Bewerbungsschreiben Krankenschwester in JVA

Wenn ihr Berufsanfänger oder Berufspraktiker seid, dann könnt ihr eure Bewerbungsbeispiele in dieser Rubrik zur Diskussion stellen und die Musterbewerbungen anderer Bewerber bewerten. Auch für Bewerbungen um eine Neben- oder Teilzeitbeschäftigung.
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theodor111
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Bewerbungsschreiben Krankenschwester in JVA

Beitrag von theodor111 » 14.09.2016, 20:15

Hallo,

meine Frau möchte sich als Krankenschwester in einer JVA bewerben.
Der Text der Stellenausschreibung ist sehr schlicht und nüchtern gehalten, so dass man darin keinen Anhaltspunkt hat, worauf man Bezug nehmen könnte.

Es wird lediglich gefordert:

Examinierte Kankenpflegekraft
Höchstalter 45 Jahre
Verbeamtung vorgesehen

Habe nun folgendes aufgesetzt:



Bewerbung als Gesundheits- und Krankenpflegerin


Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Menschen umgehen und diese medizinisch zu versorgen, beziehungsweise mit diesen Menschen entsprechende Vorsorge zu betreiben um Krankheiten und gesundheitliche Probleme zu verhindern, ist das, was mich dazu gebracht hat, diesen Beruf zu ergreifen.

Derzeit versorge ich in der ambulanten Pflege in Teilzeit für die Diakonie XXXXX meine Patienten und stelle sicher, das ihnen beste Pflege und auch psychologische Betreuung zu Gute kommt. Damit erfülle ich auch das Ziel meiner Berufung, die Patienten in ihrer Mobilität und Selbstsicherheit in ihrem täglichen Leben zu stärken.

Da leider in der ambulanten Pflege viel Zeit durch die Fahrten zwischen den Patienten auf der Strecke bleibt, möchte ich mich sehr gerne beruflich verändern und wieder in den Stationsdienst einsteigen um dort noch mehr der täglichen Arbeitszeit direkt am Patienten wirken zu können.

Gerne stehe ich zu einem persönlichen Gespräch mit Ihnen zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 14.09.2016, 21:18

JVA ist klar, was das bedeutet, ja? Also psychologisch etc.?

theodor111
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Beitrag von theodor111 » 14.09.2016, 23:02

Nein,
es geht quasi um die Bettenstation dort. Hier werden auch nur leichte Erkrankungen behandelt.

Tätigkeit wären Verbände/Spritzen/Fiebermessen + Arzthelfertätigkeit.

Schwerere Erkrankungen werden in ein Krankenhaus verlegt.

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Beitrag von TheGuide » 15.09.2016, 01:10

Mir ging es eher um den Umgang mit Verbrechern, die womöglich auch gefährlich sein könnten.

theodor111
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Beitrag von theodor111 » 15.09.2016, 08:05

Hm,
es handelt sich um eine kleine JVA mit "leichten" Jungs.....
Ich finde gerade keine Verbindung vom ambulanten Pflegedienst (99% Senioren 75+) zu der JVA-Krankenstation. Und ob man die Psyche der Senioren mit der von JVAlern vergleichen kann ??


Die Motivation ist, wie geschrieben, hauptsächlich der Stationsdienst anstatt ambulanter Dienst.

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 15.09.2016, 08:12

Vielleicht sollte deine Frau die Bewerbung selber schreiben? Denn wie intim ihr auch immer seid, 100prozentig wirst du dich nie in deine Frau hineinfühlen können, ihre Wünsche und Motivation.
Was ist der Grund für ihren Wechselwunsch?

theodor111
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Beitrag von theodor111 » 15.09.2016, 08:38

Der Grund ist wie gesagt, dass sie in der ambulanten Pflege zu viel Zeit auf der Strasse lässt und beim Patienten auf jede Minute schauen muss. Wenn sie dort etwas länger bleibt, bekommt sie es nicht bezahlt (wenn also der Patient noch am Essen ist, sie aber zum Waschen hinkommt, müsste sie ihn eigentlich vom Essen weg ins Bad bringen und ann wieder an den Esstisch setzen, antsatt halt 5 Minuten ihn fertig essen zu lassen)

Daher möchte sie gerne wieder in den Stationsdienst.

Wie gesagt, die Anzeige ist sehr nüchtern und sachlich gehalten, daher finde ich da keinen Punkt, wo ich anknüpfen könnte.

Außer "ich möchte gern Beamter werden, daher schreibe ich ihnen" :oops:

katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag » 15.09.2016, 10:24

Also, wenn es um die Zeit geht, die Deine Frau dann intensiv am Patienten arbeiten kann - das sollte in der JVA schon gegeben sein ;)

Tatsächlich möchte ich aber den Vorschlag unterstützen, dass Deine Liebe sich selbst hier anmeldet, damit wir gemeinsam mit ihr diskutieren können :) Ihre eigene Stimme, ihr eigener Stil ist das, was ihre Bewerbung von anderen abheben wird. Nix gegen Dich - Du bist bestimmt super - aber dann eben doch nicht Deine Frau...

Was hat's denn für Erfahrungen - außer mit Senioren? Was wird ihrer Meinung nach in der JVA gefordert sein?

Ein Freund von mir hat in einer kleinen JVA in der Seelsorge gearbeitet - das war nicht easy... nicht, weil die Inhaftierten über Erwarten schlimm gewesen wären, die Situation als solche hat an ihm genagt. Kann Deine Frau das aushalten, das ist erstmal die Frage.

Romanum
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Beitrag von Romanum » 15.09.2016, 15:41

theodor111 hat geschrieben:Ich finde gerade keine Verbindung vom ambulanten Pflegedienst (99% Senioren 75+) zu der JVA-Krankenstation. Und ob man die Psyche der Senioren mit der von JVAlern vergleichen kann ??

So eine Verbindung ist meines Erachtens auch gar nicht so wichtig. Es geht doch im Grunde um die vergleichbaren Aufgaben und um die vorhandene Berufserfahrung.

Außerdem ist es im Anschreiben schon erklärt, dass deine Frau einfach mehr produktiv im eigentlichen Job und weniger als Fahrerin tätig sein will. Das ist schon ein sehr nachvollziehbarer Grund.

Andernfalls könnte sie etwas dazu schreiben, wie sie mit ihrer Arbeit zur Resozialisierung der Gefangenen beitragen will.



cre
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Beitrag von cre » 16.09.2016, 00:40

TheGuide hat geschrieben:Mir ging es eher um den Umgang mit Verbrechern, die womöglich auch gefährlich sein könnten.
Jaja, Verbrecher die auch gefährlich sein können. Jeder Mensch kann gefährlich sein und gerade als Krankenschwester weiß man nie wenn man vor sich hat. In einer JVA ist sogar der Vorteil, dass man weiß das man es hier mit straffällig gewordenen Menschen zu tun hat und entsprechende Schutzmaßnahmen trifft.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 16.09.2016, 08:01

theodor111 hat geschrieben:Ich finde gerade keine Verbindung vom ambulanten Pflegedienst (99% Senioren 75+) zu der JVA-Krankenstation. Und ob man die Psyche der Senioren mit der von JVAlern vergleichen kann ??
Das ist genau die richtige Frage... die Du für Deine Frau in diesem Text in fast schon provokativer Weise ausklammerst. Du schreibst so, als gäbe es keinen Unterschied zwischen dem dementen Hochbetagten und dem russischen, libanesischen oder nationalsozialistisch-deutschen Gangboy auf dem Zenit seiner Kraft. Als wäre Spritze gleich Spritze und der Unterschied zwischen Geriatrie und Knast nichts als das komfortablere Zeitbudget bei Letzterem.

Wenn sie das wirklich exakt so sähe, wäre sie m. E. ein sehr, sehr ungewöhnlicher Mensch... wobei die Frage noch ist, welcher Art diese Ungewöhnlichkeit wäre. Das könnte bodenlose Naivität, absolute Professionalität oder annähernde Heiligkeit sein... aber nichts, was man an jeder Ecke findet. Auch nicht an jeder zweiten, dritten oder vierten. Von daher würe es auch mich EXTREM interessieren, hier ihre eigene Sicht zu hören... die dann im Endeffekt auch irgendwie in den Text einfliessen sollte.

Ich kann nur sagen, dass die dem Anschein nach völlige Bedeutungslosigkeit von Ort und Menschen auf mich einigermassen befremdlich wirkt - insbesondere in einem Beruf, der sich durch eine dermassen ausgeprägte Menschenbezogenheit auszeichnet... und wenn der Wechsel gerade diesbezüglich derart krass ausfällt. Du konzentrierst ich ja ausschliesslich auf en Unterschied zwischen "ambulant" und "stationär"... wobei das aus der Sicht des Aussenstehenden der kleinste aller Unterschiede ist. M. E. müsste aus dem endgültigen Text hervorgehen, dass sie weiss, worauf sie sich da einlässt, und dass (im Idealfall auch, warum) das für sie OK sein kann...

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Beitrag von theodor111 » 16.09.2016, 09:10

Hallo,

ich verstehe Eure Einwände absolut. Genau so sehe ich das auch, aber es fällt uns eben nichts dazu ein.

Sie hat keine Erfahrung mit Sträflingen. (wie erwähnt, es ist eine regionale JVA mit kurzzeit Sträflingen).

Wenn Sie jetzt bei einem Arzt arbeiten würde, der ab und zu ins Gefängnis zu "Hausbesuchen", dann könnte ich schreiben, dass Ihr das dort eben speziell zusagt, diese Aufgabe. Letztendlich kann man ja auch nicht irgendwas schreiben und wenn später im VG nachgehakt wird, stellt sich raus, das es alles nur heisse Luft war ??

Darüber hinaus würde ich vermuten, dass gerad ebei einer solchen Ausschreibung eher ein Punkteschema verwendet wird, wo die Übereinstimmungen Bewerber/Anforderungen bewertet werden und das Anschreiben hier wahrscheinlich weniger ins Gewicht fällt. (bin selber im Behördengeschäft als Zulieferer tätig)

Wir machen uns mal noch Gedanken über Eure Meinungen und Vorschläge und halten Euch auf dem Laufenden.

katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag » 16.09.2016, 15:41

Wenn es hauptsächlich um die Deckungsgleichheit zwischen Bewerberkompetenzen und AGansprüchen ginge, würde ich eher eine Onlinebewerbung erwarten, also mit Formular zum Ausfüllen. Das wäre eine große Hilfe für das HR Dep. beim Aussieben. Wenn so etwas nicht gegeben ist, würde ich mir die Chance mit einem wenig durchdachten Anschreiben nicht verderben wollen...

Mariposa96
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Beitrag von Mariposa96 » 18.09.2016, 12:26

Ist in einer JVA nicht das Arbeiten auch sehr selbständig? Selbstständiger wie auf Station? Dann kann sie damit punkten und ihr solltet das unbedingt mit einfließen lassen. Ich habe selbst in meiner Ausbildung drei Monate ambulante Pflege hinter mir und da bist du dein eigener Herr und verwaltest für dich.

Ich verstehe die Beweggründe deiner Frau sehr gut, ambulante Pflege war auch nicht meins und ich war froh, dass ich die Pflichtstunden fast voll habe/hatte. Aber ich finde in der Bewerbung deiner Frau fehlt das persönliche und der richtige "Pepp"

theodor111
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Beitrag von theodor111 » 19.09.2016, 20:26

Habe die Veränderung mal grün unterlegt.....
Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Menschen umgehen und diese medizinisch zu versorgen, beziehungsweise mit diesen Menschen entsprechende Vorsorge zu betreiben um Krankheiten und gesundheitliche Probleme zu verhindern, ist das, was mich dazu gebracht hat, diesen Beruf zu ergreifen.

Derzeit versorge ich in der ambulanten Pflege in Teilzeit für die Diakonie XXXXX meine Patienten und stelle sicher, das ihnen beste Pflege und auch psychologische Betreuung zu Gute kommt. Damit erfülle ich auch das Ziel meiner Berufung, die Patienten in ihrer Mobilität und Selbstständigkeit in ihrem täglichen Leben zu stärken.

Da leider in der ambulanten Pflege viel Zeit durch die Fahrten zwischen den Patienten auf der Strecke bleibt, möchte ich mich sehr gerne beruflich verändern und wieder in den Stationsdienst einsteigen um dort noch mehr der täglichen Arbeitszeit direkt am Patienten wirken zu können. Andererseits schätze ich sehr die Verantwortung und das selbstständige Arbeiten. Daher sollte mein neuer Aufgabenbereich beides vereinen.

Gerne stehe ich zu einem persönlichen Gespräch mit Ihnen zur Verfügung.

katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag » 20.09.2016, 08:49

Ich finde das mit der Mobilität ein bisschen - hm - doppeldeutig ;)

Die grün unterlegte Begründung pro Stationsdienst finde ich gut - aber lasst doch den ersten Halbsatz einfach aus (auch wenn 'Fahrten...Strecke' ein nettes Wortspiel ist), der wirkt so negativ.

theodor111
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Beitrag von theodor111 » 22.10.2016, 09:56

Hallo nochmal,

meine Frau hat eine Absage bekommen.
Zwischenzeitlich haben wir aber auch mitbekommen, dass sie sich die Bewerbung sparen konnte, da hier eh nur männliches Personal eingestellt wird.

Da hab ich gerade einen etwas dicken Hals, da in der Anzeige noch betont wurde, dass man sich ausdrücklich aufgrund der Gleichstellungsrichtlinen Bewerbungen von Frauen wünscht und diese sogar bevorzugt behandeln würde.....

Da treibt diese Gleichstellerei echt Stilblüten.... Wäre doch absolut nachvollziehbar, wenn die schreiben "Männerknast -> kann nur ein Mann eingestellt werden..."

BlackDiamond
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Beitrag von BlackDiamond » 22.10.2016, 11:40

theodor111 hat geschrieben:Hallo nochmal,

meine Frau hat eine Absage bekommen.
Zwischenzeitlich haben wir aber auch mitbekommen, dass sie sich die Bewerbung sparen konnte, da hier eh nur männliches Personal eingestellt wird.

Da hab ich gerade einen etwas dicken Hals, da in der Anzeige noch betont wurde, dass man sich ausdrücklich aufgrund der Gleichstellungsrichtlinen Bewerbungen von Frauen wünscht und diese sogar bevorzugt behandeln würde.....

Da treibt diese Gleichstellerei echt Stilblüten.... Wäre doch absolut nachvollziehbar, wenn die schreiben "Männerknast -> kann nur ein Mann eingestellt werden..."
Ja, so ist das mit den Männern. In vielen Berufen sind sie doch am liebsten unter sich. Auch bei der Polizei, ist ja bekannt. Angeblich natürlich immer nur wegen der körperlichen Belastbarkeit, logisch. Nicht, weil sie unter sich sein wollen *flöt*

Zum Thema Männerknast: ich glaube, 90 % aller Gefängnisse sind Männerknaste, da auch 90 % aller Straftaten mit Freiheitsentzug von Männern verübt werden. Aber ich hab erst neulich im TV einen Bericht über Gefängnisse und deren Alltag gesehen, da waren auch Wärterinnen oder wir man das nennt. Die sagten, die körperliche Überlegenheit vieler Gefangenen sei kein Problem, weil sie eh immer alles zu zweit machen.

Aber die Gleichstellungsrichtline gibts halt trotzdem und das ist auch gut so. Wäre ja auch noch schöner, wenn sie das von offizieller Seite aus auch noch dürften. Wenn sie bei einer Klage durch eine Frau nicht nachweisen können, dass der Bewerber, den sie genommen haben, nicht klare Vorteile hatte, können sie richtige Schwierigkeiten bekommen.

Ist sie denn eingeladen worden oder hat sie gleich eine Absage bekommen?

theodor111
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Beitrag von theodor111 » 22.10.2016, 12:50

Gleich Absage, eine Kollegin, die sich dort beworben hat auch.

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