Bewerbung als SozialarbeiterIn in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Wenn ihr Berufsanfänger oder Berufspraktiker seid, dann könnt ihr eure Bewerbungsbeispiele in dieser Rubrik zur Diskussion stellen und die Musterbewerbungen anderer Bewerber bewerten. Auch für Bewerbungen um eine Neben- oder Teilzeitbeschäftigung.
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Steffie1604
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Bewerbung als SozialarbeiterIn in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Beitrag von Steffie1604 » 13.07.2020, 18:12

Hallo alle miteinander.
Ich bin 33 Jahre alt, w und beende gerade mein Studium für Soziale Arbeit, dass ich 2016 begann. Ich arbeitete zuvor als Kinderkrankenschwester und bekam zwischen 2010 und 2015 zwei Kinder. Eines davon hat die Autismus-Spektrum-Störung weshalb ich mich insbesondere für Chancengleichheit und Teilhabe stark mache (Frage: ich habe mir überlegt, ob dies eine Referenz sein kann, die erwähnenswert ist - schließlich muss ich fast täglich mit zum Teil sehr schweren Situationen im Umgang mit meinem Sohn fertig werden, was für KlientInnen in der Psychiatrie hilfreich ist. Oder würde es eher als nachteilig empfunden werden? Vielleicht habt ihr dazu einen Standpunkt).
Inklusion ist also ein persönliches Interesse für mich, weshalb ich auch in verschiedenen Einrichtungen arbeitete (im Rahmen des Studiums), in denen Inklusion ein Arbeitsschwerpunkt ist.


Ich bewerbe mich in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik als SozialarbeiterIn, wo es unter anderem meine Aufgabe wäre, sozialrechtliche Beratungen durchzuführen, zu unterstützen (z.B. bei Anträgen) und aufzuklären über z.B. Pflegegrad, Behindertenausweis etc.

Meine Bewerbung habe ich so gut es geht mit den hier bereits gelesenen Tipps und Anmerkungen versucht zu schreiben.
Was mir noch immer nicht gefällt ist, dass ich doch noch sehr Lebenslauf nacherzähle. Ich weiß nicht ganz, wie ich das vermeiden kann. Vor allem der rot markierte Satz gefällt mir so nicht. Er bezieht sich irgendwie gar nicht auf den Vorherigen bzw. lässt der vorherige keine Begründung für diesen Satz erkennen. Er wirkt dadurch hinten rangehangen :roll: . An welcher Stelle könnte ich ihn stellen, oder wie genau, kann ich ihn begründen (also im Sinne von: wie komme ich darauf, das ich das kann?)

Ich hoffe ihr könnt mir diesbezüglich helfen. Und sollte euch noch etwas auffallen, scheut euch nicht, es mir zu schreiben.
Ich danke euch. Hier nun meine Bewerbung:

Bewerbung als Sozialarbeiterin in Teilzeit (30 Wochenstunden)
Referenz-Nr. xxxxxx


Sehr geehrter Herr Dr. x,

eine wirksame und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit psychischer Erkrankung an der Gesellschaft, ist mir ein großes Anliegen. Deshalb habe ich ein besonderes Interesse an Ihrem Stellenangebot.

Im Rahmen meines Studiums an der Alice Salomon Hochschule Berlin, das ich voraussichtlich Ende August beenden werde, war ich unter anderem in einer therapeutischen Tagesgruppe tätig. Die Arbeit ist hier auf psychosozial hoch belastete Familien ausgelegt. Meine Stärken im ressourcen- und lösungsorientierten Arbeiten waren hier besonders im Case Management von Vorteil.
Mein Fachwissen in Bezug auf das Berliner Hilfesystem für Kinder, Jugendliche und Erwachsene fand vor allem in der Beratung und Begleitung der Angehörigen Anwendung, die zum Teil selbst psychisch erkrankt waren. Dies verlangte eine permanente, berufsspezifische Auseinandersetzung mit sozialrechtlichen Fragestellungen.

Mein empathisches, authentisches und wertschätzendes Auftreten ließ dabei meine Klient*innen schnell Vertrauen zu mir fassen.
Auch aus meinem früheren Beruf als Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, den ich in der xx erlernt habe, ist mir der Umgang mit Menschen in krisenbehafteten Situationen bekannt. Ich arbeite dadurch strukturiert und selbständig.

Daher bin ich überzeugt, dieser herausfordernden und verantwortungsvollen Tätigkeit gerecht zu werden und freue mich über ein persönliches Gespräch mit Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen

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TheGuide
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Re: Bewerbung als SozialarbeiterIn in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Beitrag von TheGuide » 13.07.2020, 20:39

Steffie1604 hat geschrieben:
13.07.2020, 18:12
eine wirksame und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit psychischer Erkrankung an der Gesellschaft, ist mir ein großes Anliegen. Deshalb habe ich ein besonderes Interesse an Ihrem Stellenangebot.
Das wirkt etwas blutleer, vor allem der zweite Satz ist echt überflüssig.
Im Rahmen meines Studiums an der Alice Salomon Hochschule Berlin, das ich voraussichtlich Ende August beenden werde, war ich unter anderem in einer therapeutischen Tagesgruppe tätig.
Stimmt, lebenslauflastig. Du musst das zum Argumnet verarbeiten.
Die Arbeit ist hier auf psychosozial hoch belastete Familien ausgelegt.
Dein Arbeitgeber will nicht dort arbeiten. ;)
Ernsthaft. du kommst in diesem Satz nicht vor, also hat der Satz hier nichts zu suchen.
Mein Fachwissen in Bezug auf das Berliner Hilfesystem für Kinder, Jugendliche und Erwachsene fand vor allem in der Beratung und Begleitung der Angehörigen Anwendung, die zum Teil selbst psychisch erkrankt waren.
Hier ist dein Fachwissen Subjekt, nicht du.
Dies verlangte eine permanente, berufsspezifische Auseinandersetzung mit sozialrechtlichen Fragestellungen.
Das klingt nicht schön. Du bist nicht Subjekt und präsentierst sich hier als potentiell überfordert.
Mein empathisches, authentisches und wertschätzendes Auftreten ließ dabei meine Klient*innen schnell Vertrauen zu mir fassen.
Subjekt? Das Autreten.
[ Ich arbeite dadurch strukturiert und selbständig.
Daher bin ich überzeugt, dieser herausfordernden und verantwortungsvollen Tätigkeit gerecht zu werden und freue mich über ein persönliches Gespräch mit Ihnen.
Ich bin überzeugt markiert interessanterweise Spekulation.

Steffie1604
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Re: Bewerbung als SozialarbeiterIn in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Beitrag von Steffie1604 » 13.07.2020, 21:19

Danke schonmal, das hilft mir schon einmal sehr. Das werde ich direkt versuchen umzusetzen. Nur noch zwei Fragen:
TheGuide hat geschrieben:
13.07.2020, 20:39
Das wirkt etwas blutleer,
Kannst du das "blutleer" präzisieren? Ich verstehe nicht, ganz was du damit sagen willst. Ich kann daran nichts ändern, wenn das alles heißen könnte :mrgreen: :oops:
TheGuide hat geschrieben:
13.07.2020, 20:39
Ich bin überzeugt markiert interessanterweise Spekulation.
Oh okay, das habe ich so noch nie empfunden. Kann ich das dann wie folgt formulieren?

"Diese herausfordernde und verantwortungsvolle Tätigkeit werde ich sehr gerne übernehmen. Daher freue mich über ein persönliches Gespräch mit Ihnen."

Steffie1604
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Re: Bewerbung als SozialarbeiterIn in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Beitrag von Steffie1604 » 13.07.2020, 22:04

Steffie1604 hat geschrieben:
13.07.2020, 21:19
:
TheGuide hat geschrieben:
13.07.2020, 20:39
Das wirkt etwas blutleer,
Kannst du das "blutleer" präzisieren?
Meinst du damit unpersönlich?

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TheGuide
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Re: Bewerbung als SozialarbeiterIn in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Beitrag von TheGuide » 13.07.2020, 23:28

Unpersönlich, desinteressiert, nicht vom Hocker reißend. "ist mir ein Anliegen" - das ist doch keine natürliche Sprache. Wir schreiben das Jahr 2020 und nicht 1952. Anliegen ist doch ein völlig emotionsloses, rein juristisches Wort. Abgesehen davon war das Komma falsch.
Zuviel Emotion mag in deinem Beruf ja auch nicht gut sein, aber in dem Berufsfeld ist doch Emotion auch ein Teil der Motivation, oder nicht? du bewirbst dich ja jetzt nicht als Programmiererin bei einem auf Wirtschaftsrecht spezialisierten Software-Unternehmen. (Sorry an alle Juristen, Ökonomen und Informatiker, die das lesen, aber das ist mir gerade als Gipfel der Emotionslosigkeit eingefallen. :oops: Öhm... bestimmt absolut zu Unrecht :mrgreen: )

Steffie1604
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Re: Bewerbung als SozialarbeiterIn in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Beitrag von Steffie1604 » 15.07.2020, 01:35

Okay ich habe mal versucht, alle deine Punkte irgendwie umzusetzen. Besonders die Einleitung fand ich schwierig. Ich hoffe mir ist eine Grätsche zwischen 'persönlich' und 'nicht zu emotional' gelungen. Ich weiß nicht, ob es nicht nachteilig wäre, wenn ich die Bedeutsamkeit für mich, durch das Vorhandensein meines autistischen Sohnes begründe. Ich habe Sorge, dass dies eher negativ ausgelegt wird.
Sehr geehrter Herr Dr. X,
die wirksame und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit psychischer Erkrankung an der Gesellschaft ist für mich sehr bedeutsam. Ich möchte sehr gerne dazu beitragen und stelle mich Ihnen deshalb vor.

Voraussichtlich Ende August werde ich mein Studium mit dem Bachelor of Arts im Studiengang Soziale Arbeit beenden.
Im Rahmen meines Studiums arbeitete ich mit psychosozial hoch belasteten Familien in einer therapeutischen Tagesgruppe. Hierbei baute ich meine Fähigkeiten zum ressourcen- und lösungsorientierten Arbeiten aus und stellte diese, besonders im Case Management, in der Begleitung meiner Klient*innen und der Beratung ihrer Angehörigen, die zumeist ebenso psychisch erkrankt waren, unter Beweis.

Ich verfüge über Fachwissen bezüglich des Berliner Hilfesystems für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Somit gelang mir die berufsspezifische Auseinandersetzung mit sozialrechtlichen Fragestellungen, was mir eine individuelle Beratung ermöglichte. Meine Klient*innen fassen schnell Vertrauen zu mir, da ich ihnen gegenüber aufgeschlossen, authentisch und wertschätzend auftrete.

Bereits in meinem früheren Beruf als Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, den ich in der xxx erlernt habe, eignete ich mir eine strukturierte und selbständige Arbeitsweise an.

Die herausfordernde und verantwortungsvolle Tätigkeit werde ich daher sehr gerne übernehmen und freue mich über ein persönliches Gespräch mit Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen

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TheGuide
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Re: Bewerbung als SozialarbeiterIn in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Beitrag von TheGuide » 15.07.2020, 19:21

Steffie1604 hat geschrieben:
15.07.2020, 01:35
die wirksame und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit psychischer Erkrankung an der Gesellschaft ist für mich sehr bedeutsam.
Das klingt immer noch eher technnokratisch als emotional verbunden.
Warum ist das für dich bedeutsam?
Ich möchte sehr gerne dazu beitragen und stelle mich Ihnen deshalb vor.
Überflüssig, streichen.
Voraussichtlich Ende August werde ich mein Studium mit dem Bachelor of Arts im Studiengang Soziale Arbeit beenden.
:arrow: Lebenslauf
Voraussichtlich Ende August werde ich mein Studium mit dem Bachelor of Arts im Studiengang Soziale Arbeit beenden.
Im Rahmen meines Studiums arbeitete ich mit psychosozial hoch belasteten Familien in einer therapeutischen Tagesgruppe. Hierbei baute ich meine Fähigkeiten zum ressourcen- und lösungsorientierten Arbeiten aus und stellte diese, besonders im Case Management, in der Begleitung meiner Klient*innen und der Beratung ihrer Angehörigen, die zumeist ebenso psychisch erkrankt waren, unter Beweis.
Wiederholungen, Tw. bandwurmsatzartig.
was mir eine individuelle Beratung ermöglichte
Subjekt?
Du bist hier Objekt!
Bereits in meinem früheren Beruf als Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, den ich in der xxx erlernt habe, eignete ich mir eine strukturierte und selbständige Arbeitsweise an.
Einschub: Irrelevant und Lebenslaufnacherzählung.

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Re: Bewerbung als SozialarbeiterIn in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Beitrag von Steffie1604 » 15.07.2020, 22:41

TheGuide hat geschrieben:
15.07.2020, 19:21
Steffie1604 hat geschrieben:
15.07.2020, 01:35
die wirksame und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit psychischer Erkrankung an der Gesellschaft ist für mich sehr bedeutsam.
Das klingt immer noch eher technnokratisch als emotional verbunden.
Warum ist das für dich bedeutsam?
Das habe ich oben bereits 2x gefragt. Es ist bedeutsam für mich, weil ich einen Sohn mit Autismus habe. NUR: Wenn ich das schreibe, kann es mir negativ ausgelegt werden. Spekulationen á la "fehlt ständig" hab ich bereits bei Bewerbungen in Praktikumsstellen gehabt. Fragestellungen nach dem "können sie denn da 100% geben?" Tatsächlich will ich mein Privatleben da nicht direkt plakativ benutzen. Aber ich weiß auch nicht, wie es es begründen könnte. Reicht da "aus privaten Gründen?"
Überflüssig, streichen.
Könnte eine Überleitung stattdessen so funktionieren?

"Dazu möchte ich sehr gerne, als Teil Ihres Teams, beitragen."

Irgendwie muss ja übergeleitet werden. Das klingt doch sonst auch nur aneinandergereiht.
was mir eine individuelle Beratung ermöglichte
Subjekt?
Du bist hier Objekt!
Klingt es so besser?
[...] weshalb ich in Beratungen individueller auf Klient*innen eingehen kann.
Zuletzt geändert von Steffie1604 am 15.07.2020, 23:22, insgesamt 1-mal geändert.


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Re: Bewerbung als SozialarbeiterIn in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Beitrag von TheGuide » 17.07.2020, 13:58

Steffie1604 hat geschrieben:
15.07.2020, 22:41
TheGuide hat geschrieben:
15.07.2020, 19:21
Steffie1604 hat geschrieben:
15.07.2020, 01:35
die wirksame und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit psychischer Erkrankung an der Gesellschaft ist für mich sehr bedeutsam.
Das klingt immer noch eher technnokratisch als emotional verbunden.
Warum ist das für dich bedeutsam?
Das habe ich oben bereits 2x gefragt. Es ist bedeutsam für mich, weil ich einen Sohn mit Autismus habe. NUR: Wenn ich das schreibe, kann es mir negativ ausgelegt werden. Spekulationen á la "fehlt ständig" hab ich bereits bei Bewerbungen in Praktikumsstellen gehabt. Fragestellungen nach dem "können sie denn da 100% geben?" Tatsächlich will ich mein Privatleben da nicht direkt plakativ benutzen. Aber ich weiß auch nicht, wie es es begründen könnte. Reicht da "aus privaten Gründen?"
Die Bedeutsamkeit weist doch auf Wertvorstellungen hin. Soolche Wertvorstellungen kann (und muss man hier) auch rausarbeiten. Wenn jemand "aus privaten Gründen" läse, würde der sich wahrscheinlich hinters Licht geführt fühlen.
"Dazu möchte ich sehr gerne, als Teil Ihres Teams, beitragen."
Auch da wäre dann wieder die Frage, warum.
Klingt es so besser?
[...] weshalb ich in Beratungen individueller auf Klient*innen eingehen kann.
Es geht nicht so sehr ums besser klingen, sondern um Klarheit und Stringenz.


Schreib den Brief mal so, als ginge er an deine Oma oder an deine beste Freundin, oder an jemanden aus deinem engsten Kreis, der so gar keinen Sinn für Psychiatrie etc. hat. erkäre solchen Leuten deine Begeisterung dafür.

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