Angst abgelehnt zu werden/ nicht gut genug zu sein

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seven
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Angst abgelehnt zu werden/ nicht gut genug zu sein

Beitrag von seven » 17.08.2009, 22:34

Hallo,
ich möchte hier mal etwas über meine Ängste sprechen und werde ja sehn ob die hier jemand teilt oder versteht. Auch wenn es mir peinlich ist.

Und zwar bin ich eher eine schüchterne Natur und denke, dass ich nicht gerade mit Talenten und Intelligenz gesegnet wurde. Es gibt einfach nichts in dem ich so richtig gut bin, alles so im Mittelmaß oder etwas darunter.

Das ist einer der Gründe warum ich mich meist garnicht dazu aufraffen kann überhaupt eine Bewerbung loszuschicken. Ich habe Angst vor einer leeren Office Seite zu sitzen, weil mir kaum gute Argumente einfallen warum gerade ich für diesen Job in Frage komme. Und die Dinge die mir einfallen kann ich nicht einfach zu lapidar in die Bewerbung setzen z.B das ich viel treuer bin als manch anderer (sehr ehrlich, stehe für meine Fehler gerade, rede hinter niemandes Rücken schlecht, sagen immer nur das was ich den Leuten auch ins Gesicht sagen würde). Das ich auch mal umsonst arbeiten würde, wenn der Laden sonst untergeht. Das ich kein Problem damit habe (unbezahlte) Überstunden zu machen, wenn ich dafür meinen eigenen Arbeitsrhytmus einwickeln darf. Das ich nie jemanden mobben würde oder das ich mich für die Rechte der Mitarbeiter in einer Gewerkschaft einsetzen würde.

Alles was die Arbeitgeber in einer Bewerbung sehen wollen ist ein hübsches Foto (meins geht wohl gerade noch so durch, ist auch mit Photoshop vom Fotografen "glatt gemacht" worden.) und natürlich alles was man bisher so gemacht hat (alles was nicht mindestens "gut" ist, ist nicht "gut genug"). Und da gibt es bei mir einfach nicht soviel. Keine Praktika, garnichts, ausser der Schule, Zivi und ein Englischkurs. Gäbe es keine Schulpflicht, wer weiss ob ich dann Abi hätte. Ich komm einfach kaum ausm Arsch.

Wenn das so weitergeht bewerbe ich mich einfach als Einzelhandelskaufmann, das ist der einzigste Job auf der Welt wo ich behaupten kann wenigstens mal den Hauch eines Einblicks bekommen zu haben (derzeitiger Aushilfsjob in einer TEDI Filiale). Als Schülerpraktikum habe ich mal Krankenpfleger gemacht, aber diesen Job kann ich nicht erlernen, daran würde ich kaputt gehen.

Ich würde so gern etwas machen, wo ich mein eigenes Büro habe und im Anzug zur Arbeit gehen kann. Wo ich etwas am PC tippe, mit Geschäfts-Partnern telefoniere, mal etwas Zeit habe für die Mitarbeiter etc.

Ich weiss irgendwo in mir drin, dass wenn ich erstmal einen Job habe ich mich dermaßen reinhängen werde, dass ich diesen Beruf bald beherrschen würde. Weil das mit allem so ist, erst fängt man ganz unten an und dann arbeitet man einfach härter als jeder andere und irgendwann ist man besser als die, die vorher noch komisch geguckt haben.

Aber wie soll ich das je beweisen, wenn die wenigen Berwerbungen zu denen ich mich getraut habe kaum bis keine Positive Resonanz kommt.
Das ist ein Teufelskreis.

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 30.08.2009, 15:40

Hallo Seven!

Zunächst einmal fällt mir hier (wie auch schon mehrfach an anderer Stelle) auf, wie gut Du Dich ausdrücken kannst. Damit - wie auch mit Deiner Ehrlichkeit - bist Du schon einmal nicht "Mittelmass", sondern deutlich darüber. Wobei ich mich immer frage, was denn am Mittelmass so schlimm sein soll. Ich meine... es gibt doch immer und in jeder Hinsicht die Gauß'sche Normalverteilungskurve, die mit ihrer Glockenform besagt, dass der Durchschnitt IMMER die überwiegende Mehrheit stellt...

Das gilt für Arbeitgeber genauso wie für Arbeitnehmer und überhaupt alle: Die meisten Tätigkeiten der Welt sind "mittelmässig" in dem, was sie fordern und bieten... und somit exakt geschaffen für die meisten Arbeitnehmer (die ihrerseits "mittelmässig" sind in dem, was sie können und erstreben) und die Konsumenten (die "mittelmässig" sind in dem was sie verstehen und bezahlen können). So gesehen passt im Grundsatz eigentlich alles - abgesehen von dem Umstand, dass das Verhältnis von Angebot und Nachfrage momentan deutlich zu Lasten der Arbeitssuchenden geht!

Prinzipiell denke ich aber schon, dass 70% aller Stellenanzeigen sinngemäss (und im Detail natürlich aussagekräftiger) lauten müssten: "Mittelmässig geführtes Unternehmen mit durchschnittlichen Produkten/Dienstleistungen für die Bevölkerungsmitte sucht Angestellte, welche die damit einhergehenden Anforderungen mit ihren Kenntnissen und Ambitionen weder über-, noch unterschreiten."

Es kann eigentlich überhaupt nicht anders sein. Warum einem diese Anzeigen so selten begegnen? Keine Ahnung. Ich kann nur raten: Ist es Eitelkeit? Verzerrte Wahrnehmung? Herdenverhalten? Hoffnung für die Zukunft? Angst? Oder einfach Gedankenlosigkeit?

Genug des Gedankenspiels... was folgt daraus? Für Dich zunächst einmal zwei Dinge: Erstens gibt es m. E. keinen Grund, Dich Deiner vermeintlichen "Durchschnittlichkeit" zu schämen! Zweitens gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass es für diese keine Verwendung gäbe - im Gegenteil: In der überwältigenden Mehrheit der real existierenden Stellen sind - vor allem auf längere Sicht - überhaupt nur "normale" Menschen zu gebrauchen... auch wenn es in den Anzeigentexten bisweilen anders steht... ;-)

Jetzt fragst Du Dich natürlich, was Dir das beim Bewerben helfen soll, wenn Du davon ausgehen musst, dass der Empfänger Deiner Bewerbung Dich irgendwo auf halber Höhe eines Stapels auf dem Tisch liegen hat und nur einen davon auswählen kann...

Zunächst einmal hat die Durchschnittlichkeit ja auf beiden Seiten viele Gesichter. Die Tatsache, dass sowohl die Stelle, als auch der Bewerber insgesamt "durchschnittlich" sind, heisst nicht, sie im Einzelfall inhaltlich zusammen passen! Ich kenne kaum Leute, bei denen ich den Eindruck hätte, dass sie alles gleich gut können...

Auch innerhalb des allgemeinen "Durchschnitts-Korridors" sind die individuellen Stärken und Schwächen unterschiedlich... und insofern schon als Argumente nutzbar. Ein weiteres sehr starkes (wenn auch indirektes) Argument ist die zuvor erfolgte persönliche Auseinandersetzung mit dem Berufsbild. Wenn Du Dich ernsthaft damit beschäftigt hast, wird das im Text des Anschreibens in irgend einer Form spürbar sein - und definitiv positiv wirken... sofern der Zusammenhang mit den o. g. "relativen Talenten" plausibel wirkt.

An dieser Stelle muss ich mich leider dreifach unbeliebt machen: Deine Umschreibung kaufmännischer Tätigkeit ("Ich würde so gern etwas machen, wo ich mein eigenes Büro habe und im Anzug zur Arbeit gehen kann. Wo ich etwas am PC tippe, mit Geschäfts-Partnern telefoniere, mal etwas Zeit habe für die Mitarbeiter") wirkt derart... hmmm... einerseits süss, aber andererseits auch derart grenzenlos unfundiert, dass es für einen Abiturienten kaum zu glauben ist.

Auch in Deiner Selbsteinschätzung (die mir in ihrer schonungslosen Ehrlichkeit - wie gesagt - sehr gut gefällt) sehe ich keinerlei Bezugspunkte zur Wirtschaftswelt. Hast Du schon einmal darauf geachtet, wie "echte" Kaufleute über ihre Arbeit reden? Da wimmelt es nur so von Metaphern aus Leistungssport und Krieg. Auch wenn das zu 98% leeres Gepose ist: Ich sehe Dich mit Deiner ganzen (soweit mir bekannten) Art nicht als organischen Bestandteil dieser Szene! Die 5 in Mathe (die definitiv außerhalb des besagten "Durchschnitts-Korridors" liegt) kommt als viel zu einfaches (und für einen Finanzjob) scheinbar todsicheres KO-Kriterium nur noch obendrauf.

Zurück zum Positiven: Bei Deiner Selbstbeschreibung kam mir sofort das Stichwort "Sozial" in den Sinn. BTW: Aufschlussreich, dass Deine (m. E. immer noch viel bessere!) erste Beschreibung des TEDI-Jobs in Deinem anderen Thread ebenfalls viel stärker "sozial" als "ökonomisch" klang! Eigentlich erstaunlich, dass eine solche Assoziation bei der Beschreibung einer solchen Tätigkeit auftaucht... und gerade deshalb m. E. ein sehr deutliches Zeichen!

Und mein Gedanke bei Erwähnung des Krankenpflege-Praktikums: PASST! Da gibt es keine Lücke: Eine wichtige und sinnvolle Tätigkeit für einen Menschen mit ausgeprägtem Verantwortungsgefühl für andere. Darf ich fragen, warum Du Dich dieser Tätigkeit nicht gewachsen fühlst? Gäbe es villeicht Alternativen in der Richtung? Wenn ich "Medizin" und "Umgang mit Menschen" mit Deiner Tätigkeit als Sporttrainer zusammenbringe, fällt mir z. B. "Ergothrapie" ein. Ohne jetzt zu wissen, ob Dich das interessieren könnte: Allein mit dem, was ich als Außenstehender schon von Dir weiss, könnte man hierzu eine rundum überzeugende Bewerbung schreiben, die ohne die kleinste Übertreibung und/oder "kreative" Deutung irgendwelcher Fakten auskäme...

Das ist jetzt nur ein Beispiel... aber ich denke, Du verstehst, was ich sagen will?!?

Mein persönliches Wort zum Sonntag... ;-)

Kathachan
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Beitrag von Kathachan » 30.08.2009, 19:29

öhmm.. Sven du hast ABI wenn ich das richtig verstanden habe? und dann sagst du das du nur mittelmaß bist? Hallo .. du hast den höchsten schulabschluss in deutschland.. das is schon sehr viel wert in einer bewerbung .. und ich denke jeder mensch hat seine talente und fähigkeiten auch wenn sie nicht vollkommen sind ..
Keine Angst das klappt schon, ich z.b. bin extrems schüchtern und bin grad mal in der 12. und mache fachabi in wirtschaft.. ich habe mich hingesetzt einige fähigkeiten aufgezählt und bald hab ich schon mein bewerbungsgespräch bei bertelsmann .. also wenn ich das schaffe schaffst du das auch :P

Calla
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Beitrag von Calla » 30.08.2009, 19:47

Okay, dann verstehe ich jetzt besser, warum dich meine Bemerkung in deinem anderen Thread so frustriert hat.. (Das hat mir übrigens echt leid getan, es war nicht mein Ziel dich zu frustrieren, ich war nur ein bisschen erstaunt, dass sie jemand, der wenig Interesse an Mathe hat, ausgerechnet für den Bereich Versicherung und Finanzen bewirbt.)

Nach deinem Post hier war mein erster Gedanke, dass es vielleicht gut für dich wäre mal andersrum zu denken und dich nicht darauf zu konzentrieren, welche Sachen du nicht kannst, sondern wo deine Stärken liegen und vor allem auch für welche Themen und Bereiche, du dich begeistern kannst!

An der Stelle stellt sich mir schon die Frage, warum dich z.B. die Ausbildung als Kaufmann für Finanzen und Versicherungen interessiert. Okay, Anzug und Büro sehe ich ein, aber mal ehrlich, nach drei Monaten ist das langweilig. Aber daneben? Fändest du es wirklich spannend zu berechnen ob nun Riester-Rente plus Aktiendepot besser zur Altersvorsorge ist als eine Lebensversicherung oder nicht? Würde es dir Spaß machen zu verkaufen (also Leute dazu überreden, sie zu kaufen)?

Ja, ich weiß schon, dein Gefühl ist wahrscheinlich, dass du es dir gar nicht leisten kannst, dich nur auf Jobs zu bewerben, die genau passen. Kannst du aber, solltest du auch. Aber ich denke, es wäre gut wenn du mal mehr Gedanken darauf verwenden würdest, wie dein absoluter Traumjob aussehen würde. Was würdest du machen, welche Themen bearbeiten? Je genauer, du bestimmen kannst, was zu dir passt um so leichter fällt es dir dann einen Job zu finden!

Was sind denn die Themen, die dich interessieren? Bewerbungen beiseite - wofür kannst du dich begeistern? Ich denke, wenn du einen Job findest, der deinen Interessen und deinen Stärken entspricht, sind auch deine Chancen besser zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden.

Ansonsten wollte ich nur sagen, dass erfolglose Bewerbungen einfach frustrierend sind. Das kann sicher jeder verstehen, der schon mehr als fünf oder zehn Bewerbungen geschrieben hat. Nicht aufgeben! Und verstehen, dass es NICHTS über deinen Wert als Person aussagt. Nur ob du gerade auf das jeweilige Jobprofil passt.

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