Eltern im Lebenslauf angeben oder nicht?

Es besteht für dich keine Pflicht, deine Eltern im Lebenslauf anzugeben; genauso wenig wie du deine Geschwister im Lebenslauf angeben musst. Eltern im Lebenslauf ist eine Kann-Angabe in absoluten Ausnahmefällen für Schüler, die sich um ein Praktikum, eine Ausbildung oder ein duales Studium bewerben. Leider verbreiten noch viel zu viele Lehrer diesen Bewerbungsmythos, dass die Eltern immer im Lebenslauf angegeben werden müssen. Warum das so pauschal nicht stimmt und welche Ausnahmen es gibt, erfährst du in diesem Artikel.

Wann ist die Angabe der Eltern im Lebenslauf sinnvoll?

Je mehr der folgenden Aussagen auf dich zutreffen, desto eher kannst du auch deine Eltern im Lebenslauf angeben:

  • Du bist noch Schüler und bewirbst dich um ein Praktikum, eine Ausbildung oder ein duales Studium.
  • Du hast keine oder nur eine einzige praktische Erfahrung.
  • Du kannst weder schulisches noch außerschulisches Engagement vorweisen.
  • Du hast keine belegbaren besonderen Kenntnisse, die über das normale Maß hinausgehen, vor allem hinsichtlich IT- und Sprachkenntnissen.
  • Du willst deinen Lebenslauf aufgrund folgender Fälle aufwerten: ähnliches Berufsfeld, identischer Arbeitgeber, angesehener Elternberuf oder entfernte Bekanntheit der Eltern in Umgebung.

In folgenden Fällen kannst du als Schülerin deine Eltern im Lebenslauf mit Beruf angeben:

Vergleichbares Berufsfeld

Du bewirbst dich um ein Berufsfeld, in denen auch deine Eltern tätig sind. Denn der eine oder andere Personaler geht durchaus davon aus, dass ein Bewerber aus den Berufszweigen des Elternhauses etwas mitbekommen hat oder ein berufliches Talent „weitervererbt“ wurde. Diese Annahmen haben ihre Berechtigung, denn natürlich wird ein Mensch stark durch die familiäre Herkunft geprägt.

Wenn ein Elternteil beispielsweise Polizist ist und du auch eine Polizei-Ausbildung anstrebst, dann ist eine Nennung der Eltern möglich. Alternativ kannst du diesen Fakt aber auch im Anschreiben als eine Motivation für deine Berufswahl formulieren.

Identischer Arbeitgeber

Wenn du dich bei einem Arbeitgeber bewirbst, bei dem dein Vater oder deine Mutter auch schon (lange) arbeiten, dann kannst du diesen Fakt mit der Nennung der Eltern im Lebenslauf angeben. Gib dann unbedingt auch den Arbeitgebernamen an.

Allerdings ist ein Verweis darauf auch im Anschreiben sinnvoll, weil du dann auch schreiben kannst, was deinen Eltern so gut am Arbeitgeber gefällt. Lies dazu auch den Artikel zur Bewerbung auf Empfehlung durch Verwandte und Bekannte.

Hoch angesehene Berufe

Du kannst als Praktikums-, Ausbildungsplatz- und Studienplatzbewerberin die Vitamin-B-Trumpfkarte spielen, wenn deine Eltern gesellschaftlich hoch angesehene Berufe ausüben (zum Beispiel Richter, Professoren, Ärzte). Du musst dich allerdings fragen, ob du wirklich unbedingt auf dem Eltern-Ticket zum Erfolg kommen willst.

Der Berufe-Zusammenhang ist natürlich für einen Personalverantwortlichen längst nicht alleine ausschlaggebend; letztendlich kommt es auf die Qualifikationen, die Leistungen und das Auftreten des Bewerbers an. Aber bei sehr vielen gleich qualifizierten Bewerbern, was bei jungen Bewerbern oft der Fall ist, können hoch angesehene Berufe der Eltern schon eine Rolle bei der Einladung zu einem Vorstellungsgespräch spielen.

Bekannte Eltern

In ländlichen Regionen kennt jeder jeden – mehr oder weniger. Das kannst du dir zunutze machen, wenn du dich in der Umgebung um ein Praktikum oder um eine Ausbildung bewirbst. Dann wissen die Bewerbungsempfänger schneller, wem sie dich zuordnen können und du profitierst eventuell von der guten Reputation deiner Eltern.

Aber bedenke auch immer bei der freiwilligen Erwähnung der Eltern im Lebenslauf, dass diese Angabe auch zur Vermutung führen kann, dass du unselbstständig bist und besonders mit deinen Eltern punkten willst. Das kommt auch nicht bei allen Bewerbungsempfängern gut an.

Tipp: über Berufswelt mit Eltern diskutieren

Was weißt du wirklich über den Beruf und die Arbeit deiner Eltern? Unterhalte dich doch mal ausführlich mit deinen Eltern über ihre Berufsfindung, ihren Berufsweg, ihre derzeitigen Aufgaben, die Zusammenarbeit mit anderen Menschen, die Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten. So eine Diskussion kann dir als junger Mensch bei deiner eigenen Berufswahl helfen.

Angabe der Eltern in der Rubrik „Persönliche Daten“

Wenn du deine Eltern bzw. einen Elternteil im Lebenslauf angeben willst, dann ist die Hauptrubrik „Persönliche Daten“ der richtige Ort dafür. Als Bezeichnung für die linke Spalte ergibt sich automatisch „Eltern“. In der rechten Spalte kannst du dann den Vor- und Zunamen, den jeweiligen Beruf und gegebenenfalls den Arbeitgebernamen angeben. Einige Bewerber geben auch das Alter der Eltern an, was aber nicht empfehlenswert ist.

Alternativ kannst du auch nur von „Mutter“ und „Vater“ schreiben und das Alter weglassen. Dann sind die persönlichen Daten deiner Eltern geschützt. Ein Eintrag der Eltern im tabellarischen Lebenslauf kann dementsprechend folgendermaßen aussehen:

Persönliche Daten

ElternBarbara Berger, Polizistin

Bernd Berger, Altenpfleger

Wenn du die persönlichen Daten deiner Eltern schützen willst, dann lasse die Namensnennung weg:

Persönliche Daten

ElternMutter: Polizistin

Vater: Altenpfleger

Bei einem ausführlichen Lebenslauf formulierst du die obigen Angaben einfach aus. Auf den Wohnort, den Familienstand der Eltern oder den Geburtsnamen der Mutter brauchst du nicht gesondert eingehen.

Formulierung im Anschreiben

Gegebenenfalls kannst du eine berufliche „Familientradition“ auch alternativ im Anschreiben zur Darstellung deiner Motivation aufgreifen:

„Aufgrund der Tätigkeit meines Vaters als Altenpfleger bin ich über die Arbeitsbedingungen und die täglichen Aufgaben sehr gut informiert.“

„Der Beruf meiner Mutter als Polizistin hat mich für dieses verantwortungsvolle und abwechslungsreiche Beschäftigungsfeld sehr begeistert.“

„Da mein Vater IT-Spezialist ist, lernte ich in jungen Jahren nicht nur den Umgang mit Anwendungsprogrammen, sondern auch die Funktionsweise von IT-Technik. Nun strebe ich eine Ausbildung im IT-Bereich an, um noch mehr zu lernen.“

FAQ zu Eltern im Lebenslauf

Muss der Beruf der Eltern im Lebenslauf angegeben werden?

Wenn du schon deine Eltern im Lebenslauf erwähnst, dann ist die Erwähnung eigentlich nur mit der Angabe des Berufs sinnvoll. Wenn du nicht mit dem Beruf der Eltern für dich „werben“ willst, dann ist die Angabe der Eltern im Lebenslauf völlig sinnlos.

Welchen Beruf der Eltern im Lebenslauf angeben?

Wenn du den Beruf deiner Eltern aus guten Gründen angeben willst, dann stellt sich oft die Frage, ob der erlernte Beruf oder die aktuelle Tätigkeit besser ist. Wenn du dich in einem vergleichbaren Berufsfeld bewirbst, dann sollte der genannte Beruf natürlich zu deinem Berufswunsch passen.

Falls deine Eltern schon lange nicht mehr im erlernten Beruf arbeiten, dann ist die Erwähnung der aktuellen Tätigkeit sinnvoller; es sei denn, sie sind arbeitslos oder Rentner. Dann kannst du auch den erlernten Beruf angeben.

Muss das Alter der Eltern im Lebenslauf angegeben werden?

Das Alter deiner Eltern musst du nicht im Lebenslauf angeben. Falls du eine Altersangabe machen willst, dann nenne nicht das exakte Geburtsdatum, sondern nur das Alter an sich (zum Beispiel 45 Jahre).

Wie arbeitslose Eltern im Lebenslauf angeben?

Arbeitslosigkeit gehört zum beruflichen Werdegang manchmal dazu. Aber damit kannst du keine Pluspunkte sammeln. Entweder du streichst die Elternangabe oder du gibst die erlernten Berufe bzw. die letzte Berufsbezeichnung an, wenn die Elternangabe zu den obigen Ausnahmefällen gehört. Damit vermeidest du das Wort „arbeitslos“, welches beim Leser negative Assoziationen auslöst.

Wie Eltern in Rente im Lebenslauf erwähnen?

Auch wenn deine Mutter „Hausfrau“ oder dein Vater „Rentner“ sein sollte, gib lieber den erlernten Beruf oder die letzte außerhäusliche Berufsbezeichnung an. Diese Berufsbezeichnung sollte dann allerdings auch eine Ähnlichkeit mit dem eigenen Berufswunsch haben. Andernfalls ist eine Angabe der Eltern im Lebenslauf nicht sinnvoll.

Wie geschiedene Eltern im Lebenslauf erwähnen?

Du brauchst den Familienstand deiner Eltern nicht im Lebenslauf angeben. Das ist Privatsache deiner Eltern und hat den Bewerbungsleser nicht zu interessieren. Wenn du auf die Ausnahmen zurückgreifen willst, dann gibst du nur deine beiden Eltern mit Beruf an. Fertig.

Wie verstorbene Eltern im Lebenslauf angeben?

Wenn ein Elternteil verstorben ist, dann musst du diese Tatsache nicht im Lebenslauf angeben. Falls du das andere Elternteil mit Beruf angibst, dient ein kurzer Hinweis „Vater verstorben“ in Klammern allerdings manchmal dem Verständnis.

Wie Mitarbeit im elterlichen Betrieb im Lebenslauf angeben?

Wenn du als (minderjährige) Schülerin schon länger im elterlichen Betrieb mitarbeitest, zum Beispiel in der Gastronomie oder in der Landwirtschaft, dann vermerkst du diesen Fakt in der Rubrik „Praktische Erfahrungen“.

Dabei nennst du vor allem auch deine übernommenen Tätigkeiten. Und dann kannst du auf die separate Elternangabe in der Rubrik „Persönliche Daten“ verzichten.

Wie Eltern im Vorstellungsgespräch angeben?

Bereite dich darauf vor, dass du im Vorstellungsgespräch nach deinem familiären Hintergrund befragt wirst. Dann macht es sich gut, wenn du über die Berufe deiner Eltern informiert bist. Vielleicht haben sie dir auch Einblicke, Tipps und Anregungen gegeben, die deinen Berufswunsch förderten. Dann erwähne dies in einem Vorstellungsgespräch.

Warum ist die Angabe der Eltern im Lebenslauf problematisch?

Früher war es durchaus üblich, als junger Bewerber immer die Eltern im Lebenslauf zu nennen. So sollte der Arbeitgeber eine Vorstellung davon bekommen, welchen Familienhintergrund ein Bewerber hat, nach dem Motto: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ 

Besonders in der Schule wird von Lehrern auch heute noch häufig gelehrt, immer die Eltern und die Geschwister im Lebenslauf anzugeben. Eine nachvollziehbare Begründung gibt es dafür wohl nicht so richtig, außer dass der Lebenslauf von Schülern ohne diese Angaben meistens ziemlich leer aussehen würde.

Mit einer erzwungenen Angabe der Eltern im Lebenslauf werden allerdings gerade diejenigen jungen Menschen bestraft, die einen schwierigen Familienhintergrund haben, für den sie nichts können. Die Angabe von Eltern im Lebenslauf kann für viele Schüler auch negative Auswirkungen haben, wenn die Familienverhältnisse von den Bewerbungslesern – und sei es nur unbewusst – bewertet werden.

Dann kann der ausländisch klingende Name, ein großer Altersunterschied, ein schon verstorbenes Elternteil, geschiedene Eltern, Adoptiveltern, unbekannter Vater, verschiedene Nachnamen der Eltern, gleichgeschlechtliche Eltern, keine oder „einfache“ Berufe der Eltern eher negativ interpretiert werden. Und solche Familienverhältnisse sind wohl heutzutage eher die Regel als die Ausnahme.

Mit einer Pflicht zur Angabe der Eltern im Lebenslauf werden Schüler für die eher „problematischen“ Familienverhältnisse und gesellschaftlichen Diskriminierungen in Haftung genommen, obwohl sie dafür nicht verantwortlich sind.

Neben dem Gleichbehandlungsgrundsatz spricht auch der Datenschutz gegen eine Erwähnung der Eltern im Lebenslauf: Was geht fremden Personen die Namen, das Alter und die Berufe der Eltern an? Erst mal nichts! Eine Elternangabe solltest du daher immer genau abwägen.

Schlussgedanken zur Angabe der Eltern im Lebenslauf

Viele Bewerber stellen sich bei der Gestaltung des Lebenslaufs die Frage, ob die Eltern noch im Lebenslauf angegeben werden müssen oder nicht. Die Antwort ist ganz einfach: nur in wenigen Ausnahmefällen bei jungen Bewerbern. Es besteht keine Pflicht zur Angabe der Eltern genauso wenig wie zur Angabe der Geschwister im Lebenslauf.

Allerdings kann die Angabe der Eltern im Lebenslauf unter Umständen bei einer Bewerbung um einen Ausbildungs-, Praktikums- oder Studienplatz sinnvoll sein. Besonders wenn die Berufe der Eltern in einem Zusammengang mit deinem Berufswunsch stehen, hast du diese Option. Aber es ist keine absolute Notwendigkeit.

Falls du noch spezielle Fragen zur Angabe der Eltern im Lebenslauf hast, dann hinterlasse gerne einen Kommentar oder schreibe einen Beitrag im Bewerbungsforum.

Bei Fragen bitte kommentieren!

Noch Fragen?

Wenn du noch Fragen hast, dann hinterlasse gerne einen Kommentar. Als Alternative kannst du auch im Bewerbungsforum einen Beitrag verfassen. Viel Erfolg beim Bewerben!

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