Nachbereitung eines Vorstellungsgesprächs: reflektieren + auswerten

Mit der Beendigung eines Vorstellungsgesprächs ist diese Bewerbungsphase noch nicht beendet. Denn du hast viele Informationen gesammelt, die du nun verarbeiten und bearbeiten kannst. Diese Informationen sind wichtig, um selbst eine Entscheidung über eine Zusage zu treffen und gegebenenfalls für andere Vorstellungsgespräche zu lernen. Aber grundsätzlich heißt es auch: schnaufe mal durch und lobe dich selbst für deinen bisherigen Erfolg. Es tut dir sicherlich gut, nach einem Vorstellungsgespräch auch etwas zu entspannen, um neue Kräfte für die kommenden Aufgaben zu sammeln.

Inhaltsverzeichnis zum Vorstellungsgespräch nachbereiten

Deinen Gefühlen nach dem Vorstellungsgespräch Raum geben

Nach einem Vorstellungsgespräch kannst du deinen Gefühlen freien Lauf lassen. Manchmal bist du einfach nur erleichtert, das Vorstellungsgespräch überstanden zu haben. Ein anderes Mal ärgerst du dich dagegen richtig, weil du glaubst, dass deine Antworten nicht optimal gewesen sind und du dich vielleicht „falsch“ verhalten hast. Oder du bist euphorisiert, weil im Vorstellungsgespräch deutlich geworden ist, dass es sich bei der offerierten Stelle um deinen absoluten Traumjob handelt.

Vielleicht bist du aber auch enttäuscht darüber, dass du dein Können und deine Motivation nicht deutlich genug darstellen konntest. Oder du bist stark verärgert, weil du zu wenig Redezeit bekommen hast oder die Gesprächspartner dir unsympathisch waren.

„Je detaillierter du deine Gefühlslage während des Vorstellungsgesprächs und unmittelbar danach reflektieren kannst, desto wichtigere Informationen erhältst du.“

Alle Gefühlslagen haben nach einem Vorstellungsgespräch ihre Berechtigung, aber du solltest nicht zu selbstkritisch sein und einen kühlen Kopf bei der Nachbereitung, Reflexion und Auswertung bewahren. Mit einer reflektierten Nachbereitung nach dem Vorstellungsgespräch erfasst du deine Gefühlslage nämlich rational. So bist du dann bestens auf die nächsten Schritte vorbereitet und triffst nach bestem Wissen und Gewissen eine optimale Entscheidung für deine berufliche Zukunft.

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Vorteile der schriftlichen Nachbereitung eines Vorstellungsgesprächs

Gefühle und Stimmungen haben also ihre Berechtigung, aber nur wenn du ihnen näher auf den Grund gehst, kannst du daraus einen Nutzen ziehen. So solltest du das Vorstellungsgespräch möglichst zeitnah genauer reflektieren, indem du deine Eindrücke schriftlich festhältst. So eine Reflexion hat viele Vorteile:

  • Du hast damit alle wichtigen Fakten zum Ablauf, zur Gesprächsatmosphäre, zu kritischen Punkten oder zu Konditionen auf einen Blick.
  • Außerdem erkennst du mit einer schriftlichen Nachbereitung auch recht schnell, ob dir wichtige Informationen fehlen, um beim Arbeitgeber (theoretisch) sofort anfangen zu können.
  • Bei Vorstellungsgesprächen bei mehreren Arbeitgebern behältst du mit deinen schriftlichen Ausarbeitungen besser den Überblick und hast wichtige Informationen schwarz auf weiß vorliegen.
  • Generell kannst du mit Hilfe schriftlicher Nachbereitungen auch verschiedene Arbeitgeber miteinander vergleichen.
  • Schlussendlich ist die Nachbereitung für eine generelle Vorbereitung auf zukünftige Vorstellungsgespräche sinnvoll.
  • Wenn nach dem ersten noch ein zweites Vorstellungsgespräch folgen wird, dann kannst du bei der Vorbereitung darauf wichtige Informationen noch einmal nachlesen.

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Mit folgenden Fragen dein Vorstellungsgespräch reflektieren

In der Regel absolvierst du im Rahmen deines Bewerbungsprozesses mehrere Vorstellungsgespräche. Damit du bei einer höheren Anzahl von Vorstellungsgesprächen nicht den Überblick verlierst, erstellst du zu jedem Vorstellungsgespräch schriftliche Notizen: am besten noch am selben Tag, spätestens am darauffolgenden Tag.

„Du wirst vielleicht denken, dass so eine schriftliche Nachbereitung ziemlich viel Arbeit macht. Aber je mehr du über das Vorstellungsgespräch reflektierst, desto bewusster kannst du eine Entscheidung treffen, die sich als richtig erweist.“

Mit einer schriftlichen Nachbearbeitung hast du auch noch nach Wochen alle wichtigen Informationen zur Hand, die du dann zur Vorbereitung auf ein zweites Vorstellungsgespräch beim selben Arbeitgeber oder generell für deine zukünftigen Vorstellungsgespräche sowie deine endgültige Entscheidung für einen Arbeitgeber nutzen kannst.

Nimm die Stift und Papier oder öffne deine Textverarbeitung bzw. deine bevorzugte Organisations- oder Notiz-App und beantworte die folgenden Fragen:

  • Welche Gefühle verbinde ich mit dem Vorstellungsgespräch?
  • Was habe ich über den Arbeitgeber und die Stelle erfahren? Entsprechen die Informationen meinen Vorstellungen?
  • Wie empfand ich die allgemeine Gesprächsatmosphäre und den gesamten Ablauf des Vorstellungsgesprächs?
  • Wie wirkten die Gesprächspartner auf mich?
  • Welchen Eindruck habe ich wohl selbst bei den Gesprächspartnern hinterlassen?
  • Welche Fragen konnte ich überzeugend beantworten?
  • Bei welchen Fragen war meine Beantwortung nicht so überzeugend? Woran lag das?
  • Konnte ich die Argumente für meine Eignung gut darstellen?
  • Mit welchen Argumenten konnte ich am besten überzeugen?
  • Konnte der Arbeitgeber mich von einer Mitarbeit überzeugen?
  • Welche Vor- und Nachteile bietet mir die Stelle bei genau diesem Arbeitgeber?
  • Was spricht für und was spricht gegen den Arbeitgeber?
  • Was weiß ich über die Arbeitsorganisation und das zukünftige Arbeitsteam und den potentiellen Vorgesetzten?
  • Bin ich mit den thematisierten und unter Umständen vereinbarten Konditionen einverstanden?
  • Welche unbeantworteten Fragen ergeben sich noch für mich?

So eine ausführliche schriftliche Nachbereitung mag auf den ersten Blick aufwändig erscheinen, aber wenn du deine Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber nicht nur aus dem Bauch treffen willst, dann ist so eine Ausarbeitung die bessere Entscheidungsgrundlage. Außerdem vergisst du damit relevante Informationen auch nicht so schnell.

Denn oftmals sagen Bewerber einem Arbeitgeber aus einem reinen Bauchgefühl heraus zu, obwohl objektiv gesehen noch sehr viele Fragen offen sind. Dann kommt das böse Erwachen spätestens in der Probezeit, wenn beispielsweise das Aufgabenfeld viel umfangreicher als gedacht ist oder keine Einarbeitung erfolgt. Mit einer Nachbereitung beugst du diesem Frust möglichst vor. Du kannst die schriftliche Auswertung dann auch gegebenenfalls ausdrucken und in deinen Bewerbungsordner heften.

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Wichtige Informationen einholen und nachreichen

Wenn sich bei deiner Nachbereitung herausstellt, dass für dich wichtige Fragen im Vorstellungsgespräch noch nicht geklärt wurden, dann nimm mit deinen Gesprächspartnern Kontakt per Telefon oder E-Mail auf. Das ist dein gutes Recht. Wenn du allerdings sowieso schon ein zweites Vorstellungsgespräch vereinbart hast oder die Fragen nicht so wichtig sind, dann kannst du auf eine Kontaktaufnahme verzichten.

Ein erneuter Kontakt ist allerdings auch dann notwendig, wenn im Vorstellungsgespräch vereinbart wurde, bestimmte Informationen oder Bewerbungsdokumente nachzureichen. Dieses Nachreichen kannst du dann auch gut mit einem Dankschreiben kombinieren, wenn der Versand möglichst zeitnah erfolgt.

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Individuelles Dankesschreiben erstellen

Nach einem Vorstellungsgespräch kannst du dich noch einmal beim Arbeitgeber schriftlich per E-Mail oder per Post bedanken. So ein Dankesschreiben ist keine Pflicht. Aber versende es vor allem bei solchen Arbeitgebern, die dich überzeugt haben und bei denen du gerne arbeiten möchtest. Ein Dankschreiben verschickst du am besten innerhalb von drei Tagen nach dem Vorstellungsgespräch verschicken.

Manchmal wirst du am Ende des Vorstellungsgespräches auch um eine zeitnahe Rückmeldung gebeten. Dann ist ein Dankschreiben die ideale Möglichkeit, um mit dem Arbeitgeber in Kontakt zu bleiben. Allerdings reicht es nicht aus, ein inhaltsloses Dankesschreiben mit einem einzigen Satz zu schreiben, stattdessen braucht es inhaltliche Substanz.

„Ein Dankesschreiben solltest du möglichst innerhalb von drei Tagen nach dem Vorstellungsgespräch verschicken.“

Dein Dankesschreiben sollte so individuell wie möglich sein. Diese Individualität erreichst du am besten, wenn du auf konkrete Gesprächsinhalte eingehst: was gefällt dir am Arbeitgeber und an den Aufgaben der Stelle besonders? Welche Qualifikationen, Kenntnisse und Stärken bringst du mit, um diese Stelle ganz besonders gut auszufüllen? Außerdem kannst du auch kurz auf im Vorstellungsgespräch aufgeworfene Fragen eingehen oder selbst noch einmal dir wichtige Sachverhalte vorbringen.

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Vorstellungsgespräch nachbereiten: Den Arbeitgeber um Feedback bitten

Gerade wenn du noch nicht so viele Erfahrungen mit Vorstellungsgesprächen hast, kann es für dich hilfreich sein, beim Arbeitgeber um ein Feedback zu bitten. So kannst du daraus lernen. In der Regel endet ein Vorstellungsgespräch nämlich eher mit einer abrupten Verabschiedung. Mit einer Bitte um Feedback zeigst du, dass du reflektiert und lernfähig bist.

Diese Bitte um ein Feedback sollte zeitnah zum Vorstellungsgespräch erfolgen, denn wenn du erst eine Absage erhältst, dann sind die Arbeitgeber nicht mehr sehr auskunftsfreudig, weil sie keine Angriffspunkte für eine Klage bezüglich einer vermeintlichen Diskriminierung bieten wollen.

Überlege dir vorher gut, was du fragen willst. Nur wenn deine Feedback-Bitte Substanz hat, wird sie auch positiv wahrgenommen. In einem Telefonat stellst du dich kurz vor, sodass der Gesprächspartner sich an dich erinnern kann. Gehe dann auf konkrete Gesprächsinhalte ein und gib dem Arbeitgeber ein kurzes Feedback, wie du das Vorstellungsgespräch empfunden hast.

Danach fragst du selbst nach einem Feedback über deine Person, was du gut und schlecht gemacht hast, welchen Eindruck du hinterlassen hast und worauf du vielleicht beim nächsten Mal achten solltest. Wenn du das Feedback nicht telefonisch einholst, dann kannst du so eine Bitte um ein Feedback mit einem individuellen Dankesschreiben verbinden.

Es werden dir zwar nur die wenigsten Arbeitgeber ein ausführliches Feedback geben, aber manchmal hast du doch Glück. Dann erhältst du mit der Antwort sachliche Tipps, die dir oft tatsächlich weiterhelfen.

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Eine optimale berufliche Entscheidung treffen

Die Einstellung hängt sowohl von deiner als auch von der Entscheidung des Arbeitgebers ab. Aber nur weil ein Arbeitgeber dich einstellen möchte, solltest du dich dadurch nicht unter Druck gesetzt fühlen. Mit der schriftlichen Nachbereitung schaffst du eine breite Informations- und Entscheidungsgrundlage für dich.

„Mit einer ausführlichen Nachbereitung deiner Vorstellungsgespräche triffst du eine bessere Entscheidung über deine Zusage oder Absage.“

Wenn diese Nachbereitung dann auch dein Bauchgefühl bestätigt, dann hast du schon eine Richtung für deine eigene Entscheidung gefunden, ob dir eine Stelle zusagt oder nicht. Wenn du mehrere Vorstellungsgespräche durchgeführt hast, musst du unter Umständen noch eine Reihenfolge der potentiellen Stellen erstellen, die dir zusagen.

Falls du aber unentschieden bist oder generell die schriftliche Nachbereitung viele Widersprüche aufdeckst, dann ist eine nähere Analyse notwendig. Eine überlegte Abwägung der Vor- und Nachteile einer Stelle und eines Arbeitgebers kann dir bei deiner eigenen Entscheidung enorm helfen. Dazu musst du allerdings erst einmal darlegen, was dir bei einer Stelle und bei einem Arbeitgeber überhaupt wichtig ist. Anhand dieser Kriterien kannst du dann die jeweilige Stelle bewerten.

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Schlussbemerkung zur Nachbereitung des Vorstellungsgesprächs

Nach dem Vorstellungsgespräch hast du schon ein Bauchgefühl, wie es gelaufen ist. Oftmals kannst du den Erfolg des Vorstellungsgesprächs aber nicht gleich einordnen, sodass du hin- und hergerissen bist. Sei aber nicht zu kritisch mit dir selbst. Je konstruktiver du mit dieser Situation umgehst, desto mehr kannst du daraus lernen. Dabei hilft dir eine schriftliche Nachbereitung des Vorstellungsgesprächs sehr.

Falls du noch weitere Fragen hast, dann schreibe gerne einen Kommentar oder einen Beitrag im Bewerbungsforum.

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