Bewerbung eines Flüchtlings für einen Job - Tipps?

Wenn ihr Berufsanfänger oder Berufspraktiker seid, dann könnt ihr eure Bewerbungsbeispiele in dieser Rubrik zur Diskussion stellen und die Musterbewerbungen anderer Bewerber bewerten. Auch für Bewerbungen um eine Neben- oder Teilzeitbeschäftigung.
Antworten
curieux
Beiträge: 7
Registriert: 02.10.2016, 17:29

Bewerbung eines Flüchtlings für einen Job - Tipps?

Beitrag von curieux » 02.10.2016, 17:35

Hallo
ich unterstütze einen Flüchtling bei der Arbeitssuche . In dem Fall geht es um einen Job in der Fahrrad endmontage. Hier mal mein Entwurf für ihn.
Ideen zur Verbesserung sind gerne gesehen .
----------------------------------------------------------------------------------
Betrifft: Bewerbung um einen Job in der Fahrrad Endmontage

Wie ich von meinem deutschen Bekannten erfahren habe gibt es in ihrem Unternehmen eine offene Stelle auf die ich mich hiermit bewerbe.
Über Informationen im Internet habe ich einen sehr positiven Eindruck von ihrem Unternehmen gewonnen. Ich möchte gerne in einem Unternehmen arbeiten das Wert auf Teamgeist legt und Quereinsteigern eine Chance bietet.
Was ich bisher an Manufactur Fahrrädern gesehen und über sie gelesen habe zeigt mir, dass Sie keine 08/15 Fahrräder herstellen, sondern Fahrräder, die in Bezug auf Design, Langlebigkeit und Qualität hochwertige Produkte sind.
Auf Grund eines Gesprächs, das mein Bekannter mit Ihnen geführt hat, bin ich von Ihrem internen Ausbildungsprogramm beeindruckt. Ich sehe für mich darin auch eine Chance mich weiter zu qualifizieren und denke, dass mein in Syrien abgeschlossenes und in Deutschland anerkanntes Maschinenbau-Studium dabei hilfreich wäre. Mein Maschinenbau-Studium, Fachrichtung Textil, war sehr theorie-lastig und ich habe erkannt, dass ich mehr praktisch arbeiten möchte.
In Syrien habe ich mit Begeisterung meinem Vater bei Fahrrad-Reparaturen geholfen und würde mich sehr freuen, in diesem Bereich arbeiten zu können.
Unter großen Schwierigkeiten bin ich aus Syrien vor dem Krieg geflohen und bin nun hoch motiviert, mir in Deutschland eine eigenständige Existenz aufzubauen.
Ich würde mich sehr freuen von Ihnen eine Chance zu bekommen, Sie von meiner Motivation und meinen Fähigkeiten zu überzeugen.
Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass mein deutscher Bekannten mir geholfen hat, dieses Anschreiben zu formulieren, obwohl ich mit meinem XX Sprachabschluss sehr gute deutsche Sprachkenntnisse habe, und mir auch bei der Stellensuche behilflich ist.

BlackDiamond
Bewerbungshelfer
Beiträge: 659
Registriert: 12.06.2016, 13:37

Beitrag von BlackDiamond » 02.10.2016, 18:02

Was mir inhaltlich fehlt, sind Angaben zum Aufenthaltsstatus. Darf dein syrischer Freund überhaupt arbeiten, wenn ja, was muss man dabei beachten? Wenns ganz einfach ist, gehört es ins Anschreiben, wenns komplizierter ist, würde ich es vielleichg separat erwähnen.

curieux
Beiträge: 7
Registriert: 02.10.2016, 17:29

Beitrag von curieux » 02.10.2016, 19:12

Du könntest recht haben. Ich habe es im Lebenslauf erwähnt . Werde es auch in das anschreiben setzen.
Ist das anschreiben nicht zu lang ?

Charlie Schmidt
Bewerbungshelfer
Beiträge: 352
Registriert: 25.02.2016, 09:55

Beitrag von Charlie Schmidt » 02.10.2016, 19:14

Ich würde es ja besser finden, wenn der Betreute selbst ein Anschreiben verfassen würde, das dann jemand korrigieren würde. So ist es doch sehr deutsch formuliert. Von einem Flüchtling erwartet ja niemand, dass er ein perfektes Anschreiben formuliert, aber vielleicht eines, das schon die Person dahinter erkennen lässt ...

Das Studium würde ich nicht unbedingt erwähnen. Vor allem weil es zunächst heißt, dass es helfen würde, was direkt im anschließenden Satz im Grunde wieder verneint wird.

curieux
Beiträge: 7
Registriert: 02.10.2016, 17:29

Beitrag von curieux » 02.10.2016, 19:24

Das mit.dem selbst formulieren haut nicht hin. Da ist auch bei c1 noch nicht die Erfahrung da. Den Satz der das negativiert nehme ich raus . Das kann er beim Bewerbungsgespraech selber erklären.

Benutzeravatar
TheGuide
Bewerbungshelfer
Beiträge: 11799
Registriert: 12.07.2013, 12:44

Re: Bewerbung eines Flüchtlings für einen Job - Tipps?

Beitrag von TheGuide » 02.10.2016, 19:59

curieux hat geschrieben:Wie ich von meinem deutschen Bekannten erfahren habeKOMMA gibt es in ihrem Unternehmen eine offene Stelle auf die ich mich hiermit bewerbe.
Im Grunde steht das schon im Betreff, kann also ersatzlos gestrichen werden.

Über Informationen im Internet habe ich einen sehr positiven Eindruck von ihrem Unternehmen gewonnen.

Streichen! Es geht darum, warum die Firma den jungen Mann einstellen soll

Ich möchte gerne in einem Unternehmen arbeitenKOMMA das Wert auf Teamgeist legt und Quereinsteigern eine Chance bietet.
Was ich bisher an Manufactur Fahrrädern gesehen und über sie gelesen habe zeigt mir, dass Sie keine 08/15 Fahrräder herstellen, sondern Fahrräder, die in Bezug auf Design, Langlebigkeit und Qualität hochwertige Produkte sind.
Keinn Grund, den jungen Mann enzustellen.
Auf Grund eines Gesprächs, das mein Bekannter mit Ihnen geführt hat, bin ich von Ihrem internen Ausbildungsprogramm beeindruckt.
Bitte keine Schleimereien.
Mein Maschinenbau-Studium, Fachrichtung Textil, war sehr theorie-lastig und ich habe erkannt, dass ich mehr praktisch arbeiten möchte.
Nein, nicht das Studium entwerten!
In Syrien habe ich mit Begeisterung meinem Vater bei Fahrrad-Reparaturen geholfen und würde mich sehr freuen, in diesem Bereich arbeiten zu können.[/quote
Warum hiermit nicht einsteigen?

cre
Bewerbungshelfer
Beiträge: 262
Registriert: 22.06.2016, 20:11

Beitrag von cre » 02.10.2016, 20:02

Das Anschreiben sagt eindeutig aus, dass es ein Deutscher geschrieben hat.
dass Sie keine 08/15 Fahrräder herstellen
08/15 ist eine deutsche Redewendung die nicht über die Landesgrenzen bekannt ist, bezug nehmend auf die MP selben Namens.


Mein Maschinenbau-Studium, Fachrichtung Textil, war sehr theorie-lastig und ich habe erkannt, dass ich mehr praktisch arbeiten möchte.
Das ist eine Rechtfertigung für Studienabbrecher die ich schon bei Deutschen sehr bedenklich finde. Auf einen syrischen Flüchtling wird das kaum zutreffen.

Charlie Schmidt
Bewerbungshelfer
Beiträge: 352
Registriert: 25.02.2016, 09:55

Beitrag von Charlie Schmidt » 02.10.2016, 20:46

curieux hat geschrieben:Das mit.dem selbst formulieren haut nicht hin. Da ist auch bei c1 noch nicht die Erfahrung da. Den Satz der das negativiert nehme ich raus . Das kann er beim Bewerbungsgespraech selber erklären.
Wie gesagt erwartet niemand ein perfektes Anschreiben. Aber es wäre einfach besser, wenn er selbst die Sätze formulieren würde. Einfache Sätze, die man dem Niveau von C1 zuordnen kann, reichen doch vollkommen aus. Das zeugt auch von eigenem Engagement. Aber letztendlich müsst ihr das natürlich selbst entscheiden.

katerfreitag
Bewerbungshelfer
Beiträge: 1981
Registriert: 20.12.2015, 15:18

Beitrag von katerfreitag » 02.10.2016, 21:33

Ich schließe mich meinen Mit-Foris an: es wäre einfach authentischer, wenn Dein Freund erstmal selbst was schreiben würde und es danach, falls nötig, aufgehübscht würde.
Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass bei Nicht-Muttersprachlern die Hemmschwelle zuerst hoch ist. Aber Dein Freund könnte doch auch seinen Versuch hier einstellen, wir diskutieren das gemeinsam und am Ende ist der Text echt UND führt zu einer Einladung... Du glaubst nicht, wie sehr so ein Erfolg motiviert :)

Benutzeravatar
FRAGEN
Bewerbungshelfer
Beiträge: 12159
Registriert: 22.07.2006, 18:18

Beitrag von FRAGEN » 02.10.2016, 22:03

Ich halte es auch für äusserst unglücklich, derart weit über den Kopf des eigentlichen Bewerbers hinweg zu formulieren. Gesetzt den Fall, der Empfänger fühlt sich nicht gleich derart auf den Arm genommen, dass er schon beim Lesen die Lust verliert: Was soll der arme Flüchtling denn machen, wenn er im Vorstellungsgespräch dann tatsächlich auf diesem Niveau angesprochen werden sollte?

curieux
Beiträge: 7
Registriert: 02.10.2016, 17:29

aktuelle Fassung

Beitrag von curieux » 02.10.2016, 23:05

Danke an alle die geholfen haben . Hier das Resultat
---------------------------------------------------------------

Betrifft: Bewerbung um einen Job in der Zweirad Montage

Sehr geehrte Frau xxxx,

ich bin Syrer und aus meiner Heimatstadt Aleppo Ende 2014 nach Deutschland gekommen. Meine Aufenthaltsgenehmigung geht bis Juni 2017.
Nach meinen traurigen Erlebnissen in Syrien bin ich froh, in Deutschland sicher zu sein. Es ist mir sehr wichtig, mir in Deutschland eine selbständige Existenz aufzubauen. Ich würde mich sehr freuen, eine Stelle bei Manufacture zu bekommen.
Ich sehe in einer Arbeit bei Ihnen die Chance mich weiter zu qualifizieren und denke, dass mein syrisches Maschinenbau-Studium hier helfen würde. Mein Studienabschluss wurde in Deutschland bereits anerkannt.
Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass mein deutscher Bekannten mir geholfen hat, dieses Anschreiben zu formulieren, obwohl ich mit meinem C1 Sprachabschluss sehr gute deutsche Sprachkenntnisse habe. Er hat mich auch über Ihr internes Ausbildungsprogramm informiert.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir eine Chance geben würden.

Mit freundlichen Grüßen

Charlie Schmidt
Bewerbungshelfer
Beiträge: 352
Registriert: 25.02.2016, 09:55

Beitrag von Charlie Schmidt » 02.10.2016, 23:47

Das ist schon viel besser! :) Packt noch noch rein, dass er seinem Vater früher bei der Reparatur von Fahrrädern geholfen hat. Das war ein gutes Argument!

Wäre super, wenn ihr später ein Feedback geben würdet!

BlackDiamond
Bewerbungshelfer
Beiträge: 659
Registriert: 12.06.2016, 13:37

Beitrag von BlackDiamond » 03.10.2016, 08:47

Das fand ich auch ein starkes Argument, da es auch einen guten Bezug herstellt. Ich drücke jedenfalls die Daumen für eure Bewerbung.

Romanum
Bewerbungshelfer
Beiträge: 8943
Registriert: 12.09.2008, 19:20

Beitrag von Romanum » 05.10.2016, 11:18

Ich finde das erste Anschreiben auch nicht so schlecht. Es ist doch einem verständigen AG eh klar, dass ein Ausländer, der die Sprache erst seit zwei Jahren lernt/erfährt, sich Hilfe holen muss, um ein einigermaßen verständliches Anschreiben anzufertigen.

Im zweiten Anschreiben fehlt nun dieser Teil: "In Syrien habe ich mit Begeisterung meinem Vater bei Fahrrad-Reparaturen geholfen und würde mich sehr freuen, in diesem Bereich arbeiten zu können." Man könnte sicherlich noch stärker darauf eingehen, was der syrische Bewerber nun praktisch handwerklich und technisch schon geleistet hat.

Im Betreff schreibt man nicht "Betrifft:" davor. Außerdem kommt hier ein Bindestrich, wenn man die Wörter nicht zusammenschreibt: "Zweirad-Montage" Man könnte auch einfach "Bewerbung als Zweiradmonteur" oder "Bewerbung als Zweiradmechaniker" schreiben.

Ansonsten lest euch auch mal diesen Artikel zur Anschreibenerstellung durch.

Hier findest du auch noch einige Bewerbungsschreiben als Anregung:

Lies dir am besten auch andere Anschreiben im Forum durch:

http://www.bewerbung-forum.de/forum/ans ... t4324.html

http://www.bewerbung-forum.de/forum/zwe ... 29142.html

http://www.bewerbung-forum.de/forum/zwe ... 54163.html

http://www.bewerbung-forum.de/forum/bew ... t2946.html

http://www.bewerbung-forum.de/forum/fah ... 47391.html

http://www.bewerbung-forum.de/forum/ans ... 14831.html

http://www.bewerbung-forum.de/forum/bew ... 10453.html

http://www.bewerbung-forum.de/forum/zwe ... 12186.html

curieux
Beiträge: 7
Registriert: 02.10.2016, 17:29

erfolgreich beworben

Beitrag von curieux » 08.08.2017, 23:37

hat geklappt

Romanum
Bewerbungshelfer
Beiträge: 8943
Registriert: 12.09.2008, 19:20

Beitrag von Romanum » 09.08.2017, 11:49

Glückwunsch

Handelt es sich jetzt um einen Vollzeit-Job, ein Praktikum oder eine Ausbildung?

katerfreitag
Bewerbungshelfer
Beiträge: 1981
Registriert: 20.12.2015, 15:18

Beitrag von katerfreitag » 09.08.2017, 20:00

Wie schön! Hatte schon ganz verkrampfte Daumen! ;)

Antworten