Anschreiben: warum gerade diese Firma xy

Informationen und Fragen zum Bewerbungsablauf, zu einzelnen Elementen der Bewerbungsmappe und zu individuellen Formulierungen. Wie soll eine Bewerbungsmappe aufgebaut sein? Welche Fakten gehören in ein Anschreiben? Welche Formulierungen sollten unbedingt vermieden werden?
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silver
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Anschreiben: warum gerade diese Firma xy

Beitrag von silver » 21.03.2010, 17:40

Nun bin ich ganz schön alt geworden (naturwiss. Studium + Promotion) und muss oder darf mich endlich für den Berufseinstieg bewerben.
Dabei kommen natürlich zig Fragen auf, derer einige schon in anderen Threads in diesem tollen Forum beantwortet wurden, aber etlich auch nicht. Um Euch nicht gleich mit einer ganzen Flut zu überfallen fange ich mal mit zwei Fragen an, die mich grad akutell beschäftigen und die das Anschreiben betreffen.

1. Sollte/muss man immer einen Beweggrund angeben, warum man sich bei Fa. xy bewirbt? Im Zweifel doch, weil sie eine Stelle anbieten, für die man qualifiziert ist und die einen interessiert. Dass dem so ist leitet sich aber doch schon aus der Tatsache ab, dass ich mich dort bewerbe.

Ich formulier gerade an meiner ersten Bewerbung herum (und gleich für einen der ganz großen in meinem Bereich - vielleicht nicht so clever, aber die Stelle passt toll und ich will nicht, dass sie weg ist, bevor ich mich endlich "traue"). Die Frage ist, was kann ich denn (außer s.o.) als Beweggrund für meine Bewerbung bei denen angeben?
Ehrlich gesagt hab ich zuerst gedacht "die nehmen eh nur die Sahnestückchen" aber als ich mich auf der HP ein wenig umgeschaut hab haben die mir als einer der wenigen Firmen wirklich den Eindruck vermittelt "Hey, wir können auch Berufseinsteiger/Dich gebrauchen".
Aber kann/sollte ich das ins Anschreiben so reinnehmen? Am Ende wird es als "Die will sonst keiner" oder "Die hat ja mal Null Selbstvertrauen" interpretiert.

Dass man natürlich bei der Nr.1 arbeiten möchte ist ja auch kein Argument - wer will das nicht?

2. Ich hab in meinem Fachgebiet eigentlich immer im Randbereich zu angrenzenden Gebieten gearbeitet. Sollte ich das "interdisziplinär ausgerichtet" betonen oder lieber nicht so herauskehren, weil man es auch als "kann alles, aber nichts richtig" hindrehen könnte?

Oh mann, ich hab mich immer drauf gefreut irgendwann endlich ins Berufsleben einzutreten, aber momentan hab ich das Gefühl, dass man schon beim Bewerben soviel falsch machen kann, dass es eigentlich nur schief gehen kann.

Ach und ein 3. noch: bei Onlinebewerbungen (nicht per Mail!) bleibt einem nicht viel anderes übrig, als das Anschreiben an "Sehr geehrte Damen und Herren" zu richten, oder? Oder gibt es da kreativere Varianten?

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FRAGEN
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Re: Anschreiben: warum gerade diese Firma xy

Beitrag von FRAGEN » 21.03.2010, 21:22

silver hat geschrieben:Im Zweifel doch, weil sie eine Stelle anbieten, für die man qualifiziert ist und die einen interessiert. Dass dem so ist leitet sich aber doch schon aus der Tatsache ab, dass ich mich dort bewerbe.
Hahahaha... dafür möchte man Dich geradezu knuddeln mit all Deinem (unter'm Strich immer noch jugendlichen) Idealismus, Silver. Die Wahrheit ist: Bei der Mehrzahl der real existiernden Bewerbungen ist weder das eine, noch das andere der Fall. Normalerweise ist es ein schönes Stück Arbeit, die Qualifizierten herauszusortieren... ;-)

In Deinem Fall könnte es allerdings tatsächlich sein, dass die Bewerbung mehr oder minder selbsterklärend ist: Wenn das Thema Deiner Promotion mit einem Unternehmensschwerpunkt korrespondiert, wird wohl tatsächlich niemand diesbezügliche Fragen haben... ;-)
silver hat geschrieben:die Stelle passt toll und ich will nicht, dass sie weg ist, bevor ich mich endlich "traue"). Die Frage ist, was kann ich denn (außer s.o.) als Beweggrund für meine Bewerbung bei denen angeben?
Hmmmm... wenn Du sagst, dass die Stelle "toll passt" müsste dieses "Passen" sich doch in irgend einer Form in Worte fassen lassen, oder? Was ist es denn, was Dir so ganz besonders "passend" erscheint?
silver hat geschrieben:Ehrlich gesagt hab ich zuerst gedacht "die nehmen eh nur die Sahnestückchen" aber als ich mich auf der HP ein wenig umgeschaut hab haben die mir als einer der wenigen Firmen wirklich den Eindruck vermittelt "Hey, wir können auch Berufseinsteiger/Dich gebrauchen".
Aber kann/sollte ich das ins Anschreiben so reinnehmen?
Im Zweifel mit der Wahrheit. Es gibt ja sehr verschiedene Arten von "Sahnestückchen". Die "talentierte Zuarbeiterin" (nicht böse sein!) kann definitiv eins davon sein. Es gibt eigentlich in so ziemlich jedem Tätigkeitsfeld der Welt Teilbereiche des zu bearbeitenden Ganzen, für die die Supercracks - betriebswirtschaftlich betrachtet - eigentlich zu teuer sind... und die trotzdem so komplex sind, dass man sie "irgendwem" unmöglich in der zur Verfügung stehenden Zeit erklären kann. Das sind die Jobs, in denen sich die hoffnungsvollen Absolventen nützlich machen (und für "höhere" Aufgaben empfehlen) können. Das ist für keinen der Beteiligten eine Schande... sondern schlicht + einfach für jeden davon sinnvoll... ;-)
silver hat geschrieben:Dass man natürlich bei der Nr.1 arbeiten möchte ist ja auch kein Argument - wer will das nicht?
In dieser Plattheit hast Du schon recht... aber wer sagt, dass es so platt bleiben muss? Es könnte sich doch sehr folgerichtig lesen, wenn irgend ein Aspekt, der zu dem "Nr1"-Status der Firma beiträgt, Parallelen zu Deinem eigenen bisherigen Wirken hätte, oder?
silver hat geschrieben:Ich hab in meinem Fachgebiet eigentlich immer im Randbereich zu angrenzenden Gebieten gearbeitet. Sollte ich das "interdisziplinär ausgerichtet" betonen oder lieber nicht so herauskehren, weil man es auch als "kann alles, aber nichts richtig" hindrehen könnte?
Das kommt m. E. darauf an, wie fokussiert das Unternehmen (bzw. der denkbare Einsatzbereich für Dich) selber ist. Wenn Grund zur Annahme besteht, dass Interdisziplinarität in den Augen des Lesers einen Wert darstellen wird, stellst Du den in den Mittelpunkt der Argumentation... ansonsten halt nicht... ;-)
silver hat geschrieben:Oh mann, ich hab mich immer drauf gefreut irgendwann endlich ins Berufsleben einzutreten, aber momentan hab ich das Gefühl, dass man schon beim Bewerben soviel falsch machen kann, dass es eigentlich nur schief gehen kann.
Das ist eigentlich nur dann so, wenn Du nach einem festen und immer gültigen Rezept suchst. Aber das ist doch gar nicht Deine Art, oder? Ich meine... wenn Du so drauf wärst, hättest Du doch niemals mit der Forscherei angefangen, oder? Ist es nicht gerade das NICHT im vorhinein feststehende Ergebnis, was Dich inteessiert? So ist es beim Bewerben auch... ;-)

Wenn Du die Wahrheit so strukturiert und freundlich formulierst, wie es nur geht, kannst Du m. E. nur richtig rauskommen. Schief gehen können in Deinem Fall nur irgendwelche vermeintlichen "Supertricks"... ist meine feste Überzeugung, Silver... ;-)
silver hat geschrieben:Ach und ein 3. noch: bei Onlinebewerbungen (nicht per Mail!) bleibt einem nicht viel anderes übrig, als das Anschreiben an "Sehr geehrte Damen und Herren" zu richten, oder? Oder gibt es da kreativere Varianten?
Was willst Du denn mit Kreativität an dieser Stelle? Was kannst denn Du dafür, wenn die den persönlichen Kontakt auf später verschieben wollen. Deren Entscheidung... nicht Dein Thema... ;-)

silver
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Re: Anschreiben: warum gerade diese Firma xy

Beitrag von silver » 22.03.2010, 21:11

Danke für Deine ausführliche Antwort, FRAGEN!
Mehr noch, als meine Fragen zu beantworten hast Du mir Mut gemacht. :)

So:
FRAGEN hat geschrieben: Es gibt eigentlich in so ziemlich jedem Tätigkeitsfeld der Welt Teilbereiche des zu bearbeitenden Ganzen, für die die Supercracks - betriebswirtschaftlich betrachtet - eigentlich zu teuer sind... und die trotzdem so komplex sind, dass man sie "irgendwem" unmöglich in der zur Verfügung stehenden Zeit erklären kann. Das sind die Jobs, in denen sich die hoffnungsvollen Absolventen nützlich machen (und für "höhere" Aufgaben empfehlen) können.
hatte ich das noch gar nicht gesehen.
FRAGEN hat geschrieben: Wenn das Thema Deiner Promotion mit einem Unternehmensschwerpunkt korrespondiert, wird wohl tatsächlich niemand diesbezügliche Fragen haben[..]
Was ist es denn, was Dir so ganz besonders "passend" erscheint?
Na ja, ganz so einfach ist es nicht. Die wenigstens finden wohl eine Stelle, in der sie tatsächlich ihr Promotionsthema (annähernd) fortführen können und Schwerpunkt hat dieses Unternehmen viele...
Was ich so passend finde ist, dass ich in dem Fall einfach nahezu alle Anforderungen abhaken kann.

Vor allem wollen sie Erfahrung mit bestimmen Techniken, die ich alle in meiner Promotion angewendet hab.
Dazu dann noch das übliche "bla, bla" Promotion erfolgreich abgeschlossen (gut, das kommt noch, aber das ist nur noch pro Forma) sehr gute konzeptionelle Fähigkeiten, Überblick in schwierigen Situationen, Einsatzbereitschaft.
Klar, Eigenschaften die jeder für sich beanspruchen würde, aber ich kann die o.g. (wie ich finde) mit guten Beispielen belegen.

Nur da bin ich wieder an dem Punkt: Warum zu xy -> weil ich qualifiziert bin -> das sollte ;) selbstverständlich sein.
FRAGEN hat geschrieben:Es könnte sich doch sehr folgerichtig lesen, wenn irgend ein Aspekt, der zu dem "Nr1"-Status der Firma beiträgt, Parallelen zu Deinem eigenen bisherigen Wirken hätte, oder?
Genau genommen habe ich dann wohl sogar schon ein Argument in meiner Bewerbung angeführt. Nur ohne es explizit als "deshalb will ich zu Euch" zu benennen. Eher, als mein eigener Antrieb. Prima, dass der sich inhaltlich mit dem "Slogan" der Firma deckt. Vielleicht weise ich noch ein wenig durch die Blume daraufhin. Oder kann ich davon ausgehen, dass ein erfahrener Personaler da auch von allein Parallelen zieht? Aber vielleicht will er ja sehen, dass ICH die Parallelen auch ziehe?

Da noch mal der Bogen zum Thema Eigenschaften belegen: Kann ich davon ausgehen, dass die geforderte Einsatzfähigkeit assoziiert wird, wenn ich erwähne, dass ich jahrelang neben dem Studium Nachtschicht gearbeitet hab oder muss/sollte ich jedesmal die Eselsbrücke bauen und die betreffende Eigenschaft wörtlich miteinfließen lassen? Das käme mir irgendwie so vor, als würde ich den Lesenden für blöd halten. "Komm, ich nehm Dich an die Hand"

Kann man sich eigentlich auch zuviele Gedanken um eine Bewerbung machen? :lol:
FRAGEN hat geschrieben: Ist es nicht gerade das NICHT im vorhinein feststehende Ergebnis, was Dich inteessiert? So ist es beim Bewerben auch... ;-)
Das hab ich sogar in dem Anschreiben drinstehen :D So gesehen...
Aber bei meiner Forschung war ich mir meiner Methoden sicherer ;)
FRAGEN hat geschrieben:Schief gehen können in Deinem Fall nur irgendwelche vermeintlichen "Supertricks"

Na das ist eh nicht mein Ding, ich gehe als sehr (wohl eher manchmal zu) ehrlicher Mensch durch's Leben.

Neue Frage (nur um sicher zu gehen - für die Nr.1 soll die Bewerbung ja perfekt sein): bei einer Onlinebewerbung kann ich auch keine Adresse angeben, wenn in der Datenbank nur ein Referenzcode steht?!
Klar kann ich mir schlecht die Firmenadresse für den angegebenen Standort raussuchen. Aber irgendwie sieht es so leer aus.
Meine Adresse in der Kopfzeile, und dann folgt nur ein Datum, ein Betreff und ein "sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren" *grübel*

Apropos Adresse: in der Kopfzeile hab ich meinen Namen mit beiden Vornamen angegeben. Ich unterschreibe aber eigentlich immer nur mit dem ersten. In meinen Zeugnissen und Papieren ist es mal so mal so :oops: Aber einen Allerweltsnamen wie Lisa Müller, sodass ich den zweiten Namen zur eindeutigen Identifizierung bräuchte, hab ich nun auch nicht.
Dann auch lieber einheitlich und es oben weglassen?

Edit: ich würde mein Anschreiben gern mit dem Hinweis schließen, dass ich voraussichtlich im Mai meine Diss. einreichen werde und dann den Einstieg in eben die Branche suche, in der das Unternehmen tätig ist.
Mein Freund hat dazu angemerkt, dass er es sinnvoller fände zu schreiben, dass ich dann für einen Einstieg ins Unternehmen zur Verfügung stünde.
Natürlich ist letzteres schmeichelhafter für das Unternehmen, aber meine Version ist halt ehrlich und dafür nicht so standardmäßig. Und welches Unternehmen glaubt schon, dass man sich nur bei Ihnen bewirbt?

Aber mir selbst fällt grad auf, dass ich das "voraussichtlich" besser weglasse, sonst haben sie am Ende Sorge, dass es sich genauso bis August hinziehen könnte...

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Re: Anschreiben: warum gerade diese Firma xy

Beitrag von FRAGEN » 23.03.2010, 22:35

silver hat geschrieben:Vor allem wollen sie Erfahrung mit bestimmen Techniken, die ich alle in meiner Promotion angewendet hab.
Dann würde ich darauf achten, dass im Gesamtbild auch an genau dieser Stelle der Schwerpunkt bleibt. Bei Leuten (gerade auch sehr gebildeten), die relativ spät (und dann gefühlt "plötzlich") in Bewerbungssituationen geraten und (engagiert, wie sie halt sind) in kurzer Zeit sehr viel darüber lesen, kommt es nicht selten vor, dass der Wald zwischen den Bäumen verschwindet. Die belegen dann so viele Allerweltsforderungen derart kunstvoll, dass die wirklich interessanten Aspekte quasi zum Randthema werden... ;-)
silver hat geschrieben:muss/sollte ich jedesmal die Eselsbrücke bauen und die betreffende Eigenschaft wörtlich miteinfließen lassen?
Das ist teils eine Stilfrage und teils auch eine des Gegenübers. Ich persönlich würde sagen: Von Denkendem zu Denkendem muss man nicht alles bis ins Kleinste auskauen... und einfach mal davon ausgehen, dass jemand, dem man die Entscheidung über die Einstellung von Wissenschaftlern überlässt, zu (im Endeffekt doch relativ simplen) Schlüssen in der Lage ist... ;-)
silver hat geschrieben:Aber bei meiner Forschung war ich mir meiner Methoden sicherer ;)
Dann solltest Du Dich m. E. auch auf diese verlassen. Mir würde es Spass machen, in der Bewerbung einer Wissenschaftlerin eine entsprechende Denkweise nachvollziehen zu können. Die ist ja letztlich das, wofür man Dich bezahlen will... nicht für Schaumschlägerei... ;-)
silver hat geschrieben:Na das ist eh nicht mein Ding, ich gehe als sehr (wohl eher manchmal zu) ehrlicher Mensch durch's Leben.
Ist bei mir auch so. Was mir dabei aber von jeher aufgefallen ist (und das auch nach wie vor tut): Es sind fast immer die wichtigsten Leute, die das am meisten zu schätzen wissen. Und die grössten Peinlichkeiten entstehen praktisch ausnahmslos dann, wenn man versucht, ganz besonders schlau zu sein... ;-)
silver hat geschrieben:Klar kann ich mir schlecht die Firmenadresse für den angegebenen Standort raussuchen. Aber irgendwie sieht es so leer aus.
Hmmmmm... soll die Eingabe da denn funktionieren? Tippst Du einfach einen Text ein? So wie hier im Forum? Oder sollst Du eine Datei hochladen?
silver hat geschrieben:Natürlich ist letzteres schmeichelhafter für das Unternehmen, aber meine Version ist halt ehrlich und dafür nicht so standardmäßig.
Ich vote auch für Deine Variante... allerdings weder wegen "Ehrlichkeit" noch wegen "Nonkonformität" (obwohl ich beides positiv finde), sondern weil damit noch ein Fingerhut mehr an Zwangsläufigkeit in die Bewerbungsrichtung kommt. "Nur" beim Unternehmen bewerben könnte man sich ja auch, weil der Weg besonders kurz ist... oder weil bessere schon abgesagt haben... ;-)
silver hat geschrieben:Aber mir selbst fällt grad auf, dass ich das "voraussichtlich" besser weglasse, sonst haben sie am Ende Sorge, dass es sich genauso bis August hinziehen könnte...
Ich kenne Leute, die mit ihren Doktorarbeiten Jahre hinter Plan sind... ;-)

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Re: Anschreiben: warum gerade diese Firma xy

Beitrag von silver » 25.03.2010, 19:32

Fragen hat geschrieben:Hmmmmm... soll die Eingabe da denn funktionieren? Tippst Du einfach einen Text ein? So wie hier im Forum? Oder sollst Du eine Datei hochladen?
Sowohl als auch.
Man registriert sich als Bewerber und legt dann ein Profil an, wo man verschiedene vorgefertigte Eingabemasken ausfüllt.
Zum Teil kann man nur zwischen verschiedenen Möglichkeiten auswählen (z.B. Kenntnisse von Excel: Grundkenntnisse/ gute Kenntnisse/ sehr gute K. /Programmiererk. ect. pp)
Teilweise ist das aber auch etwas offener gehalten. Z.B. gibt es in der Kategorie "Ausbildung" neben Auswahlantworten zu Abschluss und Note auch ein Feld "Beschreibung", wo man frei tippen kann.
Und in den Rubriken, "Lebenslauf" "Anschreiben" "Zeugnisse" kann man halt auch komplette Dokumente hochladen.

Wobei die verschiedenen formularisierten Themen so zahlreich sind, dass ich mich frage, wozu ich überhaupt einen Lebenslauf hochladen soll :roll: (natürlich tue ich es trotzdem).

Meine Befürchtung ist allerdings, dass diese Art der Bewerbererfassung dazu gemacht ist, die Formulare durchzugehen und "abzuhaken" und ich da dann gleich durchs Raster falle, weil mein "höchster Abschluss" momentan halt noch das Diplom ist.
Anforderung:"Promotion" Profil sagt "Diplom" => Hoecker, sie sind raus...
Dass meine Promotion nur noch zusammengeschrieben werden muss, verrät ihnen ihr blödes Raster ja nicht. :evil:

Und nachdem ich mich immernoch mit dem Anschreiben rumschlage, frage ich mich ehrlich gesagt, ob das bei denen nicht so ziemlich als allerletztes zur Hand genommen wird. Wenn überhaupt... *seufz*

Das Positive ist, dass Du dann bei denen dann in einer Bewerberkartei gespeichert bist und sie offenen Stellen für ein halbes Jahr automatisch mit Deinem Profil abgleichen.
Daher bin ich momentan auch ein bisschen hin und hergerissen, wie ich den LL verfassen soll. Auf DIE Stelle zugeschnitten, oder allgemeiner. Ich denke aber, ich werde ihn jetzt erstmal für DIESE Stelle zusammenstellen und ihn dann nochmal erweitern, wenn ich das Gefühl hab für die aktuelle Sache bin ich raus.

So, ich mach mich jetzt mal dran, die ganze Sache zu einem Ende zu bringen.

Edit: Was haltet ihr von folgendem Absatz?
Eine große persönliche Stärke ist meine ausgeprägte Fähigkeit zum analytischen Denken. Daher suche ich für meine berufliche Zukunft eine Arbeit, bei der Problemlösung zu den täglichen Herausforderungen gehört. In der Wirkstoffforschung ihres Unternehmens sehe ich die Möglichkeit nicht nur „Etwas“ zu produzieren, sondern an der Entwicklung von etwas Neuem, Nützlichem, Besserem, als dem bisher Dagewesenen mitzuarbeiten.
Die Reaktionen darauf waren sehr kontrovers. Während einige ihn besonders gelungen fanden, fiel er anderen eher negativ auf.

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Re: Anschreiben: warum gerade diese Firma xy

Beitrag von nachwuchsinformatiker » 25.03.2010, 21:10

silver hat geschrieben: Edit: Was haltet ihr von folgendem Absatz?
Eine große persönliche Stärke ist meine ausgeprägte Fähigkeit zum analytischen Denken. Daher suche ich für meine berufliche Zukunft eine Arbeit, bei der Problemlösung zu den täglichen Herausforderungen gehört. In der Wirkstoffforschung ihres Unternehmens sehe ich die Möglichkeit nicht nur „Etwas“ zu produzieren, sondern an der Entwicklung von etwas Neuem, Nützlichem, Besserem, als dem bisher Dagewesenen mitzuarbeiten.
Die Reaktionen darauf waren sehr kontrovers. Während einige ihn besonders gelungen fanden, fiel er anderen eher negativ auf.
ich finde den Teil fast gelungen. Schaffst du es vielleicht, "etwas Neuem, Nützlichem, Besserem, als dem bisher Dagewesenen" durch etwas Firmenspezifisches zu ersetzen? Also keine konkreten Produkte o.Ä., aber Gebiete, in denen das Unternehmen führend ist? Evtl. findest du da auf der Homepage Begriffe, die du aufgreifen kannst?

silver
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Beitrag von silver » 25.03.2010, 21:35

Ja, den Teil finde ich auch sehr sperrig. Aber ich habe mir schon ganz schön das Hirn zermatert, um ihn zu ersetzen und bin bisher zu keinem befriedigenden Ergebnis gekommen.

Den ganzen Sermon könnte man vielleicht mit "innovativ" ersetzen. Aber während in meinem Sprachgefühl "innovativ" auch wirklich all das verkörpert, habe ich mir vom Duden erklären lassen müssen, dass es genaugenommen eigentlich nur "erneuert" heißt.

Oder übertreib ich es da jetzt. Auf ihrer HP sprechen sie natürlich auch von Innovationskraft. Alternativ davon, "für ein besseres Leben" zu stehen. Aber das zu übernehmen käme mir wiederum ein wenig platt vor.

Edit: vielleicht so
In der Wirkstoffforschung ihres Unternehmens sehe ich die Möglichkeit nicht nur „Etwas“ zu produzieren, sondern mitzuarbeiten an der Entwicklung von etwas Innovativem. Eben etwas, das das Leben besser macht.
Ist im Grunde die deutsche Übersetztung von deren englischem Slogan. Aber kommt das an, wenn es so nah dran ist?
Positiv ausgedrückt könnte man von "aufgreifen" reden. Negativ von "einfallslosem Kopieren"...

Und das "Eben" im zweiten Satz...lieber weglassen?

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Beitrag von FRAGEN » 25.03.2010, 22:23

Aaaaaalso... ich persönlich fand ja die "sperrige" Variante besser... irgendwie echter, persönlicher... und letztlich auch irgendwie "wissenschaftlicher"... was auch immer das jetzt heissen mag... ;-)

Das "innovativ" finde ich unsäglich. Dieses arme Adjektiv ist in den letzten Jahren von derart vielen Luftpumpen verschiedenster Art derart gnadenlos missbraucht worden, dass sich die Bedeutung im Sprachgebrauch schon fast bei so etwas wie "up to date" eingependelt hat... ;-)

Und der zweite Satz ist zwar flüssig... aber derart flüssig, dass er schon fast wie ein Werbeslogan klingt. So á la: "Silver - weil sie's einfach besser macht!"... ;-)

Wenn mir an der sperrigen Version etwas missfiele, wäre das diese etwas unsaubere Vermischung zweier Themen:
silver hat geschrieben:Eine große persönliche Stärke ist meine ausgeprägte Fähigkeit zum analytischen Denken. Daher suche ich für meine berufliche Zukunft eine Arbeit, bei der Problemlösung zu den täglichen Herausforderungen gehört. In der Wirkstoffforschung ihres Unternehmens sehe ich die Möglichkeit nicht nur „Etwas“ zu produzieren, sondern an der Entwicklung von etwas Neuem, Nützlichem, Besserem, als dem bisher Dagewesenen mitzuarbeiten.
Ganz streng genommen beschreibt der erste Teil des Absatzes eine STÄRKE... und der zweite eine HALTUNG. Streng genommen hat das eine mit dem anderen nichts zu tun... wennse mich fragen... ;-)

Aber der Teil mit der Haltung strahlt das Gefühl einer echten, authentisch idealistischen Forscherseele aus... ;-)

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Beitrag von silver » 25.03.2010, 22:50

Hmpf, das Stückwerk ist mir auch aufgefallen. Zur "Begutachtung" hab ich immer mit meiner eigenen Meinung hinter'm Berg gehalten. Frei nach Herrn Jauch "Wenn sie den Publikumsjoker einsetzen, sollten sie jetzt lieber nichts mehr sagen."
Und da in die Richtung (bisher ;) ) nichts weiter kam, dachte ich mir fällt es wohl gar nicht so auf :)

Aber ich möchte auch den ersten Teil unbedingt drinhaben. Denn eigentlich steckt vor allem da meine authentische Forscherseele drin. Ich hab nie zu den Leuten gehört, die seit sie acht sind haargenau wissen, was ihre Berufung ist. Aber für mich ist seit langem klar, ich einen Job haben will, der im Kern aus einem besteht: Probleme lösen.
Deshalb soll auch das drinstehen.

Ich hab's inzwischen übrigens nochmal umformuliert und meinen aktuellen Nebenjob eingbracht. Das hatte ich eigentlich rausgenommen, weil ich kürzen wollte (musste, der Absatz war so lang). Nun ist es wieder drin und ansatzweise ist damit auch eine Verknüpfung der beiden Abschnitte drin.
Eine große persönliche Stärke ist meine ausgeprägte Fähigkeit zum analytischen Denken. Daher suche ich für meine berufliche Zukunft eine Arbeit, bei der Problemlösung zu den täglichen Herausforderungen gehört. Insbesondere mein Nebenjob in der Behindertenassistenz hat mit vor Augen geführt, wie viel Lebensqualität der medizinische Fortschritt schon gebracht hat aber auch wie viel Entwicklungsbedarf hier noch besteht. In der Wirkstoffforschung ihres Unternehmens sehe ich die Möglichkeit nicht nur „Etwas“ zu produzieren, sondern an der Entwicklung von etwas Innovativem mitzuarbeiten. Etwas, das das Leben besser macht.
Problemlösung -> Lösung des Problems mit dem Namen "wie kann ich das Leben kranker Menschen angenehmer machen."

Edit:
FRAGEN hat geschrieben: Und der zweite Satz ist zwar flüssig... aber derart flüssig, dass er schon fast wie ein Werbeslogan klingt. So á la: "Silver - weil sie's einfach besser macht!"...
Na, aber laut aller möglicher Bewerbungsratgeber soll ich doch genau das machen. Werbung für mich :lol:

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Beitrag von FRAGEN » 26.03.2010, 21:24

Der Nebenjob muss unbedingt bleiben, Silver! Der ist tatsächlich exakt "the missing link"... ;-)

Was "Innovation" und Slogans angeht: Letztendlich sollst Du Dich damit wohl fühlen. Wobei mich wundert, dass Dich die "Sperrigkeit" (die mir persönlich, wie gesagt, gefällt) dann nur an dieser einen Stelle stört. Ein "normaler" Werbetexter würde doch vermutlich ALLES anders formulieren?!?

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Beitrag von silver » 27.03.2010, 11:52

Nun ja, ein Werbetexter bin ich halt nicht. Wenn ich mir manche Werbung so anschaue, bin ich aber auch froh drum. :lol:

Die Bewerbung hab ich übrigens am gleichen Abend (endlich!!!) noch abgeschickt. So sah der Absatz dann final aus:
Eine große persönliche Stärke ist meine ausgeprägte Fähigkeit zum analytischen Denken. Daher suche ich für meine berufliche Zukunft eine Arbeit, bei der Problemlösung zu den täglichen Herausforderungen gehört. Mein Nebenjob in der Behindertenassistenz hat mit vor Augen geführt, wie viel Lebensqualität der medizinische Fortschritt schon gebracht hat aber auch, wie viel Entwicklungsbedarf hier noch besteht. In der Wirkstoffforschung ihres Unternehmens sehe ich die Möglichkeit nicht nur „Etwas“ zu produzieren, sondern an der Entwicklung von Etwas mitzuarbeiten, das neu ist, nützlich und besser, als das bisher Dagewesene.
Auch wenn ich mich nach wie vor frage, ob das Anschreiben überhaupt jemand lesen wird oder ob nicht doch eher ein Programm die Formulare durchgeht und abhakt oder eben rauskickt. :roll:

Trotzdem danke ich Euch und vor allem Dir, FRAGEN, sehr für die konstruktive Diskussion. Das war ja nur der Anfang und auch eher ein Griff nach den Sternen. Jetzt werd ich mal schauen, wo ich mich noch weiter bewerben kann.
Vielleicht stehe ich dann mit neuen Fragen auf der Matte :)

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Beitrag von FRAGEN » 27.03.2010, 11:57

Sehr schön, Silver... mit hauchdünnem - quasi milimenterfeinem - Abzug in der B-Note für das doppelte "Etwas", das einmal negativ und einmal positiv gedeutet werden soll. Wünsche Dir alles Gute dabei... und bin gespannt, wie Dein nächster Spagat zwischen Wissenschaft und Werbung wohl ausfällt... ;-)

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