Anschreiben Politikberatung/Public Affairs

Hier besteht die Möglichkeit, über Anschreiben für die Ausbildung, für Praktika und für das Studium (Duales Studium, Universität, BA) mit anderen Mitgliedern zu diskutieren.
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nopue1989
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Anschreiben Politikberatung/Public Affairs

Beitrag von nopue1989 » 25.12.2012, 23:30

Hallo ihr Lieben,

zunächst einmal ein herzliches "Hallo" an alle. Ich habe mich gerade hier registriert, weil ich schon seit längerem hier mitlese und nun auch ein Anliegen habe ;-)
Ich will nächstes Jahr ein Praktikum bei einer Public Affairs Agentur in Berlin absolvieren und habe nun mein Anschreiben dazu verfasst.
Es wäre klasse, falls sich das mal jemand durchlesen und mir danach ein Feedback geben könnte, was verbesserungswürdig ist.

Vielen Dank schonmal!

Hier der Text:

Sehr geehrte Frau XXXX,

wie in unserem E-Mail Kontakt vom xx.xx.xxxx vereinbart, sende ich Ihnen hiermit meine Bewerbung für ein dreimonatiges Praktikum vom 02.09.2013 – 02.12.2013. Ich befinde mich derzeit im 7. Semester meines Bachelor-Studiums der Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre und werde nächstes Jahr im August damit fertig sein.

Im Studium beschäftigten mich vor Allem die Interessenvermittlung und Lobbying im politischen Mehrebenensystem, Europäische Wirtschaftspolitik, Außenwirtschaftstheorien und Diplomatie. Gerade bei Ihnen als Beratungsagentur sind die Kenntnisse politischer und wirtschaftlicher Abläufe unverzichtbar. Mit Kenntnissen in diesen Bereichen werde ich für Sie ein Zugewinn sein, weil ich das Rüstzeug für die zunehmende Komplexität in der Politik und Wirtschaft mitbringe. Deshalb erscheint es mir sehr sinnvoll, in die Politikberatung einzusteigen und mehr bei Ihnen über politische Kommunikation auf deutscher und europäischer Ebene in der Praxis zu lernen.

Erste Praxiserfahrungen in der Politikberatung sowie der Arbeitsweise konnte ich durch vorangegangene Praktika sammeln. Darüber hinaus sind mir Eigeninitiative, Kommunikationsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen ebenso selbstverständlich wie Arbeit im Team. Auch während meiner Praktika in der Konrad-Adenauer-Stiftung und der parlamentarischen Beratung im Landtag von Baden-Württemberg habe ich mich durch diese Fähigkeiten ausgezeichnet und einen vorbildlichen Umgang mit meinen Mitarbeitern gepflegt.

Das theoretische Wissen über Abläufe und Prozesse in der Beratung bringe ich durch Seminare mit, die durch Kenner wie beispielsweise den ehemaligen Regierungssprecher Thomas Steg vermittelt wurden. Die für die Ihre Arbeit benötigten analytischen Fähigkeiten für Aufgaben im Bereich des Monitoring oder der Stakeholderanalyse wurden durch die politikwissenschaftliche Arbeitsweise in meinem Studium gestärkt. Flexibilität sowie Teamfähigkeit konnte ich während meines Auslandsaufenthalts mit Vorträgen in englischer wie auch spanischer Sprache in internationalem Umfeld unter Beweis stellen.

Ich überzeuge Sie gerne in einem persönlichen Gespräch, hoffe wieder von Ihnen zu hören und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Daniel XXXX

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 26.12.2012, 10:03

Ich finde es schade, dass Du so wenig argumentatives Kapital aus Deinen bisherigen Praktika schlägst. Du müsstest aus diesen eigentlich Einiges an Vorwissen mitbringen, was Mitbewerber nicht zu bieten haben. Aber alles, was Du im Endeffekt daraus ableitest, sind "Eigeninitiative, Kommunikationsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen"... d. h. genau das, was Du (falls die Behauptungen überhaupt den Tatsachen entsprechen) auch ohne ebendiese Praktika schon hättest... ;-)

Die nachfolgenden Sätze waren ursprünglich einmal als alternative Abschlüsse des zweitens Absatzes gedacht, oder?
Gerade bei Ihnen als Beratungsagentur sind die Kenntnisse politischer und wirtschaftlicher Abläufe unverzichtbar. Mit Kenntnissen in diesen Bereichen werde ich für Sie ein Zugewinn sein, weil ich das Rüstzeug für die zunehmende Komplexität in der Politik und Wirtschaft mitbringe. Deshalb erscheint es mir sehr sinnvoll, in die Politikberatung einzusteigen und mehr bei Ihnen über politische Kommunikation auf deutscher und europäischer Ebene in der Praxis zu lernen.
Für mein Gefühl ergibt nur das Rote ODER das Grüne als Fortsetzung des "Lobbying"-Satzes einen Sinn... wobei die Fragen keine Wertung darstellen... ;-)

nopue1989
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Beitrag von nopue1989 » 26.12.2012, 12:20

Zunächst einmal danke für die schnelle Antwort! :-)

Du hast Recht! Ich habe nur den letzten "grünen" Satz verwendet, das wäre sonst wohl doppelt...

Aber: Was meinst du genau mit "argumentativem Kapital"? Wenn ich richtig verstehe, soll ich die bereits gewonnenen Techniken, Arbeitsweisen herausarbeiten und niederschreiben? Aber diese Techniken etc vorangegangener Praktika werden sich wohl nicht genau mit denen von der Agentur überschneiden..

Viele Grüße

PS: Meinst du, ich könnte den Einleitungssatz anders gestalten? "...bewerbe ich mich hiermit..." ist halt so der Standard, aber m.E. wohl nicht brauchbar, um sich von anderen Bewerbern abzuheben?!

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Beitrag von FRAGEN » 26.12.2012, 12:49

nopue1989 hat geschrieben:Wenn ich richtig verstehe, soll ich die bereits gewonnenen Techniken, Arbeitsweisen herausarbeiten und niederschreiben? Aber diese Techniken etc vorangegangener Praktika werden sich wohl nicht genau mit denen von der Agentur überschneiden..
Das wäre m. E. auch schon fast zuviel des Guten. Irgendwo muss der Nutzeffekt des Praktikums ja auch noch liegen. Gut wäre aber, wenn aus der Bewerbung klar hervorgehen würde, dass Du es bereits gewohnt bist, in den "richtigen" Bahnen zu denken. Was man aus diesen prinzipiellen Bahnen dann für bestimmte Arbeitgeber oder Kunden macht, ist dann natürlich noch einmal eine andere Sache. Das muss m. E. aber auch jedem Empfänger solch einer Bewerbung klar sein... ;-)
nopue1989 hat geschrieben:Meinst du, ich könnte den Einleitungssatz anders gestalten? "...bewerbe ich mich hiermit..." ist halt so der Standard, aber m.E. wohl nicht brauchbar, um sich von anderen Bewerbern abzuheben?!
Du sagst es... ;-)

Gerade in DEINEM Job halte ich genau das für noch sehr viel wichtiger als andernorts! Um dieses "Anders-als-die-Anderen-sein" geht es doch ganz erheblich bei der Lobby-Maschinerie, oder? Ich meine... Du würdest doch nicht zu einem Politiker gehen und Dich vorstellen mit "Guten Tag. Ich werde Ihnen gleich genau so wie alle anderen meine Interessen einzubläuen versuchen..."... ;-)

Die "Hiermit"-Einleitung wäre m. E. so ungefähr die Entsprechung davon... ;-)

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Beitrag von nopue1989 » 26.12.2012, 13:13

Ok, hab die Tipps jetzt berücksichtigt und hier ist die neue Version mit kleinen Änderungen :-)

Bewerbung um ein Praktikum bei xy

Sehr geehrte Frau xy,

ich bin ein engagierter Student der Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre, voller neuer Ideen und Motivation sowie ersten Erfahrungen in der Politikberatung, um Sie bei Ihrer Arbeit zu unterstützen. Für ein dreimonatiges Praktikum stehe ich Ihnen vom 02.09.2013–02.12.2013 zur Verfügung.

Im Studium beschäftigten mich vor Allem die Interessenvermittlung und Lobbying im politischen Mehrebenensystem, Europäische Wirtschaftspolitik, Außenwirtschaftstheorien und Diplomatie. Gerade bei Ihnen als Beratungsagentur sind die Kenntnisse politischer und wirtschaftlicher Abläufe unverzichtbar. Mit Kenntnissen in diesen Bereichen werde ich für Sie ein Zugewinn sein, weil ich das Rüstzeug für die zunehmende Komplexität in der Politik und Wirtschaft mitbringe und mehr bei Ihnen über politische Kommunikation auf deutscher und europäischer Ebene in der Praxis lernen will.

Durch vorangegangene Praktika bin ich mit der Arbeitsweise, Projektarbeit, Recherchefähigkeit und Organisation durchaus vertraut und werde mich schnell bei Ihnen zurechtfinden. Darüber hinaus sind mir Eigeninitiative, Kommunikationsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen ebenso selbstverständlich wie Arbeit im Team. Auch während meiner Praktika in der Konrad-Adenauer-Stiftung und der parlamentarischen Beratung im Landtag von Baden-Württemberg habe ich mich durch diese Fähigkeiten ausgezeichnet und einen vorbildlichen Umgang mit meinen Mitarbeitern gepflegt.

Das theoretische Wissen über Abläufe und Prozesse in der Beratung bringe ich durch Seminare mit, die durch Kenner wie beispielsweise den ehemaligen Regierungssprecher Thomas Steg vermittelt wurden. Die für die Ihre Arbeit benötigten analytischen Fähigkeiten für Aufgaben im Bereich des Monitoring oder der Stakeholderanalyse wurden durch die politikwissenschaftliche Arbeitsweise in meinem Studium gestärkt. Flexibilität sowie Teamfähigkeit konnte ich während meines einjährigen Auslandsaufenthalts in Madrid mit Vorträgen in englischer wie auch spanischer Sprache in internationalem Umfeld unter Beweis stellen.

Ich überzeuge Sie gerne in einem persönlichen Gespräch, hoffe wieder von Ihnen zu hören und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Daniel xy

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Beitrag von FRAGEN » 26.12.2012, 14:00

nopue1989 hat geschrieben:Ok, hab die Tipps jetzt berücksichtigt und hier ist die neue Version mit kleinen Änderungen :-)
Was soll ich sagen? Entsprechend dem Umfang dieser Änderungen ist die neue Version ein kleines Bisschen besser... ;-)
nopue1989 hat geschrieben:habe ich mich [...] einen vorbildlichen Umgang mit meinen Mitarbeitern gepflegt.
Du hattest Mitarbeiter? Hast Du da ein Praktikum als Führungskraft gemacht? Wenn ja, mit welchem Verantwortungsbereich? Spannend wäre es in diesem Zusammenhang ja, wie sich "Vorbildlichkeit" in Deinen Augen definiert...

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Beitrag von nopue1989 » 26.12.2012, 17:38

Naja, mit Mitarbeitern meinte ich meine damaligen KOLLEGEN in der Abteilung und die Zusammenarbeit. Das war kein Praktikum als Führungskraft. Wenn das missverständlich rüberkommt sollte ich das noch ändern im Anschreiben!

Vielen Dank!

PS: Käme ich denn jetzt bei dir als HR-Mensch in die engere Auswahl für ein Praktikum (auf Basis des Anschreibens)? ;-)

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Beitrag von FRAGEN » 27.12.2012, 13:18

nopue1989 hat geschrieben:Käme ich denn jetzt bei dir als HR-Mensch in die engere Auswahl für ein Praktikum (auf Basis des Anschreibens)? ;-)
Ich bin ja glücklicherweise kein HR-Mensch. Wenn ich einer wäre und Du in meine engere Auswahl kämst... dann wohl auf Basis des Lebenslaufs. Das Gute an diesem Anschreiben sind halt die Dinge, auf die Du prinzipiell verweisen kannst... nicht die Art, auf die Du das tust... ;-)

... und der Unterschied zwischen "Mitarbeitern" und "Kollegen" ist schon ziemlich grundlegend. Das würde ich auf jeden Fall ändern... und umfassende "Vorbildlichkeit" ohne jegliche Spezifizierung klingt für mich auch nicht allzu glaubwürdig. Das ist für mich BTW der Grundsatz-Haken der ganzen Bewerbung: Du liebst offensichtlich die GANZ grossen Begriffe (die "Komplexität in der Politik und Wirtschaft", die "Kenntnisse politischer und wirtschaftlicher Abläufe", die "politikwissenschaftliche Arbeitsweise"...), die alles und nichts bedeuten können... und gerade bei einem Berufsanfänger sehr leicht den Eindruck reiner Schaumschlägerei erzeugen...

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Beitrag von nopue1989 » 27.12.2012, 19:11

Naja, manche tun sich leicht mit so einem Anschreiben und der darin enthaltenen Selbstdarstellung und andere eben weniger. Zu den Letzteren gehöre ich.
Finde es einfach schwer, seine Fähigkeiten angemessen auf das Unternehmen/die Agentur zu beziehen und den Nerv des "HR-Menschen" zu treffen geschweige denn sich noch mit dem Anschreiben von anderen Mitbewerbern abzuheben, besonders wenn man darin nicht geübt ist...

Den "vorbildlichen Umgang mit den Kollegen" könnte man viellleicht konkretisieren indem man das in Zusammenhang mit der Zusammenarbeit erwähnt...aber die Eigenschaften als Teamplayer tauchen bei mir ja schon an anderer Stelle auf.

Wegen den großen Begriffen:

politikwissenschaftlicher Arbeitsweise; was ist denn daran nicht klar? Die Herangehensweise und Arbeit mit wissenschaftlichem Material ist doch damit gemeint...

Kenntnisse politischer und wirtschaftlicher Abläufe; hier sage ich m.E. nur, dass ich mir dessen bewusst bin, was die Arbeit als Praktikant in der Agentur an Vorwissen verlangt...

Rüstzeug für die zunehmende Komplexität in der Politik und Wirtschaft; hier will ich einfach betonen, dass ich die Prozesse und Abläufe bzw. das Funktionieren einer Volkswirtschaft und der Politik durch mein Studium näher betrachtet habe...Ich denke, jeder Personaler weiß, dass ein Bachelorabsolvent keine tiefgreifenden Kenntnisse über derart komplexe Systeme haben kann...

Gruß :-)

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Beitrag von nopue1989 » 29.12.2012, 13:15

Sollte ich die Begriffe, die dir "zu hoch" gegriffen waren, doch besser so formulieren, wie ichs nach dem Semikolon versucht habe? :-)

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Beitrag von FRAGEN » 29.12.2012, 14:03

Das würde ich zumindest einmal versuchen. Ich muss ja gestehen, dass mir hier für einige Tage der Mund offenstand, als ich Dein (OK, jetzt möglicherweise minimal überspitzt wiedergegebenes) Statement gelesen habe, dass es so mehr oder weniger egal sei, was man in seiner Bewerbung behaupte, weil einem ja eh niemand glaubt... ;-)

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Beitrag von nopue1989 » 29.12.2012, 18:37

Naja, vielleicht ist das so rübergekommen, sollte es aber nicht. Ich wollte nur meine Unsicherheit ausdrücken, denn m.E. geht es schon darum, einen Personaler zu überzeugen, vielleicht ist aber eine einfachere Wortwahl in so einem Anschreiben besser als die etwas überzogene Art. Dafür fehlt mir leider die Erfahrung...

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Beitrag von FRAGEN » 29.12.2012, 19:21

Noch eine winzige Präzisierung: Es ging mir im Kern der Sache nicht um die Wortwahl... oder um den Gegensatz "einfach/schwierig". Es ging mir um einen möglichst präzise greifbaren Inhalt... bzw. darum, dass extrem weit gefasste Begriffe sehr oft den Eindruck von gezielt eingesetzten "Nebelgranaten" erwecken, welche die tatsächlichen (oft weit geringeren) Kenntnisse und Erfahrungen verschleiern sollen. Dir persönlich will ich damit auch gar nichts unterstellen... aber unter Bewerbern ist dieses Vorgehen definitiv ein beliebter Trick... und bei Personalern wiederum sehr gut als solcher bekannt... ;-)

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