Arbeitslos mit 60

Auch im Berufsleben steht man immer wieder vor Herausforderungen und Problemen. Die könnt ihr hier diskutieren.
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Mastermind2388
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Arbeitslos mit 60

Beitrag von Mastermind2388 » 29.04.2011, 01:18

Hallo,
habe mich etwas im Forum umgeschaut und hoffe bin hier richtig.

Es geht um meinen Vater der dieses Jahr 60 wird, gestern (28.04.2011) hat er seine Kündigung bekommen und ist ab 01.05.2011 aufgrund der Insolvenz der Firma arbeitslos, nach 45 Jahren. Angefang als Drucker (ungelernt) und zuletzt im Vertrieb. So gut wie nie Krank und auch mal SA/SO gearbeitet.

Mache mir ziemlich viele Gedanken wie ich ihm Helfen kann, er würd so ziemlich alles machen ausser vielleicht Zeitarbeit (zu viel schlechte Erfahrungen im Bekanntenkreis)

Jetzt meine Frage ist der Arbeitsmarkt für Menschen in diesem Alter so mieserabel wie man immer hört? Höre öfter das man ab 50 schon als "Alt" gilt und man bei der Agentur für Arbeit inofiziell eh als unvermittelbar abgestempelt oder in Zeitarbeitsfirmen abgeschoben wird. Gibt kein Arbeitgeber einem Menschen, der zwar ungelernt ist aber reichlich an Berufserfahrung gesammelt, keine Chance?

Hoffe auf viele, positive, Antworten die mir etwas Hoffnung geben.

Vielen lieben Dank im Voraus :)

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FRAGEN
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Re: Arbeitslos mit 60

Beitrag von FRAGEN » 29.04.2011, 21:47

Mastermind2388 hat geschrieben:Es geht um meinen Vater der dieses Jahr 60 wird, gestern (28.04.2011) hat er seine Kündigung bekommen und ist ab 01.05.2011 aufgrund der Insolvenz der Firma arbeitslos, nach 45 Jahren.
Verstehe ich das richtig? Dein Vater hatte nur eine dreitägige Kündigungsfrist nach 45-jähriger Betriebszugehörigkeit? Unabhängig von sämtlichen Bewerbungsaktivitäten solltet Ihr Euch m. E. sofort an einen Anwalt wenden, um zu gucken, ob da etwas zu machen ist... und wenn ja, was! Hat er schon ein Zeugnis? Das wäre das zweite grosse SOFORT-Thema...

Ansonsten denke ich nicht, dass allgemeine Betrachtungen zum "Arbeitsmarkt" im Allgemeinen Euch jetzt weiter helfen. Man muss halt tun, was man tun kann... ;-)
Mastermind2388 hat geschrieben:Angefang als Drucker (ungelernt) und zuletzt im Vertrieb.
Kannst Du seinen Werdegang und seine Fähigkeiten einmal etwas vollständiger darstellen? Was genau hat er gemacht und was würde er nun am liebsten (und voraussichtlich besten) tun? Am besten wäre es sicher, wenn er sich selbst hier einschalten würde - um die wesentlichen Fakten wirklich "aus erster Hand" zu liefern. Es geht m. E. zunächst einmal darum ein möglicher klares Bild von ihm als Mensch und Arbeitskraft zu bekommen. Was das Alter angeht: Das grundsätzliche Ziel muss es natürlich sein, seine Erfahrung (und ggf. das persönliche "Gewicht" seines Auftretens) auszuspielen. Das ist halt das, was er jüngeren und formal höher qualifizierten Konkurrenten entgegensetzen kann. Da sollte er sich glasklar positionieren...

Knightley
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Beitrag von Knightley » 29.04.2011, 22:51

Irgendetwas kann bei der insolventen Firma deines Vaters nicht stimmen:
Die Insolvenzeröffnung hat keinen Einfluss auf die Fortgeltung des allgemeinen Arbeitsrechts. Der Bestand und der Inhalt des Arbeitsverhältnisses bleibt unberührt (vgl. § 108 Abs.1 InsO). Auch in der Insolvenz des Arbeitgebers existiert grundsätzlich kein besonderes Arbeitsrecht.
http://www.brennecke-partner.de/765/Kue ... habmahnung
die Kündigungsfrist verringert sich auf 3 Monate zum Monatsende (§ 113 InsO), sofern nicht ohnehin eine kürzere Kündigungsfrist maßgeblich ist.
http://www.rechtsrat.ws/lexikon/insolvenz.htm
Auch in der Insolvenz ist eine Kündigung nur dann wirksam, wenn die Sozialauswahl beachtet wurde und der Betriebsrat ordnungsgemäß beteiligt wurde.
http://www.insolvenzrecht.info/startseitenwerbung/

Mastermind2388
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Beitrag von Mastermind2388 » 30.04.2011, 03:10

Also heute bekam er einen Brief das er ne Frist bis zum 31.07.2011 hat, die bekam er nur weil er gedroht hat zu klagen.

Also mein Papa hat mit 15 Angefangen als einfacher Maschinenführer in der Druckerei im Bereich Tiefdruck mit der Zeit hat er sich dann Hochgearbeitet zum Mustermacher (so hieß das in seinem Betrieb), er hat für sämtliche Kunden Muster für Kataloge und Prospekte erstellt, zugeschnitten und diese bis zum Versand bearbeit und nebenbei etwas Vertriebsarbeit geleistet, vieles war halt vor meiner Zeit ich muss ausführlich mit meinem Vater drüber reden dann schreib ich mehr dazu, er selbst hat kein PC und kennt sich damit auch kaum aus geschweige denn Internet deshalb schreib ich das aber ich lass mir alles mal aufschreiben von ihm dann stell ich das mal hier rein wenn es hilft =)
Und er lässt sich auch ein Arbeitszeugnis ausstellen was wohl sehr Positiv ausfällt (sehr niedriger Krankenstand, sehr Zuverlässig und Motiviert, die Arbeit immer zu vollsten Zufriedenheit erledigt etc.)

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 30.04.2011, 11:10

Mastermind2388 hat geschrieben:Also heute bekam er einen Brief das er ne Frist bis zum 31.07.2011 hat, die bekam er nur weil er gedroht hat zu klagen.
Und wie ist das mit der Abfindung? Ich denke wirklich, dass ihr dieses Thema mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht angehen solltet...

Mastermind2388
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Beitrag von Mastermind2388 » 30.04.2011, 11:38

Das mit der Abfindung hab ich ihn auch gefragt, nach der langen Zeit bekäme er ne richtig hohe, aber meinte da sei gar nix mehr zu holen.
Also er wird auch Klagen (Anwalt wird vom Betriebsrat gestellt) da man ihm nicht mal ne Innerbetriebliche versetzung angeboten hat, obwohl er für einige Bereiche in Frage käme, statt dessen sollen billige Leiharbeiter her... :x

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 01.05.2011, 09:58

Ich dachte, die Firma sei insolvent? Allmählich blicke ich nicht mehr durch...

schattenmann
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Beitrag von schattenmann » 01.05.2011, 21:49

Ich dachte, die Firma sei insolvent? Allmählich blicke ich nicht mehr durch...
@FRAGEN
kriegst dazu ne pn. ich will nicht nochmal aufgefordert werden nen post von mir zu löschen...

@Mastermind2388

sag deinem dad aber er soll sich so oder so nen anderen job suchen... auch wenn er via klage nen innerbetrieblichen neuen job bekäme - danach sucht man gründe ihn doch rauszuwerfen...

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Beitrag von Mastermind2388 » 02.05.2011, 01:21

Hab jetzt nochmal ausführlich mit ihm darüber gesprochen.
Also es ist ein Insolventverfahren eröffnet worden, es fand sich kein Investor und soweit ich das verstanden hab hat der jetzige Chef alle Mitarbeiter die nicht zum Kern der Hauptfirma gehören (darunter ja mein Papa) rausgeworfen und nur die behalten die wirklich notwendig sind um den Betrieb am laufen zuhalten behalten. Denn der Chef hat die Kern Firma selber gekauft bzw finanziell Unterstützt und die anderen, damals aufgekauften Firmen, nicht und halt alle rausgeschmissen.

Knightley
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Beitrag von Knightley » 02.05.2011, 22:59

Wenn es keinen Investor gab, wie kann der neue Chef die Firma gekauft haben?

Bei Insolvenzverfahren-Eröffnung wird vom Gericht ein Insolvenzverwalter eingesetzt, der alle unternehmerischen Entscheidungen trifft. Dieser kann nicht wie er lustig ist Mitarbeiter entlassen.

Sofern es dort keine Arbeitnehmervertretung gab, ist es trotzdem eine Überlegung wert, sich als betroffene Kollegen mal zusammenzusetzen, um Informationen auszutauschen und gemeinsam das Vorgehen abzustimmen.

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