Bürokaufmann Ausbildungszeugnis beurteilen

Fragen zu Zeugnissen und Nachweisen: Müssen alle bisherigen Zeugnisse mitgeschickt werden? Welche Nachweise sind wichtig? Wie müssen die Zeugnisse geordnet werden?
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Cool123
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Bürokaufmann Ausbildungszeugnis beurteilen

Beitrag von Cool123 » 25.07.2011, 19:07

Hallo zusammen,

ich habe heute mein Ausbildungszeugnis bekommen und habe das Gefühl, dass es irgendwie schlecht ist. Aber vielleicht täusche ich mich ja.

Bitte helft mir zu verstehen, was die verschlüsselten Sätze bedeuten.
Herr XXX, geb. am XX.XX.XXXX, begann am XX.XX.2008 die Ausbildung zum Bürokaufmann in unserer Verwaltung.

Firmenvorstellung

Herr XXX wurde entsprechend dem Ausbildungsplan in den Abteilungen XXX eingesetzt.

Während seiner Ausbildung eignete sich Herr XXX in diesen Fachbereichen das praktische Wissen sowie die Grundlagen und wesentlichen Funktionsmerkmale eines Einzelhandelsunternehmens an.

Herr XXX war ein freundlicher und zuverlässiger Auszubildender. Er verfügte über eine gute Auffassungsgabe und zeigte jederzeit Interesse an neuen Ausbildungsinhalten und Arbeitsaufgaben. Den ihm übertragenen Aufgabenbereich erfüllte Herr XXX ordentlich und zu unserer vollen Zufriedenheit. Wegen seiner hilfsbereiten Art war er geschätzt und beliebt bei seinen Vorgesetzten und Kollegen.

Das Ausbildungsverhältnis endet mit dem heutigen Tag. Wir beglückwünschen Herrn X zur bestandenen Abschlussprüfung vor der IHK XXX.

Ab XX.07.2011 übernehmen wir ihn als kaufmännischen Angestellten im Bereich XXX.

Wir freuen uns auf eine weitere gute Zusammenarbeit und wünschen ihm für seinen beruflichen Werdegang in unserem Unternehmen alles Gute und viel Erfolg.
> "zu unserer vollen Zufriedenheit" bedeutet Note 3 richtig? Sozusagen mit das schlechteste, was eine Firma im Normalfall ausstellt

> Und das "zeigte jederzeit Interesse" klingt auch irgendwie komisch, so in etwa ich bin zwar interessiert aber mehr auch nicht... Aber vielleicht sehe ich das auch falsch

> ...vor der IHK XXX (steht für den Ort)
müsste das nicht heißen "von der IHK XXX"?

> "gute Auffassungsgabe" klingt doch auch irgendwie schlecht oder nicht? Ich meine nur, Möglichkeiten zur Steigerung gibts doch genug (sehr gute, ausgezeichnete, ...)

Bitte helft mir, das Zeugnis zu beurteilen und zu verstehen.

Vielen Dank.

Liebe Grüße

Cool123

ronnypetters
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Beitrag von ronnypetters » 26.07.2011, 12:56

Hier passt einiges nicht zusammen- Das Zeugnis ist für eine 3-jährige Ausbildung viel zu kurz. Die Formulierungen entsprechen dem Durchschnitt:

und zu unserer vollen Zufriedenheit- entspricht einer befriedigenden Leistung

Wegen seiner hilfsbereiten Art war er geschätzt und beliebt bei seinen Vorgesetzten und Kollegen. Das klingt nach einem distanzierten Verhältnis. Wie steht es denn mit Kundenkontakt? Sein Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden war....

Herr XXX wurde entsprechend dem Ausbildungsplan in den Abteilungen XXX eingesetzt. Ja schön welche Abteilungen? In welcher Branche ist euer Unternehmen tätig?
Hast Du weitergehende Seminare besucht die erwähnenswert sind. Welche Aufgaben hast Du erledigt:
Herr X... hat folgende Aufgaben erledigt:
-
-
-
usw.

Das Zeungis ist im Fazit durch seine Kürze nichts Wert auch wenn Dein Arbeitgber das nicht so darstellen wollte, immerhin wirst Du ja übernommen. Also kann Deine Leistung so schlecht nicht sein.
Trotzdem Ausbildungszeugnis und späteres Arbeitszeugnis sind 2 Paar Schuhe und sollten im angemessenen Umfang mit guten Formulierungen erstellt werden.

Cool123
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Beitrag von Cool123 » 26.07.2011, 20:01

Vielen Dank für deine Einschätzung.

Kundenkontakt hatte ich keinen, da ich meine Ausbildung in der Verwaltung eines Einzelhandelunternehmens, das viele Filialen hat, absolviert habe.

Die Abteilungen sind zwar einzeln aufgelistet, z.b. Einkauf, Personalabteilung, Logistik, allerdings enthält das Ausb.Zeugnis keinerlei Tätigkeiten dieser einzelnen Abteilungen.

Branche ist Textileinzelhandel, was im 2. Absatz in der Firmenvorstellung enthalten ist.

In der Ausbildung hat mir die Firma 2 Seminare ermöglicht, einmal eine Excel-Schulung und einmal ein Azubi-Seminar über Kritik/Führung, usw. (aber keine Erwähnung im Zeugnis)
Hier passt einiges nicht zusammen- Das Zeugnis ist für eine 3-jährige Ausbildung viel zu kurz.

Das Zeungis ist im Fazit durch seine Kürze nichts Wert auch wenn Dein Arbeitgber das nicht so darstellen wollte, immerhin wirst Du ja übernommen. Also kann Deine Leistung so schlecht nicht sein.
Trotzdem Ausbildungszeugnis und späteres Arbeitszeugnis sind 2 Paar Schuhe und sollten im angemessenen Umfang mit guten Formulierungen erstellt werden.
Das heißt, dass das Zeugnis im Prinzip meiner beruflichen Zukunft nicht besonders viel weiterhelfen wird...

Auf jedenfall hatte ich schon mal mit der negativen Einschätzung recht...

---------

Nur bin ich jetzt in einer schwierigen Situation, ich wurde ja übernommen und wenn das Zeugnis ändern lasse, sammle ich ja sicherlich keine Pluspunkte in der Firma / und ob das Ändern überhaupt möglich ist bezweifle ich, da wir mehrere Azubis sind und jedes Zeugnis so kurz ausfällt, dann müssten die ja alle Zeugnisse ändern wegen der Ungerechtigkeit und das machen die nie und nimmer... :-(

Globetrotter
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Beitrag von Globetrotter » 28.07.2011, 00:33

Also, erst einmal handelt es sich hier um ein Ausbildungszeugnis und nicht um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis! Folglich muss es auch keine Angaben über den Tätigkeitsbereich sowie eine Beurteilung der erbrachten Leistung beinhalten, diese Angaben sind nur auf ausdrücklichen Wunsch des Auszubildenden aufzuführen. Andererseits kann ein Fehlen dieser Angaben auch zu Irritationen oder gar Fehlinterpretationen führen, wie sie oben bereits schon genannt wurden. Aufgrund dessen ist es heute überwiegend üblich, dass auch ein Ausbildungszeugnis die Gliederung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses aufweist und Angaben zur Tätigkeit sowie eine Leistungsbeurteilung enthält.

Wie es bereits schon gesagt wurde, ist die Strukturierung und Formulierung des Zeugnisses teilweise etwas unglücklich ausgefallen, meiner Meinung nach ist das aber eher auf die mangelnde Qualifikation/Routine des Verfassers zurückzuführen als das es beabsichtigt war (ist vor allem in klein und mittelständischen Betreiben keine Seltenheit). Abschließend muss aber auch ganz klar gesagt werden, wenn der Betrieb mit dem Azubi und seinen Leistungen nicht zufrieden gewesen wäre, dann hätte man ihn sicherlich nicht ins Arbeitsverhältnis übernommen! Somit ist das Zeugnis durchaus positiv zu beurteilen!

ronnypetters
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Beitrag von ronnypetters » 03.08.2011, 08:49

Ich kann der Meinung von Globetrotter nicht zu stimmen. Arbeitszeugnis und Ausbildungszeugnis sind getrennt voneinander zu erstellen. Wenn der Azubi ein qualifiziertes Zeugnis haben will, sollte sich der Arbeitgeber, trotz Übernahme, schon die Mühe machen, ein Zeugnis in einer angemessenen Länge zu erbringen.

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