Anschreiben bei beruflicher Umorientierung

Informationen und Fragen zum Bewerbungsablauf, zu einzelnen Elementen der Bewerbungsmappe und zu individuellen Formulierungen. Wie soll eine Bewerbungsmappe aufgebaut sein? Welche Fakten gehören in ein Anschreiben? Welche Formulierungen sollten unbedingt vermieden werden?
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Quaicheck
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Anschreiben bei beruflicher Umorientierung

Beitrag von Quaicheck » 28.09.2010, 19:06

Hallo liebes Forum,

bisher habe ich euer Forum des Öfteren passiv "konsumiert". Jetzt ist bei mir allerdings eine Situation aufgetreten, bei der mir individuelle Tipps für ein korrektes und erfolgversprechendes Anschreiben sehr helfen würden.

Folgende Situation:
Ich habe vor ca. einem Jahr mein Studium eines naturwissenschaftlichen Studienganges an einer Fachhochschule nach einer recht hohen Semesteranzahl (5 Semester über Regelstudienzeit) mit einer 1 vor dem Komma abgeschlossen und auch schnell einen Job gefunden in dem ich seit April tätig bin. Aus Unerfahrenheit und Ungeduld heraus habe ich zugesagt, ohne Recherchen anzustellen oder bestimmte Fragen zu stellen. Das Themengebiet war mir ebenfalls neu und ich dachte, dass es so schlimm nicht werden wird. Leider haben sich mit der Zeit folgende Punkte herauskristallisiert:

- Das Gebiet auf dem ich momentan arbeite ist grauenhaft. Es hat mit dem Fach, welches ich studiert habe nicht im geringsten etwas zu tun. Trotzdem erledige ich meine Aufgaben stets so, dass alle Beteiligten sehr zufrieden sind. Ich fühle mich dabei jedoch gnadenlos unterfordert und gelangweilt.

- Der Beruf beinhaltet eine sehr ausgiebige Reisetätigkeit (teilweise mehrere Monate mit sehr kurzer Vorlaufzeit), von der während des Einstellungsgesprächs keine Rede war. Ich würde jedoch einen Job bevorzugen, der es mir auch erlaubt mich irgendwo fest niederzulassen.

Diese beiden Punkte geben den Ausschlag dazu, mir einen anderen Job zu suchen. Leider habe ich keinerlei Ahnung wie ich das (langes Studium, vorschnell zugesagt, langweiliger Job) Vorteilhaft in ein Anschreiben verpacken kann.

Hinzu kommt, dass ich ab Januar per Fernstudium meinen Master mit Promotionsberechtigung beginnen werde. Würdet ihr das bei der jetzigen Bewerbung schon im Anschreiben mit dem Hinweis, dass die Anfertigung der Masterarbeit und evtl. eine spätere Promotion in der neuen Firma stattfinden könnte?

Ich bin gespannt auf jegliche Kommentare und danke schonmal im Voraus. :)

Euer Quaicheck

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Beitrag von FRAGEN » 28.09.2010, 21:16

Hmmmm... mein erster Kommentar (bzw. meine erste Rückfrage) wäre: Ist es nicht eigentlich ideal, wenn Dein Studium mit einem Job zusammen fällt, den Du relativ entspannt betreiben kannst? Die Alternative wäre doch Zweifronten-Stress, oder? Die Reiserei muss dafür auch nicht schlecht sein: Erstens guckt Dir keiner auf die Finger... und zweitens bist Du auch nicht abgelenkt. Ich stelle mir das mit Blick auf die übergeordnete Zielsetzung (auf Basis eines hervorragend abgeschlossenen Masters) eigentlich ziemlich effektiv vor... und im Lebenslauf macht es auch einen guten Eindruck... ;-)

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Beitrag von Quaicheck » 28.09.2010, 21:29

Du hast schon recht mit Deiner Frage. Leider ist der Job, trotz des relativ geringen Anspruchs, oft mit sehr engen Zeitplänen verbunden. Also, Stress ja, Anspruch nein. :( Auch die räumliche Distanz zu meinem Zuhause ist für ein Studium - obwohl es sich um ein Fernstudium handelt - ein großer Minuspunkt, da alleine durch die Heimfahrerei, auf die ich aufgrund der ganzen Alltags-Erledigungen in Deutschland nicht verzichten kann, jede Woche mit insgesamt 9 Stunden zu Buche schlägt. Das ist sehr wertvolle Zeit! :)

Wie daraus sicher zu erkennen ist sitze ich in einer Art "Luxus-Zwickmühle". Auf der einen Seite Verpflichtungen und das Privatleben in DE, auf der anderen Seite ein anspruchsloser Job (der mich persönlich nicht glücklich macht, aber für ein Zweitstudium sicher sehr sinnvoll wäre).

Und das schlimmste daran, ich muss versuchen es irgendwie in meiner Bewerbung gut aussehen zu lassen.

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Beitrag von FRAGEN » 29.09.2010, 09:04

Quaicheck hat geschrieben:Und das schlimmste daran, ich muss versuchen es irgendwie in meiner Bewerbung gut aussehen zu lassen.
Das ist für mich eigentlich der harmloseste Teil... da eigentlich ohnehin keins von Deinen "Luxusproblemen" in das Anschreiben gehört. Du musst weder die Studiendauer erklären, noch über das Zustandekommen des Vertrags diskutieren, noch über Deinen Arbeitgeber herziehen. Wenn Du eine Stelle siehst, die besser zu Deiner Ausbildung passt als die aktuelle, ist das doch die beste Wechselmotivation überhaupt. Dieses "Inhaltlich-besser-Passen" wären dann auch der entscheidende Teil der Bewerbung. Über ungelegte Eier (Zweitstudium) würde ich nicht reden.

Ich frage mich eher, ob es eine gute Idee zwei Punkte mit erhöhten Anforderungen (Einarbeitung in höherwertiges Aufgabengebiet und Studium) auf den gleichen Zeitpunkt zu timen... oder ob Du nicht besser erst sattelfest im neuen Job wirst, bevor Du Dir noch Freizeit-Herausforderungen suchst... gerade, wenn Dich die jetzige Situation schon vor Schwierigkeiten mit dem Privatleben stellt.

Alternative: Du machst den Master jetzt geradeaus in Vollzeit. Da brauchst Du gar nichts "gut aussehen" zu lassen. Das halbe Jahr, was Du bisher gearbeitet hast, wird dann im Rückblick als eine Art erweitertes "Praxissemester" rüberkommen... ;-)

Quaicheck
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Beitrag von Quaicheck » 30.09.2010, 23:09

Hallo FRAGEN,

vielen Dank für Deine Antworten. Ich werde das mit dem Masterstudium wohl nochmal überdenken und erstmal meine ganze Energie in das finden einer neuen Stelle stecken. Ich habe die letzten Tage auch bereits ein Anschreiben verfasst, von dem ich hoffe, dass es gut ist. Du bist herzlich eingeladen auch dazu Kommentare abzugeben. ;) Den Thread findest Du hier.

Beste Grüße,
Quaicheck

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