JVA - von der Bewerbung bis zur Einstellung

Wie geht es weiter nach Absagen? Was kann daraus gelernt werden? Lass andere an deinen Erfahrungen teilhaben. Berichte über gute und schlechte Erfahrungen bei der Stellensuche.
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GS1905OKAN
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JVA - von der Bewerbung bis zur Einstellung

Beitrag von GS1905OKAN » 26.07.2018, 16:42

Ich habe meine Bewerbung bei der JVA XX, JVA XY und bei der JVA in YY am 17.04.2018 abgegeben. Die JVA XY hat mir in paar Wochen ein Schreiben zugeschickt per Post, dass Sie keine freie Stelle zu vergeben hätten. Die JVA YY hat mir auch ein Schreiben zugeschickt, darinstand, dass Sie Interesse an mir hätten, aber zu gegebener Zeit nochmal darauf zurückkommen würden. Die JVA XX hat sich bis dato noch gar nicht gemeldet. Es ist knapp über zwei Monate vergangen und ich habe von der JVA XX bisher noch keine Antwort bekommen. Ich habe dort angerufen, um nachzufragen, wie der Stand dort sei. Frau Müller (Name geändert), die Verwaltungsfachangestellte teilte mir mit, dass ich mir schonmal die Termine notieren kann und Sie die Post rausgeschickt hat, auch an die anderen Bewerber. Zwei Tage später ca. habe ich dann an 22.06.2018 Post von der JVA XX erhalten. Darin stehen die Termine, wann die Infoveranstaltung, der schriftliche Eignungstest, der Sporttest und das Assesstment Center stattfindet. Bei dem Schreiben befanden sich noch Formulare, ob man an den Terminen Zeit hat und diese zeitnah zurückschicken soll.
Am Montag hat die Infoveranstaltung stattgefunden. Es waren ca. 20 BewerberInnen vor Ort. Wir mussten an der Pforte unseren Personalausweis abgeben und die Handys entweder in die Schließfächer einschließen oder im Auto lassen. Wer sie mit in die Anstalt nimmt und erwischt wird, durfte gehen und hätte auch nicht mehr zu den anderen Terminen kommen dürfen. Da waren sie sehr streng. Bei der Infoveranstaltung wurde Wissen über die Anstalt abgefragt vom Ausbildungsleiter. Ich empfehle jedem sich vorher schlau zu machen, welche Bauart die Anstalt hat, wie viele Haftplätze sie hat und wer der Anstaltsleiter ist usw. Da konnte ich schon einen super Eindruck hinterlassen, da ich mich vorher darauf vorbereitet hatte. Wir sind die Anstalt abgegangen und hatten Einblick in die Zentrale, in leere Hafträume und noch vielem mehr. Die Führung ging ca. 2 Stunden. Sie hat um 17Uhr angefangen und so gegen 19:15 Uhr waren wir fertig. Dort hatte man auch die Möglichkeit bestimmte Fragen zu stellen, wie z.B. die Vergütung aussieht oder wie genau die Ausbildung aufgebaut ist und was einem im Sporttest oder im schriftlichen Teil erwarten könnte.




Direkt am Mittwoch, den 04.07.2018 folgte um 8 Uhr morgens der schriftliche Teil, wovor sich die meisten fürchten und die meisten Bewerber hier scheitern. Aber ich kann jedem garantieren, wenn man sich einigermaßen gut darauf vorbereitet und bei der Infoveranstaltung schon etwas erfahren konnte, was einen da so erwartet oder im Internet sich etwas in Forum durchstöbert, kann man das eigentlich ganz gut hinbekommen. Bei der Infoveranstaltung konnten 5 Bewerber aus zeittechnischen Gründen nicht erscheinen. Eigentlich wären wir somit 25 Bewerber, aber 5 Bewerber entschieden sich nach der Infoveranstaltung doch um, weil Ihnen das nicht zugesprochen hat. Also waren wir bei dem schriftlichen Teil 20 Bewerber. Bei der Infoveranstaltung konnten wir erfahren, dass ca. 2-4 Stellen vergeben werden. Die 2-4 Stellen bedeuten aber nicht die Eignung. Dazu aber später mehr. Wieder mussten wir unseren Personalausweis an der Pforte abgeben und wurden wieder auf unsere Handys aufmerksam gemacht, dass wir die keinesfalls mitnehmen dürfen. Wir wurden dann an der Pforte abgeholt von dem Ausbildungsleiter, der auch mit uns die Führung gemacht hatte. Wir gingen in ein Klassenzimmer, wo normalerweise die Gefangenen unterrichtet werden. Vorne am Pult stand eine Lehrerin. Der Ausbildungsleiter verabschiedete sich von uns. Wir hatten noch die Möglichkeit eben auf Toilette zu gehen. Nachdem alle zurück waren, stellte sich die Lehrerin vor und teilte uns mit, dass wir mit einem Diktat beginnen werden. Sie laß das Diktat einmal vor und beim zweiten Durchgang sollten wir mitschreiben. Das Diktat war sehr simpel. Sie sagte selbst, dass das Diktat Klasse 7 Niveau ist. So kam uns das auch rüber. Ein Fremdwort in dem Diktat war z.B. Erdkatastrophe oder Klimawandel. Das Diktat ging ca. 45 Minuten lang. Nach dem Diktat hatten wir ca. 5 Minuten Zeit, um etwas zu trinken. Nach dem Diktat folgte ein Aufsatz. Wir sollten ein Aufsatz über einen Tag auf der Arbeit schreiben. Wie lang der Aufsatz sein soll war nicht vorgeschrieben. Ich denke eher, dass es in dem Aufsatz um Satzbau und Grammatik ging. Für den Aufsatz hatten wir zwei Stunden Zeit. Ich war nach einer Stunde fertig und hatte ca. 2 Seiten geschrieben. Die Zeit ist viel zu viel und mehr als genug. Also kein Stress machen. Nach dem Aufsatz konnten wir an die frische Luft, etwas essen und trinken oder eine rauchen. Wir hatten so ca. 15 Minuten Pause. Nach der Pause wurden wir zurück ins Klassenzimmer gerufen und mussten wieder auf unsere Plätze. Dort standen eine Psychologin und ein Psychologe. Wir hatten auf unserem Platz ein Fragebogen und einen weiteren Antwortbogen. In den Fragebogen durften wir nichts reinschreiben, nur in den Antwortbogen. Das wurde uns genau erklärt, wie das zu machen ist. Es waren 180 Fragen, die jeweils in 9 Aufgabenbereiche unterteilt waren. Jeder Aufgabenbereich bestand aus 20 Fragen. Der erste Aufgabenbereich war Deutsch. Wir mussten Synonyme finden. Es gab immer eine Beispielaufgabe und der Psychologe hat uns alles immer genau erklärt und gesagt, wieviel Zeit wir für diesen Aufgabenbereich haben. Jeder Aufgabenbereich hatte andere Zeiten. Es kamen dann Aufgaben aus Mathe, logischem Denken, Raumvermögen, Faltvorlagen und Rechtschreibung.

Da kann ich das Buch von Hesse/Schrader Testtraining 2000 plus euch nur ans Herz legen. Damit kann man sich super vorbereiten. Diese 180 Fragen haben so ca. 2 Stunden gedauert. Als wir den Bogen fertig hatten, hatten wir ca. eine halbe Stunde Pause. Die hatten wir auch echt nötig. Dann als wir wieder reingerufen worden sind, bekamen wir einen weiteren Bogen mit knapp 300 psychologischen Fragen. Keine Sorge, die Fragen wurden nicht ausgewertet. Also man möchte wissen, was für ein Typ Mensch man ist. Es gab kein richtig oder falsch. Wichtig ist, dass man diese Fragen ehrlich beantwortet und nicht so beantwortet, um in das Bild des Justizvollzugsbeamten irgendwie reinzupassen. Später beim Vorstellungsgespräch könnte es sein, dass die Psychologen euch genau die Fragen stellen, die ihr in dem Bogen beantwortet habt und wenn diese nicht übereinstimmen, macht das kein besonders guten Eindruck. Am Ende des psychologischen Bogens waren noch 10 Matheaufgaben, wo man Zahlenreihen fortsetzen muss. Da hat man nochmal geguckt, wie ausgeprägt die Konzentration ist. Es gab kein Zeitlimit bei diesen Fragen. Es waren Fragen dabei wie z.B. Sind sie lieber mit Freunden in Kneipen oder in vertrauten Kreisen oder gucken sie lieber Fußball oder Tennis. Als auch dieser Bogen fertig war, durften wir dann gehen. Die Ergebnisse bekamen wir durch die Verwaltungsfachangestellte per Telefon. Sie würde uns nächste Woche anrufen und uns die Ergebnisse mitteilen. Wir wurden dann zur Pforte begleitet, haben unseren Personalausweis zurückbekommen und konnten gehen. Der schriftliche Teil ging von 8 Uhr morgens bis ca. 14 Uhr.
Eine Woche später, also am 11.07.2018 teilte uns die Verwaltungsfachangestellte die Ergebnisse am Telefon mit. Ich habe den schriftlichen Teil bestanden und wurde eingeladen, am Freitag den 13.07.2018 am Sporttest teilzunehmen, der auf 14 Uhr angesetzt wurde. Von 20 Bewerbern waren nur noch 11 Bewerber dabei, da 9 den schriftlichen Teil nicht bestanden haben.
Am Freitag, den 13.07.2018 um 14 Uhr mussten wir dann wieder unseren Personalausweis abgeben und wurden durch den Ausbildungsleiter zur Sporthalle gebracht. Der Sporttest bestand darin, einen Parkour innerhalb von 3:30 Minuten dreimal zu durchlaufen. Dazu findet ihr im Internet Skizzen und genauere Erklärungen, wie der Parkour aufgebaut ist und wozu die Hindernisse dienen. Wir konnten uns dort umziehen oder uns schon vorher Zuhause anziehen. Dann hat der Sportlehrer uns den Parkour gezeigt und einmal vorgemacht und uns versichert, dass wir genauestens gesagt bekommen, wie und wo wir lang zu laufen haben. Dann ging alles ganz schnell. Jeder musste einzeln laufen und es ging nach Alphabet. Den Sporttest unterschätzt man doch sehr. Er wirkt zwar einfach, erfordert aber schon sportliche Kondition und Kraft. Bei dem Sporttest sind 3 Bewerber ausgeschieden, weil Sie die Zeit überschritten haben. Auch wenn man einen Hundertstel über der Zeit war, war man raus. Da sind die Sportlehrer sehr streng und drücken auch kein Auge zu. Zurecht.

Die restlichen 8 Bewerber, unter anderem Ich, wurden dann am Ende des Sporttests aufgeteilt in zwei Gruppen. Die erste Gruppe wurde am Dienstag, den 17.07.2018 für das Assesstment Center eingeladen und die zweite Gruppe, wo Ich mich befand, am Mittwoch, den 18.07.2018 um 8 Uhr morgens.
Mittwoch, den 18.07.2018 um 8 Uhr morgens. Ich habe mich gut auf das Assesstment Center vorbereitet, da ich zuvor das Seminar AC-Coaching besucht habe, was ich zu 100% empfehlen kann, da man sehr gute Tipps und Methoden beigebracht bekommt, die ich dort anwenden konnte. Um einen guten und seriösen Eindruck zu hinterlassen, habe ich mir ein Hemd und eine elegantere Hose angezogen, ebenso elegantere Schuhe und keine Sneaker. Eine Uhr zeigt Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Das ist natürlich kein Muss, aber könnte euch definitiv einige Pluspunkte einfahren. Wir wurden in einen Konferenzraum gebracht. Die Stühle wurden schon mit unserem Namenschild versehen und die Stühle waren so aufgestellt, wie in etwa ein kleiner Stuhlkreis. Um uns herum saßen ca. 10 Leute, unter anderem zwei Psychologen, der Gefängnisleiter, der Ausbildungsleiter, der Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes, die stellv. Leiterin des allgemeinen Vollzugsdienstes, der Bereichsleiter, der Abteilungsleiter und noch andere diverse Leute. Wir saßen im Mittelpunkt und egal wo man hinsah, man sah immer ein Gesicht dieser Leute. Man wurde von jeder Seite beobachtet. Ein ganz schön beklemmendes Gefühl. In dem Schreiben, was wir zu Beginn bekommen hatten stand schon, dass an dem Tag eine Gruppendiskussion und Einzelgespräche stattfinden werden. Die Psychologin hat uns unser Thema für die Gruppendiskussion mitgeteilt. Es handelt sich um Möglichkeiten und Risiken neuer Medien in den jeweiligen Justizvollzugsanstalten. Damit sind gemeint Internetzugang, Handys, soziale Medien etc. Das Thema war frei interpretierbar. Ich habe die Rolle des Moderators eingenommen und hatte dadurch nach der Vorstellungsrunde direkt das erste Wort und konnte mein Statement zu dem Thema abgeben. So hatte ich keine Startprobleme im Gegensatz zu den anderen Bewerbern. Unsere Diskussion ging 25 Minuten lang. Das war definitiv zu lang und unsere Argumente und Aussagen wiederholten sich irgendwann auch. Keiner kam zum Ende und keiner wollte auch das Ende ankündigen. Wobei das eigentlich die Aufgabe des Modertors ist, aber ich habe es leider verpasst. Normalerweise sind 15 Minuten für eine Gruppendiskussion ein guter Ansatz. Nach der Gruppendiskussion wurden wir in den Flur gebeten, um dort zu warten. Nach ca. 20 Minuten wurden wir wieder hereingerufen. Wir haben dann unsere Uhrzeiten gesagt bekommen, wann die Einzelgespräche stattfinden. Ich hatte um 9 Uhr das Gespräch mit der Psychologin, um 11 Uhr das Gespräch mit dem Ausbildungsleiter, der Bereichsleiterin und dem Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes und um 13 Uhr das Gespräch mit dem stellv. Gefängnisleiter.


Als uns das gesagt wurde, war es schon 9 Uhr und ich konnte direkt mit der Psychologin mitgehen, die mich zu ihrem Büro brachte. Es war ein lockeres Gespräch, wo mein Lebenslauf besprochen wurde und mein Leben an sich. Tiefpunkte im Leben und wie ich diese gemeistert habe und Höhepunkte in meinem Leben. Das Gespräch verlief ganz gut und sehr entspannt. Das Gespräch ging so in etwa eine Stunde. Dann wurde ich zur Kantine begleitet und hatte dort eine halbe Stunde Pause, bis mich der Ausbildungsleiter abgeholt hat. Das Gespräch mit den Uniformierten, so nannten sie sich selbst, verlief weniger gut. Hilfreich ist es, sich sehr damit zu befassen, wie ein Alltag eines Justizvollzugsbeamten aussieht und wie die Ausbildung aufgebaut ist. Bei den Uniformierten ging es in dem Gespräch mehr darum, wie sehr man sich mit dem Berufsfeld bisher auseinandergesetzt hat und welche Fähigkeiten und Eigenschaften man selbst mitbringt. Da waren dann auch solche Fragen, wie z.B. warum sollten wir gerade Sie einstellen? Auf solche Fragen sollte man sich Zuhause am besten schon vorbereiten, weil diese einen schonmal aus der Bahn werfen kann. Es wurden auch Situationsfragen gestellt, wie z.B. Was machen Sie, wenn ein Gefangener nach dem Hofgang nicht in seine Zelle zurück gehen will? Das Gespräch ging auch in etwa eine Stunde. Der Zeitplan ging nicht so ganz auf, der eigentlich angedacht war, da ich nur noch das Gespräch mit dem stellv. Gefängnisleiter aufsuchen musste und es ca. 12 Uhr war. Aber da der Zeit stellv. Gefängnisleiter Zeit hatte, kam ich schon eher dran. Das Gespräch verlief ganz gut mit Ihm, da er mehr von der Anstalt und von sich erzählt hat, als Fragen zu stellen. Da war der Eindruck wichtiger, welchen man hinterlässt und wie man auftritt. Nach dem Gespräch mit dem stellv. Gefängnisleiter wurde ich zurück zur Kantine gebracht und dort warteten auch schon die anderen Bewerber. Wir haben ca. 2 Stunden gewartet, bis wir unsere Ergebnisse gesagt bekommen haben. Ich wurde als erstes aufgerufen. Mir wurde die Eignung erteilt, heißt aber nicht, dass ich den Arbeitsplatz in dieser JVA bekomme. Die Eignung bedeutet, dass ich für den Job geeignet bin und mich in meinem Bundesland in jeder JVA bewerben kann und dieses Einstellungsverfahren, sprich den schriftlichen Eignungstest, den Sporttest und das Assesstment Center, also diese Gruppendiskussion und die Einzelgespräche nicht noch einmal machen muss. Das verjährt auch nicht. Insgesamt haben von den 8 Bewerbern 5 Bewerber die Eignung zugesagt bekommen, unter anderem Ich. Ein Tag nach dem Assesstment Center habe ich von der JVA einen Anruf erhalten, dass Sie mich gerne Einstellen möchten, allerdings ich noch einige Unterlagen einreichen muss und diese zum Personalrat gehen müssen und wenn er das OK gibt, dann würde ich eine 100% Zusage bekommen. Außerdem muss ich noch zum Amtsarzt, der meine Diensttauglichkeit prüfen muss.
Solltet ihr noch weitere Fragen haben, stehe ich euch gerne zur Verfügung.

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