Biologin Bewerbungsschreiben für den öffentlichen Dienst

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biologin
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Biologin Bewerbungsschreiben für den öffentlichen Dienst

Beitrag von biologin » 04.08.2010, 09:48

Hi,

ich brauch inhaltliche Hilfe bei meinem Bewerbungsschreiben. Ich poste mal den ersten Rohentwurf. mir geht es vor allem um inhaltliche Dinge: was ist überflüssig, was fehlt noch? Wo gehe ich zu sehr ins Detail und an welcher Stelle muss ich konkreter werden?

Die Stellenbeschreibung ist eher allgemein gehalten. z.B. werden gute EDV-Kenntnisse gefordert. Da das wohl selbstverständlich ist, muss ich das nicht unbedingt ins anschreiben mit reinnehmen, oder?

Rechtschreibung und Stil müssen noch nicht korrigiert werden. Ich möchte erstmal inhaltlich weiterkommen, mir fällt es gerade schwer, Ordnung reinzubekommen (ist mein erstes Bewerbungsschreiben).

Bewerbung als Biologin im Referat xx "Biotestverfahren, mikrobielle Ökologie" - xxx.de


Sehr geehrte Frau Dr. xxx!


Mit meiner beruflichen Erfahrung im Bereich Ökotoxikologie und mit meinen gewählten Studienschwerpunkten Limnologie und Mikrobiologie entspreche ich genau Ihren Suchkriterien. Soeben habe ich nach einer Familienpause mein Studium der Biologie mit dem Diplom abgeschlossen. Bereits während des Studium sammelte ich viel berufliche Erfahrung innerhalb und außerhalb des Universitätsbetriebes.

Ich besitze methodische Kenntnisse zu Akut- und Langzeittestverfahren an Zooplankton, Makrozoobenthos, Fischen und Phytoplankton. Praktische Erfahrungen im Umgang mit Mikroorganismen konnte ich im Studium sammeln. Gerne würde ich mein Wissen hinsichtlich der ökotoxikologischen Arbeit mit Mikroorganismen erweitern.

Themenzentrierte Arbeit im Team gehört zu meinen herausragenden Stärken, konstruktive Lösungen sind mir ein Bedürfnis. Das Feedback eines Teams hat mir schon oft wichtige Anreize für meine eigene Arbeit und Weiterentwicklung gegeben. Besonders schätze ich den fachlichen Diskurs. (der letzte satz kann wahrscheinlich raus, weil das allen so geht, oder?) Bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit sammelte ich viel Erfahrung in der Präsentation von Ergebnissen der Teamarbeit.

Gerne bringe ich meine Erfahrungen und Kenntnisse in das Team des Referats Biotestverfahren und mikrobielle Ökologie ein. Ich freue mich auf ein persönliches Kennenlernen.



Unterschrift

Ich sag schonmal danke für alle Tipps :)

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 04.08.2010, 20:31

Es ist eigentlich im Ganzen extrem allgemein, Biologin...

Du hast zwar schon gesagt, dass die Informationen der Ausschreibung dünn waren... aber irgend etwas müssen sie ja schon gesagt haben, oder? Ich meine... es können doch nicht nur die reinen Stichworte "Ökotoxikologie," "Limnologie" und "Mikrobiologie" gefallen sein... sondern zumindest auch eine grobe Andeutung, was damit geschehen soll?!? Wenn Du tatsächlich ÜBERHAUPT nichts weisst, wäre es vielleicht gut, dort einmal anzurufen... oder vielleicht nach diesem Referat zu googeln, um zu schauen, ob es vielleicht irgendwelche wissenschaftlichen Arbeiten oder was auch immer veröffentlicht hat... welche Rolle es im grösseren Ganzen der Stadtverwaltung spielt... keine Ahnung. Aber so deutlich wie bisher darf Deine eigene Ratlosigkeit sich in dem Schriftstück nicht wiederspiegeln...

Dass "EDV-Kenntnisse" (soweit es nicht um ganz spezielle Fachsoftware geht) bei einer Naturwissenschaftlerin nicht unbedingt im Vordergrund stehen sollten, finde ich allerdings auch.

biologin
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Beitrag von biologin » 04.08.2010, 21:32

Ok, also sehr viel detaillierter und genauer. Ich setz mich nochmal ran. :)

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Beitrag von biologin » 07.08.2010, 23:15

So, der nächste Versuch:
Bewerbung als Biologin im Referat xx "Biotestverfahren, mikrobielle Ökologie"
Ihre Stellenanzeige auf bio


Sehr geehrte Frau Dr. xxx,

auf der Suche nach einer neuen beruflichen Aufgabe ist mir Ihr interessantes Stellenangebot als Biologin aufgefallen. Aufgrund meiner Qualifikationen und bisherigen beruflichen Erfahrungen bin ich mir sicher, Ihren Anforderungen zu entsprechen. Gerne möchte ich mich Ihnen vorstellen:

Mein Studium der Biologie mit den Schwerpunkten Limnologie und Mikrobiologie habe ich – nach einer Familienpause – im Mai 2010 erfolgreich mit dem Diplom abgeschlossen. Bereits während des Studiums sammelte ich umfangreiche berufliche Erfahrung innerhalb und außerhalb des Universitätsbetriebes auf den Gebieten Ökotoxikologie, Pflanzenphysiologie und Fischökologie.
Zu meinen Aufgaben als Laborleiterin bei der Firma xxx gehörten Akuttests an Zooplankton, Makrozoobenthos, Fischen und Phytoplankton. An der Planung sowie der Durchführung der verschiedenen Versuchsreihen, der Ergebnisauswertung, der Darstellung sowie der Präsentation war ich ebenfalls maßgeblich beteiligt.
Praktische Erfahrungen im Umgang mit Mikroorganismen konnte ich im Studium im Rahmen allgemeiner Praktika und eines Großpraktikums sammeln. Gerne würde ich mein Wissen hinsichtlich der ökotoxikologischen Arbeit mit Mikroorganismen erweitern.

Themenzentrierte Arbeit im Team gehört zu meinen herausragenden Stärken, die ich während meiner ehrenamtlichen Arbeit in der Fachschaft und zwei Vereinen entwickeln konnte (Diese formulierung gefällt mir überhaupt nicht).
Gerne bringe ich mein Wissen und meine beruflichen Erfahrungen in das Team des Referats Biotestverfahren und mikrobielle Ökologie ein. An der Etablierung eines neuen Testverfahrens beteiligt sein zu können, stellt für mich eine spannende Herausforderung dar. Ich freue mich daher sehr auf ein persönliches Kennenlernen.

Mit freundlichen Grüßen

Ich finde es schon wesentlich besser. aber was ist denn mit der einleitung? hier lese ich immer, das wäre so ein blablabla, aber meine beraterin von der arge fand diese einleitung unglaublich wichtig. *ratlosguck* außerdem meinte sie, die firmen würden drauf stehen, wenn einfach die schlagworte fallen würde wie "flexibel, kann strukturiert arbeiten, zuverlässig" usw.

Außerdem ist das anschreiben etwas zu lang. ich bekomme zwar alles auf eine seite, aber dann sieht es sehr gequetscht aus. wo könnte ich denn noch kürzen?

ach ja, und der letzte abschnitt gefällt mir noch nicht so richtig, das mit dem testverfahren kommt irgendwie so übergangslos *grübel*

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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN » 08.08.2010, 11:58

biologin hat geschrieben:meine beraterin von der arge fand diese einleitung unglaublich wichtig. *ratlosguck*
Tjaaaaaa... was macht man da? Wenn ich an Deiner Stelle wäre, würde ich jeden, der mir gefragt oder ungefragt seine Theorien mitteilt, in höflicher Form um eine Begründung bitten... und dann schauen, welche mich am ehesten überzeugt. Mal angenommen, Du hättest mich jetzt gefragt:

Zunächst einmal ist eine Bewerbung ja kein Antrag auf etwas, worauf man ein Anrecht hätte, das einem niemand verwehren kann, sofern man bestimmte Formalitäten einhält. Man muss glasklar sehen: Es handelt sich um einen hammerharten Konkurrenzkampf. Es gibt in der Regel genau EINE Stelle - und auf diese je Umständen Hunderte von Bewerbern. Das heisst, es geht zu einem ganz wesentlichen Teil um eine möglichst schnelle, deutliche und vielschichtige Abgrenzung von der Konkurrenz. Daraus folgt für mich persönlich zwingend, dass ALLES, was jeder könnte, bestenfalls nicht schadet... unter keinen Umständen aber einen Wettbewerbsvorteil bringt...

Punkt zwei ist, dass die äussere Form eines Anschreibens eine deutliche Einschränkung bzgl. der Textmenge beinhaltet. Im Klartext: Jeder einzelne der wenigen zur Verfügung stehenden Sätze ist kostbar - und die Verschwendung auch nur eines einzigen an einen "Inhalt", der dem Leser nichts Neues bringt ist schon rein kommunikationsstrategisch sträflicher Leichtsinn... BTW auch nicht gerade ein Hinweis darauf, dass die Bewerberin zur Verfügung stehende Ressourcen optimal nutzt. In Zeiten leerer Kassen in den Kommunen wäre der suboptimale Umgang mit beschränkten Mitteln für mich ein Absagegrund erster Güte. Die Art der Verschwendung und der Mittel ist zweitrangig. M. E. geht es hier um eine Mentalitätsfrage, die sich in solch einem Detail zeigt.

Drittens ist halt so, das es für den ersten Eindruck keine zweite Chance gibt. Überleg mal, wie schnell sich Dein Eindruck von Menschen auf der Strasse bildet. Man hat meist schon ein (wenn auch diffuses und nicht wirklich bewusstes) Bild von einer Person, bevor sie das erste Wort gesagt hat... und nach den ersten Sätzen, die die Person von sich gibt, hat sich dieses Bild meist schon ganz erstaunlich verfestigt... und alles, was danach kommt, ist dann eine Überraschung... mit der unterschiedliche Menschen sehr unterschiedlich flexibel umgehen. Im Brief ist das genauso:
biologin hat geschrieben:auf der Suche nach einer neuen beruflichen Aufgabe ist mir Ihr interessantes Stellenangebot als Biologin aufgefallen. Aufgrund meiner Qualifikationen und bisherigen beruflichen Erfahrungen bin ich mir sicher, Ihren Anforderungen zu entsprechen. Gerne möchte ich mich Ihnen vorstellen:
Das sind in quasi idealtypischer Reinform die ersten Worte einer Person, die inhaltlich nichts zu sagen hat... und damit ist der frischste und offenste Moment auf Leserseite auch schon unwiderruflich verloren. Natürlich ist es nicht unmöglich, nach dem verschenkten Start einen Aufhollauf zu starten (was Du ja auch tust)... aber warum sollte man annehmen, dass der Teil der Konkurrenz, der diesen Moment bereits genutzt hat, sich im Anschluss auf die faule Haut legt? Die realistischere Annahme wäre m. E., dass diejenigen, die sich der Wichtigkeit des Starts bereits bewusst waren, auch danach alles daran setzen, den einmal erarbeiteten Vorsprung auszubauen... und die Strecke (eine Handvoll der besagten kostbaren Sätze) ist nicht so lang, dass man auf Ermüdungseffekte setzen könnte.
biologin hat geschrieben:außerdem meinte sie, die firmen würden drauf stehen, wenn einfach die schlagworte fallen würde wie "flexibel, kann strukturiert arbeiten, zuverlässig" usw.
Das meint sie so nach ihrer Lehre auf dem Amt... dass all die Leute, die Psychologie, Betriebswirtschaft o. ä. studiert haben (in Deinem Falle: Doktorin einer Naturwissenschaft sind), quasi im Zwang einer höheren Macht auf die abgedroschensten aller Worthülsen anspringen... wie das Hündchen auf die Glocke. Dazu sage ich mal lieber nichts... ;-)

Es steckt natürlich insofern ein Körnchen Wahrheit in dieser Aussage, dass es tatsächlich Eigenschaften gibt, auf die von Arbeitgeberseite Wert gelegt wird. Aber genauso klar ist doch, dass das reine Aufzählen solcher "Schlagworte" der schwächste aller denkbaren Ansätze ist, solch einen Eindruck zu erreichen. Wieder deshalb, weil solch eine simple Behauptung der Weg ist, der ALLEN offen steht. Das wiederum ist der Grund für die unglaubliche Beliebtheit solcher Redensarten und ihrer daraus folgenden Verbreitung... die ihrerseits wiederum dazu führt, dass die entsprechenden "Schema-F"-Abschnitte im besten aller Fälle schadlos überlesen werden. Je qualifizierter die Stelle ist, desto eher muss man m. E. allerdings davon ausgehen, dass derart simpel gestrickte Auffassungen von dem "worauf Firmen stehen" explizit negativ wirken. Ich meine: Wer lässt sich schon gerne für einen Vollidioten halten, der wie ein Tier auf reine Oberflächenreize reagiert? Mal ganz abgesehen von der unglaublichen Langeweile, die sich einstellt, wenn man exakt dieselbe Formulierung zum 1000. Mal (in extremst unterschiedlich glaubwürdigen Kontexten) liest. Ich bin seit ein paar Jahren hier... ich weiss, wovon ich rede... ;-)

Wer Witz liegt halt darin, den Eindruck solcher Eigenschaften und Fähigkeiten nicht auf dem "weichen", sondern dem "harten" Weg (d. h. dem, der erstens überprüfbar ist und zweitens NICHT jedem offen steht) zu erzeugen. Ich kenne Dein Fach nicht genug, um konkrete Beispiele erfinden zu können... aber wenn beispielsweise ein strukturiertes Arbeiten die Voraussetzung für bestimmte Dinge wäre, die Du nachweislich erfolgreich bewältigt hast, bringt DEREN Erwähnung natürlich 10 x so viel, wie das "nackte" Schlagwort...

Jetzt kannst Du Deine Betreuerin ja fragen, was die Gründe ihrer Meinung sind... und dann eine ganz nüchterne (quasi naturwissenschaftliche) Abwägung der jeweiligen Pros und Contras treffen... ;-)
biologin hat geschrieben:Themenzentrierte Arbeit im Team gehört zu meinen herausragenden Stärken, die ich während meiner ehrenamtlichen Arbeit in der Fachschaft und zwei Vereinen entwickeln konnte (Diese formulierung gefällt mir überhaupt nicht).
Ist es wirklich die Formulierung? M. E. ist es der Inhalt: Du leitest die Qualifikation zu einer letztlich berufsbezogenen Qualität aus einem Hobby ab. Das macht man normalerweise vor Beginn einer Ausbildung... danach wirkt es eher negativ. BTW: Wie sicher bist Du Dir, dass "Teamarbeit" ein herausragendes Kriterium Deiner Stelle wäre?
biologin hat geschrieben:Außerdem ist das anschreiben etwas zu lang. ich bekomme zwar alles auf eine seite, aber dann sieht es sehr gequetscht aus. wo könnte ich denn noch kürzen?
Ich denke, Du weisst ganz genau, wo... ;-)
biologin hat geschrieben:ach ja, und der letzte abschnitt gefällt mir noch nicht so richtig, das mit dem testverfahren kommt irgendwie so übergangslos *grübel*
Ich denke, auch hier kennst Du die Lösung... ;-)

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Beitrag von biologin » 08.08.2010, 20:19

Also, ich finde deine Argumentation bezüglich der Einleitung überzeugend. Andererseits kenne ich mittlerweile Chefs, die wohl eher jemanden einstellen, bei dem sie das Gefühl haben, dass sie ihn unterbuttern können, anstatt jemanden zu nehmen, der einen selbstbewußten und effektiven Eindruck macht. *seufz* trotzdem werde diese furchtbare Einleitung weglassen. denn was will ich mit nem Chef, der mich unterbuttern will :P

Teamarbeit wird wichtig sein, die Mitarbeit in einem Arbeitskreis zur Validierung eines neuen testverfahrens wird in der Stellenbeschreibung erwähnt. Keine Ahnung, ob ich da lügen soll und am besten behaupte, ich hätte meine Teamfähigkeit bei meinen Jobs gelernt. Machen Ehrenamte wirklich einen schlechten/unprofessionellen Eindruck? :( defakto ist das meine erste Bewerbung nach Beendigung meines Studiums.

Oh Mann, ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr mich diese Selbstvermarktung nervt. ich bin kein perfekter Mensch. Nicht jede meiner Schwächen ist eine Stärke, manche sind tatsächlich einfach nur nervig für andere. und meine Hauptmotivation für die Bewerbung ist, dass ich mir und meinen Kindern kein ALGII mehr zumuten will und kann. Ich würde mcih auf jede Stelle bewerben, der mit meinem beruf zu tun hat. Aber dass ich die Biologie liebe, kann ich ja auch nicht so aufschreiben. Wahrscheinlich fliege ich sowieso sofort raus, weil meine Noten nicht konsistent sehr gut sind und weil cih wzei Kinder habe *seufz* Gibt es wirklich Leute, die sich gerne mit Bewerbungen beschäftigen? Ok, ich schweife ab. Sorry fürs Ausheulen :cry: ich schreibe mal die nächste Version.

Danke für deine hilfreichen Kommentare!

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Beitrag von FRAGEN » 08.08.2010, 22:43

biologin hat geschrieben:Ok, ich schweife ab. Sorry fürs Ausheulen :cry:
Ich liebe das Abschweifen... und respektiere das Ausheulen, Biologin... ;-)

Zumal es in Deinem Fall (wie generell fast immer) wieder gute Anstösse liefert! Doch der Reihe nach:
biologin hat geschrieben:Andererseits kenne ich mittlerweile Chefs, die wohl eher jemanden einstellen, bei dem sie das Gefühl haben, dass sie ihn unterbuttern können, anstatt jemanden zu nehmen, der einen selbstbewußten und effektiven Eindruck macht.
Chefs, die gerne unterbuttern, kenne ich auch. Bei der Effektivität machen die allerdings keine Abstriche. Will sagen: Respekt gegenüber Vorgesetzten lässt (und sollte!) sich auch zeigen, ohne auf inhaltlicher Ebene den Startschuss zu verpassen... um zum aller-allerletzten Mal auf dem Thema "Einleitung" herum zu reiten. Ich fände es BTW tatsächlich interessant, wie Deine Betreuerin ihre Vorstellung von einer perfekten Bewerbung begründet...
biologin hat geschrieben:Teamarbeit wird wichtig sein, die Mitarbeit in einem Arbeitskreis zur Validierung eines neuen testverfahrens wird in der Stellenbeschreibung erwähnt. Keine Ahnung, ob ich da lügen soll und am besten behaupte, ich hätte meine Teamfähigkeit bei meinen Jobs gelernt.
M. E. sollte man niemals lügen... und sich bei jedem Wort, was man schreibt, der Tatsache bewusst sein, dass sich der endgültige Eindruck einer Bewerbung aus sich überlagernden Eindrücken von Anschreiben, Anlagen und verbalen Äusserungen im persönlichen Gespräch zusammen setzt. Diskrepanzen zwischen diesen Aspekten werden m. E. von außen in aller Regel wesentlich deutlicher wahrgenommen, als der Betroffene selbst das vermuten würde. Insofern würde ich an Deiner Stelle überhaupt keine wilden Thesen zur "Teamarbeit" herausposaunen. Deine sehr dezenten Aussagen zu dem Thema in der Erstfassung fand ich eigentlich sehr angenehm:
biologin hat geschrieben:Das Feedback eines Teams hat mir schon oft wichtige Anreize für meine eigene Arbeit und Weiterentwicklung gegeben. Besonders schätze ich den fachlichen Diskurs.
Diese Sätze nehme ich Dir uneingeschränkt ab... auch wenn sie vielleicht noch nicht 100%ig nach Behörde klingen, sind sie definitiv viel, viel näher an einer zu Dir passenden Lösung als irgendeine platte Fussballspieler-Herrlichkeit. Alternativ, bzw. ergänzend:
biologin hat geschrieben:Zu meinen Aufgaben als Laborleiterin bei der Firma xxx gehörten Akuttests an Zooplankton, Makrozoobenthos, Fischen und Phytoplankton.
Wenn Du die Leiterin warst, muss es doch auch andere Beteiligte gegeben haben? Wie sah die Zusammenarbeit hier aus?
biologin hat geschrieben:An der Planung sowie der Durchführung der verschiedenen Versuchsreihen, der Ergebnisauswertung, der Darstellung sowie der Präsentation war ich ebenfalls maßgeblich beteiligt
Dito. Wenn Du "beteiligt" warst, muss es auch hier Personen gegeben haben, mit denen zusammen Du - ggf. im weiteren Sinne - ein "Team" gebildet hast, oder?

Ich bin mir absolut sicher, dass irgendwo zwischen diesen sympathischen Äusserungen ein Statement schlummert, inwiefern sich die persönliche Zusammenarbeit mit Dir ebenso angenehm wie zielführend gestaltet. Ohne die geringste Übertreibung und auch nur ein in Deinen Ohren "falsches" Wort. Tip: Vermutlich ist es eine Formulierung, die KEINS der Schlagwörter beinhaltet, die man Dir empfohlen hat... ;-)
biologin hat geschrieben:Machen Ehrenamte wirklich einen schlechten/unprofessionellen Eindruck? :(
Das habe ich nicht gesagt... und weisst Du, was ich interessant finde? Ich konnte mich an das Wort "Ehrenamt" in Deinem Schreiben nicht erinnern. Ich hatte nur "Vereine" im Hinterkopf... und wusste noch, dass ich lachen musste, als ich bei der "themenzentrierten Arbeit" dort sofort selbstgestickte Wimpel und den Anschlag des Bierfasses vor Augen hatte... ;-)

Will sagen: Ich würde verschiedene positive Aspekte nach Möglichkeit nie vermischen, sondern jeweils für sich wirken lassen. Die fachliche Zusammenarbeit würde ich in fachbezogenen Themen ansprechen... und mein ehrenamtliches Engagement in einer schönen Extra-Rubrik im Lebenslauf glänzen lassen. Ich glaube BTW, dass dieses gerade in einer Kommune echte Extra-Punkte bringt!
biologin hat geschrieben:Oh Mann, ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr mich diese Selbstvermarktung nervt.
Ich mag sie auch nicht... finde aber, dass Du Dich umso weiter davon entfernst, je themenzentrierter (!!!) und phrasenfreier Du Dich äusserst! Was mir selbst auch immer dabei geholfen hat: Die Vorstellung, dem Leser mit sehr bewusst ausgesuchter und ganz besonders verständlich dargestellter Information eine echte Hilfestellung zu seiner bestmöglichen Entscheidung zu geben... ;-)
biologin hat geschrieben:ich bin kein perfekter Mensch. Nicht jede meiner Schwächen ist eine Stärke, manche sind tatsächlich einfach nur nervig für andere.
Wunderbare Sätze... und das meine ich ernst! Ich glaube auch weder, dass irgendjemand Perfektion bei irgendeinem Menschen für möglich hält - noch dass irgendwer mit solch einem Menschen zu tun haben wollte. Natürlich gibt es echte Schwächen... und dieses "Schwächen-zu-Stärken-machen" ist m. E. auch das Albernste, was der Bewerbungsbetrieb zu bieten hat. Ich glaube auch nicht, dass eine Doktorin Dir solch eine Frage stellen wird. Die weiss selbst ganz genau, dass sie persönlich Berge von echten Schwächen hat... und dass diese sie nicht an ihrer Arbeit hindern... ;-)
biologin hat geschrieben:Aber dass ich die Biologie liebe, kann ich ja auch nicht so aufschreiben.


Einfach so in den Raum geschrieben wäre dies wohl wirklich etwas zusammenhanglos. Aber schreib (unabhängig von dieser Bewerbung) ruhig einmal auf, was Du an der Biologie so liebst... warum Du das tust und wie sich das äussert. Möglich, dass Dich das auf interessante Gedanken bringt. Frag mich nicht, was für welche... ;-)
biologin hat geschrieben:Wahrscheinlich fliege ich sowieso sofort raus, weil meine Noten nicht konsistent sehr gut sind und weil cih wzei Kinder habe *seufz*
Glaube ich nicht... weil ungebundene Überflieger sich m. E. niemals im Leben bei einer Stadtverwaltung bewerben würden. Und wenn sie es täten, wäre sich jeder sicher, dass sie in kürzester Zeit wieder weg sind. Alles viel zu eng und viel zu reglementiert, um ein Genie auf Touren zu bringen... vom Nebenaspekt begrenzter Verdienstmöglichkeiten mal abgesehen. Bei durchschnittlichen Leistungen in Verbindung mit Kindern und nicht allzu rosiger Finanzlage ist die Behörde dagegen eine Perspektive, in die man gerne investiert... ;-)
biologin hat geschrieben:Gibt es wirklich Leute, die sich gerne mit Bewerbungen beschäftigen?
Auf jeden Fall... vor allem, wenn man selbst nicht der Bewerber ist... ;-)
biologin hat geschrieben:ich schreibe mal die nächste Version.
Bin gespannt... ;-)

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