Formulierungshilfe nach längerer Auszeit nach Todesfall

Alles was nicht in die oberen Foren passt und noch zur Bewerbungsmappe gehört.
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sonne-87
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Formulierungshilfe nach längerer Auszeit nach Todesfall

Beitrag von sonne-87 » 02.06.2015, 06:58

Hallo.

ich bin neu hier und hoffe auf eure Hilfe.
Ich habe ein großes Problem.
Nach über einem Jahr Auszeit nach dem Tod meines Sohnes , möchte ich mich nun wieder der Arbeit widmen und neue Bewerbungen schreiben.
Nun mein Problem: Ich habe keine Vorstellung, wie ich diese am besten formuliere.
ein kurzer Einblick in meinen Lebenslauf.
10/2012 Geburt meines Sohnes
bis 10/2013 Elternzeit
11/2013-03/2014 Bürokraft
ab/2014 Krank geschrieben wegen des Todes meines Sohnes.

Ich möchte nicht schreiben, dass ich krank war (sieht aus als wäre man nicht Belastungsfähig mit 28 Jahren), sondern suche nach einer guten Formulierung.

Vielleicht könnt ihr mir ja helfen.

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 02.06.2015, 09:41

Nach dem Verlust eines Kleinkindes darf man ruhig auch mal krank sein, das hat nichts mit nicht belastungsfähig zu tun. Wir sind Menschen und keine Maschinen! Was ist schlimmer als der Tod eines engen Familienangehörigen, insbesondere des eigenen Kindes?!

Ich hoffe, dass du dich einigermaßen von dem Tod erholt hast und dass du dir die Zeit zum Trauern nehmen konntest, das ist wichtig.

Was nun den Tod deines Sohnes in der Bewerbung angeht, so würde ich diesen nur im Lebenslauf vorkommen lassen, nicht im Anschreiben. Das Anschreiben soll der Erläuterung deiner Motivation dienen, es soll Werbung für dich machen. So sehr Personaler auch von deinem Verlust angerührt sein mögen, bei der Einstellung gelten nur betriebswirtschaftliche Kriterien. Wenn du dich bei einem Kinderhospiz bewerben würdest, wäre das etwas anderes. Da würde man annehmen, dass du dich besonders gut in die Angehörigen hineinversetzen könntest.

Wenn du im Lebenslauf das Wort krank unbedingt vermeiden möchtest, könntest du beispielsweise "Auszeit nach dem Tod meines Sohnes" schreiben.

sonne-87
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Beitrag von sonne-87 » 02.06.2015, 10:42

Vielen lieben Dank für die schnelle Hilfe

Oexmann Consulting
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Beitrag von Oexmann Consulting » 02.06.2015, 14:13

Hallo sonne-87,

es tut mir sehr Leid, dass Dein Sohn so früh gestorben ist.

Wenn Du Dich gerne einmal mit anderen betroffenen Eltern austauschen möchtest, so empfehle Dir die Gruppen des Vereins "Leben ohne Dich" e.V..

Wenn es darum ginge, eine Lücke in der Vergangenheit zu begründen, würde ich, wie TheGuide vorschlägt, diese ebenfalls nur im Lebenslauf erwähnen.

Du bist jedoch aktuell noch nicht wieder im Berufsleben integriert. Daher kommst Du eigentlich nicht umhin, dies auch kurz im Anschreiben aufzugreifen. Meine grundsätzliche Empfehlung lautet, sich vor dem Verfassen einer Bewerbung immer erst einmal mit dem Unternehmen in Verbindung zu setzen, um zu erfragen, ob die Stelle tatsächlich noch vakant ist und welche Anforderungen dem Entscheider tatsächlich wichtig sind etc.. Damit kann dann auch im Anschreiben Bezug auf das Telefonat genommen werden. Im Gespräch kannst Du dann bereits mitteilen, dass Du Deinen Sohn verloren hast und Deine Trauer in der Zwischenzeit so weit verarbeitet hast, dass Du wieder am Berufsleben teilnehmen kannst und teilnehmen möchtest.

Sehr geehrter Herr XY,

ich bedanke mich für das gemeinsame Telefonat vom xx.xx.xxxx. Vereinbarungsgemäß übersende ich Ihnen meine Bewerbungsunterlagen.. .

Wie besprochen, habe ich zwischenzeitlich den Tod meines Sohnes verarbeitet und bin nun wieder bereit in vollem Umfang am Berufsleben teilzunehmen. ... Dann könnte eine positive Erfahrung mit dem Unternehmen bzw. dessen Produkten folgen und, dass Dich daher die Anzeige besonders anspricht. ...

Bei Fragen fragen :)

Mit besten Grüßen

Oexmann Consulting

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TheGuide
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Beitrag von TheGuide » 02.06.2015, 14:34

Oexmann Consulting hat geschrieben:Wenn es darum ginge, eine Lücke in der Vergangenheit zu begründen, würde ich, wie TheGuide vorschlägt, diese ebenfalls nur im Lebenslauf erwähnen.

Du bist jedoch aktuell noch nicht wieder im Berufsleben integriert. Daher kommst Du eigentlich nicht umhin, dies auch kurz im Anschreiben aufzugreifen.
So ungern ich bei solche heiklen Themen auch widerspreche: Ich kann nicht anders!

Der Tod des Kindes und die berufliche Auszeit im Anschluss sind aus dem Lebenslauf erkennbar. Wer nicht in den Lebenslauf schaut (was unwahrscheinlich ist) wird auch die einjährige Lücke nicht sehen. Wer hineinschaut, sieht auch die Begründung für die einjährige Lücke.

Die Thematisierung des Kindstods im Anschreiben könnte im schlechtesten Fall sogar als Überrumplungsversuch ausgelegt werden.
Sehr geehrter Herr XY,

ich bedanke mich für das gemeinsame Telefonat vom xx.xx.xxxx. Vereinbarungsgemäß übersende ich Ihnen meine Bewerbungsunterlagen.. .

Wie besprochen, habe ich zwischenzeitlich den Tod meines Sohnes verarbeitet und bin nun wieder bereit in vollem Umfang am Berufsleben teilzunehmen. ... Dann könnte eine positive Erfahrung mit dem Unternehmen bzw. dessen Produkten folgen und, dass Dich daher die Anzeige besonders anspricht. ...
Das wären drei Sätze, bevor man überhaupt zum Kern des Anschreibens vorstieße, einschließlich des Satzes, der die Übermittlung der Bewerbungsunterlagen thematisiert, obwohl diese Info erst dann überkommt, wenn der Leser die Bewerbungsunterlagen bereits in der Hand hält. Ich halte das für Platzverschwendung.

Oexmann Consulting
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Beitrag von Oexmann Consulting » 03.06.2015, 03:04

Hallo TheGuide,

kurz:
1. Anruf -> Anschreiben -> keine "Überrumpelung"
2. Trauer Kind, Geschwister = nachhaltig, begleitet ein Leben lang, sehr präsent, in der Regel nicht vergleichbar mit Verlust entfernter Verwandter, wie bspw. Großeltern; es müssen neue Strukturen aufgebaut werden, neue Zukunftsplanung etc.
3. Trauer verläuft in Phasen; hierzu gibt es diverse Modelle, ein bekanntes und bewährtes Modell, welches mir im Psychologiestudium (nicht wundern, ich habe mehrere Berufsabschlüsse und bin unter anderem staatl. gepr. Betriebswirt) und auch im Rahmen meines Engagements für den Verein begegnet ist, stammt von Kübler-Ross (1969) und umfasst fünf Phasen - es gibt keine feste Reihenfolge und Phasen können wiederholt durchlebt werden
4. bei Kindes- bzw. Geschwisterverlust besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer depressiven Episode

= Arbeitgeber/Personaler wissen, dass der Verlust nachhaltige Auswirkungen auf das Leben der Bewerberin hat = es gilt diese sofort davon zu überzeugen, dass die Arbeitsfähigkeit wieder in vollem Umfang hergestellt ist. Hier wird nicht eine Lücke aus der Vergangenheit begründet, sondern es muss aktuell von der Arbeitsfähigkeit überzeugt werden.

Folgt man Deinem Rat, so sticht die Trauer brachial heraus, denn zum einen hätte kein Telefonat stattgefunden, in dem dies thematisiert wurde zum anderen erfolgt keine Hinführung im Anschreiben, sondern der Leser wird unvermutet damit konfrontiert. Außerdem ist es der erste Stichpunkt, den der Personaler im Lebenslauf wahrnimmt. Er fällt also besonders stark auf. In dem Zusammenhang auch den Primacy-Recency-Effekt beachten. Elegant ist anders.

Mit bestem Gruß

Oexmann Consulting

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