Kaufmann im Einzelhandel Bewerbung Muster gut?

Wenn ihr Berufsanfänger oder Berufspraktiker seid, dann könnt ihr eure Bewerbungsbeispiele in dieser Rubrik zur Diskussion stellen und die Musterbewerbungen anderer Bewerber bewerten. Auch für Bewerbungen um eine Neben- oder Teilzeitbeschäftigung.
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Bonkerz90
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Kaufmann im Einzelhandel Bewerbung Muster gut?

Beitrag von Bonkerz90 » 27.02.2013, 00:16

Hallo Zusammen! =)

Nach vielen erfolglosen Bewerbungen habe ich mir überlegt mal euch Experten drüber schauen zu lassen. Ich kann mir vorstellen, dass da noch viel Handlungsbedarf besteht.

Ich habe im Lebensmitteleinzelhandel gelernt und möchte mich in diesem Fall bei einem Sportbekleidungsgeschäft bewerben.

Naja, hier mein Anschreiben:





Sehr geehrte Frau xxxxx,

mit großem Interesse habe ich Ihr Stellenangebot im Jobportal der Agentur für Arbeit gelesen. Sie suchen einen motivierten, leistungsbereiten, jungen Mann, der nicht auf den Mund gefallen ist und selbstständig sowie kundenorientiert arbeiten kann? Dann bin ich der richtige für Sie!

Seit Beendigung meiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann arbeite ich überwiegend als Helfer in der Produktion. Ich möchte keine Zeit verschwenden und in meinem gelernten Beruf weitere Erfahrungen sammeln und Fuß im Handel fassen.

Meine Ausbildung habe ich bei xxxx Markendiscount in xxxxxxx absolviert, welche ich durch meinen Abschluss an der Berufsfachschule -Wirtschaft- um ein Jahr verkürzen konnte.
Zu meinem Aufgabenbereich gehörte Warenpflege und -präsentation sowie Kundenbetreuung. Schon früh habe ich Aufgaben der Stellvertretenden Markleitung übertragen bekommen. Zu denen zählen Kundenreklamationen bearbeiten, Personaleinsatzplanung, Kassen- und Tresorabrechnung, wöchentliche Frische-Inventuren durchführen und Bestellungen mit dem MDE Gerät aufnehmen.
Mir ist bewusst, dass mein Tätigkeitsfeld in Ihrer Branche etwas anders aussehen wird.
Kenntnisse im Bereich Outdoorausrüstung/ -bekleidung kann ich nicht vorweisen, aber da ich sehr lernfähig bin werde ich die neuen Anforderungen schnell erfassen und umsetzen können.

Falls ich Ihr Interesse geweckt habe, laden Sie mich zu einem Vorstellungsgespräch ein. Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne vorab telefonisch zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen







Vielen Dank schonmal! =)

Rhodus
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Beitrag von Rhodus » 27.02.2013, 19:42

Hallo Bonkerz90,

Bewerbung ist in erster Linie Wernung in eigener Sache; sprich es geht darum, ein "Produkt" zu verkaufen.

Versetzt Dich einmal in die Rolle des Kunden, des Personalverantwortlichen. Und lese einmal das Anschreiben mit seinen Augen. Wirst Du da neugierig und möchtest den Bewerber einmal näher kennenlernen?

Ich glaube, Dir wird dann selber schnell deutlich, warum da der Erfolg ausbleibt.

Du erzählst eine Geschichte über Dich; aber das ist kein Werbefilm, bei dem die Botschaft deutlich wird "Ich habe Lust auf diese Position UND die Mitarbeit in Ihrem Unternehmen".

Ein Kardinalfehler ist es, in dem Anschreiben einem Personalverantwortlichen die Argumente für eine Absage zu liefern. Denn zunächst einmal werden die Bewerbungsunterlagen nach dem Ausschlussprinzip gesichtet; sprich versucht, die Zahl der Bewerber auf ein überschaubareres Maas zu reduzieren.
Wenn Du auf die fehlenden Kenntnisse im Outdoorbereich hinweist, lädst Du den Leser geradezu zu einer Absage ein.

Und da Du auch noch kaum Stärken präsentierst, ist das Anschreiben auch noch unvollständig.

Viele Grüße aus Duisburg

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TWend
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Beitrag von TWend » 27.02.2013, 23:05

Hallo Bonkerz90,

oh ja! Da besteht wirklich noch viel Handlungsbedarf.
Denn mit Werbung in eigener Sache - mit Selbstmarketing - hat das
Anschreiben nichts zu tun.

Bereits der erste Satz lässt so manchen Personaler ermüden, weil er
mustermäßiger und standardisierter nicht zu übertreffen ist. Denn es
interessiert ihn herzlich wenig, dass Du das Stellenangebot mit großem
Interesse gelesen hast.
Ein weiteres Eigentor schießt Du Dir auch mit der Formulierung "der nicht
auf den Mund gefallen ist". Das könnte man auch damit interpretieren,
dass Du - pardon - eine große Klappe hast.

Wenn Du eine wirkungsvolle Einleitung schreiben willst, dann übernehme
einfach eine Aufgabe oder Anforderung aus dem Stellenangebot, die Du
perfekt erfüllen kannst. Ist dies nicht der Fall (zumeist beim Quereinstieg),
dann beginne mit einer speziellen Motivation, in diesem Unternehmen
anfangen zu wollen.

in etwa:
Weil Sie Ihr Team mit einem kommunikationsstarken Verkäufer
verstärken wollen, der Ihre Kunden für modische und trendige Sport-
bekleidung begeistert, wird Ihnen meine Bewerbung sicher sehr entgegen
kommen.


Auch wenn Du Dich als Quereinsteiger bewirbst, dann sollte doch schon
im ersten Satz zumindest Dein Interesse für Sportklamotten anklingen.

Als Produktionshelfer willst Du "keine Zeit verschwenden". Damit
degradierst Du alle anderen Produktionshelfer auf ein unterstes Niveau.
Was meinst Du, wenn der Personaler einen Verwandten oder Freund hat,
der ebenfalls Produktionshelfer ist? Oder in Deinem Wunsch-Unternehmen
gibt es gleichfalls diese Leute? Dann hast Du an dieser Stelle alle Sympathien
verspielt.

Statt dessen solltest Du im zweiten Abschnitt die Einleitung untermauern
und dem Sportladen überzeugend sagen, warum Du in diesem anfangen
willst. Das können Deine persönlichen Erfahrungen mit dem Geschäft
sein oder auch die besonderen Markenartikel, die Deinem Geschmack
voll entsprechen. Vielleicht hat das Geschäft auch einen Webauftritt, auf
dem Du Dir spezielle Informationen holen kannst, die Dir imponieren und
die Du als weitere Motivationsgründe anführen kannst. Irgend etwas muss
es ja schließlich geben, was dich in diesen Laden zieht - außer "weg vom
Produktionshelfer" und/oder "mehr Zaster".

Gerade als Quereinsteiger solltest Du diesen Abschnitt nicht lustlos
behandeln, sondern Enthusiasmus, Leidenschaft und Idealismus für
das Sportgeschäft speziell und für Sportbekleidung allgemein deutlich
demonstrieren.

Nebenbei richtest Du das Anschreiben bereits optimal auf die Firma aus,
so dass der unangenehme Ruch einer Massenbewerbung schnell verfliegt.

Inwieweit Du Dich bei der Aufzählung Deiner Tätigkeiten im Discounter
auch auf die Aufgaben im Stellenangebot "beziehst" kann ich nicht ein-
schätzen.

Aber ich empfehle Dir sehr, "den Stier bei den Hörnern zu packen" und
mit Deinen Kenntnissen und Erfahrungen zu argumentieren anstatt
diese nur anzugeben.

in etwa:
Auf der Grundlage meiner soliden Ausbildung im Einzelhandel werde ich
mich daher schnell und effizient in Ihre spezifischen Aufgaben und Abläufe
einarbeiten. Dazu gehört insbesondere die wirkungsvolle Präsentation
Ihrer Waren, um das Interesse der Kunden zu entfachen und diese
individuell und zielgerichtet für den Kauf zu beraten. Außerdem habe ich
Erfahrungen im Umgang mit Kundenreklamationen, in der Kassen- und
Tresorabrechnung sowie auch bei der Durchführung von Inventuren, die
ich gleichfalls für Ihre Anforderungen einbringen werde.


Ich denke, das genügt, um die Aufmerksamkeit und Neugierde der
Personalverantwortlichen zu wecken, ohne den Finger auf die Wunde zu
legen und bereits im Be-Webungs-Schreiben zu sagen, dass man keine
Kenntnisse in der Outdoor-Ausrüstung und -Bekleidung hat.

Und weil jeder Mensch auch über eine besondere individuelle Stärke
verfügt, sollte diese nicht unerwähnt bleiben - auch wenn diese im
Stellenangebot nicht verlangt wird.

Packe deshalb noch etwas oben drauf, was Du besonders gut kannst.
Vielleicht ist es Dein Organisationstalent oder Dein technisches Verständnis
oder Deine Rhetorik verbunden mit einem besonderen Charisma. Frage
dazu Deine Freunde und Bekannten, was Sie an Dir besonders schätzen.
Selber stapelt man dabei oft viel zu tief.

Die freundliche Aufforderung zum Vorstellungsgespräch sollte auch niemals
von einem eventuell erreichten Interesse abhängig gemacht werden. Denn
selbstbewusste Bewerber haben ganz einfach Interesse geweckt.

Ein professioneller Abschluss des Anschreibens enthält auch einen möglichen
Eintrittstermin.

in etwa:
Nach dem Ablauf meiner aktuellen Kündigungsfrist kann ich ab dem
TT.MM.JJJJ für Ihr Sportgeschäft durchstarten. Zuvor freue ich mich auf
ein persönliches Interview, in dem Sie sich auch von meinem sicheren
Auftreten überzeugen können.


Und somit hast Du zu guter Letzt nochmal eine werbewirksame Stärke
im Anschreiben untergebracht.

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei der Arbeit an einem neuen, modernen und
natürlich authentischem Anschreiben.

Tilo
Zuletzt geändert von TWend am 25.03.2013, 16:48, insgesamt 1-mal geändert.

Bonkerz90
Beiträge: 2
Registriert: 26.02.2013, 23:53

Beitrag von Bonkerz90 » 28.02.2013, 16:43

Oh, ihr habt das wirklich sehr ausführlich gestaltet. Vielen Dank für eure Mühe!! =)

Ich werde eure Ratschläge und Verbesserungen natürlich annehmen und mich umgehen an die Arbeit machen.

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