Zwischenzeugnis vs Arbeitszeugnis Unterschiede rechtens?

Fragen zu Zeugnissen und Nachweisen: Müssen alle bisherigen Zeugnisse mitgeschickt werden? Welche Nachweise sind wichtig? Wie müssen die Zeugnisse geordnet werden?
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electrohuhn
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Zwischenzeugnis vs Arbeitszeugnis Unterschiede rechtens?

Beitrag von electrohuhn » 17.03.2006, 13:34

Ich habe heute mein Arbeitszeugnis erhalten. Ich wurde nach 15 Monaten gekündigt, warum und wieso ist eine lange Geschichte und wird nun vorm Arbeitsgericht geklärt.

Nun meine Frage, ich hatte erst vor 3 Monaten ein Zwischenzeugnis erhalten, dass wohl sehr gut bis gut ausgefallen ist. Nun kam heute das Zeugnis und es ist nach meiner Meinung gerade mal eine 3 oder noch schlechter.

Wie weit darf ein Arbeitszeugnis von einem Zwischenzeugnis, dass gerade mal 3 Monate alt ist verändert sein?

Das Problem ist auch die Zeugnissprache. Ich kenne die meisten Formulierungen, aber das Problem sind die Zusammenhänge. Der eine Satz ist vielleicht nur eine Note 3, aber kommt der andere Satz davor oder danach, dann ist es doch eine Note 1.

Nun habe ich einige Passagen aus meinem Zeugnis hier aufgelistet. Was meint ihr dazu?

1. Herr ... war ein sehr guter informierter Mitarbeiter der über umfassende Fachkenntnisse verfügte. Aufgrund seiner sorgfälltigen Arbeitsweise und seiner schnellen Auffassungsgabe erzielte er auch bei wechselnden Anforderungen stets sehr gute Arbeitsergebnisse. Sein Arbeitsbereich beherrschte er sicher, hatte oft neue Ideen und fand optimale Lösungen.

2. Er stellte sich immer sehr schnell auf die wechselnden Anforderungen unserer Kunden ein und arbeitete sich umgehend in die unterschiedlichsten Aufgabengebiete und Abläufe ein.

3. Zudem trat Herr ... als äußerst aktiver und selbstständig arbeitender Mitarbeiter hervor, der stets viel Eigeninitiative zeigte. Unsere Kunden schätzen dies sehr.

4. Sein Verhalten gegenüber Führungskräften, Kollegen und Kunden war jederzeit korrekt und kooperativ. Seine freundliche und hilfsbereite Art wurde von allen gleichermaßen sehr geschätzt.

5. Während der gesamten Beschäftigungsverhältnisses hat Herr ... die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.

6. Das Arbeitsverhältnis wurde arbeitgeberseitig zum xx.xx.xx beendet. Wir bedauern diese Entscheidung sehr, da wir mit Herrn ... einen ausgezeichneten Mitarbeiter verlieren.

7. Wir danken ihm für die bisherige wertvolle Arbeit und wünschen ihm für die Zukunft weiterhin Erfolg und perönlich alles Gute.


Zu Punkt 6. das heißt ja das die mich gekündigt haben, aber der nächste Satz wiederspricht sich doch, oder nicht? die bedauern einen ausgezeichneten Mitarbeiter zu verlieren, aber kündigen trotzdem? hat das was zu bedeuten?

Also, dass Zwischenzeugnis war zu 95 % so übernommen wie es da steht, nur im Text oben wurde ab und an ein stets und sehr weg gelassen und in einem Abschnitt ein halber Satz entfernt.

Aus zu unseren vollsten Zufriedenheit, wurde vollen .... Laut dem Internet gibt es soviele Formulierungen und ich weiß aus anderen Zeugnissen was Arbeitgeber meinen. Mein Praktikumszeugnis ist eine Note 1, war dabei als es erstellt wurde und da steht auch nur zur vollsten Zufriedenheit (laut Internet eine 2 weil stets fehlt), aber die Sätze davor und danach sagen aus, warum es eine 1.

Was meint ihr?

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Marlenchen
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Beitrag von Marlenchen » 20.03.2006, 15:58

Meiner Meinung darf sich das nach drei Monaten nicht ändern. Dazu gibt es auch eine Gerichtsentscheidung: LAG Köln 22.8.1997 - 11 Sa 235/97 Musst mal bei Suchmaschinen eingeben. Wenn du sowieso schon gerade beim Klagen bist.

Und bei 6. widerspricht sich der Arbeitgeber natürlich, was daran liegt, dass nun wirklich Standardsätze genommen wurden. Als gutes Unternehmen könnte man sich wenigstens individuelle Unternehmensvorlagen für die Arbeitszeugnisse erarbeiten, die dann zwar bei allen eigenen Mitarbeitern ähnlich sind, sich aber zu Mitarbeitern aus anderen Unternehmen deutlich unterscheiden. Ansonsten ist ein Arbeitszeugnis doch auch sinnlos.

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Beitrag von Marlenchen » 20.03.2006, 20:57

Zu meiner Einschätzung im zweiten Absatz habe ich heute noch etwas gefunden, was diese stützt:
Ein gutes Arbeitszeugnis ist floskelfrei und individuell

Ein Zeugnis ohne Floskeln wie "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" muss Arbeitnehmer nicht beunruhigen. "Arbeitgeber, die sich Mühe mit dem Zeugnis geben, verzichten auf solche Floskeln", so Roland Gross, Anwalt für Arbeitsrecht in Leipzig.


Dies seien dann sogar die besten Zeugnisse. Der Arbeitnehmer müsse das Zeugnis in seiner Gesamtheit sehen und immer auf "erkennbare Qualifikation" hin prüfen. Bliebe die Beurteilung aber beim Schema F, sollte auf die Formulierung "stets zur vollen Zufriedenheit" für die Schulnote sehr gut geachtet werden.
http://www.gmx.net/de/themen/beruf/bewe ... 81286.html

Es kommt zwar immer auf das Unternehmen (Größe, Branche) an, aber wenn ein Arbeitszeugnis wirklich nur Floskeln der Geheimsprache enthält, dann würde ich mir vom Arbeitgeber ziemlich verarscht vorkommen.

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Beitrag von electrohuhn » 21.03.2006, 09:26

Danke, das ist auch das Problem. Es gibt unzählige Tipps zur Zeugnissprache und was dies und das bedeutet und dann werden immer nur die einzelnen Sätze beurteilt.

Bei mir steht ja jetzt drin: zu unserer vollen Zufriedenheit = Note 3. Aber wenn man das gesamte betrachtet ist das wohl eine Note 2. Im Zwischenzeugnis hatte ich sogar eine Note 1.

Die Entlassung kam innerhalb von 5 min. Ich habe bei der Zeitarbeitsfirma 15 Monate gearbeitet und es ist nie was vorgefallen, keine Abmahnung nichts. Da in den letzten 2-3 Monate keine Einsätze für mich da waren, wurden die Bedienungen immer schwieriger. Spesen (Fahrtkosten, Verpflegungsgeld usw) teilweise ganz oder stark gekürzt, was ca. 35 % des Nettolohnes ausgemacht hatte und nur noch Hilfsarbeiter Jobs in der Produktion als Kaufmännischer Angestellter. Nach dem ich alles hingenommen habe und der Kunde immer zufrieden war gab es auch nie Probleme. Ich hatte aber das Gefühl, die Firma wollte mich irgendwie los haben, weil die einfach keinen Job für mich fanden. So haben die mir einen Job angeboten, den ich einfach nicht machen wollte. 3,5 Stunden Fahrtzeit, Arbeitszeit Abends bis 23 Uhr, Gesamtzeit gerade mal 4 Stunden, Rest Zeitkontobelastung, sehr stark gekürzte Spesen. Als ich dann gesagt habe, mit diesem Bedienungen nehme ich diese Arbeit nicht an, ich möchte gerne arbeiten, aber nicht mit diesen Vorraussichten. 2 min später hatte ich die fristlose Kündigung, Begründung: Arbeitsverweigerung. Jede andere Firma hätte da Verständnis gehabt bzw. hätte versucht mit mir zu reden. Es lag einfach nur an dieser einen Person.

Nun klage ich, erstens gegen die Kündigung und nun gegen das freche Zeugnis. Dazu die Arbeitsbescheinigung für das Arbeitsamt. Mit dieser Bescheinigung würde ich sofort 3 Monate sprerre bekommen.

Hoffe nur, ich bekomme Recht.

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