Anschreiben zweite Ausbildung - Gesundheits-/Krankenpfleger

Hier besteht die Möglichkeit, über Anschreiben für die Ausbildung, für Praktika und für das Studium (Duales Studium, Universität, BA) mit anderen Mitgliedern zu diskutieren.
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Loewe90
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Anschreiben zweite Ausbildung - Gesundheits-/Krankenpfleger

Beitrag von Loewe90 »

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe heute auf eure Hilfe - nicht für mich, sondern für einen guten Freund, den ich auf seinem beruflichen Wege unterstützen möchte.

Er ist aktuellen an der psychischen Belastungsgrenze und so unglücklich mit seiner Berufsausbildungswahl, dass er nach langer Überlegung entschieden hat, sich anderweitig umzusehen.

Nun bin ich leider auch nicht erfahren, wenn es um die Bewerbung auf eine zweite Ausbildungstelle geht. Daher hoffe ich, hier ein paar Anregungen und Verbesserungsvorschläge zu finden, damit die Bewerbung aufgrund der Hintergründe nicht bereits beim ersten Lesen aussortiert wird und er die Chance bekommt, sich vorzustellen.

Vielen Dank schon einmal vorab für eure Hilfe!

LG, Kim

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Bewerbung um eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger



Sehr geehrte Damen und Herren,


hiermit erhalten Sie meine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz zum Gesundheits- und Krankenpfleger.

Im August des vergangenen Jahres, habe ich eine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen begonnen. Nachdem ich mir nun einen umfassenden Eindruck über das Tätigkeitsfeld verschaffen konnte, habe ich die Entscheidung getroffen, mich beruflich neu zu orientieren.

An dem Beruf des Krankenpflegers interessiert mich vorrangig die Aussicht auf eine Arbeit, die mir ein reines Gewissen und Ausgeglichenheit ermöglicht, welche ich im Studium und in meiner aktuellen Ausbildung im Versicherungsbereich nicht finden konnte. Ich freue mich auf eine Ausbildung, bei der ich täglich lerne, wie ich Menschen helfen kann, die diese Hilfe wollen und brauchen. Ich betrachte mich als aus-reichend belastbar und gesund, um die anspruchsvollen Aufgaben eines Gesundheits- und Krankenpflegers zu erfüllen. Meine privaten und beruflichen Interessen würden in dieser Ausbildung Hand in Hand gehen.

Die Tragweite der möglichen Konsequenzen meiner Entscheidung ist mir bewusst, obgleich das derzeitige Ausbildungsverhältnis noch andauert. Auch einen Wohnortwechsel ziehe ich, falls nötig, in Betracht. Ich bitte Sie daher um eine vertrauliche Behandlung meiner Unterlagen.

In einem persönlichen Gespräch stelle ich mich gern vor und beantworte weitere Fragen Ihrerseits.


Mit freundlichen Grüßen,

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Ich denke z. B., dass der Eingangssatz absoluter Murks ist. Finde es aber auch schwierig, in der vorliegenden Situation zu "prahlerisch" einzusteigen... :roll:
Romanum
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Registriert: 12.09.2008, 19:20

Beitrag von Romanum »

Er ist aktuellen an der psychischen Belastungsgrenze und so unglücklich mit seiner Berufsausbildungswahl, dass er nach langer Überlegung entschieden hat, sich anderweitig umzusehen.

Wenn er erst ein paar Monate diese Ausbildung hat, dann kann es ja noch nicht so lange sein.

Warum ist er denn so unglücklich, warum hat er die Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen gewählt und war die Ausbildung zum Gesundheits-/Krankenpfleger auch schon vorher eine Alternative?
Im August des vergangenen Jahres, habe ich ...

Man sollte im Anschreiben erst darstellen, welche Eignung man für den gewünschten Beruf mitbringt.

Wenn man mit etwas Negativen beginnt, dann ist das nicht gerade sehr ansprechend. So gewinnt man keine Sympathien.
Ich betrachte mich als aus-reichend belastbar und gesund, um die anspruchsvollen Aufgaben eines Gesundheits- und Krankenpflegers zu erfüllen. Meine privaten und beruflichen Interessen würden in dieser Ausbildung Hand in Hand gehen.

Interessen, Absichten, Versprechungen... alles gut und schön. Aber hat der Freund auch irgendwelche verwertbaren Erfahrungen, Kenntnisse, Bezüge und beispielhaft erklärte Stärken für diesen Beruf? Dann sollte er diese ins Anschreiben aufnehmen! Biologie-Note, ein Verwandter, der als Pfleger tätig ist, Praktika im sozialen Bereich...??? Irgendetwas dergleichen???
katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag »

Das Anschreiben im Ganzen ist zu negativ formuliert. Hier sollte Werbung gemacht werden: von Deinem Freund für Deinen Freund. Sonst nix. ;) Also: Dein Freund ist sehr sozial, mag körperliche Arbeit, kann mit Stress und mit Kranken, unleidlichen Menschen umgehen. Zu dem Krankenhaus hat et folgenden Bezug: xxxx.

Positiv formulieren!
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TheGuide
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Re: Anschreiben zweite Ausbildung - Gesundheits-/Krankenpfle

Beitrag von TheGuide »

Loewe90 hat geschrieben:hiermit erhalten Sie meine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz zum Gesundheits- und Krankenpfleger.
Überflüssig! Der Leser denkt bestenfalls "Ach nee...", schlechtestenfalls "will der mich veräppeln?".
Im August des vergangenen Jahres, habe ich eine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen begonnen.

Kein Einstellungsgrund. Außerdem ist das Komma falsch.
Nachdem ich mir nun einen umfassenden Eindruck über das Tätigkeitsfeld verschaffen konnte, habe ich die Entscheidung getroffen, mich beruflich neu zu orientieren.
Irrelevant. Interessant wäre allenfalls, warum und das kommt im nächsten Absatz.
An dem Beruf des Krankenpflegers interessiert mich vorrangig die Aussicht auf eine Arbeit, die mir ein reines Gewissen und Ausgeglichenheit ermöglicht, welche ich im Studium und in meiner aktuellen Ausbildung im Versicherungsbereich nicht finden konnte.
Bleib bei der positiven Motivation! Den rot markierten Teil streichen!
Ich betrachte mich als aus-reichend belastbar und gesund,

Wer macht sich darüber wirklich Gedanken? Doch em ehesten Personen, denen es gerade nicht so geht, oder?
Die Tragweite der möglichen Konsequenzen meiner Entscheidung ist mir bewusst, obgleich das derzeitige Ausbildungsverhältnis noch andauert. Auch einen Wohnortwechsel ziehe ich, falls nötig, in Betracht. Ich bitte Sie daher um eine vertrauliche Behandlung meiner Unterlagen.
Keine Einstellungsargumente. Streichen!
Finde es aber auch schwierig, in der vorliegenden Situation zu "prahlerisch" einzusteigen... :roll:
Es geht nicht darum prahlerisch, sondern vielmehr darum überzeugend einzusteigen. Positive Motivation ist das Zauberwort.
Loewe90
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Beitrag von Loewe90 »

Hallo ihr Lieben,

erst einmal vielen Dank für eure konstruktive Kritik.
Wir haben den Text noch einmal überarbeitet und uns nun mehr auf die positiven Aspekte konzentriert:


Sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem ich den Schuhen eines Jugendlichen entwachsen bin und über eine gewisse Reife verfüge, bin ich der Ansicht, dass ich in der Arbeit als Gesundheits- und Krankenpfleger meine Erfüllung finden kann.

Ich möchte diesen Beruf erlernen, weil meine privaten und beruflichen Interessen hier Hand in Hand gehen. Die Ausbildung und der Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers stellen für mich eine Herzensangelegenheit dar, da ich mich auch im privaten Bereich für den menschlichen Körper interessiere. In meinem sozialen Umfeld verfüge ich über viel Empathie und bin gern für andere Menschen da, um ihnen zu helfen.

An dem Beruf des Krankenpflegers interessiert mich besonders die Aussicht auf eine Arbeit, die mir ein reines Gewissen und Ausgeglichenheit ermöglicht. Ich freue mich auf eine Ausbildung, bei der ich tagtäglich lerne wie ich Menschen helfen kann, die diese Hilfe brauchen. Der Tatsache, dass dort auch anstrengende Tage auf mich zukommen, bin ich mir bewusst. Meine Disziplin und mein Engagement werden mir helfen, die anspruchsvollen Aufgaben eines Gesundheits- und Krankenpflegers zu erfüllen.

Über mein privates Umfeld konnte ich bereits erste Eindrücke gewinnen, wie sich der Beruf darstellt und die mich überzeugt haben, diesen Schritt zu gehen. Bis zum Beginn der Ausbildung möchte ich im Rahmen eines Praktikums bereits erste Erfahrungen sammeln.

In einem persönlichen Gespräch stelle ich mich gern vor und stehe für weitere Fragen zur Verfügung.


Ich würde mich sehr freuen, wenn ich noch einmal Feedback von euch bekomme. Danke!
katerfreitag
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Beitrag von katerfreitag »

Das ist schon besser, aber da geht noch was ;)

Ich finde, hier sind noch zu viele Füllsätze... Mehr handfeste Info, bitte. Gerade in der Pflege ist es wichtig, schnell und auf den Punkt Informationen weiter zu geben. Für diese Fähigkeit ist das Anschreiben der erste Beleg.

So sehr ich die Motivation Deines Freundes nachvollziehen kann, aber auch eine gewisse emotionale Distanz ist für diesen Beruf vonnöten. Die „Herzensangelegenheit“ finde ich ganz schön, aber das mit dem „reinen Gewissen“ lässt mich stutzen. Da klingt die negative Erfahrung aus dem ersten Job noch zu stark durch.

Hat Dein Freund einen Erste Hilfe Kurs gemacht, einen Angehörigen gepflegt, ehren amtlich im Seniorenheim gearbeitet?
Romanum
Bewerbungshelfer
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Beitrag von Romanum »

Viele Verbesserungen sehe ich nicht.

Schade, dass du auf die Fragen und Anregungen nicht eingegangen bist.

Aber Gesundheits- und Krankenpfleger werden eh überall mit Kusshand gesucht, daher kann man wahrscheinlich auch mit diesem Anschreiben Erfolg haben. Die Frage ist halt, ob man damit das Optimum herausholt, so dass man letztendlich auch beim besten AG landet.
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TheGuide
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Beitrag von TheGuide »

Loewe90 hat geschrieben:nachdem ich den Schuhen eines Jugendlichen entwachsen bin und über eine gewisse Reife verfüge, bin ich der Ansicht, dass ich in der Arbeit als Gesundheits- und Krankenpfleger meine Erfüllung finden kann.
Dass du der Ansicht bist, ist zunächst einmal subjektiv. Dieser Satz ist im Grunde einer der von Katerfreitag bemerkten Füllsätze.
Ich möchte diesen Beruf erlernen,
Da du den ersten Satz ja nun hoffentlich löschst, diesen Satz bitte anpassen.
Über mein privates Umfeld konnte ich bereits erste Eindrücke gewinnen, wie sich der Beruf darstellt und die mich überzeugt haben, diesen Schritt zu gehen.
Loewe90
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Beitrag von Loewe90 »

Hallo zusammen,

@katerfreitag: Danke für deine Anmerkungen. Mit dem "reinen Gewissen" stimme ich dir zu.

Leider sind die "Referenzen" meines Freundes in Bezug auf den Beruf eher mager. Ich glaube es interessiert niemanden, dass er sich mit einer Freundin darüber ausgetauscht hat, die den Beruf ebenfalls gerade erlernt. :oops: Deshalb ist das Praktikum das einzig handfeste, was ich anzuführen weiß. Und selbst damit bin ich vorsichtig, weil er die Praktikumsstelle nur mündlich zugesagt bekommen hat.
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@Romanum: Bitte entschuldige, dass ich nicht auf deine Nachfragen eingegangen bin. Aufgrund meines eigenen Berufs und der fehlenden Zeit musste ich mich auf ein Minimum beschränken. Das sollte aber nicht unhöflich wirken. :(

Also: er ist seit August 2015 in der Ausbildung. Ein halbes Jahr ist sicher eine ausreichende Zeit, um die "nicht so schönen Aspekte" des Jobs kennenzulernen.
Er wurde von seiner Familie dazu gedrängt, die Ausbildungsstelle anzunehmen, irgendeine Stelle, hauptsache Arbeit :roll: An dem Tag, an dem er den Vertrag unterzeichnet hat, hätte er sein Auto wohl am Liebsten gegen den nächsten Baum gesetzt. Er hat dann über mehrere Monate hinweg versucht, es sich so zu drehen, dass er den Kunden eben helfen möchte. Letzendlich sieht er die ganze Branche aber mittlerweile als sehr rücksichtslos und nur gewinnorientiert an.
Im vierten Ausbildungsmonat wurde er zu einer demenzkranken Seniorin geschickt, um ihr Verträge anzudrehen, die sie letztendlich schlechter dastehen lassen.
Das halbe Jahr hat ihn an den Rand einer Depression gebracht und der o. g. Termin war wohl ein Schlüsselmoment, in dem er erkannt hat, dass er das halt einfach nicht machen kann und der Frau einfach nur helfen wollte. Er hat sich dann mit einer Freundin ausgetauscht, die ebenfalls als Krankenpflegerin arbeitet und die Erzählungen haben ihn scheinbar direkt angesprochen.
Dieses Erlebnis finde ich eine gute Argumentationsgrundlage, wenn man sich erst einmal im Vorstellungsgespräch befindet, aber relativ schwer, sachlich in eine Bewerbung einzubauen, ohne das es zu "kitschig" wird.

Übrigens fand ich schon, dass die zweite Version eine Verbesserung darstellt. Immerhin wird weniger auf evtl. Begründungen für den gewollten Abbruch der aktuellen Ausbildung gepocht und sich mehr auf die positiven Aspekte konzentriert. Oder sehe ich das total falsch? :shock:

Und natürlich wollen wir nichts "halbgares" abgeben und den bestmöglichen Arbeitgeber für ihn einnehmen.
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@The Guide: Wenn ich den ersten Satz lösche, dann ist doch aber der zweite Satz zum Einstieg ungeeignet oder? Oder ist das das "zum Punkt kommen", was ihr meint? Ich finde halt, das wirkt sehr plump, mir fehlt der Einstieg... Ich muss aber sagen, dass ich nicht genau weiß, was dafür geeignet ist.

Wäre etwas wie "Durch die Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren in verschiedenen Berufen sammeln konnte, habe ich mir einen Überblick über meine Stärken verschaffen können, die ich am Besten in einem sozialen Beruf einbringen kann." Oder ist das auch wieder bla bla bla? :oops:
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TheGuide
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Registriert: 12.07.2013, 12:44

Beitrag von TheGuide »

Loewe90 hat geschrieben: @The Guide: Wenn ich den ersten Satz lösche, dann ist doch aber der zweite Satz zum Einstieg ungeeignet oder?
Alles eine Frage der Formulierung.
Oder ist das das "zum Punkt kommen", was ihr meint?
Yepp.
Ich finde halt, das wirkt sehr plump, mir fehlt der Einstieg... Ich muss aber sagen, dass ich nicht genau weiß, was dafür geeignet ist.
Siehe oben: Alles eine Frage der Formulierung.

Wäre etwas wie "Durch die Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren in verschiedenen Berufen sammeln konnte, habe ich mir einen Überblick über meine Stärken verschaffen können, die ich am Besten in einem sozialen Beruf einbringen kann." Oder ist das auch wieder bla bla bla? :oops:
Vorschlag: Beginne dein Anschreiben mit

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Berufs des Gesundheitspflegers...
katerfreitag
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Registriert: 20.12.2015, 15:18

Beitrag von katerfreitag »

Ich finde, dass Dein Freund sich direkt bei jemandem informiert hat, der gerade in der Ausbildung ist, das könnte man durchaus im Anschreiben aufgreifen. So à la „Informationen aus erster Hand“. Bewirbt er sich denn da, wo die Info-Freundin schon ausgebildet wird? Für diesen Betrieb wäre das natürlich ein Top-Argument... „Intensive Gespräche mit Ihrer Auszubildenden xyz haben mich in meinem Interesse für den Beruf des Dingens bestärkt.“

Und wenn er ein Auto vor den Baum gesetzt hätte, müsste Dein Freund theoretisch zumindest einen Führerschein haben - und damit hat er auch einen Erste-Hilfe-Kurs.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass er jetzt noch einen Kurs macht:„Momentan besuche ich den Sanitätskurs der freiwilligen Samariter...“ ;)

Und es kann auch nicht schaden, wenn er sich im nächsten Seniorenzentrum
als Ehrenamtler vorstellt, da werden manchmal Leute gesucht, die den Senioren vorlesen, mit Ihnen spazieren gehen usw. „Ich arbeite ehrenamtlich im Zentrum sowieso...“ ist schon ab dem ersten Mal a) die Wahrheit und b) ein deutlicher Marker für starkes Interesse.
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