste Grüße,

Zane

Rhodus
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Beitrag von Rhodus » 14.06.2012, 13:37

Hallo Zane,

das Anschreiben selbst liest sich gut.

Das Einzige, was ich nun noch herausfinden möchte, ob das Schreiben auch zu Dir als mensch passt.

Bist Du eher ein sachlich, nüchterner Mensch, der eher introvertiert, zurückhaltend ist, mit einem eher geringen Selbstbewusstsein? Falls ja, dann üpasst es auch tatsächlich zu Dir.

Viele Grüße aus Duisburg

Zane
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Beitrag von Zane » 14.06.2012, 15:05

Hallo,

herzlichen Dank für Ihre erste Einschätzung.

In der Tat ist es so, dass ich mich im Anschreiben gerne "sachlich" und wenig "introvertiert" präsentieren möchte. Dies hat in meinen Augen jedoch nichts mit mangeldem Selbstbewusstsein zu tun.

Immerhin habe ich an einer sehr anerkannten Universität meinen Masterabschluss erlangt und zahlreiche Praktikas an namhaften Museen bzw. Kultureinrichtungen absolviert. Daher möchte ich den Leser zuerst einmal mit meinen Fähigkeiten überzeugen, die ich hierbei erlernt habe und weniger durch großes "Geklotze" wie "sieher wo ich meinen Abschluss gemacht habe usw.) auffallen.

Zudem ist es mir wichtig, nicht nur durch die Verwendung großer Worte meine Zeilen zu füllen, sondern diese stets mit Beispielen zu belegen, um so bodenständige Glaubhaftigkeit zu vermitteln.

Bislang bin ich davon ausgegangen, dass sich auch auf diese Weise Selbstbewusstsein ausdrücken lässt. Von daher ist Ihr Ansatz eine interessante Antwort. Daher meine Frage: Zieht sich Ihr Eindruck durch das gesamte Anschreiben, oder tritt er nur partiell auf? Und wenn ja, wo und wie sollte ich dann konkret noch etwas verändern?

Darüber hinaus möchte ich Sie gerne nach einer detailierteren Einschätzung des Anschreibens bitten.

- Wo liegen die Stärken und kommen diese zum Ausdruck?
- Wo liegen die Schwächen?
- Hebe ich mich mit diesem Anschreiben von der Masse ab?
- Macht das Anschreiben Lust mehr über den Bewerber zu erfahren?

Dass ich hiernach frage ist ebenfalls weniger dem mangelnden Selbstbewusstsein geschuldet, als vielmehr der Tatsache, dass sich bis zu 300 Bewerber auf eine Stelle bewerben und dementsprechend die Konkurrenz groß ist

Beste Grüße und nochmals herzlichen Dank,

Zane :o

Rhodus
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Beitrag von Rhodus » 15.06.2012, 14:20

Hallo Zane,

möchtest Du Dich so präsentieren, weil du Dir größere Erfolgschancen ausrechnest? Oder weil Du so bist?

Wobei das sachlich-nüchterne nun weniger etwas mit "mangelndem Selbstbewusstsein" zu tun hat. Nur ist eine Formulierung wie "Sehr gerne möchte Sie in einem persönlichen Gespräch davon überzeugen" nicht gerade ein Zeichen für ein "gesundes Selbstbewusstsein". Denn wer selbstbewusst ist, wird es gar nicht in frage stellen, den anderen im Gespräch zu überzeugen; weswegen er auf das "möchte" verzichten wird.

Und wenn jemand wiederholt darauf hinweist, dass er jenes und dieses hier und dort bereits bewiesen hat, ist das auch kein Zeichen für ein Selbstbewusstsein. Ein selbstbewusster Mensch sagt kurz und bündig: Ich bin flexibel. Der kommt gar nicht erst auf die Idee, das noch durch einen Beweis zu untermauern. Warum auch?

Du schreibst, dass Du mit den "Beweisantritten" bodenständige Glaubwürdigkeit vermitteln möchtest, was sicherlich für dich sprichst. Nur erreichst du dieses Ziel so wirklich?
Wie soll aber nun ein Personalverantwortlicher in dem satz "Ebenso bereitete es mir großen Spass, durch die Unterstützung von Publikationen meine Flexibilität und mein innovatives Denkvermögen unter Beweis zu stellen" erkennen können, dass Du flexibel bist und über ein innovatives Denkvermögen verfügst? Er kann ja nicht einmal erkennen, in welchem Umfang und wie Du diese Publikationen tatsächlich unterstützt hat.
Aus Sicht eines Personalverantwortlichen ist der Satz "Ich bin flexibel" zunächst genau so eine Behauptung, wie der Satz "Ich bin flexibel, weil ioch das dort nachgewiesen habe!"
Durch den hinweis auf den Beweis wird die Ausgangsbehauptung allenfalls nachvollziehbarer, aber nicht zwingend glaubwürdiger.

Dies einfach nur ein paar Denkanstösse.

Um aber nun auf die Fragen einzugehen, die Dich aus nachvollziehbaren Gründen am meisten interessieren:
Hebe ich mich mit diesem Anschreiben von der Masse ab?
Macht das Anschreiben Lust mehr über den Bewerber zu erfahren?

Ich kann diese Fragen so nicht abschließend beurteilen. Denn der erfolg der Bewerbung hängt nicht alleine vom Inhalt des Anschreibens ab, sondern von der Gesamtpräsention; angefangen bei der optischen gestaltung über den Lebenslauf bis hin zur Dritten Seite.
Manch unsere Kunden hatten zwar ein ansprechendes Anschreiben, haben sich dann aber mit dem Lebenslauf die Absage eingehandelt.

Das Anschreiben liest sich von den bereits erwähnten Punkten ganz gut; insofern hebst Du Dich schon aus der Masse ab. Die Mehrzahl der akademischen Anschreiben, die ich zu lesen bekomme, sind so langweilig, dass man geneigt ist, sie sofort wieder wegzulegen.

Reicht es auch, um Neugier zu wecken? eine heikle Frage, da es letztlich eine subjektive Empfindung ist.
Spontan würde ich sagen, nicht zwingend, weil mir persönlich da der letzte Pfiff fehlt, das gewisse Etwas. Was aber auch damit zu tun hat, dass ich eine rheinische frohnatur und eher extrovertiert bin und mir deshalba auch der Schreibstil zu sachlich, nüchtern ist. Und ich deshalb schauen würde, dass der Bewerber auch menschlich zu mir passt.
Lese ich andererseits das Anschreiben noch einmal sorgfältig, stelle ich fest, Dir macht augenscheinlich Geschichte und Museum Freude, kommst miot jungen Menschen gut zurecht, und möchtest für den arbeitgeber arbeiten. Insofern könnte ich mir gut vorstellen, wäre ich Personalverantwortlicher, die Bewerbung in die engere Wahl zu nehmen.

Viele Grüße aus Duisburg

Zane
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Beitrag von Zane » 18.06.2012, 15:58

Hallo,

herzlichen Dank für Ihr weiteres Statement.

Vom sachlichen und nüchternen Inhalt meines Anschreibens erwarte ich mir den größten Erfolg, da ich einerseits mich mit diesem identifizieren kann und somit dem Personaler keine Person vorspielen möchte, die ich nicht bin. Andererseits weiß ich durchaus was ich kann, möchte aber zugleich vermeiden, dass ich überheblich und arrogant rüber komme, was ebenso wenig meinem Wesen entspricht.

Daher auch die Verwendung "möchte". Bislang habe ich dies als eine Art Höflichkeitsformel verstanden und eingesetzt.

Zu Ihrem angesprochenen Punkt der Vermittlung meiner Flexibilität: Der Satz soll nicht für sich alleine stehen, denn ich möchte damit deutlich machen, dass ich neben pädagogischen Fähigkeiten auch wissenschaftliches Arbeiten schätze, heißt "Theorie" und "Praxis" verbinde.

Wenn Sie mir noch einen Tipp geben könnten, das Anschreiben etwas aufzupeppen, ohne dass es arrogant oder zu gewagt rüber kommt, wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Ich habe das Anschreiben einwenig überarbeitet und würde ebenso gerne Ihre Meinung zu diesem erfahren. Besten Dank!

Sehr geehrter Herr ...,

durch zahlreiche Besuche der Dauerausstellung über die Geschichte ... sowie der themenübergreifenden Sonderausstellungen konnte ich mich immer wieder überzeugen, dass Ihre Einrichtung eine überregional bedeutende soziokulturelle Begegnungsstätte verkörpert. Da ich in ... studiert habe, kenne ich zudem aus den Seminaren von Frau ... Ihre einzelnen Abteilungen und habe für Sie im Jahre ... eine Analyse zum Einsatz neuer Medien in Ihren Ausstellungen aufgestellt, sodass ich einen ganz besonderen Bezug zu Ihrem Museum habe und Sie daher sehr gerne mit meinem historischen und museumsrelevanten Wissen bei der Vermittlung Ihres kulturellen Vermächtnisses wirksam unterstützen möchte.

Dank meiner praxisorientierten Studienfächer bin ich mit den aktuellen Trends der Geschichtsvermittlung vertraut. Hierbei lasse ich meiner Kreativität und meinem Organisationstalent sehr gerne freien Raum, sodass ich bereits zahlreiche eigene Ideen realisieren konnte. So leitete ich selbstständig den Unterricht einer 8. Schulklasse zum Thema Nationalsozialismus und Judentum, engagierte mich für das Mahnmalprojekt der Ev. Landeskirche in ... und übernahm die Planung und Koordination einer Gedenkfeier für die jüdischen Opfer des Dritten Reiches, indem ich das Programm erarbeitete sowie Künstler und Medienvertreter einlud.

Zudem arbeitete ich als studentische Hilfskraft für ein halbes Jahr als Besucherguide am ... in ... Auf Grund meines großen Verantwortungsbewusstseins und serviceorientierten Auftretens übernahm ich die Führung unserer meist jugendlichen Gästen durch die Ausstellung und vermittelte sicher und kompetent deren Inhalte. Ebenso bereitete es mir großen Spass, durch das Verfassen von Manuskripten zur Veröffentlichung wissenschaftlicher Publikationen meine Flexibilität und mein innovatives Denkvermögen unter Beweis zu stellen. So werde ich neben der alltäglichen Umsetzung Ihrer Museumspädagogik auch Ihre Bildungsprogramme und die wissenschaftliche Aufarbeitung Ihrer Bestände zielgenau und effektiv unterstützen.

Darüber hinaus beteiligte ich mich bei meinen mehrmonatigen Tätigkeiten am ... sowie der ... an konkreten Ausstellungsvorbereitungen. Dort habe ich jeweils Recherche- und Verwaltungsaufgaben übernommen, auf Projektleitersitzungen meine Ergebnisse präsentiert und mit Datenbanken gearbeitet. Diese Erfahrungen brachte ich bei der Konzeption und zur Beschaffung von Leihgaben für die aktuellen Ausstellungen .... und .. ein und habe mir so weitreichende Kenntnisse für den Museumsalltag angeeignet.

Da ich ein sehr aufgeschlossener Mensch bin, erarbeite ich all solche Aufgaben sehr gerne im Team und verfüge ich über ein hohes Maß an sozialen Kompetenzen und Kommunikationsstärke.

Gerne überzeuge ich Sie in einem persönlichen Gespräch, dass ich mich gewinnbringend in Ihrem Hause einbringen kann und freue mich sehr über eine Einladung dazu.

Mit freundlichen Grüßen aus ...

Romanum
Bewerbungshelfer
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Registriert: 12.09.2008, 19:20

Beitrag von Romanum » 18.06.2012, 17:43

Das Anschreiben ist sehr gut. :)

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