Anschreiben Projektingenieur zu lang? Wie findet Ihr es?

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Johann
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Anschreiben Projektingenieur zu lang? Wie findet Ihr es?

Beitrag von Johann » 04.02.2007, 15:26

Bewerbung um die Stelle als Projektingenieur Entwicklung Kühlung Großmotoren (Kennziffer XXX)


Sehr geehrte Frau YYY,


Sie haben auf Ihrer Website im Internet die oben genannte Stelle ausgeschrieben, die mich in höchstem Maße interessiert. Da ich die von Ihnen geforderten Qualifikationen und Erfahrungen besitze, bewerbe ich mich um diese Stelle.

Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern stelle ich mich kurz vor. Ich bin 44 Jahre alt, ausgebildeter Dipl.-Ing.-Maschinenbau und war über sechs Jahre bei der ZZZ GmbH im Bereich Automation/Sondermaschinenbau tätig. Dieser Bereich stellt kundenspezifische Montage-/Prüfanlagen her. Unsere Kunden waren hauptsächlich die Automobilindustrie und deren Zulieferer, die Hausgeräteindustrie und die Elektro-/Elektronikindustrie.
Zunächst war ich als Projektbearbeiter tätig. Zu Beginn des Jahres 2002 wurde eine eigene Konstruktionsabteilung für die Automation aufgebaut und ich wurde zum stellvertretenden Konstruktionsleiter dieser Abteilung befördert.
Als Konstruktionsverantwortlicher war ich für die Auslegungsberechung, die Konstruktion und die Detaillierung von Baugruppen, Modulen und Maschinen zuständig. Ich organisierte und plante die Konstruktionsabläufe und betreute die beteiligten Konstrukteure (5 bis 8 Konstrukteure, externe Konstruktionsbüros). Weiterhin hatte ich häufig Kontakt mit den Kunden. Hier ging es im Wesentlichen um die technische Umsetzung der Kundenwünsche, die Präsentation von Entwürfen, der Freigabe dieser Entwürfe durch die Kunden und um Terminfragen.
Wie Sie sehen verfüge ich über die idealerweise gewünschte Konstruktionserfahrung. Auch die anderen geforderten fachlichen Fähigkeiten kann ich vorweisen. Thermodynamik sowie Wärme- und Stoffübertragung waren Kernfächer meines Hauptfachstudiums. Die Berechnung von Wärmeübertragern ist mir also vertraut. Das gewünschte Basis-Know-how in Verbrennungsmotoren habe ich ebenfalls. Sowohl hinsichtlich Aufbau als auch bezüglich der Funktion. Mein Englisch ist gut, so dass ich auch der Internationalität Ihres Unternehmens gerecht werde.






Ich würde mich freuen in Ihrem Unternehmen arbeiten zu dürfen und bin sicher, mich schnell in die neuen Aufgaben einarbeiten zu können, so dass ich Ihre Abteilung Entwicklung erfolgreich unterstützen werde.

Meinen bisherigen Werdegang ersehen Sie aus dem beigefügten Lebenslauf in Stichworten und den Zeugnissen.

Wegen der schlechten Auftragslage musste die ZZZ Personal abbauen. Auch meine Stelle als stellvertretender Konstruktionsleiter wurde zum 31.12.2006 gestrichen. Deshalb könnte ich die Arbeit in Ihrem Unternehmen sofort aufnehmen.


Habe ich Ihr Interesse geweckt? Ich freue mich auf eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, bei dem wir nähere Einzelheiten besprechen können.




Mit freundlichen Grüßen

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 04.02.2007, 19:38

Hallo Johann!

Inhaltlich finde ich es sehr überzeugend. Vom sprachlichen Standpunkt ist für mein Gefühl hier und da noch etwas "Luft" drin. Ich würde an Deiner Stelle versuchen, mit mein Anschreiben auf eine Seite zu beschränken. Gerade einem Ingenieur steht eine gewisse Straffheit in der Argumentation m. E. gut zu Gesicht... ;-)

Verzichtbar finde ich z. B. den Satz mit der Entscheidungserleichterung; auch das Alter genügt in Form des Geburtsdatums im Lebenslauf. Günstig wäre es dagegen, bereits an einer möglichst frühen Stelle mit einer interessanten Aussage oder einem ungewöhnlichen Detail "aufzufallen"... sodass sich selbst der oberflächlichste Leser später noch einmal mit einem schnellen Quer-Blick erinnerst: "Ach ja, der Johann... das war doch der, welcher..."... ;-)

Nach den o. g. Einstiegssätzen sagst Du zunächst einmal den Berich, in dem Du "tätig warst". Das ist eine sehr weiche Formulierung... die so auch eine Werkstudenten-Tätigkeit umschreiben könnte. Deine jahrelange Funktion als "stellvertretender Konstruktionsleiter" sollte m. E. früher fallen; die Angabe, dass Du vorher auf Sachbearbeiterebene tätig warst, würde ich als Selbstverständlichkeit erachten... und demzufolge ebenfalls in den Lebenslauf verlegen.

Sehr gut dagegen gefällt mir die detaillierte Schilderung Deiner Tätigkeiten - wobei ich persönlich technische und kundenbezogene Aspekte über einen Absatz trennen würde. Auch hier ist der Einstiegssatz "hatte häufig Kontakt mit Kunden", ähnlich dem o. g. Beispiel bzgl. der Tätigkeit wieder sehr defensiv... das schreibt so derjenige, der den Kunden den Kaffee reicht... ;-)

Den Satz mit der "idealerweise gewünschten Konstruktionserfahrung" finde ich wieder verzichtbar - weil offensichtlich. Der nächste - streng genommen - auch. Die Freude, im Unternehmen arbeiten zu können bringt ohne weitere Erläuterung (z. B. einen speziellen Grund) auch keinen Erkenntnis-Fortschritt. Die Fähigkeit zur schnellen Einarbeitung dürfte jemand von Deiner Berufserfahrung mit Sicherheit überzeugender darstellen können (z. B. bei Wechsel von Abteilungen, neuen Projektthemen, wasweisich...). Den Satz mit dem Werdegang kannst Du m. E. ebenfalls streichen.

Du fragst in der Schlussformel, ob Du "Interesse geweckt hast". Wenn das Dein Ziel ist (und es ist kein schlechtes!), solltest Du darauf achten, in möglichst jedem Satz etwas "Interessantes" sagen... und einen inhaltlichen Fortschritt gegenüber dem vorangegangenen Satz herzustellen... ;-)

Ich möchte noch einmal betonen: Im Kern gefällt mir die Bewerbung - weil (soweit ich das als Laie beurteilen kann) fachlich fundiert, anschaulich und weitestgehend frei von kursierenden Floskeln. An Deiner Stelle würde ich mir jetzt ein "ingenieursmässiges" Optimierungsziel setzen... so etwas wie "Entschlackung um 30% bis morgen mittag"... ;-)

Das geht m. E. ohne jeglichen inhaltlichen Verlust!

Johann
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Beitrag von Johann » 05.02.2007, 08:41

Hallo,

danke für die Vorschläge. Werde die Bewerbung "abspecken" und die anderen Anregungen umsetzen.
Bis bald.
Johann

ublindert
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Beitrag von ublindert » 05.02.2007, 10:30

Hallo,

ich kann mich "fragen" nur anschließen: insgesamt gut, etwas mehr Stringenz und Highlights setzen wäre besser.
Also noch einmal hinsetzen und herausarbeiten, was deine besonderen Fähigkeiten und Qualifikationen sind. Und dazu gehört die Leitungsstelle eher an den Anfang des Anschreibens. Dann eingehen auf die Aufgaben und Projekte, die in den letzten 6 Jahren angefallen sind.
Dann auf die Arbeitsstelle davor, um ebenfalls auf Kenntnisse zu verweisen.
Wenn du dein Studium an einer der "guten" technischen Unis gemacht hast, darf das ruhig auch noch im Anschreiben auftauchen....

Johann
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Überarbeitete Version Anschreiben

Beitrag von Johann » 05.02.2007, 15:33

Hallo Leute,

habe das Anschreiben überarbeitet. Ist jetzt nur unwesentlich kürzer. Habe jetzt allerdings eine Begründung weshalb ich bei der Firma in die Abteilung will ausformuliert.
Also bei meiner letzten Stelle war ich der schnelle Problemlöser. War auch wegen der Produkte die auf unseren Maschinen montiert wurden notwendig (kurze Lebenszeit der Produkte --> geringe Investitionsneigung der Kunden). Ich möchte jetzt eine Stelle bei der mehr in die Entwicklung investiert wird. Wegen der Produktpalette (hohe Stückzahl, lange Lebensdauer) der Firma, denke ich daß dies der Fall ist.

Der Absatz, in dem ich erwähne daß ich arbeitslos bin haut irgendwie den vorherigen Absatz kaputt. Ob ich den wohl weg lassen soll ?
Irgend wie fehlt bei meinen Anschreiben "Pfeffer". Ich schreib zu sachlich. Kein richtiger "Anreisser" entsteht.

Morgen geht die Bewerbung raus. Wäre toll eure Meinung zu hören. Danke Leute, Ihr seid toll.
Johann :wink:


Bewerbung um die Stelle als Projektingenieur Entwicklung Kühlung Großmo-toren (Kennziffer )


Sehr geehrte Frau XXX,


Sie haben auf Ihrer Website im Internet die oben genannte Stelle ausgeschrieben, die mich in höchstem Maße interessiert. Da ich die von Ihnen geforderten Qualifikationen und Erfahrungen besitze, bewerbe ich mich um diese Stelle.

Zu meiner Person: Ich bin Dipl.-Ing.-Maschinenbau und war über sechs Jahre bei der YYY GmbH im Bereich Automation/Sondermaschinenbau angestellt. Zu Beginn des Jahres 2002 wurde ich zum stellvertretenden Leiter der Konstruktionsabteilung befördert.
Der Geschäftsbereich Automation der YYY GmbH stellt kundenspezifische Montage-/Prüfanlagen her. Unsere Kunden waren hauptsächlich die Automobilindustrie und deren Zulieferer, die Hausgeräteindustrie und die Elektro-/Elektronikindustrie.

Als Konstruktionsverantwortlicher war ich für die Auslegungsberechung, die Konstruktion und die Detaillierung von Baugruppen, Modulen und Maschinen zuständig. Ich organisierte und plante die Konstruktionsabläufe und betreute die beteiligten Konstrukteure (5 bis 8 Konstrukteure, externe Konstruktionsbüros).
Ich hatte häufig Kontakt mit unseren Kunden. In Zusammenarbeit mit den Kunden erarbeitete ich die prinzipielle technische Umsetzung der Kundenwünsche. Nach Abschluss der Entwurfsphase präsentierte ich den Kunden die Entwürfe zur Freigabe und klärte Terminfragen.
Wie Sie sehen verfüge ich über die idealerweise gewünschte Konstruktionserfahrung. Auch die anderen von Ihnen geforderten fachlichen Fähigkeiten kann ich vorweisen. Thermodynamik sowie Wärme- und Stoffübertragung waren Kernfächer meines Hauptfachstudiums. Die Berechnung von Wärmeübertragern ist mir also vertraut. Das ge-wünschte Basis-Know-how in Verbrennungsmotoren habe ich ebenfalls. Sowohl hinsichtlich Aufbau als auch bezüglich der Funktion. Mein Englisch ist gut, so dass ich auch der Internationalität Ihres Unternehmens gerecht werde.



Ich würde mich freuen in Ihrer Entwicklungsabteilung arbeiten zu dürfen. An der von Ihnen ausgeschriebenen Stelle reizt mich besonders, dass ich neben meiner Erfahrung als stellvertretender Konstruktionsleiter auch meine Kenntnisse und Interessen aus dem Studium noch stärker einbringen kann. Meiner Meinung nach stellt die Investition eines Unternehmens in den Entwicklungsbereich den besten Weg dar, um Ideen in erfolgreiche Produkte zu verwandeln. Ich möchte anspruchsvolle Aufgaben lösen, mit Ihrem Unternehmen wachsen und mich weiterentwickeln.

Wegen der schlechten Auftragslage musste die YYY GmbH Personal abbauen. Auch meine Stelle als stellvertretender Konstruktionsleiter wurde zum 31.12.2006 gestrichen. Deshalb könnte ich die Arbeit in Ihrem Unternehmen sofort aufnehmen.

Habe ich Ihr Interesse geweckt? Ich freue mich auf eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, bei dem wir nähere Einzelheiten besprechen können.




Mit freundlichen Grüßen

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Beitrag von FRAGEN » 06.02.2007, 14:45

Hallo Johann!

Ist die Bewerbung schon weg? Sachlichkeit ist ja zunächst einmal keine Schande für einen Ingenieur - zumal in leitender Position. Zuviel "Pfeffer" würde mich da schon deutlich eher misstrauisch machen... ;-)

Davon abgesehen: Dass Du es KANNST, wenn Du WILLST, zeigst Du ja mit Deinem Erläuterungstext vorab - Stichwort "schneller Problemlöser". Ein, zwei Formulierungen dieser Art wären genau der "Pfeffer", den Du suchst - und gleichzeitig auch die Gedächtnisstütze für den Personalmensch, von der ich geredet hatte: "Johann - klar... war das nicht der schnelle Problemlöser?"

Auch die Erklärung für Dein Interesse an der neuen Firma fand ich im "Intro" deutlich "gepfefferter" als die vergleichsweise "weichgespülte" Fassung, die es letztlich ins Anschreiben geschafft hat...

Man hätte auch Einiges im Fliesstext noch gut verdichten können. Es gibt mehrere Fälle, wo sich mit der Verbindung zweier aufeinanderfolgender Sätze zu einem sowohl die Textmenge reduzieren, als auch die Formulierung eleganter gestalten liesse...

Wenn Du noch ein paar Tage hast - man könnte noch einiges tun... Muss man aber nicht unbedingt. Um es "autoindustriell" zu formulieren: Der Motor ist deutlich besser als das Design... ;-)

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